Repellentien: Mückenabwehr im DEETail

16. August 2016
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Sommerzeit – Mückenzeit. Blutsaugende Plagegeister vergällen Sport, Spiel und Spaß im Freien. Als Wunderwaffe bleiben Repellentien mit DEET oder Icaridin. Andere Präparate schwächeln beim Einsatz gegen tropische Insekten im Urlaub.

Dank der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro sind asiatische Tigermücken in den Medien präsenter denn je. Von Südostasien aus haben sie unter anderem Teile Europas erobert. Weitaus häufiger machen einheimische Mücken Sportlern oder Sonnenbadenden das Leben schwer. Repellentien gibt es wie Sand am Meer. „Am besten schützen im Test die beiden Produkte mit dem Wirkstoff Diethyltoluamid, kurz DEET“, berichtet die Stiftung Warentest. „Sie wehren die südliche Hausmücke, Gelbfieber- und Malariamücken erfolgreich über Stunden ab.“

Vergleichsweise harmlos

DEET ist ein vergleichsweise altes Molekül. Es wurde 1946 von der US-Armee entwickelt und befand sich während des Vietnamkriegs im Gepäck amerikanischer Soldaten. Seit 1965 sind Präparate für die Bevölkerung erhältlich. Noch heute gilt die Chemikalie als Goldstandard zur Abwehr von Mücken, Bremsen, Kriebelmücken, Fliegen und auch Zecken.

Dazu einige Zahlen: Jahr für Jahr verwenden etwa 200 Millionen Menschen Präparate mit DEET. Die Gesamtzahl liegt bei schätzungsweise acht Milliarden. Dem stehen laut Angaben der US Environmental Protection Agency (EPA) 14 bis 46 Fälle von Vergiftungen gegenüber. Nicht immer lassen sich Zusammenhänge zweifelsfrei belegen.

Die Präparate reizen Augen und Schleimhäute, aber nicht die gesunde, unverletzte Haut. Laut Angaben der EPA löst die Chemikalie bei einem von 100 Millionen Anwendern epileptische Anfälle aus. Es gibt Hinweise auf Schlafstörungen und Störungen der Wahrnehmung, wobei die Daten selbst wenig valide sind. Französische Forscher um Vincent Corbel fanden heraus, dass DEET als Hemmstoff des Enzyms Acetylcholinesterase wirken kann.

Das National Pesticide Information Center, eine gemeinsame Institution der Oregon State University und der EPA, stuft DEET als vergleichsweise harmlos ein. Experten fanden keine Hinweise auf teratogene oder karzinogene Effekte. Sie warnen aufgrund unzureichender Daten lediglich vor dem Einsatz bei Kindern unter zwei Monaten. Darüber hinaus raten sie zu maximal einer Anwendung pro Tag. Während der Schwangerschaft und der Stillzeit sollte DEET besser im Schrank bleiben, da keine Erkenntnisse vorliegen.

Zweite Wahl

Zum Wirkstoff gibt es lediglich eine Alternative: Icaridin zeigt ebenfalls ein breitem Wirkspektrum gegen Insekten, ist etwas besser verträglich und greift Kunststoffe nicht an. Aufgrund der länger vorliegenden praktischen Erfahrung wird jedoch in Malaria-Gebieten vorrangig DEET empfohlen.

„Mittel, die ausschließlich eine Mischung aus ätherischen Ölen enthalten, riechen zwar besser als die chemischen Produkte, aber sie schnitten bei dem Test am schlechtesten ab und gelten als nicht empfehlenswert“, schreibt die Stiftung Warentest in einem Update. Dimethylphthalat (DMP) und das Repellent IR 3535 (Ethyl-Butylacetylaminopropionat) wirken ebenfalls nicht befriedigend gegen Anopheles-Mücken.

Bleibt als Fazit: Wägt man Nutzen und Risiken ab, gibt es zu DEET und Icaridin keine Alternativen, sollten Reisende Gebiete mit Infektionsrisiko durch stechende Insekten besuchen.

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Forschung, Pharmazie

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