Bronchien: Neues aus der Gerücheküche

12. August 2016
Teilen

In den Muskelzellen von Bronchien konnten Forscher zwei verschiedene Riechrezeptoren und jeweils aktivierende Gerüche identifizieren. So hatte der fruchtige Duft von Amylbutyrat eine Bronchienerweiterung zur Folge. Die Stimulation des zweiten Rezeptors bewirkte das Gegenteil.

In den Muskelzellen der menschlichen Bronchien konnten Forscher zwei Typen von Riechrezeptoren identifizieren. Für die Studie untersuchten Wissenschaftler um Prof. Dr. Hanns Hatt und Dr. Benjamin Kalbe vom Bochumer Lehrstuhl für Zellphysiologie Forscher menschliche Zellkulturen, die vom Team um Dr. Jürgen Knobloch vom Bochumer Universitätsklinikum Bergmannsheil zur Verfügung gestellt wurden.

Bananen-Aprikosen-Duft erweitert Bronchien

Dabei handelte es sich um glatte Muskulatur, die im Gegensatz zur quergestreiften Muskulatur nicht der willentlichen Kontrolle unterliegt.

Die neu auf den Muskelzellen entdeckten Rezeptoren tragen die Bezeichnungen OR2AG1 und OR1D2. Die Forscher identifizierten auch die zu den Riechrezeptoren passenden Düfte sowie die Signalwege, die diese in der Zelle auslösen.

Amylbutyrat, ein fruchtiger Duft mit Bananen- und Aprikosennoten, aktiviert den Rezeptor OR2AG1. Bindet der Riechstoff, entspannt und erweitert das die Bronchien. Der Effekt war im Experiment so stark, dass er die Wirkung von Histamin aufheben konnte.

Gleiche Signalwege wie in Riechzellen

„Amylbutyrat könnte bei Asthma helfen, die Luftzufuhr zu verbessern“, sagt Hatt. „Vermutlich kann es nicht nur den Effekten von Histamin entgegenwirken, sondern ebenso denen von anderen Allergenen, die das Atmen behindern.“ Auch für die Behandlung anderer Krankheiten, etwa der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, könne der Rezeptor interessant sein.

Die Forscher zeigten außerdem, dass Amylbutyrat in den Muskelzellen die gleichen Signalwege in Gang setzt wie in den Riechzellen der Nase.

Der zweite Rezeptor OR1D2 ist empfänglich für Düfte mit blumigen, öligen Noten, etwa Lilial oder Bourgeonal. Bindet der Riechstoff an den Rezeptor, passiert das Gegenteil wie beim Rezeptor OR2AG1: Die Bronchialmuskeln kontrahieren. Außerdem werden in den Zellen entzündungsfördernde Stoffe freigesetzt.

Originalpublikation:

Olfactory Receptors Modulate Physiological Processes in Human Airway Smooth Muscle Cells
Benjamin Kalbe et al.; Frontiers in Physiology, doi: 10.3389/fphys.2016.00339; 2016

31 Wertungen (4.71 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

1 Kommentar:

Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Interessant, welche Wirkungen Düfte auf unseren Körper haben. Gerne mehr.

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: