Virusinfektion: Ansteckung aus dem Takt

24. August 2016
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Zu bestimmten Tageszeiten sind Menschen besonders anfällig für Infektionen. Grund dafür scheint die innere Uhr zu sein: Sie ermöglicht es Viren, sich zu verbreiten. Die Studienergebnisse könnten auch erklären, weshalb Schichtarbeiter anfälliger für Krankheiten sind.

Neuen Studienergebnissen zufolge kann die Tageszeit einer Virusinfektion entscheidend sein für die Anfälligkeit des Wirts. Um herauszufinden, ob die zirkadiane Uhr tatsächlich die Suszeptibilität gegenüber einer Infektion und deren Fortschreiten beeinflussen kann, haben Forscher der Universität Cambridge einige Tests an Mäusen durchgeführt.

Herpes auf Bestellung

Sie infizierten die Nager zu unterschiedlichen Tageszeiten mit dem Herpesvirus MuHV-4 und prüften im Anschluss das Maß der Infektion, sowie die Geschwindigkeit der Virusverbreitung. Die Mäuse lebten in einer kontrollierten Umgebung und waren 12 Stunden am Tag dem Tageslicht ausgesetzt und 12 Stunden der Dunkelheit.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Virusvermehrung zum Beginn ihrer Ruhephase – bei den nachtaktiven Nagetieren also am Morgen – bis zu 10mal höher war als während der aktiven Abendstunden.

Da läuft was falsch

Bei Mäusen, denen das Gen Bmal1 fehlte, übte die Tageszeit hingegen keinen Einfluss auf die Infektion aus – die Virusvermehrung blieb gleichbleibend hoch. Bmal1 gilt als ein Schlüsselgen des zirkadianen Rhythmus.

Entscheidender Einfluss der Tageszeit

„Die Tageszeit einer Infektion kann entscheidenden Einfluss darauf haben, wie anfällig wir für Krankheiten sind“, schlussfolgert Professor Akhilesh Reddy, Seniorautor der Studie. „Diese Erkenntnisse sind übereinstimmend mit früheren Studienergebnissen, die bereits gezeigt haben, dass die Tageszeit, zu der Medikamente eingenommen werden, deren Wirksamkeit beeinflussen kann.“

Gezielte Störung der inneren Uhr

Weitere Untersuchungen der Forscher an Zell-Kulturen zeigten außerdem, dass Herpesviren den Biorhythmus gezielt beeinflussen, um sich so noch schneller verbreiten zu können. Ein ähnliches Phänomen wurde unter anderem auch bei Malaria-Parasiten festgestellt: Diese synchronisierten ihren Replikations-Zyklus mit der inneren Uhr des Wirts.

Die Studienergebnisse könnten erklären, weshalb Schichtarbeiter beispielsweise häufig anfälliger für Gesundheitsprobleme sind und warum Infektionskrankheiten vermehrt im Winter auftreten. Das Wissen um die Bedeutung der zirkadianen Uhr könne zudem entscheidend sein für die Entwicklung neuer Medikamente, so das Forscherteam.

Lesen Sie hier die kompletten Studienergebnisse.

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