Paracetamol: Mit einem Happs … ungesund?

30. August 2016
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Als Analgetikum und Antipyretikum ist Paracetamol in der Pädiatrie beliebt. Bislang hatten Apotheker Bedenken, das OTC bei Patienten mit Asthmarisiko einzusetzen. Neue Daten zeigen, dass keine Exazerbationen zu befürchten sind.

Im Jahr 2010 analysierte Richard Beasley, Wellington, Daten der International Study of Asthma and Allergies in Childhood (ISAAC). Insgesamt hatten mehr als 300.000 Jugendliche zwischen 13 und 14 Jahren Fragebögen zu ihrem Gesundheitszustand respektive zur Medikation ausgefüllt. Beasley fand einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol und den Symptomen atopischer Erkrankungen. Bei moderater Anwendung des Wirkstoffs war das Risiko asthmatischer Symptome und deren Verschlimmerung um 43 Prozent erhöht. Bei hohen Dosen lag der Faktor sogar bei 2,51. Die Veröffentlichung hat zwei Schwächen: Fragebögen sind – gerade bei Jugendlichen – mit Vorsicht zu genießen. Und Querschnittsstudien beweisen per se noch keine Kausalität.

Alles halb so wild

Entsprechende Zusammenhänge konnten in der AVICA-Studie (Acetaminophen versus Ibuprofen in Children with Asthma) nicht bestätigt werden. William J. Sheehan, Boston, rekrutierte 300 Kinder mit Asthma bronchiale zwischen einem Jahr und fünf Jahren. Sie erhielten leitliniengerechte Therapien gegen ihre Grunderkrankung.

Bei fiebrigen Erkrankungen, ein häufiges Problem der Altersgruppe, kamen randomisiert Paracetamol oder Ibuprofen zum Einsatz. Eltern verabreichten ihren Sprösslingen dem Protokoll zufolge 7,0 pädiatrische Standarddosierungen Paracetamol versus 4,5 Dosierungen Ibuprofen. Der Zeitraum lag bei 48 Wochen.

Dabei traten 0,81 versus 0,87 Asthma-Exazerbationen auf. Mindestens eine Verschlechterung hatten 49 versus 47 Prozent aller Studienteilnehmer. Unter zwei oder mehr Exazerbationen litten 21 versus 24 Prozent. Ärzten gelang es bei 85,8 versus 86,8 Prozent, die Symptome mit Standardmedikamenten zu kontrollieren. Auch bei Notfallmedikationen oder ungeplanten Arztbesuchen gab es keine signifikanten Unterschiede.

Auf Spurensuche

William J. Sheehan folgert deshalb, dass Apotheker Paracetamol auch bei Patienten mit leichtem Asthma beziehungsweise Asthmarisiko abgeben können. Dass epidemiologische Studien eine Assoziation zwischen dem Pharmakon und der Atemwegserkrankung zeigen, kann viele Gründe haben. Beispielsweise leiden kleine Asthmapatienten häufiger an Atemwegsinfekten und nehmen deshalb mehr Paracetamol ein.

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Forschung, Pharmazie

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1 Kommentar:

Gabriele Schröter
Gabriele Schröter

“Als Analgetikum und Antipyretikum ist Paracetamol in der Pädiatrie beliebt” – ach was, meiner Meinung nach vor 20 Jahren! Heute wird doch eher Ibu verordnet!?

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