Kleiner Hippocampus, großes Schizophrenierisiko

15. August 2016
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Offenbar gibt es einen Zusammenhang von mit Schizophrenie assozierten Risikogenen und einem verkleinerten Hippocampus. Die Veränderung der Hirnstruktur traf auf bereits Erkrankte und Risikoprobanden gleichermaßen zu und besteht somit wohl schon vor Ausbruch der Krankheit.

Schizophrene Psychosen sind eine häufig vorkommende Gruppe psychiatrischer Erkrankungen, an deren Entstehung biologische, soziale und Umweltfaktoren beteiligt sind. Die Erkrankung geht mit Veränderungen der Hirnstruktur einher. So ist beispielsweise bei Betroffenen der Hippocampus im Schläfenlappen häufig kleiner als bei gesunden Menschen. Ob diese Veränderungen der Hirnstruktur eine Folge der Krankheit und der damit einhergehenden Medikation darstellen oder bereits vor ihrem Ausbruch zu beobachten sind, ist bisher nicht geklärt.

Zunächst kein bedeutender Unterschied

Eine Forschungsgruppe der Universität Basel um Fabienne Harrisberger und Prof. Stefan Borgwardt haben in einer aktuellen Studie die Hirnstruktur von Personen untersucht, bei denen sich eine Psychose zum ersten Mal manifestierte, oder die ein erhöhtes Psychoserisiko aufweisen.

Die Wissenschaftler der Erwachsenen-Psychiatrischen Klinik der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) und der Transfakultären Forschungsplattform Molekulare und Kognitive Neurowissenschaften (MCN) konnten zunächst beobachten, dass es keine nennenswerten Unterschiede des Hippocampus zwischen Hochrisikopersonen und Patienten gab.

Viele Risikogene – kleiner Hippocampus

In einem zweiten Schritt haben sie zusammen mit Wissenschaftlern der Transfakultären Forschungsplattform untersucht, ob bekannte, mit Schizophrenie assoziierte Risikogene in Zusammenhang mit dem Hippocampus stehen.

Lage das Hippokamus im menschlichen Gehirn: sagittale und axiale Ansicht (von links nach rechts) des Hippokampus (in gelb) in einer Magnetresonanztomographie-Aufnahme. © Neuropsychiarty and Brain Imaging Group, Basel

Lage das Hippokamus im menschlichen Gehirn: sagittale und axiale Ansicht (von links nach rechts) des Hippokampus (in gelb) in einer Magnetresonanztomographie-Aufnahme. © Neuropsychiarty and Brain Imaging Group, Basel

Dies scheint der Fall zu sein: Je höher die Anzahl der Risikogene einer Person war, desto kleiner war das Volumen des Hippocampus dieser Person, und zwar unabhängig davon, ob es sich um Hochrisikoprobanden oder Patienten handelte. Dies bedeutet, dass eine Gruppe von Risikogenen in Zusammenhang mit der Volumenminderung einer kritischen Hirnregion steht, bevor sich die Erkrankung manifestiert.

Nutzen für therapeutische Zwecke

Dieser Befund ist für das Verständnis der neurobiologischen Faktoren der Schizophrenie von Bedeutung. Zwar ist bekannt, dass keiner der verbreiteten Risikofaktoren, wie zum Beispiel die Gene, die Umwelt oder ein ungünstiges soziales Umfeld, dazu genutzt werden können, um beim einzelnen Individuum den Ausbruch einer Psychose vorherzusagen. Dennoch kann die Identifizierung für die Therapie der Schizophrenie von Bedeutung sein.

„Es ist durchaus denkbar, dass Personen mit einem kleinen Hippocampus anders auf Therapien ansprechen als Personen, bei denen der Hippocampus normal ausgeprägt ist“, erklärt Borgwardt. Weitere Studien sind geplant, um das therapeutische Potenzial dieser Forschung zu ermitteln.

Originalpublikation:

Impact of polygenic schizophrenia-related risk and hippocampal volumes on the onset of psychosis
Fabienne Harrisberger et al.; Translational Psychiatry, doi: 10.1038/TP.2016.143; 2016

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Medizin, Neurologie, Psychiatrie

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1 Kommentar:

Gast
Gast

ein Grund mehr auf eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung zu achten.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26163386

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