Backstage Report: Dunja Voos

3. Juli 2013
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In der DocCheck-Serie „Backstage Report“ darf auch die Autorin Dunja Voos nicht fehlen. Erfahren Sie im Interview, warum sie sich für die Abschaffung der Vojta-Therapie bei Babys einsetzt.

DocCheck: Jeder hat seine Favoriten. Welche medizinischen Themen interessieren Sie besonders? Warum?
Dunja Voos: Ich finde die Psychoanalyse so interessant, weil sie sich mit dem Unbewussten befasst. Es wird so vieles verständlich, wenn unbewusste Gedanken bewusst werden. Depressionen, Ängste oder „bösartige Verhaltensweisen“ erscheinen auf einmal in einem neuen Licht, sobald sich ein Patient einem Psychoanalytiker öffnet. Ich habe den Eindruck, in letzter Zeit zunehmend psychoanalytische (= psychodynamische) Themen in psychiatrischen und psychologischen Fachzeitschriften zu finden.

DocCheck: Thema Motivation: Was treibt Sie beim Schreiben an?
Voos: Ich gebe sehr gerne etwas an andere weiter, was mir selbst gut getan hat. Wenn ich etwas gelesen oder erfahren habe, was mir selbst geholfen hat, möchte ich, dass auch andere davon wissen. Gerade psychoanalytische Texte sind leider oft so geschrieben, dass viele Menschen dieses wertvolle Wissen nicht erfassen können. Ich habe Freude daran, Wissen zu verbreiten und dann die Rückmeldung zu bekommen: “Gut erklärt, das habe ich endlich einmal verstanden.”

DocCheck: Hopp oder Top? Welcher DocCheck News-Beitrag wird Ihnen noch lange im Gedächtnis bleiben und warum?
Voos: Ich lese mir gerne die psychiatrischen Themen durch. Besonders gelungen finde ich da oft die Überschriften, wie z. B. “Die Nichtshaber” in dem Artikel “Somatoforme Störung” von Sonja Schmitzer.

DocCheck: Klar: Sie lesen auch fremde Texte. Was fixt Sie bei einem Artikel an, damit Sie ihn an- bzw. zu Ende lesen?
Voos: Grundsätzlich lese ich Texte zu Themen, die mich jetzt gerade interessieren, auch, wenn sie schlecht geschrieben oder schwierig verständlich sind. Wenn ich z. B. etwas zum Thema “Projektive Identifikation” finde, lese ich das und wühle mich auch durch komplizierte Texte. Ich höre allerdings sofort auf, wenn ich sehe, dass die Texte unlogisch sind. Wenn ich also zwei- oder dreimal über Sätze gestolpert bin, die ich auch bei mehrmaligem Durchlesen nicht verstehe, höre ich auf zu lesen. Denn ich weiß: Hier hapert es an der Schreibe des Autors und eher selten an den Fähigkeiten des Lesers.

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DocCheck: Nobody’s perfect! Was würden Sie bei DocCheck verändern?
Voos: Ich schätze die Kreativität von DocCheck sehr und die Lebendigkeit. Einmal jedoch habe ich einen Newsletter zu neuen Themen von DocCheck erhalten, der mich verwirrte, weil er “zu kreativ” war. Ich war zwar amüsiert, aber die Info blieb nicht hängen. Das ist vergleichbar mit kreativen Werbespots, bei denen man hinterher aber nicht sagen kann, für welches Produkt der Spot eigentlich werben wollte. Vielleicht muss man an dieser Stelle etwas aufpassen, dass die Kreativität den Leser nicht überfordert.

DocCheck: In nur einem Satz: Was ist DocCheck für Sie?
Voos: Ein allgegenwärtiger Ratgeber. Ich sage nur: Flexikon und Google – ein schönes Paar und Danke!

DocCheck: Last but not least: Stellen Sie sich selbst eine Frage, die Ihnen noch nie gestellt wurde und beantworten Sie diese.
Voos: Warum setzen Sie sich so sehr für die Abschaffung der Vojta-Therapie bei Babys ein?
Weil diese Methode nach den heutigen Erkenntnissen der Säuglings- und Bindungsforschung eigentlich nicht mehr zu verantworten ist: Die Babys werden festgehalten, sie schreien verzweifelt und niemand kommt ihnen zu Hilfe. Das ist aus meiner Sicht eine Quälerei, die in keinem Verhältnis zum körperlichen Nutzen steht.

Weitere Informationen zu unserer Autorin finden Sie hier.

Lesen Sie auch den ersten, zweiten, dritten, vierten, fünften und sechsten Teil der Serie „Backstage Report“ und erfahren Sie mehr über unsere Autoren Sonja Schmitzer, Michael van den Heuvel, Erich Lederer, Matthias Bastigkeit, Christine Hutterer und Michael Strausz.

34 Wertungen (3.06 ø)

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7 Kommentare:

Trotz 45 Jahren Vojta-Therapie in Deutschland werden unreflektierte Vorurteile gestreut. Oberflächlich wahrgenommen wird das kindliche Geschrei als Quälerei definiert. In Wirklichkeit handelt es sich um einen heftigen, gesunden und erwünschten Protest, der über den zu trainierenden Bewegungsablauf zum Erfolg führt. Bei jeder Übung bleibt das Kind der Sieger und dürfte dies auch so empfinden. Wer in diesem Zusammenhang von Verzweiflung und Quälerei spricht, hat die Vojta-Therapie nicht verstanden.
R. Friedrichs

#7 |
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Heilpraktikerin Erika Griesbach-Fichtner
Heilpraktikerin Erika Griesbach-Fichtner

Die Abschaffung der Vojta-Therapie kann nur einer fordern, der keine Ahnung von der positiven Wirkung der motorischen Entwicklung im ersten Lebensjahr eines Kindes hat.
Erika Griesbach-Fichtner

#6 |
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Stefan Margraf
Stefan Margraf

Votja, tja, die Deutschen sind schon immer auf schräge Vögel abgefahren….
Vielleicht kann ich mich mit der Methode anfreunden wenn sie etwas ausgeglichener durchgeführt wird: Nicht nur einseitige Gewaltanwendung, sondern auch mal dem Säugling per Greifreflex ein bisschen mehr Feedback bieten. Z B können die damit durchaus den Schalter für einen Elektroschocker auslösen, dessen Elektroden vorzugsweise an empfindlicher Stelle des Therapeuten angebracht sind: Schreien ist im Chor viel schöner!
In diesem Sinne, Dr. Stefan Margraf

#5 |
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Heilpraktiker

Sehr geehrte Frau Voos, was bewegt Sie dazu, eine Beurteilung darüber abzugeben über das Verhältnis von Quälerei und körperlichen Nutzen? Ich habe das Gefühl,dass Sie über etwas urteilen,von dem Sie nicht genug Ahnung haben.

#4 |
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Widdewiddewitt
Widdewiddewitt

@Wegener: bzgl. Ihres Vorwurfes, Fr. Voos hätte die Vojta-Therapie nicht verstanden, weise ich darauf hin, dass es gar nicht sein kann, dass sie was nicht verstanden hat, denn als angehende “Psychoanalytikerin” hat sie — wie alle Psychoanalytiker — die absolute Deutungshoheit.

;)

PS an die Redaktion: warum taucht bei Doccheck eigentlich immer die Psychoanalyse auf? Ich dachte diese Forum behandelt wissenschaftliche Themen.

#3 |
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Sehr geehrte Frau Voos, wenn Sie von Physiotherapie keine Ahnung haben, sollten Sie auch nicht über die Vojta-Therapie urteilen. Sie haben sie schlicht nicht verstanden.
Die Psychoanalyse befaßt sich nicht nur mit dem Unbewußten – das ist durchaus sehr viel komplexer – ich weiß gar nicht, was dieses Interview uns jetzt hier an Informationen geben sollte??? Überflüssig. Ich erwarte hier doch konstruktivere Beiträge.

#2 |
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Gast
Gast

Mit der Psychoanalyse kann man alles erklären, das macht sie so verführerisch… besonders dann, wenn man mit seinem Latein am Ende ist. Durch “Erklären” allein löst man jedoch keine Probleme, zumal es für ein und dasselbe Phänomen auch zigtausend Erklärungen geben kann. Man hält Probleme höchsten in Schach. Der Spruch, dass die Psychoanalyse die Krankheit ist, für deren Heilung sie sich hält, hat nichts an Aktualität verloren.

PS: Nur weil die Psychoanalyse vorgibt, sich mit dem “Unbewussten” zu befassen, heißt das nicht, dass es das “Unbewusste” so gibt, wie es die Psychoanalyse behauptet.

#1 |
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