Mobbing im PJ – das Schönste zum Schluss

9. März 2011
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Mobbing am Arbeitsplatz ist seit Jahren ein Thema in den Medien. Auch Famulanten und PJler sind häufig davon betroffen - wann ist es Mobbing und was kann man dagegen tun?

Menschliches Miteinander und Teamwork kann großartig sein. Leider sind nicht alle Menschen harmoniebedürftig und teamfähig – manche definieren sich fast ausschließlich über ihre Arbeit, haben wenig Sozialkompetenz und scheinen selbst Kraft daraus zu ziehen, andere Menschen gekonnt zu manipulieren und nicht selten zu erniedrigen. Lassen sie dies an ihren Kollegen aus, spricht man oft von Mobbing am Arbeitsplatz.

Es hat sich gezeigt, dass Mobbing insbesondere Berufsanfänger, oder junge Menschen selbst noch während des Studiums betreffen kann. Dies gilt auch für Medizinstudenten in Famulaturen und im Praktischen Jahr. Wer hat nicht schon einmal von fiesen Vorgesetzten und abfälligen Sprüchen gehört?

Was ist Mobbing genau?

Als Mobbing bezeichnet man gemeinhin die Schikanierung einer Person durch eine andere Person oder eine Gruppe. Häufige Arten des Mobbings sind die Verbreitung falscher Tatsachen, ständige und unbegründete Kritik oder ein Ausschluss des Mobbingopfers aus der Gemeinschaft am Arbeitsplatz. Geschieht dies wiederholt oder gar regelmäßig, spricht man von Mobbing.

Durch die fehlende Berufserfahrung, die ja quasi unabdingbar ist, wird man als Famulant oder PJler leicht zum Opfer, und selbst wenn es keine langwierigen Auswirkungen haben sollte, so ist es doch nicht nachvollziehbar, aus welchem Grund man im wahrsten Sinne des Wortes „der Knecht“ (lateinische Übersetzung des Famulus) sein muss. Selbst wenn die klassischen Mobbingkriterien nicht immer gegeben sind, erfüllt es doch mit Unbehagen, wenn man als Famulus oder PJler am morgen von einer Station zur nächsten geschickt wird, um sich stundenlang mit Blutentnahmen oder Verbandswecheln herumzuplagen, anstatt der wahren Natur der Praktika, nämlich dem Erlernen ärztlicher Tätigkeiten, nachzukommen. Bekommt man nämlich immer nur die langweiligen Aufgaben und wird immer ‘klein’ gehalten, kann auch das als Mobbing gelten. Klar ist: Ungeliebte Tätigkeiten müssen getan werden, aber erfüllt das denn Sinn des PJs oder der Famulatur?

Wieso grade Berufsanfänger?

Letztlich ist es fast egal, ob man Student, Berufsanfänger oder schon ein alter Hase ist. Die Opfer von Mobbing bringen zumeist eine gewisse Grundpersönlichkeit mit, in der beispielsweise überhöhte Leistungsanforderung an sich selbst, Furcht vor Zurückweisung, ein hohes Maß an Eigenkritik und geringe Selbstsicherheit eine Rolle spielen. Ein Berufsanfänger/Student kann zumindest hinsichtlich seines Status innerhalb der Klinik und seines Könnens kaum besonders selbstsicher sein. Und bereits dies kann schon dazu führen, Ziel eines Mobbers zu werden.

Es hat sich gezeigt, dass man in manchen Bereichen der Medizin leichter zum Mobbingopfer werden kann als in anderen. Ohne diskrimieren zu wollen: Die Chirurgie ist davon besonders betroffen, denn zu der allgemeinen Unterbesetzung, dem hohen Patientenaufkommen ist es den Chirurgen oft nicht möglich, banalen Tätigkeiten nachzukommen, so dass der Student oft stundenlang mit Blutentnahmen, Verbandswechseln und sogar Stationskoordination beschäftigt ist. Da ein Student meist dem nächsten folgt, werden diese also als fester Bestandteil in der Arbeitsverteilung eingeplant – auch wenn das Individuum wechselt. Ist man schließlich im OP angekommen, wird man erst mal von der OP-Schwester angemeckert, weil man noch nicht steril ist oder wenn man es ist, es auch noch wagt zu niesen. Nicht selten passiert es auch, dass der Student ohne Essen und Trinken bis zu 10 Stunden Haken halten muss und auch noch einen Rüffel bekommt, wenn ihn eine Kreislaufschwäche ereilt. Das Mobbing ist hier nicht mehr fern.

Ich kann mich doch wehren…?

Nicht nur für Berufsanfänger gilt: sich zu wehren ist richtig, denn das ist das einzige Mittel, den Täter auszuhebeln. Das Problem dabei ist, zu erkennen, wann es sich wirklich um Mobbing handelt, denn dies ist keine einmalige Angelegenheit. Von Mobbing spricht man in der Regel erst, wenn schikanöses Verhalten regelmäßig und immer von der selben Person oder Gruppe kommt.

Zudem glauben viele Studenten auch, die Kritik, die ihnen entgegengebracht wird, sei berechtigt. Man sucht die Fehler bei sich, fragt sich, ob man wirklich zu schwach sei, den Haken zu halten oder ob man die Aufnahmen wirklich schneller machen müsste. Als Student ist man nicht wirklich in der Lage, die komplexem Sozialstrukturen zu durchschauen, seine eigenen Fähigkeiten ausreichend zu bewerten, geschweige denn, sich einem Professor gekonnt zur Wehr zu setzen. Den Duckmäuser zu spielen und einfach die Zähne zusammenzubeißen, führt oft zu weiterem Ausnutzen und tut zudem der Seele nicht gut.

Was tun, sollte es wirklich passieren?

Nicht verzagen, es gibt Hilfe: Zunächst das Gespräch mit anderen Studenten suchen, sich solidarisieren und die eigene Empfindung überprüfen. Handelt es sich wirklich um Mobbing, kann man kollektiv den Studentensprecher aufsuchen, der sich entweder selbst stark macht, an die studentische Vereinigung wendet, oder gleich an das Dekanat.

Schwieriger ist es bei Famulaturen, dort ist man meist allein, findet niemanden zum solidarisieren und kommt und ein klärendes Gespräch nicht herum. Allerdings, so schwierig dies auch sein mag: Mobbing-Opfer lassen sich leider so gut wie alles gefallen, sobald man klar stellt „so nicht“, gerät man meist schon ein wenig aus der Schusslinie. Deutlich machen könnte man in einem solchen Gespräch, dass man gerne Dinge übernimmt und den Vorgesetzten entlastet, aber dass eine Famulatur auch andere Tätigkeiten beinhalten sollten, denn diese Praktika einfach auch dazu dienen, später als Kollege arbeiten zu können.

Als Anfänger, sei es als Famulus, PJler oder frischgebackener Assistent, ist man einfach naturgemäß leichter als andere Berufsgruppen einem potentiellen Mobbingangriff ausgesetzt. Glücklicherweise hat das Thema Mobbing in den letzten Jahren eine große Lobby erhalten, so dass Vorfälle in der Öffentlichkeit nicht mehr überhört werden. Selbst wenn man zu einer Risikogruppe gehört, bedeutet dies nicht automatisch, auch sofort gemobbt zu werden.
Wenn man aber wirklich den Eindruck hat, da gerät grade etwas auf die schiefe Bahn, haben sich folgende Regeln bewährt (einige davon bereits im Vorfeld):

  • Kritisch prüfen: Ist die Tätigkeit nun einfach nur langweilig, oder wirklich Schikane?
  • Gespräche mit Kommilitonen/ Kollegen suchen.
  • Verbündete finden: Dies schafft man sehr leicht, in dem man sich mit dem Pflegepersonal gut stellt. Diese Kollegen haben automatisch mehr Berufserfahrung und sind teilweise sogar in gewissen Bereichen kompetenter als ein Studierter. Es hat sich bewährt, nicht die Schiene „Lasst mich durch, ich bin Arzt“ zu fahren, sondern eher das Pflegepersonal um Hilfe bei Fragen zu bitten und anzudeuten, dass man dankbar für Tipps ist.
  • Notizen machen: Notiere Dir unbedingt Zeitpunkt und Gesprächsinhalte oder Handlungen bei Mobbingverhalten. So kann man später besser beurteilen, ob es wirklich Mobbing war oder ob man es in dieser Situation nur so empfunden hat.
  • Rechtzeitig Hilfe suchen: wende Dich an den PJ-Sprecher oder Betriebsrat. Und das nicht erst, wenn man sich nur noch in die Klinik schleppt, ständig den Tränen nah ist oder nur noch mit Bauchweh in die Klinik fährt.
  • Niemals die Schuld bei sich selbst suchen: erfahrungsgemäß sind Mobbingopfer sehr zarte und liebenswerte Persönlichkeiten, die sich gerne ungerechtfertigterweise „den Schuh“ für alles anziehen.

Fazit

Berufsanfänger zu sein, heißt nicht automatisch, auch gemobbt zu werden. Dennoch sollte man Anfeindungen von anderen kritisch beobachten und im Ernstfall Hilfe aufsuchen.

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