Mangelware Testosteron: Nachschub für Männer

18. August 2016
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Im Alter kann der männliche Testosteronspiegel abfallen. Dabei lassen sich eine Reihe von Begleiterscheinungen wie Übergewicht und Depressionen beobachten. Eine Testosteronersatztherapie kann das Wohlbefinden wieder steigern. Aber ist ein Hormonersatz immer sinnvoll?

Ob Männer in die Wechseljahre kommen, wird immer wieder diskutiert. Bei dem Beschwerdebild handelt es sich jedoch um ein Androgendefizit, was auch Hypogonadismus genannt wird.

„Meist ist bereits ab dem 45. Lebensjahr eine stetige Abnahme des wichtigsten Sexualhormons Testosteron von etwa einem Prozent im Jahr zu beobachten“, sagt Prof. Dr. Sabine Kliesch, Vorsitzende der Patienten Akademie der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU).

Abhilfe durch Testosteronersatztherapie?

„Bei einem hohen Ausgangswert bereitet das keine Probleme. Doch es gibt Männer, die mit erheblichen Beschwerden zu kämpfen haben. Ihnen kann unter Umständen eine Testosteronersatztherapie helfen.“

Bei den 40- bis 79-Jährigen sind etwa zwei bis fünf Prozent der Männer vom altersbedingten Hypogonadismus betroffen. Besonders häufig zeigt sich der Hormonmangel in Zusammenhang mit Übergewicht und einem schlechten Gesundheitszustand. Aber auch Grunderkrankungen wie das metabolische Syndrom und Diabetes mellitus wirken sich negativ auf den Testosteronspiegel aus.

Zu den Leitbeschwerden, mit denen Männer die urologische Praxis aufsuchen, zählen Erektionsstörungen und Libidoverlust. Weitere Folgen des Androgendefizits sind Schlafstörungen, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten.

Mangel setzt Teufelskreislauf in Gang

„Die betroffenen Männer fühlen sich nicht mehr leistungsfähig. Sogar Depressionen können einen Hypogonadismus begleiten“, weiß Kliesch. Häufig zeigt sich zudem eine Abnahme der Muskelmasse bei gleichzeitiger Zunahme des gesundheitskritischen viszeralen Bauchfetts. Hinzu kommt, dass ein zu niedriger Testosteronspiegel andere Stoffwechselprozesse negativ beeinflusst.

Langfristig leidet das Blutbild und der Knochenstoffwechsel, Übergewicht sowie eine Störung des Zuckerhaushalts werden begünstigt. „Es ist ein Kreislauf: Zum einen fördert ein zu niedriger Testosteronspiegel die Entstehung von Stoffwechselkrankheiten. Zum anderen verstärken bereits bestehende Stoffwechselerkrankungen den Testosteronmangel. Hypogonadismus stellt für die Gesundheit des Mannes daher ein gewisses Risiko dar“, erklärt Kliesch.

Die Urologin und Andrologin empfiehlt Kollegen bei Patienten mit Beschwerden genau hinzuschauen und bei einem klinischen Verdacht auf einen Hypogonadismus die Testosteronwerte zu untersuchen.

Mehrere Fachärzte für optimale Therapie

Bei Symptomen und klinischem Verdacht ist der Hormontest eine Kassenleistung. Die endokrinologische Diagnostik erfasst dabei nicht nur die Bestimmung des Testosteronspiegels. Auch die Gonadotropine, das sexualhormonbindende Globulin (SHBG), Prolaktin sowie der PSA-Wert sind relevant. Kontraindikationen wie ein Prostatakarzinom müssen bei der Diagnostik ausgeschlossen werden.

„Testosteronwerte zwischen 8 und 12 nmol/l sollten genauer kontrolliert werden“, sagt Kliesch. Bestimmungen des Blutbildes und der Blutfette schließen sich ebenso an wie die Messung der Knochendichte. Die genannten Parameter müssen auch im Verlauf einer Substitutionstherapie kontrolliert werden.

Wichtig ist zudem, dass der Urologe im Zuge der Hormontherapie den Kontakt zu anderen Disziplinen etwa dem Hausarzt, dem Kardiologen und dem Diabetologen sucht, um dem Patienten eine bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen. Die Reduzierung gesundheitlicher Risiken, die in einem ungesunden Lebensstil begründet liegen und die Behandlung von Begleiterkrankungen sind gegebenenfalls wichtiger als die reine Testosteronersatztherapie.

Bessere Behandlung der Blutzuckerwerte

„Die Hormontherapie ist kein Allheilmittel. Allerdings kann die Gabe von Testosteron-Gelen oder Depotspritzen die Gesundheit und das Wohlbefinden des Patienten deutlich unterstützen“, erklärt Prof. Kliesch.

„In dem Moment, in dem ich den Stoffwechselhaushalt auf hormoneller Seite wieder in Ordnung bringe, lassen sich auch andere gesundheitskritische Werte wie ein zu hoher Blutzucker besser behandeln“, betont die Urologin und ergänzt: „Studien haben gezeigt, dass ein Diabetiker, der begleitend unter einem unbehandelten Hypogonadismus leidet, früher stirbt, als ein Diabetiker mit einem behandelten Testosteronmangel.“

Ganz aktuell weist eine amerikanische Studie zudem auf kardiovakuläre Vorteile einer Testosteronersatztherapie hin. Anders als bisher diskutiert, senkt demnach die Normalisierung der Testosteronwerte bei Männern ohne vorhergehende kardiovaskuläre Ereignisse das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle und vermindert die Gesamtsterblichkeit.

Aufklärung über Risiken

Vor Beginn der Substitutionstherapie ist es von großer Wichtigkeit, den Patienten über den Nutzen der Hormone, aber auch über Nebenwirkungen wie mögliche Auswirkungen auf die Prostata oder die Fruchtbarkeit aufzuklären.

„Diagnostik und Behandlung nach den Leitlinien der European Association of Urology (EAU) gewähren auch für den älteren Mann einen verantwortungsvollen Umgang mit der Hormonersatztherapie, die bei Patienten mit einem entsprechenden Beschwerdebild, bei nachgewiesenem Hypogonadismus, nach Aufklärung und Risikoabklärung sowie mit begleitenden Verlaufskontrollen zum Tragen kommen kann“, sagt Prof. Dr. Oliver Hakenberg, Generalsekretär der DGU.

Originalquelle:

Wann die Gabe von Testosteron im Alter sinnvoll ist
Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.; Urologenportal; 2016

21 Wertungen (4.1 ø)

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9 Kommentare:

dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

Speichelmessung:
ich halte diese Messung für ungenau u. nicht sicher vergleichbar ,denn die diversen im Mund verarbeiteten Füllungs-u.Zahnersatzmaterialien an sich sowie mit wechselnden Strom- u. Spannungswerten je nach Nahrungszufuhr ergeben keine sicher vergleichbaren Werte, bestenfalls Hinweiswerte . AUSNAHME : der Patient ist ZAHNLOS oder besitzt ein natürliches , unbehandeltes Gebiß ( dh. heißt auch ohne VersiegelungsKunststoffe)

#9 |
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Stritt
Stritt

Antwort zu Dr.Rimkus:
hat als Pionier erkannt, dass natürliche Hormone schützend wirken (nicht zellproliferativ wie die abgeänderten künstlichen Hormone) und dass es ein Gleichgewicht braucht zwischen den einzelnen Hormonen, um gesund zu bleiben (sonst droht z.B. Östrogendominanz). Er misst jedoch im Blut – laborchemisch misst man Steroidhormone im Speichel (95% der Hormone im Blut sind eiweissgebunden und stehen uns nicht zur Verfügung, im Speichel sind nur die freien).
Ausserdem substituiert er mit fixen Hormon-Kombinationen und sehr hoch dosiert. Östriol, wichtiges Schleimhauthormon (Gelenke, Darm) findet in seinen Texten keine besondere Erwähnung.

#8 |
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Stritt
Stritt

Zum Cholesterinspiegel:
Cholesterin ist die indirekte Vorstufe zu Progesteron (Zwischenschritt Pregnenolon). Fällt der Prog.spiegel beim alternden oder gestressten Mann (s.mein voriger Kommentar), liefert der Körper vermehrt die Vorstufen -> der Cholesterinspiegel steigt.
Beweis: wenn man in solchen Fällen zart mit natürlichem Progesteron substituiert geht der Cholesterinspiegel auf Normalwerte zurück.
Dasselbe gilt für Frauen in der Menopause!

#7 |
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Stritt
Stritt

Sehr interessant, dass immer noch nicht beachtet wird, dass auch Männer nicht nur Testosteron sondern natürliches Progesteron und Östradiol (auch Östriol) brauchen. Wenn das Progesteron fällt kommen sie in eine Östrogendominanz – mit allen Zeichen einer Erschöpfungsdepression, Bauchansatz, Bluthochdruck, Mangelnde Stressresistenz. In den USA schon seit 30 Jahren wissenschaftlicher Standard setzt sich die Behandlung mit zarten natürlichen Hormonimpulsen hier immer noch recht zögerlich durch.
Dr.B.Strittmatter

#6 |
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Heilpraktiker

Testosteron wird über verschiedene Zwischenschritte aus Cholesterin gebildet. Ich behaupte mal, dass ein Großteil der Männer mit niedrigen Testosteronwerten gleichzeitig zu hohe Cholesterinwerte hat…
Viel sinnvoller als einfach mal Testosteron zu substituieren wäre es doch, die Verstoffwechselung von Cholesterin zu optimieren. Beispielsweise bei Bedarf die Ergänzung von B3, Eisen, Zink, D3, Magnesium, Vitamin E…
Schließlich muss das zugeführte Testosteron ja auch wieder abgebaut werden, sonst kommt es u.U. zu einem Zuviel an Estradiol, welches wiederum andere Regelkreise durcheinander bringt…

#5 |
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Was ist hier eigentlich die Henne, und was das Ei? Oder anders gefragt: Würde eine Umstellung des Lebensstils die Testosteronwerte wieder verbessern?

#4 |
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Mitarbeiter Industrie

..war da nich gerade ein sehr kritischer Fernsehbericht der den behandlungspflichtigen Testesteronspiegel als Pharmamarketing bezeichnet und die Experten in den Verdacht der finanziellen Beziehung zu eben diesen Pharmaunternehmen gestellt hat… ????

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Martin Bökenkamp
Martin Bökenkamp

Habe ich bereits schon einmal an anderer Stelle gefragt, allerdings ohne Antwort. Deshalb noch einmal: ich würde auch gern in diesem Zusammenhang einmal die Erfahrungen und Meinungen zu der Rimkus Methode von verschiedenen Ärzten hören.
Ist die Hormonersatztherapie zu empfehlen?

#2 |
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Martin Bökenkamp
Martin Bökenkamp

Interessanter Artikel. Ich würde auch gern in diesem Zusammenhang einmal die Erfahrungen und Meinungen zu der Rimkus Methode von verschiedenen Ärzten hören.
Ist die Hormonersatztherapie zu empfehlen?

#1 |
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