Burnout: Ausgebrannt am Arbeitsplatz

23. August 2016
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Ein Ungleichgewicht zwischen den unbewussten Bedürfnissen einer Person und den Anforderungen am Arbeitsplatz kann das Burnout-Syndrom verursachen. Die Ergebnisse der Studie könnten bedeutsam für die Vorbeugung von berufsbedingtem Burnout sein.

Wie Wissenschaftler der Universitäten Zürich und Leipzig jetzt nahe legen, spielen die unbewussten Bedürfnisse von Arbeitnehmern, die sogenannten „impliziten Motive“, eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Burnout-Syndroms.

Laut Angaben der Forscher stehen hierbei zwei wichtige Persönlichkeitsmotive im Vordergrund: Das Macht- und das Zugehörigkeits-Motiv. Beide Motivationen leiten sich aus den impliziten Bedürfnissen eines Menschen ab. Verspürt ein Mensch das Bedürfnis, Verantwortung für andere zu übernehmen, sich aktiv an Diskussionen und Verhandlungsgesprächen zu beteiligen und die Disziplin aufrechtzuerhalten? Oder legt er mehr Wert auf positiv-konnotierte persönliche Beziehungen mit den Mitmenschen, um Vertrauen, Wärme und Zugehörigkeit zu spüren?

Kommt es zu einem Missverhältnis zwischen der ausgeübten Arbeit und einem dieser impliziten Motive, könnte ein Burnout-Syndrom begünstigt werden.

Burnout-Patienten im Fokus

Um zu den Ergebnissen zu gelangen, untersuchten die Wissenschaftler insgesamt 97 Burnout-Patienten zwischen 22 und 62 Jahren. Alle Probanden wurden über eine Schweizer Website für Burnout-Patienten kontaktiert und füllten Fragebögen über ihr physisches Wohlbefinden, den Grad ihres Burnouts und die Charakteristiken ihres Jobs aus.

Da es in der Regel besonders schwierig ist, persönliche Stärken und Schwächen allein durch die Selbsteinschätzung der Probanden zu messen, baten die Forscher die Probanden, erfundene Kurzgeschichten niederzuschreiben, in denen sie fünf vorgegebene Bilder beschrieben. Die Bilder zeigten einen Architekten, einen Trapezkünstler, Frauen im Labor, einen Boxer sowie eine Szene in einem Nachtclub.

Der Burnout-Code

Im Anschluss wurde jede Geschichte durch ausgebildete Kodierer analysiert. Deren geschulte Augen scannten die Texte nach positiven persönlichen Beziehungen zwischen Personen und nach Charakteren, die Einfluss und Macht auf ihre Mitmenschen ausübten. Teilnehmer, die häufig eines der beiden Motive verwendeten, wurden entsprechend eingestuft.

Stressoren undercover

„Wir haben herausgefunden, dass Frustration, ausgelöst durch fehlende Möglichkeiten eines Motivations-geleiteten Verhaltens, nachteilig für das psychologische und physische Wohlbefinden ist“, so die leitende Studienautorin Prof. Veronika Brandstätter. „Beide Formen eines Missverhältnisses fungieren als ‘versteckte Stressoren‘, die ein Burnout verursachen können.“

Möglichkeiten der Prävention

Die Forscher legen aber auch nahe, dass Maßnahmen zum Ausgleich des Missverhältnisses das Burnout-Risiko mindern und so das Wohlbefinden während der Arbeit steigern können. „In der heutigen globalisierten Ökonomie ist eine motivierte Arbeitskraft ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Aus diesem Grund werden innovative Ansätze benötigt, die über attraktive Arbeitsbedingungen hinaus gehen“, so Beate Schulze, Vizepräsident der des Schweizer Experten Netzwerkes zum Thema Burnout.

Lesen Sie hier die Ergebnisse der Studie im Detail.

30 Wertungen (3.97 ø)

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7 Kommentare:

Gast
Gast

Die Ursache liegt in aller Regel in der Arbeitsstelle und im Arbeitsprozeß, von einem bestimmten Prozentsatz – nehmen wir etwa den nicht unbeträchtlichen Kreis hochsensibler Menschen – kaum oder gar nicht auszuhalten, was in verschiedenster Hinsicht zu Überforderung mit entsprechenden Konsequenzen führt. Da helfen auch keine Einzelfall- Gegenbeispiele, die es natürlich gibt, aus z. T. interessengesteurten Bereichen.

#7 |
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Ich kenne zwei Frauen ,welche wegen Burnout Syndrom Monate lang nicht mehr in die Arbeit kommen und ich weiß mit Sicherheit, dass das Problem zuhause liegt in der Partnerschaft Beziehung; dennoch wird weiter die Arbeit als Grund für die Beschwerden gegeben!

#6 |
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Ärztin
Ärztin

Hallo Gast Nr. 4

Stimmt, das DURCHSCHNITTSeinkommen von Ärzten ist deutlich höher als das der meisten anderen Berufsgruppen, aber deshalb sind nicht alle Ärzte reich, auch hier tut sich eine gewaltige Schere auf: Einige wenige Chefärzte, Klinikdirektoren und vor allem Eigentümer gut etablierter Versorgungszentren und Fachpraxen verdienen ein vielfaches mehr als der durchschnittliche Kleinpraxisbetreiber oder Klinikarzt.

Aber selbst wenn Herr Dr. Freiburg zu den “glücklichen” Top-Verdienern zählen sollte, dann kann er sich davon seine Gesundheit und sein Familienglück auch nicht zurückkaufen. Die Jahre die man braucht um dahin zu kommen als fleissiger Student ohne Bezahlung oder als engagierter und auch nicht gerade üppig bezahlter Klinikassistenzarzt mit vielen Überstunden (die keineswegs immer ausbezahlt werden…) gehen schließlich auch nicht spurlos an einem vorüber.

Das ist ja gerade ein typisches Merkmal von Burnout-Patienten: Es kann jeden treffen und ein hohes Gehalt schützt davor nicht, auch wenn andere meinen man hätte wegen guter Bezahlung kein Recht zu “jammern”. Wer so etwas sagt hat die Erkrankung nicht verstanden.

#5 |
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Gast
Gast

Hallo Herr Freiburg,

dafuer haben Sie aber bestimmt auch ein deutlich hoeheres Einkommen
als ein 38,5-Stunden-Arbeitnehmer und duerfen selbst ueber Ihre Arbeit
und deren Menge entscheiden. Das Einkommen ist natuerlich daran gekoppelt…

#4 |
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Dr. med. Jens Freiburg
Dr. med. Jens Freiburg

toll, aber was sollen wir als Ärzte dazu sagen, seit Jahren komme ich nicht unter einer 75-80 Stunden Woche nach Hause. Mittlerweile geschieden, klar welche Partnerin macht das mit?

#3 |
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Michael Siepe
Michael Siepe

Banale Studie. Hat wahrscheinlich ein paar Millionen gekostet…

#2 |
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Heilpraktiker

Na toll, Frust begünstigt Burnout. Was für eine neue Erkennnis…

#1 |
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