Facharztausbildung: Eintrag ins Lügbuch

7. September 2016
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Wer Facharzt werden will, muss nicht nur das Abfertigen von Patienten lernen, sondern viele spezielle Untersuchungsmethoden. Doch Assistenzärzte sind im Stationsalltag eingespannt. Beim Nachweis von Kenntnissen wird daher systematisch getäuscht.

In einem kleinen Krankenhaus begann Anton Clausner* seine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin. Da wurde ihm ziemlich schnell klar: Vieles von dem, was zur Facharztausbildung gehörte, würde im Alltag nicht zu schaffen sein. Den ganzen Tag über musste er auf der Station arbeiten. Für die 400 Ultraschalluntersuchungen des unteren Abdomens, die seine Landesärztekammer in ihren Richtlinien fordert, blieb ganz einfach keine Zeit. Ohnehin hätte er Anleitung benötigt: „Es gab aber auch niemanden, der es mir beigebracht hätte‟, sagt Clausner.

Für 400 Euro buchte er einen einwöchigen Kurs, in dem die Grundlagen vermittelt wurden. „Immerhin wurde ich dafür freigestellt. Das ist anderswo nicht einmal üblich‟, sagt Clausner. Anstelle von Patienten untersuchten sich die Assistenzärzte im Kurs gegenseitig: „Kennen gelernt habe ich also vor allem Normalbefunde‟, sagt er. Die Ultraschalluntersuchung echter Patienten versuchte er sich danach notdürftig selbst beizubringen, was schwierig war: Denn nach 18 Uhr, wenn alles, was so anfiel, erledigt war, konnte er dafür keine Patienten mehr einbestellen. „Und irgendwann will man ja auch mal nach Hause.‟

Falsche Zahlen im Logbuch

Angehende Fachärzte müssen in Logbüchern dokumentieren, dass sie eine bestimmte Anzahl von Untersuchungen durchgeführt haben. Diese gelten als Fähigkeitsnachweis. Wer 400 oder 500 Mal ein Abdomen per Ultraschall untersucht hat, weiß wie es geht, so die Idee dahinter. Die Zahlen müssen vom Weiterbildungsbefugten abgezeichnet werden. Doch häufig werden falsche Werte eingetragen und trotzdem vom Chefarzt bestätigt: Zum einen, weil der selbst weiß, dass vieles gar nicht zu schaffen ist. Zum anderen, weil er die Assistenzärzte lieber im Stationsalltag einsetzt, als sie für das Erlernen spezieller Untersuchungsmethoden freizustellen.

Auch Clausner wurde von seinen Kollegen empfohlen, einfach die benötigten Richtzahlen ins Logbuch einzutragen und gegenzeichnen zu lassen. Selbst der Chefarzt hatte gesagt: „Sie wissen ja, was sie brauchen.‟ „Mir war das etwas unangenehm‟, gesteht der junge Arzt. Er entschied sich, mehr Stunden einzutragen, als er absolviert hatte, aber nicht zu übertreiben – in der Hoffnung sie später nachholen zu können. Er weiß, der Chefarzt hätte auch mehr abgezeichnet, obwohl eigentlich klar war, dass die Zahlen unrealistisch waren. „Das läuft im stillschweigenden Einverständnis und ist ganz einfach die gängige Praxis‟, sagt Clausner.

Assistenzärztin Meike Sandmann* hatte ähnliche Probleme, ihren Richtzahlsoll zu erfüllen. Für ihre Facharztausbildung arbeitete sie über ein Jahr lang auf einer geriatrischen Station, deren Chefarzt die Befugnis zur Weiterbildung in Neurologie hatte. Für den Facharzt in Neurologie hätte sie neurophysiologische Untersuchungs- und Behandlungsmethoden lernen und hundertfach durchführen müssen. Doch der Stationsalltag sah anderes vor.

Zwischen Besprechungen und Visite nahm Sandmann Patienten auf, dazu kamen Angehörigengespräche und Notfälle. Den Rest des Tages war sie damit beschäftigt, Entlassungsbriefe fertig zu machen. „Wäre die Arbeit liegen geblieben, hätte es am nächsten Tag Stress mit dem Pflegepersonal gegeben,‟ sagt Sandmann. Duplexsonographien der Carotiden oder EEG– Untersuchungen – die hätte sie gerne gemacht. Doch es fehlte einfach die Zeit. Ein Chefarzt empfahl ihr, sich erst einmal in der Freizeit Hintergrundwissen anzulesen, danach „könne sie dann mal der MTA über die Schulter schauen.‟ Doch als alleinerziehende Mutter musste Sandmann neben dem Vollzeitjob ein Kind versorgen, und konnte sich nicht auch noch am Feierabend weiterbilden.

Zum Schummeln genötigt

Mehrfach suchte sie das Gespräch mit dem Chef und arbeitete gemeinsam mit den anderen Assistenzärzten ein Rotationssystem aus, wonach jeder wenigstens ½ Stunde wöchentlich im EEG hätte verbringen können. Der Chef ging auf diesen Vorschlag aber nicht ein. Es wurde Sandmann sogar zum Verhängnis, dass sie so oft auf die fehlenden Untersuchungen hingewiesen hatte. Denn am Ende trug ihr Vorgesetzter die benötigten Stunden tatsächlich auch nicht in das Logbuch ein. „Wahrscheinlich war ich zu ehrlich‟, sagt sie heute. „Ich hätte dreister sein sollen und einfach sagen, ich hätte das alles gemacht. Die anderen machen das schließlich auch.‟

Offiziell haben Fachärzte alle Erfahrungen gesammelt, die ihnen das Logbuch bescheinigt – in der Realität mangelt es aber oft bei bestimmten Untersuchungsmethoden an Praxiserfahrung. Und junge Ärzte werden sogar zum Schummeln genötigt, um den Facharzt abschließen zu können. Zum Wohl der Patienten kann das nicht erwünscht sein. Wie kann es sein, dass niemand etwas gegen ein so weit verbreitetes Problem unternimmt?

Ärztekammer weicht aus

Bei der Ärztekammer Nordrhein weicht man auf solche Fragen hin aus. In der letzten Evaluation der Ärztekammer Nordrhein habe sich gezeigt, „dass die Mehrzahl der Fachärzte mit ihrer Weiterbildung zufrieden war‟, sagt Susanne Schwalen, die geschäftsführende Ärztin. Wenn „die Qualität der Weiterbildung oder deren Organisation‟ Anlass für Beschwerden gebe, stehe die Ärztekammer als Mediator zur Verfügung. Assistenzärzten empfiehlt sie, sich zusammenzutun. Nicht zuletzt seien diese als erwachsene Menschen auch selbst in der Verantwortung, eine gute Weiterbildung einzufordern – notfalls solle man eben woanders hin wechseln.

Doch durch ein Engagement der Assistenzärzte allein lässt sich das Grundproblem nicht lösen. Im Gegenteil, wie das Beispiel von Sandmann beweist: Wer zu laut auf die fehlende Richtzahlen hinweist, ist gegenüber denen im Nachteil, die sich stillschweigend fiktive Werte abzeichnen lassen. „Man ist eben abhängig beschäftigt und auf den Goodwill der Chefs angewiesen‟, sagt Anton Clausner. Keiner will sich ernsthaft mit dem Vorgesetzten anlegen – erst recht nicht, wenn der ohnehin alles im Logbuch abzeichnet. „Und man will natürlich auch nicht dauernd wechseln‟, sagt Clausner, ohnehin bestünden solche Probleme fast überall.

Im Vorstellungsgespräch würde vieles zugesichert, was dann einfach nicht stattfände. Manche Weiterbildungsstätten weisen aber auch vorab darauf hin, dass Ärzte zum Lernen nicht freigestellt werden. Im „Konzept für die Weiterbildung im Gebiet Innere Medizin‟ des Hamburger Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf heißt es zum Beispiel, eine „eindeutige Trennung von Weiterbildung und Dienstzeit‟ sei „zurzeit nicht möglich‟. Die Weiterbildung finde „vor allem als implizite Weiterbildung durch Anleitung während der Ausführung von Dienstaufgaben statt.‟

Für die Klinikchefs hat Anton Clausner aber wegen der äußeren Zwänge sogar Verständnis. Die Fallpauschalen-Abrechnung der Patienten führe dazu, dass Stationen nur äußerst dünn besetzt sind. Vielerorts werde der Betrieb nur durch die Assistenzärzte aufrechterhalten. Da sei es nicht möglich, diese freizustellen, damit sie ihr Logbuch mit Richtzahlen füllen können.

Risiko für die Patienten

Andererseits berge die Praxis ein Risiko für die Patienten: So weiß Clausner von Kollegen, die den Facharzt für Innere Medizin auf kardiologischen Stationen erwerben. Die dafür geforderten Gastroskopien würden einfach abgezeichnet – solange die Assistenzärzte offiziell Kardiologen werden wollen. Später gelten sie dennoch als Facharzt für Innere Medizin und können sich auf entsprechende Stellen bewerben. Andere Assistenzärzte berichten, dass sie plötzlich Untersuchungen durchführen sollten, die sie nicht beherrschten: Weil das Logbuch ihnen Praxiserfahrung bestätigte, die sie aber nicht hatten.

Die Befugnis zur Weiterbildung sollten daher nur Chefs erhalten, denen es ernst damit ist, den jungen Kollegen das Nötige beizubringen, findet Clausner. Dabei könne aber von den Logbüchern abgerückt werden. Vorstellbar wären regelmäßige Prüfungen, in denen ein Assistenzarzt zeigen müsse, dass er zum Beispiel ein EKG erstellen oder eine Ultraschalluntersuchung vornehmen und auswerten kann. „Wie schnell jemand eine Technik erlernt, ist ohnehin individuell. Die Richtzahlen könnte man dann getrost vergessen – die sind doch ohnehin Schwachsinn.‟

*Namen von der Redaktion geändert

213 Wertungen (4.69 ø)

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52 Kommentare:

Dr. med. Christine Schmid
Dr. med. Christine Schmid

Im deutschen System spielt Lehre und Weiterbildung keine Rolle. Dies spiegelt sich klar dadurch wider, dass Stunden für Lehre nicht bezahlt und auch nicht eingeplant werden. Ein “implizites” Lernen bei der Arbeit? Und das auch noch an einem Universitätsklinikum? Das ist ein Armutszeugnis – aber exemplarisch. Hier in Australien werden Stunden explizit als Stunden für Weiterbildung und Lehre bezahlt, Präsenz bei Vorträgen oder Sinulationskursen ist Pflicht. Die Zahlen in Logbüchern mögen teilweise illusorisch sein – wenn auf Lehre Wert gelegt wird und sich das auch im Dienstplan wiederfindet, ist es eine gute Weiterbildung aber nicht.

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Gast
Gast

bitte inklusive der bereits erfolgten Kommentare veröffentlichen … :)

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Sandy Bowkalow
Sandy Bowkalow

Veröffentlicht den Artikel im Ärzteblatt!

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Prof.Dr.Dr. Reichardt MP MD
Prof.Dr.Dr. Reichardt MP MD

Auch der Kollege ” Waterkamp” hat die Situation haarscharf wiedergegeben.
Wo ist denn nur der Eid des Hippokrates geblasen?? Die Verpflichtung das Wissen und die Ärztliche Kunst dem Lehnenden weiter zu geben ohne an den Mammon zu denken oder dem Druck des Verwaltungsleiters nachzukommen. Leider gibt es kaum noch ein Miteinander sondern immer häufiger ein gegeneinander.Deutsche Übersetzung
„Ich schwöre, Apollon den Arzt und Asklepios und Hygieia und Panakeia und alle Götter und Göttinnen zu Zeugen anrufend, daß ich nach bestem Vermögen und Urteil diesen Eid und diese Verpflichtung erfüllen werde:
den, der mich diese Kunst lehrte, meinen Eltern gleich zu achten, mit ihm den Lebensunterhalt zu teilen und ihn, wenn er Not leidet, mitzuversorgen; seine Nachkommen meinen Brüdern gleichzustellen und, wenn sie es wünschen, sie diese Kunst zu lehren ohne Entgelt und ohne Vertrag; Ratschlag und Vorlesung und alle übrige Belehrung meinen und meines Lehrers Söhnen mitzuteilen, wie auch den Schülern, die nach ärztlichem Brauch durch den Vertrag gebunden und durch den Eid verpflichtet sind, sonst aber niemandem.
Meine Verordnungen werde ich treffen zu Nutz und Frommen der Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil; ich werde sie bewahren vor Schaden und willkürlichem Unrecht.
Ich werde niemandem, auch nicht auf seine Bitte hin, ein tödliches Gift verabreichen oder auch nur dazu raten. Auch werde ich nie einer Frau ein Abtreibungsmittel geben. Heilig und rein werde ich mein Leben und meine Kunst bewahren.
Auch werde ich den Blasenstein nicht operieren, sondern es denen überlassen, deren Gewerbe dies ist.

Welche Häuser ich betreten werde, ich will zu Nutz und Frommen der Kranken eintreten, mich enthalten jedes willkürlichen Unrechtes und jeder anderen Schädigung, auch aller Werke der Wollust an den Leibern von Frauen und Männern, Freien und Sklaven.

Was ich bei der Behandlung sehe oder höre oder auch außerhalb der Behandlung im Leben der Menschen, werde ich, soweit man es nicht ausplaudern darf, verschweigen und solches als ein Geheimnis betrachten.
Wenn ich nun diesen Eid erfülle und nicht verletze, möge mir im Leben und in der Kunst Erfolg zuteil werden und Ruhm bei allen Menschen bis in ewige Zeiten; wenn ich ihn übertrete und meineidig werde, das Gegenteil.

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Mir ist gerade kotzübel geworden – wegen des Déjà-vu. Scheinbar hat sich in den letzten 20 Jahren wenig geändert. Ich durfte in den grausamen 90er Jahren erst mein AIP ableisten und mich danach durch die Assistentenzeit quälen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen (in sog. “kleinen” Häusern) war diese Zeit von den Zynismen und der Interessenlosigkeit meiner/unserer Ober- und Chefärzte geprägt.

Beigebracht wurde keinem was aus der Truppe, war auch eher nicht erforderlich, weil man alleinverantwortlich für eine 36-Bettenstation für Innere Medizin auch nach 24 Stunden Dienst ohne Schlaf sowieso nicht nach Hause gehen konnte – es gab ja sonst keinen für diese Station (grosses konfessionelles und auf seine Reputation (sic!) sehr bedachtes Lehrkrankenhaus in NRW übrigens…). Ausser Blutabnehmen, i.v.-Zugänge legen und Papierkram war nichts drin. Und selbst diese Basistätigkeiten waren nicht unter 10-12 Stunden zu erledigen. Weil man ja nebenbei auch noch einige ambulante onkologische Patienten mit ihrer palliativen Chemotherapie versorgen durfte.

Ich könnte noch seitenweise weiterschreiben und einige tiefschürfende Originalzitate von Chef- und Oberärzten einflechten, aber ich lass es lieber. Es kennt sie ohnehin jeder aus eigener Erfahrung. Im Sinne des Wiederholungszwangs – siehe Neurosenlehre der Tiefenpsychologie – wundert es ohnehin nicht, dass diese Art der professionellen Deformation durch die Ärztegenerationen hindurch immer weiter tradiert wird.

Eine mögliche Chance zur Besserung wäre, betreffenden Chefärztinnen und -ärzten die Weiterbildungsbefugnis zu entziehen. Damit kommt kein Nachwuchs mehr an die Klinik und der Zwang zum Umdenken und zur Besserung wird allein schon aus wirtschaftlichen Gründen (Bettenschliessung) evident. Aber solange diejenigen Chefs, die zusammen mit ihrer Personalverwaltung die schamlose Ausbeutung ihrer Assistenzärzte verantworten, die gleichen sind, die in den Gremien der Ärztekammern sitzen und sich ihre Weiterbildungsermächtigungen quasi selber zuschanzen, wird sich _nichts_ ändern.

Schade um unseren Beruf – eigentlich ist er der schönste der Welt.

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Joy Zierer
Joy Zierer

Richtzahlen und Vorgaben sind realitätsfern, es gibt Schnellerner und Langsamlerner, nur das Ergebnis zählt.

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Elena Steinmetz
Elena Steinmetz

Ich muss leider sagen dass es im Pflegebereich ähnlich abläuft. In der Ausbildung funktionieren Stationen nur noch Dank Schüler die hinter allem her räumen, statt zu lernen/angeleitet zu werden, Schüler werden selbstständige Tätigkeiten übergeben die sie weder machen dürfen noch sie vernünftig erlernt haben. Was man in der Zeit erlernt ist vor allem das Übergehen der Patienten und dass Hygiene- und Sicherheitsrichtlininen in der Praxis nicht umsetzbar sind. Man lernt Produktiv zu sein.
Die Einarbeitung selbst auf Intensivstationen wird aufgrund Personalmangels gekürzt und spezielle Lerntage für z.b. Notfallmanagement finden nicht statt oder werden wegen Zeitmangel nur kurz angesprochen. Vor allem den Alltag zu bewältigen ist wichtig. Der Rest ist learning by doing.
Der Supergau sind dann schlecht ausgebildete Pflegekräfte und Assistenzärte auf Intensivstationen..

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Dr. med. Irmela Eckerlin-Wirths
Dr. med. Irmela Eckerlin-Wirths

Merkwürdig: auf meinem Weg zur ärztlichen Psychotherapeutin hat mir niemand auch nur eine Supervision von 1650 bestätigt, ohne dass ich sie auch in Anspruch genommen hätte. Allerdings kosten die auch was! Ist das der Unterschied? Ich habe richtig Geld gelassen für Supervisionen und Selbsterfahrung. Da gab es keine Mauscheleien.

#45 |
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Wer und mit welchem Interesse erstellt den die Weiterbildungskataloge?
400 Sonos hier, 50 Rectoskopien da etc…. Und dann noch Eingriffe die nicht mehr gemacht werden, da vom medizinischen Fortschritt überholt.
Den Kollegen ,der sich hier mit der Bescheinigung “geholfen hat” als Betrüger zu bezeichnen, ist eine unkollegiale Frechheit.
Die Altvorderen wollen sich die Konkurrenz fernhalten – so kommt es zu diesen Katalogen, die dann noch auf den ausbeutenden Klinikalltag treffen.
Bezahlung als Assi zum Allgemeinarzt zu meiner Zeit unterirdisch, und später in der Praxis wird man mit ganz anderen Realitäten konfontiert…..Budgets, Kostenkontrolle KV Schwachsinn. Braucht sich keiner wundern, wenn dann gewisse Arztgruppen vom Aussterben bedroht sind.
Das akademische Pathos kann man sich sonstwohin stecken – aber bitte keine Kollegen beschimpfen oder Heilpraktikerausbildungen in diesen Diskurs involvieren.
Gruß aus Nürnberg.

#44 |
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Ricarda Schreiber
Ricarda Schreiber

Das Problem liegt doch in der zunehmenden Ökonomisierung der Medizin. In Zeiten von Fallpauschalen und Verweildauern (die z.T. “zur Orientierung” auf den Visitenplänen stehen…) wird v.a. beim Personal gespart. Fachärzte sind teuer – Assistenten billiger. (Je “frischer” desto besser). Also warum eigentlich die Ausbildung voran treiben? Dass ein Assistent billiger ist, damit Zeit für seine Ausbildung investiert werden kann, scheint den Chefärzten nicht bewusst zu sein – oder nicht gewollt. Zusätzliche (unbezahlte) Überstunden für eine gute Ausbildung? In welcher Zeit leben wir?
Ich schätze auch in der Medizin rollt ein riesiger Generationskonflikt auf uns zu, den zumindest im Moment noch keiner zu lösen bereit scheint.

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Dr. med.univ. Richard Adler
Dr. med.univ. Richard Adler

Leider immer noch prall aus dem Leben. Seit meiner Assistentenzeit hat sich nichts, aber auch gar nichts geändert!

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Prof.Dr.Dr. Reichardt MP MD
Prof.Dr.Dr. Reichardt MP MD

Assistenzärztin # 28
Bravo Frau Kollegin, Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen wie man so schön sagt, diese vorgegebenen Zahlen sind Absurd und in vielen Fällen gar nicht erreichbar.
Also sollten bei den Verantwortlichen die für diese Abstruse Vorgaben verantwortlich zeichnen ein Umdenken stattfinden.
Nicht Quantität, sondern intensive Qualität ist angesagt. Die Weiterbildung sollte erst dann Bescheinigt werden, wenn die/der Assistentin/Assistent die Vorgaben einwandfrei beherrscht.

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Herr Vitali Krass
Herr Vitali Krass

Haben Sie selber schlechte Zeugnis bekommen oder schlechte Zeugnis ausgestellt? Haben Sie es versucht? Ich- ja. Damals selber gekämpft um versteckte Botschaften weg zu kriegen und später von dem Richter gesagt bekommen, dass den Zeugnis für Azubi korrigiert werden sollte!
Das System lügt! Da muss man anfangen zu ändern.
Damals sagte meinen Lehrer: ” Fisch verdirbt sich vom Kopf”. Er hat Recht.

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In der Anästhesie bei uns im Haus ist jede der aufgeführten Narkosen elektronisch erfasst und nachweisbar, wer zur Facharztprüfung zugelassen wird, hat MINDESTENS das gemacht, was unterschrieben wird. Wer nach 5 Jahren noch nicht alles im Katalog voll hat, dreht einfach noch ne Runde, oder geht in einer Spezialklinik hospitieren. Ist auch nicht schlimm. Auch hier hängt es mit vom Einsatz des Einzelnen ab, wie schnell es geht, aber unsre Disziplin hats hier mit am komfortablesten, denke ich.

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Dr. med. Marc Heydenreich
Dr. med. Marc Heydenreich

In meiner Zeit der Weiterbildung zum Radiologen wurde für die FA Prüfung z.B. das Erbringen von 500 Magen-Brei-Passagen gefordert. Und das in einer Zeit als längst die Gastroskopie die Methode der Wahl war! Alleine um diese Zahl zu erreichen hätte man mindestens 5 Jahre im Magen – Darm Röntgenraum verbringen müssen…Die Zahlen waren illusorisch und öffneten der Willkür Tür und Tor.

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Eine Sache wäre meiner Meinung nach zu erwähnen: Bei manchen Untersuchungszahlen sprengt die geforderte Anzahl auch locker die Anzahl der Patienten, bei denen diese Untersuchung regulär im Krankenhaus gemacht wird (z.B. soll jeder Assistenzarzt für die Basisweiterbildung Innere/Allgemeinmedizin in der Ärztekammer Nordrhein 300 “Doppler-Sonographien der Extremitäten versorgenden und der extrakraniellen hirnver-
sorgenden Gefäße” durchgeführt haben), was einfach gar nicht der abgebildeten Versorgungsrealität entspricht – die 500 Sonographien in den 5 Jahren find ich eigentlich gerade, wenn man auch Dienste macht, durchaus machbar, weil es sich um eine klassische Basisuntersuchung handelt – aber ein Doppler ist definitiv keine Notfall/Basisuntersuchung, sondern oft eine geplante Sache, die deswegen auch oft ambulant durchgeführt wird. Noch interessanter wird es, wenn dann z.B. für den Gastroenterologen 150 ERCPs notwendig sind – für jeden einzelnen Weiterbildungsassistenten (!) – und dann haben die Oberärzte o.ä. noch nicht eine ERCP gemacht… Das ist einfach eine wahnsinnige Zahl – und leider dann auch manchmal vielleicht eine Versuchung, mal eine Indikation etwas weiter zu stellen, was ich bei den Risiken einer ERCP durchaus kritisch sehe…

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Zum Artikel: kann ich leider oft nur bestätigen. Mangels Zeit und Personal gelingt es wohl in den meisten Häusern nur den motiviertesten und toughesten (Single?-)Kollegen sich eine wirklich fundierte Ausbildung in der Funktion zu erkämpfen. Sehr bedauerlich! Stationsarbeit, Aufnahmen, Intensivstation und Nachtdienste sind wohl der (sicher auch lehrreiche!) fordernde und anstrengende Regelfall, eine strukturierte Ausbildung eher die Ausnahme. Schuld sind m.E. die Versicherer und Technokraten aus Politik und BÄK, die unseren Beruf mehr und mehr zerreiben. Das muss bekämpft werden! Während meiner Erasmuszeit habe ich jedoch gesehen, dass wir in D immer noch nicht Schlusslicht in der Qualität der Weiterbildung sind.

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@Herrn Babilas und alle Heilpraktiker in der Runde: Sie können im Durchschnitt im vgl zu Ärzten klinisch auch nix, sie wollen doch nicht ernsthaft die völlig unregulierte Vorbereitung auf eine Dünnpfiff-Heilpraktikerprüfung zur Verhinderung der Schädigung der Volksgesundheit aus der Nazizeit mit einem wirklich harten Studium von 6,5 Jahren und 5-6 Jahren Facharztweiterbildung vergleichen – hier wird unsinnige Bürokratie und klinische Realität durcheinandergebracht

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Eine gute fundierte Ausbildung sollte immer noch zum Standard gehören. Die heutigen Chefärzte sollten sich mal folgende Frage stellen: Wenn sie einmal pensioniert sind, würden sie sich dann von ihren jetzigen Assistenten operieren lassen? Wenn nicht, mach sie etwas falsch.

#34 |
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tet
tet

Es ist doch traurig, dass alles so stillschweigend hingenommen wird.
Eine vernünftige Ausbildung ist doch nicht so schwierig. Ich verstehe auch, dass Assistenzärzte stark in den Klinikalltag eingebunden sind und neben den Routinetätigkeiten kaum Zeit finden, Weiterbildungsinhalte (OP’s, invasive/nichtinvasive Untersuchungen usw.), zu absolvieren. Meiner Meinung nach, sollte die Ärztekammer mehr Einfluß und Kontrolle auf die Facharztweiterbildung nehmen. Ein Assistenzarzt hat das Recht auf eine vernünftige Ausbildung. Hierbei geht es nicht um 90 oder 100 Herzschrittmacheroperationen oder 200 oder 250 Ultraschalluntersuchungen. Es geht um eine vernünftige Heranführung an etablierte Untersuchungsmethoden, deren Grundlagen man als Facharzt beherrschen sollte. Den “Feinschliff” wird man sich als Operateur/Untersucher aneignen. Leider legt in der Klinik niemand Wert auf Ausbildung. Es geht nur um OP-Zahlen und Kosten. Auch die ausschließliche Facharztausbildung an einem peripheren “Wald- und Wiesen-Krankenhaus” mit 2 Gastroskopien oder2 Gefäß-OP’s im Monat kann keine vernünftige Ausbildung bieten. Hier werden ebenfalls nur “Wald- und Wiesen Ärzte”kreiert (Entschuldigung, ich weiß, dass es viele periphere Häuser gibt, die eine exzellente Ausbildung bieten und hier nicht angesprochen sind).

Wir sollten uns darauf besinnen, was wir der Gesellschaft, den Patienten und unseren zukünftigen fachärztlichen Kollegen schuldig sind.
Meiner Meinung nach, sollten die Ärztekammern die Facharztausbildung in die Hand nehmen, dafür verantwortlich sein und konsequent einen regelmäßigen Nachweis über absolvierte (und kontrollierte) Weiterbildungsinhalte fordern.

#33 |
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Wie immer in der allerjüngsten Geschichte geht die Korruption vom Kopf aus.
Die Tatsache, daß Fallpauschalen bezahlt werden, welche den Aufwand nicht annähern decken, führt zu Betrug an allen Ecken und Enden. So wird gespart bis zum bitteren Ende; Personal; Bezahlung des Personals; Fortbildung; Material; Medikamente; Investitionen. Letztendlich bezahlen Patienten, aber auch Ärzte und Krankenschwestern mit ihrer Gesundheit, ihrem Gewissen und ihrer charakterlichen Integrität. So will es das System, sonst müsste man zugeben, daß die herrschende Politik mitsamt dem Krankenkassensystem von Grund auf unehrlich und in seinem Anspruch weitgehend gescheitert ist.

#32 |
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Entschuldigen Sie bitte Herr Professor Gruber,
Ich meine natürlich Facharztweiterbildung.

#31 |
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Genauso unsinnig ist es mehrere 100 ultraschalluntersuchungen im Rahmen der Facharzt Ausbildung für Allgemeinmedizin zu verlangen, wobei diese Untersuchungen nur von einem Arzt bescheinigt werden kann, der gleichzeitig die Ausbildungsberechtigung für Diese Untersuchung hat. Praktisch kann dies nur während der Ausbildung im Krankenhaus geschehen . Wir niedergelassenen Fachärzte für Allgemeinmedizin , die die Kollegen ausbilden haben diese Ausbildungsberechtigung nicht, Selbst wenn wir die Untersuchungen machen.

#30 |
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Prof. Dr. med. Michael Handrock
Prof. Dr. med. Michael Handrock

Prof. Dr. Michael Handrock
Chefarzt a.D.

Über diesen Artikel bin ich ja wirklich entsetzt.Ich habe über Jahrzehnte junge Ärzte zu Fachärzten weitergebildet. Nie wäre mir in den Sinn gekommen, getürkte Zahlen zu unterschreiben. Wenn das derzeit tatsächlich eine weitverbreitete Praxis sein sollte, dann müssen sich die Ärztekammern darum kümmern. Ich habe in einem chirurgischem Fach gearbeitet und schon seit vielen Jahren musste jede Operation per EDV erfasst werden. Da kann man nicht schummeln. Vielleicht sollte das in konservativen Fächern auch auf wichtige diagnostische Methoden wie eine Sonografie übertragen werden. Dann kann auch der unterschreibende Chefarzt ” per Knopfdruck” kontrollieren, ob die Angaben korrekt sind.

#29 |
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Vieles stimmt-wie immer in dieser Radikalität,um auf das Wesentliche aufmerksam zu machen,ohne jede Abstufung der Geschehnisse.Pathognomisch ist der Anfangssatz:”WER Facharzt werden will,muss nicht nur das A B F E R T I G E N von Patienten lernen…..”.Ich hatte früher für mehrere Zusatzausbildungen,kompatibel zu meinem Facharzt,1000de in der Summe ausgegeben!

#28 |
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Assistenzärztin
Assistenzärztin

Gerade wenn von 100 Anamnesen und 50 Reanimationen die Rede ist wird einem doch klar wo der Hund eigentlich begraben liegt: Diese vorgegebenen Zahlen sind reine Willkür und mir braucht niemand zu erzählen dass er anhand dieses “Kataloges” beurteilen ob der Assistent wirklich nun die “Facharztreife” erreicht hat oder nicht.

Ehrlich gesagt kann ich verstehen wenn manche Chefärzte einem Assistenten 200 Magenspiegelungen bescheinigen ohne dass die genaue Zahl erreicht wurde. Das bedeutet aber nicht automatisch dass hier unverantwortlich gehandelt wird > solange sich der Chef vergewissert hat (entweder durch persönliche Anwesenheit oder durch den Bericht eines anleitenden Oberarztes) dass der Assistenzarzt imstande ist die entsprechende Untersuchung selbstständig und fehlerfrei durchzuführen.

Nur weil eine willkürliche und unrealistische Zahl von Untersuchungen nicht immer genau eingehalten wird heisst das nicht automatisch dass Patienten schlecht behandelt werden. Manches ist wichtiger als anderes.

So gibt es einige Dinge die man einfach können muss, es wäre tragisch wenn man eine erfolgreiche Reanimation erst nach 50 Versuchen durchführen könnte! Das muss bereits beim ersten Mal sitzen! Eine ordentliche Anamnese sollte man auch bereits gegen Ende des Studiums beherrschen und nicht erst in der Facharztausbildung damit anfangen…

Anderes ist weniger wichtig: Die meisten Hausärzte besitzen nicht einmal ein Ultraschallgerät mit Echoschallkopf, ich bin sicher niemand wird in seiner Hausarztpraxis schlechter behandelt nur weil der Arzt während seiner Facharztausbildung zuwenig UKGs durchgeführt hat > dafür gibt es Kardiologen.

#27 |
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Prof. Dr. med. Gunter Gruber
Prof. Dr. med. Gunter Gruber

Eine Facharztausbildung gibt es nicht, aber eine Facharztweiterbildung.
Prof.Dr.G.G.

#26 |
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Arzthelferin

Wie traurig ist das denn………
(für jeden, der da mitmacht)

und in solche Hände soll sich der Patient vertrauensvoll
begeben?

#25 |
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Ich kann dazu nur sagen, dass ich mir, jedoch war dies noch das Jahr 2002 für meine neurologische Ausbildung eine Klinik, das Klinikum Esslingen ausgesucht habe, in dem ich jede Untersuchung, welche ich für meinen Facharzt als Neurologe gebraucht habe, durchführen konnte. Der damalige Chefarzt hat sich auch die Untersuchungsordner vor der Anmeldung zum Facharzt Seite für Seite angeschaut und nur bestätigt, was gemacht wurde. Bei entsprechender Organisation von Seiten de Ausbilder ist dies sicher auch machbar.

#24 |
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Beatrix Tittmann
Beatrix Tittmann

Traut sich keiner zu sagen. Die Medizin erfüllt eben ihre Pflichten ohne gross zu fragen, weil sie Wichtigeres zu tun hat. Die Arbeit mit Menschen ist nicht messbar und daher wertlos.

#23 |
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In der Ausbildung zum Internisten werden 100 Anamnesen und 50 erfolgreiche Reanimationen gefordert.
Statistisch muss ich also jeden 2. Patienten wiederbeleben. Da hat dann offenbar was mit der Anamnese nicht ganz hingehauen.
Ich hatte einigermaßen Glück mit meiner Ausbildung. Man muss sich allerdings auch etwas reinhängen.

#22 |
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Heilpraktiker Peter Babilas
Heilpraktiker Peter Babilas

Na ja und immer schön auf die #kleinen# Heilpraktiker schimpfen, die würden ja nix können, weil die ja nichts lernen,… Oder???

#21 |
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Dr. Andreas Triebel
Dr. Andreas Triebel

Das Wesentlichste haben Sie leider vergessen: Mit den fast immer nicht zu erbringenden Untersuchuchungszahlen ist der Assistenzarzt erpressbar, er muss alle Überstunden gehorsamst verrichten usw. Wenn er das tut, bekommt er die Bescheinigung, sonst nicht und seine Weiterbildung verlängert sich bis um zwölf Jahre und mehr. Einige ältere Chefs sind auf diese ewige Weiterbildungszeit auch noch stolz. Durch dieses Verfahren wird das ganze hierarchische System gestützt, das ist der Sinn des Ganzen. Und jeder, der mit dem Geschäft zu tun hat, weiß, das es so ist.

#20 |
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Sven Adam
Sven Adam

Das alles passt in ein Land, in dem die Politik zwar Macht durch Regulierung ausübt, aber dadurch keine Probleme löst. Die Politik ist das Problem und es setzt sich in alle Lebensbereiche fort.
Ein liberaler Staat, in dem Ausbildungsstätten ihren eigenen Weg gehen dürfen und dabei durch die bestmögliche Ausbildung um die besten Köpfe konkurrieren, wäre besser als dieser zentralistische Moloch, der inkompetente Juristen die Arztausbildung regeln lässt.

#19 |
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Dr.med Klaus Schwarzmaier
Dr.med Klaus Schwarzmaier

Es ist eine Binsenweisheit , festzustellen, daß auch mit Ausbildungszahlen geschummelt oder betrogen wird.
Zuerst einmal liegt es an den Assis, training haben zu WOLLEN. Das kann manchmal sehr mühsam und frustrierend sein und ist nicht immer mit dem offiziellen Dienstschluß-Gong vereinbar. Das trifft aber für alle Arbeiten in der Klinik zu.
Dann liegt es an den Oberärzten, mit Geduld immer wieder neue Assis auszubilden ( Das habe ich doch schon 100 Mal gesagt) Und sie gegenüber anderen Fakultäten freizuboxen, wenn eine Prozedur erst einmal länger dauert. ( Die erste SPA kann sich ziehen, die erste Appendektomie aber auch)
Dann liegt es an den Chefs der Verwaltung gegenüber festzustellen, wenn man sich mit dem Titel Ausbildungsklinik schmückt, dann muß dafür auch Zeit sein.
Nicht zuletzt liegt es am achtungsvollen Umgang aller miteinander.
Und- nicht von einigen auf alle schließen!

#18 |
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Gast
Gast

Ein wirklich guter und trauriger Beitrag zugleich, der wieder einmal sicherstellt, dass unser Gesundheitssystem enorm krankt. Der Fisch stinkt stets vom Kopf her. Ein anderes Beispiel ist der aktuelle unsinnige NC für viele medizinische Uni- einschreibende in ganz Deutschland. Alle graue Theorie wird fortan von “grauen Theoretikern” vermutlich am edlen Mahagoni Schreibtisch entschieden…
Ich würde stets in Deutschland Medizin studieren, aber höchst wahrscheinlich in einem Land der Menschenachtung und echten Würdigung dieses wunderbaren und hochachtungsvollen HUMANIETÄREN Berufes praktizieren. Uli Fachdozent EH

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Prof. Dr. med. Michael Gaab
Prof. Dr. med. Michael Gaab

Der Artikel ist wohl leider zutreffend, auch wenn ich als Chefarzt keine ungeprüften Leistungsaufstellungen für die Anmeldung zum Facharzt unterzeichnet habe (im Bereich der Neurochirurgie relativ übersichtlich).

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Cornelia Gruber
Cornelia Gruber

Ich kann mich Nr 11 nur anschließen. Ich habe in dem kleinen Haus in dem ich begonnen habe in vier Jahren deutlich mehr selbst operiert als meine Kollegen an der Uni. Aber betrogen wird überall. Und das liegt schlicht und einfach an der Personaldecke. Wenn große Ops nur noch zu zweit und kleine nur noch von einem Facharzt und einer OTA operiert werden weil die Assistenten die Stationen und Sprechstunden schmeißen müssen, gibt es keine Möglichkeit zu einer vernünftigen Ausbildung zu gelangen.

#15 |
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Assistenzärztin
Assistenzärztin

Ich stimme insofern zu, dass die Anforderungen im Stationsalltag es selten zulassen sich Zeit für wichtige Untersuchungen (wie z.B. Koloskopien oder UKGs) abzuzwacken. Ebenso richtig ist es dass viele Chefärzte hier die alleinige Verantwortung beim Auszubildenden sehen und hier wenig unterstützen (ausser der Unterschrift…) Allerdings gibt es auch sehr viele engagierte Oberärzte, die sehrwohl unter hohem persönlichen Einsatz die Ausbildung ihrer Schützlinge fördern. Leider ist es für diese um so frustrierender wenn es seitens der Assistenzärzte an Einsatzbereitschaft fehlt und sich immer nur hinter Ausreden verschanzt wird. Und bei allem Respekt, wer im 5 Jahren Facharztausbildung nicht einmal 400 Abdomensonos durchgeführt hat sollte sich auch nicht zur Facharztprüfung anmelden! Dann lieber noch ein oder zwei Jahre warten. Das ist kleines Einmaleins, 400 Sonos kann man innerhalb von 12 Monaten Notaufnahme schaffen (schließlich sollte ein orientierendes Sono bei sehr vielen Krankheitsbildern schnellstmöglich durchgeführt werden). Kann mich Frau Steckstor nur anschließen, empfehle eine Ausbildung in einer kleinen Klinik wenn man ein Allrounder werden will.

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Dieses Problem besteht schon seit Jahren. Warum sollte man auch Assistenzärzten etwas beibringen? Dadurch schwächt man seine eigene Position, vielleicht wird sogar einer besser als man selbst, dann ist man irgendwann nicht mehr unentbehrlich. Ich habe es selbst erlebt und nur unter Einbeziehung der Ärztekammer und Androhung von Konsequenzen gegenüber der Klinikführung, konnten wir, die Assistenzärzte einer Klinik für Herzchirurgie in Sachsen-Anhalt, nach 13(!) Jahren Weiterbildungszeit, endlich die Facharztprüfung ablegen. Es ist eine Katastrophe. Motivierte, geeignete und talentierte Ärzte werden ins Abseits oder Ausland gedrängt. Vetternwirtschaft und Kumpanei hat dazu geführt, dass Deutschland auf dem Gebiet der Herz- und Thoraxchirurgie kein international angesehener Partner mehr ist. Wir werden im Ausland für unseren “Bullshit” den wir betreiben belächelt.

#13 |
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Diplom Sozialpädagogin uta koch
Diplom Sozialpädagogin uta koch

Na ja ich denke mir da werden oft Untersuchungen durchgeführt, damit die Scheine stimmen, Vorallem bei Patienten, die nicht die notwendige medizinischen Kenntnisse besitzen und somit alles mit sich anstellen lassen

#12 |
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Dr. med. Mike Müller-Glamann
Dr. med. Mike Müller-Glamann

In Hamburg hinterfragt die Ärztekammer häufig die Sonografiezahlen, zumindest wenn Sie im niedergelassenen Bereich erbracht wurden. Falls jetzt tatsächlich die stationären Zahlen alle nicht stimmen sollten, werden wohl kaum mehr Ärzte in Weiterbildung Allgemeinmedizin zur Prüfung zugelassen werden (können).
In Hamburg braucht man meines Wissens 600 Abdomensonos. In anderen ÄK nur 400.
Wenn das so weitergeht gibt es bald keine Hausärzte mehr.

#11 |
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Vielleicht sollte man hier Werbung für die kleinen KH z.B. auf dem Land machen. Ich habe mehr als meine benötigten Zahlen sonographiert usw. Und hatte Oberärzte und auch Chefs, die sehr wohl auf die Weiterbildung geachtet haben. Man sollte sich vielleicht bei der Bewerbung mit den zukünftigen Kollegen unterhalten und eventuell ein kleineres Haus mit weniger Prestige wählen, aber mehr Potential für den lernenden Arzt.

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Dr. med. Werner Path
Dr. med. Werner Path

Das die Facharztausbildung mangelhaft ist,dem kann ich jederzeit zustimmen.Ein Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,der nicht in der Lage ist,selbständig eine Sectio durchzuführen,hat massenhafte Ausbildungsdefizite.Die Pat.sind die Leidtragenden und die Haftpflichtprämien steigen ins Unermeßliche!

#9 |
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Prof.Dr.Dr. Reichardt MP MD
Prof.Dr.Dr. Reichardt MP MD

Ein sehr interessanter Artikel !
Die Facharztausbildung lässt in Deutschland sehr zu wünschen übrig. In vielen Kliniken kommen die Assistenten im Klinikbetrieb das Fachwissen nur halbherzig vermittelt. Chefärzte und Oberärzte sehen diese Aufgaben oft als eine enorme zusätzliche Belassung.
Man sollte das Fachwissen dementsprechend intensiver vermitteln können und speziell den geeignetsten Fachkräften übertragen, nicht Maße sondern Klasse ist hier den Vorrang zu geben.

#8 |
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Ärztin

So, und hier ziehe ich jetzt einfach mal den Bogen zu der Diskussion gestern über die Heilpraktikersituation in Deutschland.
Meine persönliche, langjährigen Erfahrung als Krankenschwester auf einer Intensivstation in einem Universitätskrankenhaus bestätigen zum Teil dieses allgemeine Vorgehens.Auch habe ich gestaunt, dass einfache Basisuntersuchungen, wie z.B.eine simple Blutdruckmessung oder auch das Wissen über grundlegende Hygienestandards absolutes Neuland zu sein schienen.
Aber man trägt einen weißen Kittel , was per se ein Standeszeichen ist.Entsprechende Hinweise vom Pflegepersonal muß man da ja nicht beachten.
Bitte erstmal die eigenen Ausbildungsstandards überdenken, bevor man an anderen herumkritisiert.

#7 |
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Gast
Gast

Augenheilkunde: laut Protokoll hat jeder FA bereits selbstständig OPs durchgeführt, z.B. Lider, Tränenwege, Kryopexien, Schiel-OPs, Entropium, …
ich kenne keinen FA in Deutschland, der dies während seiner Ausbildung tatsächlich gemacht hätte. Unterschrieben bekommen haben’s alle. Nur wer in dem Chef genehme Forschung einsteigt, hat später eine Chance, dass dieser sich erbarmt und ihm ein bisschen seiner OP-Zeit widmet. Ist eindeutig nicht nur ein Fallpauschalenproblem, sondern auch generationenbedingt (Erwartungshaltungen auf allen Seiten, Gewinnstreben bei den Babyboomern etc…). Ausbaden tut’s letztlich der Patient.

#6 |
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Weitere medizinische Berufe

Da wundern ma0n sich nicht mehr über die hohen Kosten durch dadurch mögliche Fehldiagnosen.

#5 |
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Ärztin

Guten Tag,
dem stimme ich nicht zu! Besonders der Aussage, dass es systematisch betrogen wird. Wenn der Assistenzarzt, über dem Sie hier schreiben gelogen hat und falsche Zahlen ins Logbuch eingetragen hat, dann ist er ein Betrüger! Wenn er in der kürzeste Zeit Es nicht schafft z. B. 400 Abdomensonographien zu machen, dann soll er Bitte schön längere Facharztausbildung machen, bis er seine “Zahlen” hat. Im Krankenhaus wo ich arbeite müssen wir auch eine Diagnostik-Weiterbildung machen. Dabei arbeiten wir über 6 Monate dort und kriegen mehr als benötigte Zahlen. Die Behauptung, dass es systematisch betrogen wird ist unverschämt und wirft falschen Schatten über die Assistenzärzte , die sich alles ehrlich erarbeitet haben!

#4 |
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Als seit Jahrzehnten in der Facharztausbildung engagierter Oberarzt kann ich sagen: In der Regel sind die Chefärzte zu weit weg von den Assistenten und haben wenig Interesse, die FA-Ausbildung konsequent zu strukturieren; wenn doch, dann bricht der schöne Plan häufig in sich zusammen durch Urlaube, Schwangerschaften, Krankmeldung und “Nachtdienstfrei”.
Die Personaldecke ist hierfür zu dünn.
Es liegt aber auch an der Motivation des einzelnen, sich so straff zu organisieren, dass man auch in die “Funktionen” kommt.

#3 |
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Rettungsassistent

Unglaublich wie mit angehenden Ärzten umgegangen wird….. immer nur Profit und Geldmacherei…..
Wo bleibt da der Patient?

#2 |
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Studentin der Humanmedizin

In Australien muss man zum Beispiel jedes Jahr eine Prüfung machen, bis zum Facharzt.

#1 |
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