Psychiatrie: Tag der aufgeschlossenen Tür

1. September 2016
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Geschlossene Stationen in der Psychiatrie sollen Patienten schützen. Doch Suizidversuche und Fluchten sind bei geschlossenen Stationen häufiger als bei Kliniken mit „offenen Türen“. Eine neue Studie stellt klar: Zwangsmaßnahmen gefährden eher die Therapie.

Geschlossene Stationen in der Psychiatrie sind bei Ärzten und Patienten umstritten. Patienten werden dort untergebracht, wenn sie selbst- oder fremdgefährdend sind – zum Beispiel bei akuter Suizidgefahr oder impulsivem aggressivem Verhalten. Die Aufnahme kann per Gesetz oder richterlichem Beschluss erfolgen, Patienten können sich aber auch freiwillig auf eine geschlossene Station begeben.

Solche Risikopatienten stellen eine Herausforderung für psychiatrische Einrichtungen dar. Die Begründung für geschlossene Stationen lautet dabei: Nur wenn die Patienten von selbst- oder fremdgefährdendem Verhalten abgehalten werden, können sie ausreichend geschützt werden und eine angemessene Therapie erhalten.

Vergleich von Kliniken mit und ohne geschlossene Stationen

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Christian Huber ist leitender Arzt am Zentrum für psychotische Erkrankungen der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel © Christian Huber

Nun hat eine neue Studie jedoch gezeigt, das Risiko, dass Patienten Suizidversuche oder Suizid begehen oder aus der Behandlung fliehen, ist in offenen psychiatrischen Kliniken nicht größer als in psychiatrischen Kliniken mit geschlossenen Stationen. Das Forscherteam um Christian Huber und Undine Lang von der Universität Basel und der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel wertete insgesamt rund 350.000 Patientenfälle aus der Zeit von 1998 bis 2012 aus – also in einem Zeitraum von 15 Jahren. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher jetzt in der Zeitschrift „The Lancet Psychiatry“.

Die Daten stammten aus 21 deutschen Kliniken, von denen fünf eine Praxis der offenen Türen verfolgten, also ganz ohne geschlossene Stationen auskamen. 16 Kliniken besaßen zusätzlich zu offenen Stationen auch zeitweise oder dauerhaft geschlossene Stationen. Die Diagnosen der Patienten umfassten hirnorganische Störungen wie beispielsweise Demenz, Substanzmissbrauch, Erkrankungen aus dem schizophrenen Spektrum, affektive Störungen und Persönlichkeitsstörungen. Dabei waren alle Kliniken rechtlich verpflichtet, alle Personen eines bestimmten Einzugsbereichs aufzunehmen – unabhängig von der Schwere ihrer Erkrankung oder selbstgefährdendem Verhalten. Problematische Fälle wurden also nicht mit höherer Wahrscheinlichkeit in eine Klinik mit geschlossener Abteilung eingewiesen.

Suizidversuche und Fluchten bei geschlossenen Stationen häufiger

Die Auswertung der Daten ergab: Suizidversuche und Suizide kommen in Kliniken ohne geschlossene Stationen nicht häufiger vor als in Kliniken mit geschlossenen Abteilungen. Auch Fluchten waren in Kliniken mit „offenen Türen“ nicht häufiger zu beobachten. Stattdessen war die Wahrscheinlichkeit für Suizidversuche und Entweichen (mit und ohne Rückkehr) an Kliniken ohne geschlossene Abteilungen sogar signifikant geringer – allerdings nicht die Wahrscheinlichkeit für vollendete Suizide.

„Die Wirkung von geschlossenen Kliniktüren wird überschätzt“, sagt Christian Huber, Erstautor der Studie. „Eingeschlossen zu sein verbessert in unserer Untersuchung nicht die Sicherheit der Patienten und steht der Vorbeugung von Suizid und Entweichung teilweise sogar entgegen.“ Eine Atmosphäre von Kontrolle, eingeschränkten persönlichen Freiheiten und Zwangsmaßnahmen gefährde stattdessen eher eine erfolgreiche Therapie, so der Forscher.

Ergebnisse könnten „Politik der offenen Türen“ fördern

„Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass geschlossene Stationen an einer allgemeinpsychiatrischen Klinik kein Muss sind, um Patienten mit Selbstgefährdungspotenzial zu schützen und am Entweichen zu hindern“, betont Huber. Stattdessen sei es wichtig, ein wertschätzendes Umfeld und eine offene, gute therapeutische Atmosphäre zu schaffen, bei der eine gemeinsame Entscheidungsfindung mit den Patienten gefördert wird. „Eine Politik der offenen Türen erfordert, dass das Behandlungsteam besonders in Interaktion mit den Patienten tritt, sie stärker in die Therapie einbezieht und ein tragfähiges Bündnis mit dem Patienten eingeht“, sagt der Forscher. „Auf den Stationen sollte es ein gut ausgebautes Behandlungsangebot geben, dass eine rechtzeitig, adäquate medikamentöse Behandlung und ein spezifisches psychotherapeutisches Angebot umfasst.“

Maßnahmen der Zwangsbehandlung und Sicherheitsmaßnahmen – wie Medikation ohne Zustimmung, Fixierung oder Isolation – sollten bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung gesetzlich geregelt weiterhin angewandt werden können, so Huber. „Allerdings stellen solche Maßnahmen eine deutliche Freiheitseinschränkung dar und sollten nur angewandt werden, wenn keine weniger einschränkenden Alternativen bestehen. Außerdem sollten sie sich nur auf die gefährdeten Personen beziehen.“

Die Ergebnisse der Studie könnten auch juristische Fragestellungen beeinflussen, die sich bei der Öffnung von Kliniken ergeben. „Sie liefern bereits vollständig offen arbeitenden Kliniken ein wichtiges Argument, um sich den Forderungen nach Sicherheit durch Verwahrung entgegenzustellen“, sagt Huber. „Außerdem ermöglichen sie anderen Kliniken, sich in Richtung einer Politik der offenen Türen zu entwickeln.“

Atmosphäre schaffen, in der Patienten freiwillig bleiben

Insgesamt entsprächen die Ergebnisse seinen Erfahrungen in der Praxis, sagt Mazda Adli, Chefarzt der psychiatrischen Fliedner-Klinik Berlin und Forscher an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. „Allerdings muss man sich klarmachen, dass es in der Studie nur um Suizidversuche und Suizide ging, nicht um fremdgefährdendes Verhalten“, sagt Adli. „Suizidalität kommt oft bei Patienten mit Depressionen vor und ist nur selten, bei sehr schwer einschätzbaren Kranheitsverläufen, Grund für die Aufnahme auf eine geschützte Station.“

Dagegen gebe es durchaus Patienten, für die eine geschützte Station vorübergehend sinnvoll sein könne, so Adli. „Das sind zum Beispiel akut manische Patienten, die nicht eingrenzbar sind, oder wahnhafte Patienten, die von starken Ängsten geplagt werden.“ Allerdings sollten die Stationstüren immer so kurze Zeit wie möglich geschlossen sein und in kurzen Abständen überprüft werden, ob dies noch notwendig sei. Dasselbe gelte auch bei akuter Fremdgefährdung – etwa bei Patienten, die im akuten Wahn die Umgebung falsch interpretieren und dann andere gefährden könnten.

„Unabhängig davon, ob es in einer Klinik geschützte Stationen gibt oder nicht: Wichtig ist, eine positive therapeutische Atmosphäre zu schaffen, in der die Patienten sich sicher aufgehoben fühlen und bereit sind, freiwillig in der Klinik zu bleiben“, sagt Adli. Das bedeute vor allem in Kliniken mit „offenen Türen“ auch mehr Arbeit für Ärzte und Pflegepersonal – zum Beispiel durch die engmaschige Betreuung und Beobachtung der Patienten. „Dafür werden ausreichende zeitliche Ressourcen benötigt“, betont der Psychiater. „Es ist daher entscheidend, dass durch den ökonomischen Druck, möglichst kurze Behandlungszeiten zu erreichen, der Anteil geschlossener Türen in den Kliniken nicht ansteigt.“

Trend zu mehr Kontrolle in der Psychiatrie

Insgesamt gebe es in der Psychiatrie der westlichen Welt einen Trend zu immer mehr Zwangsmaßnahmen und Kontrolle, schreibt Tom Burns von der Abteilung Psychiatrie an der Universität Oxford in einem Kommentar zur aktuellen Studie. „Solche Maßnahmen werden von Land zu Land unterschiedlich gehandhabt – und dies spiegelt eher regionale Gepflogenheiten und Traditionen wider als nachgewiesene Unterschiede in den Eigenschaften der Patienten“, so Burns. Daher sei es sehr wichtig, darauf zu achten, dass solche Maßnahmen nicht willkürlich eingesetzt würden – und weiter zu erforschen, wie sich welche Maßnahmen auf das Verhalten und das Wohl der Patienten auswirken.

49 Wertungen (4.37 ø)

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18 Kommentare:

Isabell Regine Oeynhausen
Isabell Regine Oeynhausen

Die offene Psychiatrie hört sich zunächst an wie eine gute, menschenfreundliche Idee an.
Arbeitet man dann in Kliniken, die das praktizieren, kann man die Schattenseiten der Methode besichtigen: sehr problematische Patienten werden in Idolationszimmern untergebracht, wo nur alle viertel Stunde jemand nach Ihnen schaut, die sogenannen Akutstationen sind des Öftern geschlossen.
Eine wertschätzende Atmosphäre gibt es genauso auch in geschlossenen Psychiatrien, und ich halte es für wertschätzender, jemanden kurzzeitig in eine geschützte Abteilung zu bringen, wenn er seine Entscheidungsfähigkeit verloren hat, als ihn in einen Iso zu packen auf einer ‘offenen’ Station. Das gilt insbesondere für intoxikierte Patienten.

#18 |
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@gast
In der Psychiatrie wird zum großen Teil nicht heilbehandelt, sondern im Hirnstoffwechsel herumgepfuscht, und dem Patienten mehr geschadet als geholfen.
Wenn der Patient diesen Unsinn nicht mitmacht, unterstellt man ihm “fehlender Behandlungseinsicht”, nachdem man ihm nachdem er der “esoterischen Kaffeesatzleserei” die man in der Psychiatrie “Diagnostik” nennt, nicht folgen wollte, auch noch “fehlende Krankheitseinsicht” angedichtet hat.’
Die “fehlende Behandlungseinsicht” ist nicht “krankheitsbedingt” sondern zeigt, dass der Patient Verstand genug hat, den in medizinischen Phrasen gefassten Schwachsinn zu durchschauen.
Wenn es niemand Spaß macht mit Zwangsmaßnahmen zu reagieren, warum kommen dann manche Kliniken wie Martin Zinkler in Heidenheim, trotz Aufnahmeverpflichtung, komplett ohne Zwangsbehandlung aus und das Gros der Anderen nicht. “Geht nicht” ist der Bruder von “Ich will nicht”.
Niemand ist gezwungen in der Psychiatrie zu arbeiten.

Was macht denn die Psychiatrie mit 250 Euro pro Tag und Patient ???
Da wird sich dumm und dämlich verdient und die Patienten teilweise zu Wracks “therapiert” siehe. z.B.

http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/neuroleptika-wenn-psychopillen-das-gehirn-schrumpfen-lassen-13379742.html

Wenn man das Wort Evidenz benutzt sollte man auch wissen was es bedeutet,

#17 |
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Rettungsassistent

@ Dr. Hansen “Dabei waren alle Kliniken rechtlich verpflichtet, alle Personen eines bestimmten Einzugsbereichs aufzunehmen – unabhängig von der Schwere ihrer Erkrankung oder selbstgefährdendem Verhalten. Problematische Fälle wurden also nicht mit höherer Wahrscheinlichkeit in eine Klinik mit geschlossener Abteilung eingewiesen.”
Es war eben nicht so, dass die Patienten der offenen Stationen einen geringeren Gefährdungsgrad hatten, sondern es gab schlichtweg keine geschlossenen Stationen.

Mich würde interessieren, ob die offen geführten Stationen einen höheren Personalschlüssel hatten als die geschlossenen. Wenn dem so wäre, könnte das bessere Ergebnis auch schlichtweg an einer besseren Versorgung und nicht an den offenen Türen liegen. Gibt es hierzu Vergleichswerte?

#16 |
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Nichtmedizinische Berufe

Dr. Hansen, Sie haben Recht, natürlich befinden sich alle als potentiell suizidal erkannten auf den Geschlossenen Stationen. So jemanden auf der Offenen Station zu belassen, ist ein Kunstfehler.
@Gast, Sie beklagen die Diskriminierung der Psychiatrie gegenüber der Somatik. Ist es nicht gerade die crux der Psychiatrie, dass sie umbedingt gleich auf mit den exakten Wissenschaften . Seelische Erkrankungen dürfen nicht mehr seelisch sein, sondern es ist der Hirnstoffwechsel. Da könnte man auch Wut zur Adrenalinüberschusserkrankung erklären und mit Adrenalinantagonisten behandeln ( Nebenwirkungen im ganzen System inbegriffen).
Sie schreiben, Zwangsmaßnahmen sind unvermeidbar. Beispielsweise ist Fixierung in Groß- Britannien verloren. Benehmen sich britische Psychiatriepatienten besser oder wie kriegen sie das dort hin? Die Zwangsmaßnahmen haben mehr mit psychiatrischen Traditionen in den verschiedenen Ländern zu tun als mit medizinischen Notwendigkeiten. ( Übrigens hatte die Zahl der Fixierungen erst zugenommen, als die neuroleptische Zwangsbehandlung gerichtlich unterbunden worden war, dann aber wieder sehr abgenommen, als ein Gericht entschieden hatte, dass der Fixierte die ganze Zeit eine Sitzwache braucht – medizinische Wunder über Wunder, oder?)
ich sehe es übrigens nicht so, dass man, weil man Psychiatrie ( zu Recht oft) kriotisiert, die Patienten stigmatisiert. Ich war lange Zeit Psychiatriepatientin und bin daher gerade sehr kritisch eingestellt, was vor meinem Kontakt gar nicht der Fall war. Es geht doch eher darum, die Behandlung für Patienten, aber auch die Arbeitsbedingungen für die Behandlungsteams zu verbessern.

#15 |
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Dr.Hansen
Dr.Hansen

In meinen Augen könnte ein systematischer Fehler darin liegen, dass Patienten, die auf geschützten Stationen liegen tendentiell gefährdeter sind, als Patienten auf offenen Stationen. Ein Patient wird per definitionem ja nicht auf eine offene Station gelegt, wenn er sich nicht klar von Suizidaliät abgrenzen kann. Könnte das der Grund dafür sein, dass es auf offenen Stationen seltener zB zu Suizidversuchen kommt ;)

#14 |
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Gast
Gast

Die Art, wie Psychiatrie oft medial dargestellt wird, ist schon sehr ärgerlich und trägt sicher dazu bei, eine Stigmatisierung von psychiatrischen erkrankten Patienten aufrechtzuerhalten. Viele der Beiträge hier setzen das leider fort.
Psychiatrie ist nun mal leider – oder zum Glück – viel komplexer als viele somatische Gebiete. Meistens ist es ja weniger ein Problem, rein medizinische Einsätze durchzuführen, auch weil es scheinbar mehr oder überzeugendere kausale Zusammenhänge gibt. In der Psychiatrie ist das Meiste multifaktoriell bedingt, und ein Teil der typischen Symptome ist ja leider oft fehlende Behandlungseinsicht. Es macht niemandem Spass, darauf mit Zwangsmassnahmen zu reagieren, doch leider ist das oft unvermeidbar.
Eine Ganzheitssicht, in der sowohl dynamische, entwicklungspsychologische, soziale, mitmenschliche wie auch biologische Aspekte berücksichtigt werden, ist jedoch eine gute Voraussetzung, mit dem Patienten trotz allem früher oder später eine tragende Allianz aufzubauen. Eine Herausforderung, die die Arbeit in der Psychiatrie aber unvergleichlich vielseitig macht. Die fehlende Wertschätzung, die der Psychiatrie (sowohl als medizinischer Zweig, als auch den betroffenen Patienten und dem dort arbeitenden Personal) entgegengebracht wird wird dieser Komplexität nicht gerecht. Und schlussendlich leiden vor allem die Patienten. Wenn in der Psychiatrie an allen Enden gespart wird, und das liegt eben auch daran, dass Psychiatrie in der Medizin als Schlusslicht rangiert, dann kann Behandlung nie so optimal sein, wie es wünschenswert und möglich wäre. Es wäre schön, wenn die (mediale) Aufmerksamkeit mehr ressourcenorientiert wäre – eine positive Einstellung der Psychiatrie gegenüber könnte eine Kettenreaktion in Gang setzen, die allen, vor allem den betroffen Patienten, viel helfen würde. Und in der der Einsatz von Zwangsmassnahmen, für die es tatsächlich nur begrenzt Evidenz gibt, sukzessiv reduziert werden kann.

#13 |
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@ Beate Wethkamp
Die Psychiatrie ist sehr teuer und ineffizient dazu.
Die Diagnostik besteht meist aus esoterischer Kaffeesatzleser, nichts anderes ist ein nicht valides Diagnosesystem, nach Symptomen. Die Behandlung besteht meist aus einem Herumgepfusche im Hirnstoffwechsel.
Die Krankenkassen zahlen 250 Euro pro Tag für einen Patienten. Für ein Mehrbettzimmer mit Gemeinschaftsdusche und dreimal am Tag erzwungene Drogeneinnahme.
Es gibt natürlich auch ein paar Andere, die man aber fast an 10 Fingern abzählen kann.

Für das gleiche Geld bekommt man ein Wellneshotel und einen Personalcoach.
Im Hotelbereich wird nicht besser bezahlt als in der Psychiatrie.
Aber keiner würde sich herausnehmen seine Gäste so zu behandeln wie manche Mitarbeiter in manchen Psychiatrien die Patienten.
Manche Psychopathen leben da Ihre sadistische Ader aus. In einem Tierheim würde man die wahrscheinlich rauswerfen.
Wer nicht in der Lage ist mit Menschen umzugehen sollte irgendwo Regale einräumen, anstatt in der Psychiatrie zu arbeiten.

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Dipl.Psych Beate Wethkamp
Dipl.Psych Beate Wethkamp

Die Türen zu öffen ist einfach, aber eine ganz andere Sache ist es,
ausreichend geschultes, enspanntes, wertschätzendes Personal zu finden, dem man dann Arbeitsbedingungen bieten muss, dass es entspannt und wertschätzend bleiben kann. Das wäre die Lösung – und sehr teuer.

#11 |
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Mal umgekehrt gefragt.

Wer ist dann auf die vollkommen absurde Idee gekommen, dass Menschen mit psychischen Problemen dadurch gesund werden, indem man sie einsperrt und zwangsweise unter Drogen setzt.

#10 |
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@Frau Lammers – Sie stellen die richtigen Fragen!

In der Originalstudie heißt es: “Methods In this 15 year, naturalistic observational study, we examined 349 574 admissions to 21 German psychiatric inpatient hospitals from Jan 1, 1998, to Dec 31, 2012…”

Wer hat in dem Zeitraum in 21 deutschen Psychiatrien vergleichbare therapeutische Settings, eine valide Erhebung der psychpathologischen Befunde anhand der AMDP-Kriterien und eine darauf aufbauende Diagnose sichergestellt? In der Somatik hat man ja geglaubt, dass uns das DRG-System für derartige Betrachtungen eine objektivere Basis mit auf den Weg gegeben hätte. Evt. hofft man ja auch, das im Rahmen der Einführung des PEPP-Systems besser gewährleisten zu können. Es wäre ja wünschenswert, wenn man dadurch dem im letzten Absatz beschriebenen Trend entgegen wirken könnte.

#9 |
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Es ist nicht nur die geschlossene Tür sondern die entwürdigende Behandlung, in manchen Psychiatrischen Anstalten die eine Genesung der Patienten unmöglich macht.
siehe z.b:
http://www.klinikbewertungen.de/klinik-forum/erfahrung-mit-psychiatrisches-krankenhaus-emmendingen
Da wundert es nicht wenn die Patienten abhauen.

#8 |
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Nichtmedizinische Berufe

Nicht alle Patienten in den geschlossenen Abteilungen sind zwangsweise untergebracht, wie in dem Artikel ja auch erwähnt. . Gilt diese Beobachtung auch für diese Personerngruppe?
ich selbst war schon freiwillig auf der Geschlossenen und froh, weil ich gerade für nix garantieren konnte. Was wäre die Alternative gewesen? Fixieren? Chemische Ruhigstellung?
Es ist natürlich möglich, auch in offenen Stationen mit Patientenabsprachen u. ä. fast den Grad einer Geschlossenen zu erhalten, allerdings war die Personaldecke zu dünn, um wirklich für jeden Patienten zu garantieren.

#7 |
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Barbara Lammers
Barbara Lammers

was ist ein rechtzeitig, adäquate medikamentöse Behandlung
und wer überprüft dies
was ist ein spezifisch psychotherapeutisches Angebot
und wer überprüft dies

last but not least
was ist selbst -oder fremdgefährdendes Verhalten
wer stellt die Diagnose
wer schließt die Türen

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Sehr guter Artikel, hoffentlich wird er auch von den Entscheidungsträgern gelesen.

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@ Gast #2: Einfach das erste rot unterlegte Wort “Studie”” anklicken !!! Dann kommt nicht nur die Quelle, sondern auch die Originalarbeit im Lancet.

#4 |
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Student

Kann mich dem Lob nur anschliessen, ein guter Artikel.
Genau die sonst fehlende Wertschätzung und Anerkennung sind wichtig, um den Patienten abzuholen.
Wichtig jedoch ist aber auch, dass der Patient selbst etwas tun will.
Nur er kann sich – in schweren Fällen eben mit Hilfe – selbst aus dem Sumpf ziehen.

@Stefan Kaa
Genau diese Kindheiten prägen uns Menschen, jeden auf seine Weise.
Wie unterschiedlich die Lebenswege und daraus erfolgenden Erkrankungen sind, so ähnlich sind sie doch oft.
Der angesprochene Lösungsansatz ist oft der Weg zum Patienten, weil er sich dann oftmals angenommen – und auch verstanden – fühlt.

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Gast
Gast

Könnten Sie bitte eine Quellenangabe zu dem oben zitierten Artikel im “Lancet Psychiatry” machen?

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Stefan Kaa
Stefan Kaa

Gute Artikel. Besonders die Aussage “ein wertschätzendes Umfeld und eine offene, gute therapeutische Atmosphäre zu schaffen, bei der eine gemeinsame Entscheidungsfindung mit den Patienten gefördert wird”
Den Ansatz finde ich hervorragend. Es sind einfach Menschen und keine durch geknallten Verrückten. Oft liegen Traumata aus der Kindheit vor, es ist enorm wichtig, das solche Patienten wieder Vertrauen in das Leben finden und den Ärzte und Pfleger vertrauen können. Klar mag es in Akutsituationen vereinzelt Ausnahme geben, aber Mensch bleibt Mensch.

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