Strahlenkrankheit: DNA im Dauerfeuer

17. März 2011
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Die Angst vor einer atomaren Katastrophe in Japan wächst, und zahlreiche Kollegen erinnern sich mit Schrecken an die Bilder des Reaktorunglücks von Tschernobyl. Vor allem bei akuten Ganzkörperbestrahlungen bestimmt die Dosis, wie schwerwiegend gesundheitliche Folgen sein werden.

Strahlung ist nicht gleich Strahlung: Verschiedene Arten der verhängnisvollen Partikel oder Wellen haben ganz unterschiedliche Effekte. Alphastrahlung etwa besteht aus geladenen Heliumkernen, und Beta-Strahlung ist aus Elektronen aufgebaut. Beide Spezies haben in Luft keine große Reichweite – bereits Mauern oder dünne Metallfolien schirmen wirkungsvoll ab. Gelangen Alpha- oder Beta-Strahler allerdings über Nahrung oder Trinkwasser in den Körper, hat das verheerende Folgen für die Zellen, die quasi von innen heraus unter Beschuss genommen werden.

Energiereiche Gamma-Strahlung, wie sie aus Cäsium-137, einem Spaltprodukt im Atomreaktor, freigesetzt wird, lässt sich so leicht nicht stoppen. Sie durchstrahlt alle Strukturelemente des Körpers mehr oder minder stark. Das gilt auch für Neutronen, ungeladene Partikel, die im Kraftwerk für den Zerfall der Urankerne und damit für die Freisetzung von Energie sorgen. Beim seltenen Zusammenstoß mit Atomkernen des menschlichen Körpers entstehen weitere beschleunigte Teilchen, die große Schäden verursachen können. Zum Vergleich: Röntgenstrahlung, relativ energiearm, sprich „weich“, wird bereits von Knochen stark abgeschirmt. Dementsprechend erscheinen Strukturen hoher Dichte im Röntgenbild als Schatten.

Molekulares Massaker

Vor allem Menschen, die sich in der Nähe eines havarierten Kernkraftwerks befinden, bekommen in kurzer Zeit hohe Dosen ab: durch Strahlung aus der Anlage selbst sowie durch hohe Konzentrationen an gasförmigen Spaltprodukten. Im weiteren Umfeld macht sich der Fallout bemerkbar. Niederschläge waschen radioaktive Stoffe aus der Luft, und über die Nahrungskette bzw. das Trinkwasser gelangen Nuklide in den Körper.

Auf molekularer Ebene schädigen die hochenergetischen Teilchen das menschliche Erbgut. Bei geringen Strahlendosen gelingt es körpereigenen Enzymen zwar, den Schaden durch Reparaturprozesse schnell zu beheben. Reißen alle Stricke, zerstört der programmierte Zelltod, die Apoptose, was noch übrig geblieben ist. In gewissem Rahmen kann der Körper dies verschmerzen, bei hohem Verlust aber kommt es zum Ausfall wichtiger Funktionen und Symptome der Strahlenkrankheit treten auf.

Von den Folgen werden nicht alle Strukturen gleichermaßen in Mitleidenschaft gezogen. Gewebe, die der Körper selbst relativ rasch austauscht, trifft es besonders arg, indem dessen Reservoir an Vorläuferzellen zu Grunde geht. Die ausgereiften Zellen selbst sterben oftmals nicht direkt ab, können aber nicht mehr erneuert werden. Besonders empfindlich ist dabei die Schleimhaut im Magen-Darm-Trakt. Und das Knochenmark verringert die Bildung von Vorläufern entsprechender Blutzellen. Auf der Haut entstehen zudem Geschwüre bzw. verbrennungsartige Symptome, auch hier versagt das körpereigene Ersatzteillager.

Sievert: das Maß aller Dinge

Nach einem Strahlenunfall zeigen sich Frühschäden innerhalb von wenigen Stunden in Form unspezifischer Symptome, gefolgt von einer relativ beschwerdefreien Latenzphase. Schließlich entwickelt sich das volle Krankheitsbild, indem immer mehr Zellen zu Grunde gehen. Je nach Dosis erholen sich Strahlenopfer dann langsam – oder versterben. Letztlich bestimmt die vom Körper aufgenommene Strahlungsenergie die Stärke der Schäden und damit auch die Überlebensrate. Als Einheit ist das Gray (Gy) geläufig. Die von einem Organ absorbierte Energie wird auch als “Organenergiedosis” bezeichnet. Um die Strahlenwirkung auf den Körper abzuschätzen, reicht die alleinige Angabe der Energiedosis allerdings nicht aus. Der Grund dafür ist, dass die verschiedenen Strahlungsarten (Alpha-, Beta-, Gamma-Strahlen) bei gleicher Energiemenge im Gewebe unterschiedliche biologische Wirkungen entfalten. Die biologische Wirksamkeit der Strahlung wird deshalb durch so genannte Wichtungsfaktoren erfasst. Das Produkt aus Organenergiedosis und dem Wichtungsfaktor heißt dann “Organdosis”. Ihre Maßeinheit ist das Sievert (Sv).

Bei Belastungen zwischen einem und sechs Sievert stehen neben Übelkeit oder Erbrechen Schäden des blutbildenden Systems im Mittelpunkt. Radioaktivität zerstört bei dieser hämatopoetischen Form der Strahlenkrankheit diverse Vorläuferzellen im Knochenmark – das Infektionsrisiko steigt rapide an und unspezifische Blutungen treten auf. Ohne adäquate Therapie versterben etliche Patienten, die Mortalität steigt bis auf 60 Prozent bei Werten um sechs Sievert. Bereits ab etwa drei Sievert zeigt die Haut erste Schäden, die auf den ersten Blick Verbrennungen ähneln.

Erhöht sich die Belastung weiter, sprich betragen die Strahlendosen fünf bis 20 Sievert, gehen Zellen des Magens und des Darms zu Grunde. Diese gastrointestinale Form der Strahlenkrankheit ist mit starken Blutungen und dem massiven Verlust von Elektrolyten verbunden. Ein Teil erholt sich zwar subjektiv. Nach dieser sprichwörtlichen Walking-Ghost-Phase tritt aber unweigerlich der Tod ein. Ohne intensivmedizinische Maßnahmen liegt die Mortalität bei nahezu 100 Prozent. Über 20 Sievert hinaus beobachten Fachärzte Schäden am zentralen Nervensystem, und das Herz wird in Mitleidenschaft gezogen – eine realistische Überlebenschance für die Patienten besteht nicht mehr.

Schwache Dosis – langsame Wirkung

Dass auch relativ geringe Strahlendosen unter 0,5 Sievert Krebsraten erhöhen, mag zunächst erstaunen. Akute Symptome finden Kollegen bei dieser Gruppe von Strahlenopfern meist nicht. Dennoch laufen zelluläre Prozesse auf Hochtouren. Versagen dabei Apoptose oder Reparatur, wird es kritisch. Über viele Jahre hinweg können dann entsprechend vorgeschädigte Zellen in den Prozess der Krebsentstehung eintreten, und schlussendlich teilt sich eine Zelle unkontrolliert. In Hiroshima und Nagasaki etwa konnten Epidemiologen auch bei relativ weit vom Abwurfort entfernten Menschen weitaus mehr Todesfälle durch Leukämie bzw. durch solide Tumoren nachweisen. Allerdings zeigen sich Auswirkungen des veränderten Erbguts möglicherweise erst bei späteren Generationen.

Im Falle eines Falles

Bei strahlenmedizinischen Notfällen ist umsichtiges Handeln wichtig, um nicht sich und andere Kollegen zu gefährden: Notfallteams klären zuerst mittels Messgeräten, ob sich am Patienten selbst noch radioaktive Stoffe nachweisen lassen. Falls ja, sind Maßnahmen der Dekontamination wie die Entfernung der Kleidung sowie das gründliche Abduschen unerlässlich. Als medizinische Sofortmaßnahme werden fehlende Elektrolyte ergänzt, und zur Infektionsprophylaxe sind Antibiotika sinnvoll. Anschließend untersuchen Hämatologen, wie weit die Schädigung des Blut bildenden Systems vorangeschritten ist. In schlimmeren Fällen ist die Gabe von Stammzellen erforderlich, zur Akutversorgung helfen Bluttransfusionen.

Inkorporationen, also vom Körper aufgenommene Strahler, erweisen sich selten als derart stark, dass sie zu akuten Strahlenschäden führen. Allerdings reichern sich bestimmte Nuklide organspezifisch an, und es kann zu Langzeitfolgen kommen.

Lesen Sie morgen den zweiten Teil der Serie zum Thema “Isotope”.

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Medizin, Onkologie

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20 Kommentare:

Dr. Oliver Ketter
Dr. Oliver Ketter

Nicht nur Möglich, die absolute Strahlendosis wird in Kreisen des Fachwissens schon auf das 1000 fache geschätzt und ist sehr wohl wahrscheinlich, da ein Reaktorkern offen liegt und zwar so Offen, dass Brennstäbe aus einem Helikopter zu sehen sind.

Dies was den Behörden im Moment Angst macht ist die Tatsache, dass nun bei unzureichender Kühlung des Reaktors, nun eine Kettenreaktion stattfinden könnte. Das würde bedeuten, dass eine unkontrollierte Spaltung der Atome statt finden könnte und gleichzeitig die Hitze dafür sorgt, dass es eine mit der Menge abhängigen Verstrahlung in nicht unerheblichem Maß stattfinden wird. Es wird geschätzt, dass so ein Umkreis von mehr als 450 Kilometer um das Reaktogelände kontaminiert wäre.

Wichtig ist nun, die Abwärme zu reduzieren. Wichtig ist es auch, die Strahlendosis zu verringern, in dem man eine Kettenreaktion verhindert.

Aber am Wichtigsten wird sein, diese Katastrophe mit Tschernobyl zu vergleichen, um Rückschlüsse darüber zu bekommen, was Möglich wäre und ist.

#20 |
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@ 22 Igor
Meine Quellen waren “Wikipedia/Kohlekraftwerk/Radioaktive Emissionen” und eigene Berechnungen und Schlussfolgerungen.

Unter Wikipedia/Uran findet man 20g Uran pro Tonne Ausgangsmaterial schon sensationell hoch. Wie Herr Hammerla auf 30 g Uran pro Tonne Steinkohle kommt, weiß ich nicht. Wie gesagt, da würde sich die Atomindustrie drauf stürzen. Auch der angeblich so hohe Urangehalt der Erdoberfläche ist von ihm fehlinterpretiert: Er bezog sich auf einen Quadrat k i l o meter Fläche und 33 cm Tiefe. Uran ist dabei ein extrem seltenes Element.

Das mit den Straßen- und Sportplatzbelägen ist Unsinn. MfG

#19 |
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@ 18 Ulrich Hammerla: Was ist das denn für ein Unsinn?

Die Asche von europäischer Kohle enthält etwa 80¿135 ppm Uran, und nicht alle seine Isotope strahlen gleich stark. Eine Tonne Kohleasche enthält demnach zwischen 0,00008 bis 0,000135 t, also 80 bis 135 Gramm Uran. Die Erdoberfläche, wie Sie richtig bemerken, enthält ubiquitär natürliches Uran. Doch bei einem 1.000 Tonnen (SKK) Steinkohlekraftwerk kommen die 1.000 t Kohle und ihre Beimengungen nicht unverbrannt durch den Schornstein wieder heraus, und die Rauchgasentstaubung ist in Deutschland zumindest Standard.

Letzter Hinweis: Wenn Sie von einer Steinkohle mit 30 g Uran pro Tonne wissen, verraten sie es bitte Niemandem. Die AKW-Betreiber und die Atomindustrie würden sich sofort darauf stürzen, um das daraus gewonnene Uran für ihre neuen geplanten Atommeiler zu verwenden. Die Dummheit stirbt eben nie aus.

MfG

#18 |
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Dr. Hellmut Anger
Dr. Hellmut Anger

Danke für die Info!

#17 |
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Dr. med. Ernst Reimer
Dr. med. Ernst Reimer

Zur weiteren Information sei folgende website empfohlen:
IPPNW.de

#16 |
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Noch ein paar Infos zur vergessenen alltäglichen Strahlenbelastung:
Uran – und damit auch seine radioaktiven Isotope und ihre Zerfallsreihen, ist in der Erdkruste ein häufiges Element, pro km² etwa 1.5 Tonnen in den obersten 30cm.
Steinkohle enthält zwischen 3g und in Extremfällen 30g Uran pro Tonne, ein 1000-Tonnen-Steinkohlekraftwerk oder Stahlwerk entlässt also täglich mindestens 3kg Uran, davon 27g U-235 in die Umwelt (Filterstaub, Schlacke). Grubenabluft enthält reichlich Radon, Grubenwässer enthalten so viel Radium, Protactinium, Radioblei und Thorium, dass die Schlämme aus den Absetzbecken eigentlich in einem Endlager für radioaktive Abfälle deponiert werden müssten.
Die Entstaubung von SKK-Rauchgasen erfolgt erst seit etwa 30-40 Jahren, noch viel länger wurden Asche und Schlacken als Straßenbelag und für Sportplätze verwendet.
Das spricht doch für eine enorme, auf unserer radioaktiven Welt evolutionär notwendige Strahlentoleranz alles Lebendigen einschließlich des Menschen.

#15 |
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Kurz zur Ergänzung der 1 mSv Grenze: Dies ist eine rein willkürliche Festlegung für den Strahlenschutz zum Schutz des Personals in Kliniken und Co… Ab der potentiellen Belastung von 1 mSv muss man überwacht werden. Erlaubt in diesen Bereichen sind 20 mSv pro Jahr. Auch diese Dosis darf im Einzelfall überschritten werden, allerdings sollte dann der Wert von 100 mSv über 5 Jahre nicht mehr überschritten werden.

Die natürliche Strahlenbelastung beträgt in D im Schnitt 1-1,5 mSv / Jahr. Dazu kommen ca. nochmal 1-2 mSv pro Jahr für medizinische diagnostische Zwecke.
Andere Regionen haben da schon mehr an natürlicher Strahlenbelastung zu bieten! Das gern genannte Beispiel ist der Iran: Dort gibt es im Mittel ca. 18 mSv / Jahr, in manchen Regionen bis zu 450 mSv pro Jahr. Und auch dort treten keine erhöhten Raten von Tumorerkrankungen auf!!
A propos, liebe Raucher: 1 Schachtel pro Tag bringt euch ca. 20 – 120 mSv pro Jahr Strahlenbelastung!

Unabhängig davon ist das eine absolute Katastrophe in Japan und inzwischen haben wir ja auch massiv freigesetzte Radioaktivität. Mein Mitgefühl gilt den betroffenen Menschen dort! Respekt, wie sie mit dieser Katastrophe umgehen. (Und peinlich, dass bei uns fast nur über die AKW Verlängerung diskutiert wird…)
Bei uns muss sich keiner Sorgen machen. Aktuell wird ja wieder ein neues Level an Strahlenphobie erreicht…

#14 |
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Nicht nur @ Anonymus

Eine gute Darstellung findet sich in dem Glossar:

http://www.aerztezeitung.de/panorama/k_specials/japan/article/645336/gy-sv-bq-glossar-strahlenschutz.html

mSv ist immer die Abkürzung für Millisievert (ein Tausendstel Sievert) und nicht micro oder makro. Der Zeitbezug pro Jahr ist sinnvoll, weil es sich meist um radioaktive Substanzen mit höherer Halbwertszeit handelt (z.B. Cäsium 137 HWZ 30 Jahre; Radium 226 HWZ 1.620 Jahre).

MfG

#13 |
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Franz Nerz
Franz Nerz

Ein wirklich sehr hilfreicher Beitrag.
Wünschen würde ich mir in diesem Zusammenhang weitere detaillierte Informationen wie sie Dr. Schätzler in seinem Kommentar geschrieben hat.
Konkret:
Es ist abzusehen, dass uns unsere Paienten bei notwendigen röntgendiagnostischen Maßnahmen zunehmend die damit vebundene Strahlenbelastung hinterfragen werden.
Das kostet erfahrungsgemäß viel Zeit für Diskussionen.
Sehr hilfreich wäre in diesem Zusammenhang eine Aufstellung angefangen vom einfachen Zahnfilm und Panoramaaufnahmen (OPG) über DVT und CT bis hin zum Spiral-CT und nuklearmedizinischen Untersuchen (z.B Knochenmatastasensuche).
Was nützen theoretische Belastungsangaben aus den Medien in denen Journalisten und Politiker skrupellos und völlig blank von jeglichem physikalisch-chemisch-medizinischen Sachverstand milli und mikro, Stunden und Jahresbelastung nach belieben verwechseln und durcheinander werfen, hauptsache eine Meldung erregt in den Medien Aufmerksamkeit. Einschaltquote und Auflage ist eben alles.
Was ich mir wünsche sind validierbare biophysikalische Angaben mit phys. Einheit und einem Vergleich zur normalen natürlichen Strahlenbelastung mit der ein “normaler” Patient auch etwas anfangen kann, wie beispielsweise die Belastung einer Zahnfilmaufnahme ist so hoch wie ein 4-stündiger Spaziergang in einer Stadt…

#12 |
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Ärztegemeinschaft  Amedis
Ärztegemeinschaft Amedis

Ich finde den Artikel über Strahlenexposition und CT sehr gut!!! Hier wird auch ein hohes Risiko eingegangen und dabei gäbe es zumindest teilweise Alternativen z.B. MRT/sono oder vielleicht eine gründliche körperliche Untersuchung.

#11 |
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Ärztegemeinschaft  Amedis
Ärztegemeinschaft Amedis

Die Vorgänge in Japan sind schrecklich trotzdem wird hier von den Medien ein Alarmismus verbreitet der schon eigenartig ist. Tatsache ist, dass durch den Tsunami weitaus mehr Menschen gestorben sind als durch diesen Atomunfall. Oder wenn man über Risikotechnologien spricht, dann ist das Auto sicher die gefährlichste Technik mit mehr als 4000 Toten in Deutschland jährlich. Nur weil wir das Gefühl haben, dass wir dieses Technologie Auto im Griff haben ängstigt es keinen, dass jeden einzelnen TAg mehr als 10 Menschen durch diese Technik sterben.
Wenn wir auf fossile Energieträger zurückgreifen wird alles noch schlimmer. Über den Klimawechsel sterben dann halt noch mehr Leute bei Überschwemmungen etc. Das sollte und muss einem klar sein und diese Eideidei Bewertungen irgendwelcher gutmeinenden bringen das Thema nicht wirklich weiter.

#10 |
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Psychologin Ilona Wappler
Psychologin Ilona Wappler

Danke für die ehrlichen Ausführungen in der Thematik, – mir stellt sich die Fragen wo begann der Wahnsinn ? Wissenschaft Forschung kann Segen & Fluch gleichzeitig sein. In diesem Sinne seit achtsam, sorgsam mit dem was Euch anvertraut.

Freundliche, kollegiale Grüße I. Lyn Wappler, MvP

#9 |
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Ulrich Buchheit
Ulrich Buchheit

Danke Dr. Middelberg, Vet – auch dank Ihnen bin ich inzwischen deutlich besser über ´Strahlkendosis` informiert …und -das ist schon wahr- deutlich besser, als ich jemals darüber informiert war.

#8 |
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Student der Humanmedizin

“Die Verstrahlung geht ins Wasser, Wasser nimmt alles auf und wer von der Homöoopathie was versteht, weiß, dass die Information Mensch und Tier schon stark belastet.”

Wer von Homöopathie was versteht, kommt dann sicher auch dahinter, dass diese stark verdünnte, also potentierte Strahlung heilend wirken müsste… ;)

#7 |
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Dr. med. Gerhard Middelberg
Dr. med. Gerhard Middelberg

Sievert (Sv) oder Milli-Sievert (mSv)sind mit einem Gewichtungsfaktor (s. Artikel) multiplizierte Energiedosen (Gy oder mGy, d.h. absorbierte Stralungsenergie in Joule pro Kilogramm Materie, also von vorn herein eine Einheit ohne jeden Zeitbezug. Natürlich kann man dann angeben, wieviel Strahlendosis man pro Zeit abbekommt, aber das ist dann eine Dosis-Leistung (Watt/kg) und keine Energiemenge mehr. Interessant für die Schäden ist in erster Linie die Dosis (also Energiemenge, natürlich mal Wichtungsfaktor), jedoch auch, wie man aus der Strahlentherapie weiß, die Fraktionierung. Wenn man also deutlich subletale Dosen in ausreichend großen zeitlichen Abständen appliziert, so daß die Reparaturprozesse zwischenzeitlich nicht überfordert werden, kann man ohne tödlichen Ausgang (von krebsentstehung etc. abgesehen) Gesamtdosen applizieren, die als Einmaldosis in rel. kurzer Zeit zum Tode führen.

#6 |
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Daniel Nieswandt
Daniel Nieswandt

Ja das stimmt Gute Auffrischungsinfo’s!!

#5 |
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Ulrich Buchheit
Ulrich Buchheit

Zitat Herr Dr. Schätzler: ´Im Normalbetrieb ist eine Strahlenbelastung der Umgebung von 1 Millisievert (1 mSv) pro Jahr zulässig. Die berichtete Dosissteigerung beträgt jetzt 400 mSv pro Jahr, und ein Ende ist noch nicht abzusehen`

Abgesehen davon dass in den meisten (von mir gelesenen) Infobeiträgen die Sievert Einheiten mSv für Microsievert gebraucht wird (bei Dr. Schätzler hier = Millisievert)irritiert mich die Bezeichnung ´pro jahr`…

Irritierend für mich deshalb, weil ich mich zuerst bei vielen Medienberichten darüber geärgert habe, dass die Sievert-Angaben meistens OHNE einen Zeitbezug erfolgten (wird ein Mensch in Reaktornähe dort eine Sekunde lang einer Strahlendosis von 400 Millisievert ausgesetzt oder eine über einen Zeitraum von 1. Stunde…Minute, Jahr?).

Dann habe ich mir das Fehlen eines Zeitbezugs damit erklärt, dass die Sievertangabe – wie es auch im DocCheck oben vermittelt zu sein scheint – als Organdosis zu verstehen ist – also egal wie lang eine Disposition bestanden hat, nach dieser (400-Millisievert-) Messung, haben die Menschen die sich dort befinden eine Strahlendosis von 400 Millisievert abbekommen, also absorbiert, inkorporiert…

Jetzt gebraucht Herr Dr Schätzler diese Einheit wieder im Zeitbezug (400 mSv pro Jahr)…

Ich finde auf Anhieb keine erhellenden Erklärungen.
Kann mir jemand weiterhelfen?

#4 |
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Ein sehr informativer Artikel angesichts der Katastrphe in Japan auch sehr bedrückend

#3 |
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Vom Versuch, sich das Unvorstellbare vorzustellen

Das muss man sich einmal vorstellen: Im Bereich des Atomkraftwerks Fukushima sind drei Reaktorblöcke in der Kernschmelze. Im Normalbetrieb ist eine Strahlenbelastung der Umgebung von 1 Millisievert (1 mSv) pro Jahr zulässig. Die berichtete Dosissteigerung beträgt jetzt 400 mSv pro Jahr, und ein Ende ist noch nicht abzusehen.

Deswegen ergänzend eine Darstellung, die sich speziell auf die uns eher vertraute medizinische Belastung durch radiologische Untersuchungen wie Computertomografie (CT) bezieht. Dies ergibt eine plastischere Vorstellung bei den wahrhaft gigantischen Problemen, die noch auf Japan und seine direkte geografische Umgebung bzw. die gesamte Welt zukommen werden.

Der gegenwärtige wissenschaftliche Konsens favorisiert ein lineares Modell ohne eine minimale Belastungsschwelle (linear no-threshold model) bei Radioaktivität.(1) Darunter ist die schwellenfreie kumulative Exposition einer lebenslangen Strahlenbelastung linear mit einem erhöhten Krebsrisiko assoziiert. Einige bemängeln, dass dieses Modell die Rate der Strahlenexposition mengenmäßig nicht ausreichend berücksichtigt oder die Fähigkeiten der Zellen, eine Strahlenschädigung zu reparieren. (2) Die vermuteten Größenordnungen der Risiken stammen letztlich von Mortalitätsdatenanalysen bei den Überlebenden der japanischen Atombombenopfer von Hiroshima und Nagasaki. Diese Menschen waren einer mittleren Strahlendosis von etwa 40 mSv ausgesetzt. Dies entspricht 2-3 CT-Untersuchungen bei Erwachsenen. Die Daten der Atombombenopfer liefern eine starke Evidenz eines erhöhten Krebsmortalitätsrisikos bei einer Äquivalenzdosis von 100 mSv, eine gute Evidenz für Risikoerhöhungen bei Strahlendosen zwischen 50 und 100 mSv und eine angemessene Evidenz für eine Risikoerhöhung bei Dosen zwischen 10 und 50 mSv. (3)

Aber selbst wenn man die Kontroversen über die Validität des linearen, schwellenfreien Modells berücksichtigt, muss man anerkennen, dass die Erhöhung des Krebsrisikos bei einer Organdosis einer typischen CT-Untersuchung mit 2 bis 3 Körperscans in einem Bereich einer direkten, statistisch signifikanten Risikoerhöhung liegen. Die entsprechenden CT-bedingten Risiken können jedenfalls direkt aus epidemiologischen Daten gewonnen werden, o h n e gemessene Risiken bei niedrigen Dosen extrapolieren zu müssen. Z. B. berichteten Brenner et al. (4) von einem geschätzten, lebenslangen Krebsmortalitätsrisiko bei einer einzigen pädiatrischen CT-Abdomenuntersuchung beim späteren Erwachsenen von 0,02 %, basierend auf typischen Organdosen.

Literatur

1. Little MP, Wakeford R, Tawn EJ, Bouffler SD, Berrington de Gonzalez A: Risks associated with low doses and low dose rates of ionizing radiation: Why linearity may be (almost) the best we can do. Radiology 251: 6¿12, 2009
2. Tubiana M, Feinendegen LE, Yang C, Kaminski JM: The linear no
threshold relationship is inconsistent with radiation biologic and experimental data. Radiology 251: 13¿22, 2009
3. Pierce DA, Shimizu Y, Preston DL, Vaeth M, Mabuchi K: Studies of the mortality of atomic bomb survivors. Report 12, part I. Cancer: 1950¿1990. Radiat Res 146: 1¿27, 1996
4. Brenner DJ, Elliston CD, Hall EJ, Berdon WE: Estimated risks of radiation-induced fatal cancer from pediatric CT. AJR 176: 289¿296, 2001

Freundliche, kollegiale Grüße, D. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

#2 |
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Gute Auffrischungsinfo!

#1 |
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