Barrett-Krankheiten: Zur Sache, Schätzung

22. August 2016
Teilen

In welchen Fällen entwickelt sich aus einem Barrett-Ösophagus ein gefährliches Barrett-Karzinom? Bislang war es fast unmöglich, dies abzuschätzen. Jetzt haben Forscher eine Genvariante gefunden, die nur bei Barrett-Karzinom-Patienten vorkommt.

Wenn Magensäure in die untere Speiseröhre aufsteigt, kann sich durch die Schädigung der Schleimhaut zunächst ein Barrett-Ösophagus und daraus dann ein Barrett-Karzinom entwickeln. „Das Barrett-Karzinom hat in den Industrieländern in den vergangenen Jahren sehr stark zugenommen““, erklärt Dr. Johannes Schumacher vom Institut für Humangenetik der Universität Bonn. Ursache sei eine Häufung ernährungsbedingter Refluxerkrankungen.

Studien identifizierten auch genetische Risikofaktoren: Insgesamt acht Verdachtsregionen waren bislang bekannt, die mit dem Auftreten des Barrett-Ösophagus und -Karzinoms in Zusammenhang stehen.

Ein internationales Forscherteam aus Großbritannien, den USA, Kanada und Deutschland, um Dr. Puya Gharahkhani vom Queensland Institute of Medical Research (QIMR) in Brisbane hat nun bei einer groß angelegten Untersuchung neun weitere Verdachtsregionen entschlüsselt. „„Damit hat sich die Anzahl der nun bekannten Risikovarianten mehr als verdoppelt“““, sagt Schumacher. Das internationale Team untersuchte anhand von Blutproben das Erbgut von 6.167 Barrett-Ösophagus- und 4.112 Barrett-Karzinom-Patienten.

Enger Zusammenhang mit Mukoviszidose

Mit modernen Hochdurchsatzverfahren entschlüsselten die Wissenschaftler pro Patient mehr als zehn Millionen Genvarianten und verglichen die Ergebnisse mit einer Kontrollgruppe im Umfang von 17.159 Menschen. Von den neun Verdachtsregionen, die nun bei den Erkrankten mit Barrett-Ösophagus oder Barrett-Karzinomen entdeckt wurden, steht eine auch mit Mukoviszidose in Zusammenhang.

„„Mehr als 80 Prozent der Mukoviszidose-Patienten leidet unter Reflux““, sagt Schumacher. Die genetischen Veränderungen bei Barrett-Erkrankungen und Mukoviszidose deuten möglicherweise auf veränderte chemische Bedingungen im Magensaft der Betroffenen hin.

Im engsten Patientenkreis

„„Bislang war es praktisch unmöglich abzuschätzen, in welchen Fällen sich aus einem Barrett-Ösophagus ein gefährliches Barrett-Karzinom entwickelt. „Wir haben nun eine Genvariante gefunden, die nur bei Barrett-Karzinom-Patienten vorkommt““, sagt  Schumacher.

Anhand dieser Abweichung im Erbgut lässt sich möglicherweise ein Patientenkreis eingrenzen, der sich häufiger Krebsuntersuchungen der Speiseröhre unterziehen sollte, damit die Entwicklung von Tumoren aus Vorstufen rechtzeitig erkannt wird. Allerdings ist diese Genvariante allein noch nicht aussagekräftig genug. Für eine zutreffende Prognose müssen die Wissenschaftler erst noch weitere Genvarianten entdecken, die nur beim Barrett-Karzinom vorkommen.

Originalpublikation:

Genome-wide association studies in oesophageal adenocarcinoma and Barrett’s oesophagus: a large-scale meta-analysis
Puya Gharahkhani et al.; The Lancet Oncology, doi: 10.1016/S1470-2045(16)30240-6; 2016

15 Wertungen (3.87 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.



Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: