Partnerschaften: Liebe dich selbst

4. August 2016
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Eine Partnerschaft hebt das Selbstwertgefühl deutlich. Die Zufriedenheit mit sich selbst ist aber auch entscheidend für das Gelingen oder Scheitern der Beziehung: Ist man mit sich selbst zufrieden, steigt die Beziehungsqualität; ein geringes Selbstwertgefühl kann Trennungen fördern.

Das Selbstwertgefühl von Menschen steigt typischerweise im jungen und mittleren Erwachsenenalter an, bevor es seinen Höhepunkt im Alter von etwa 50 bis 60 Jahren erreicht. Unklar ist bisher jedoch, welche Ereignisse dazu führen, dass manche Personen besonders positive Veränderungen beim Selbstwertgefühl erleben, während bei anderen der Entwicklungsverlauf weniger positiv ist.

Erfahrungen in Partnerschaften beeinflussen das Selbstwertgefühl

In einer dreijährigen Studie mit über 9.000 Personen im Alter von 15 bis 37 Jahren haben Wissenschaftler vom Institut für Psychologie an der Universität Bern nun gezeigt, dass sowohl der Beginn einer Partnerschaft als auch eine Trennung das Selbstwertgefühl von Menschen beeinflusst. Studienteilnehmer, die eine neue Partnerschaft begannen, zeigten einen deutlichen Anstieg im Selbstwertgefühl, wenn die Partnerschaft mindestens ein Jahr lang andauerte. Im Gegensatz dazu veränderte eine kurze Partnerschaft von geringer Beziehungsqualität das Selbstwertgefühl nicht. Die leitende Studienautorin Eva Luciano stellt zudem fest, dass das Ende einer Beziehung keine langfristigen Auswirkungen hat: „Erfreulicherweise führten Trennungen nur zu vorübergehenden Verringerungen im Selbstwertgefühl. Typischerweise hatte sich das Selbstwertgefühl bereits ein Jahr nach der Trennung wieder erholt“.

Selbstwertgefühl beeinflusst die Zukunft einer Partnerschaft

Das Selbstwertgefühl ist jedoch nicht nur eine Folge von Erfahrungen in Partnerschaften, sondern auch eine Ursache für das Gelingen bzw. Scheitern von Partnerschaften. So gingen Singles, die zu Beginn der Studie ein hohes Selbstwertgefühl hatten, mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Partnerschaft ein. Und bei Studienteilnehmern, die in einer Partnerschaft waren, kam es häufiger zu einer Trennung, wenn sie zu Beginn der Studie ein niedriges Selbstwertgefühl hatten. Die Qualität der Beziehung zwischen den Partnern erklärte, auf welche Weise das Selbstwertgefühl das Schicksal von Partnerschaften beeinflusst: „Während ein hohes Selbstwertgefühl die Beziehungszufriedenheit fördert und die Häufigkeit und Intensität von Beziehungskonflikten reduziert, führt ein niedriges Selbstwertgefühl zu einer schlechteren Beziehungsqualität und so im Extremfall dazu, dass die Beziehung zerbricht“, erklärt Luciano.

Frühere Studien zeigen ausserdem, dass nicht nur das eigene Selbstwertgefühl die Zufriedenheit in einer Partnerschaft beeinflusst. So neigen Personen mit niedrigem Selbstwertgefühl beispielsweise dazu, in übertriebener Art und Weise Bestätigung beim Partner zu suchen, oder sich in schwierigen Situationen zu sehr oder vorschnell vom Partner zurückzuziehen, was die Beziehungszufriedenheit des Partners verringert. Personen mit hohem Selbstwertgefühl hingegen haben häufig bessere Fähigkeiten, ihren Partner emotional zu unterstützen und so die Partnerschaft zu stärken.

Keine Effekte für Heirat

In der Studie fand sich hingegen kein Zusammenhang zwischen Heirat und Selbstwertgefühl. Studienteilnehmer, die bereits in einer Partnerschaft waren und heirateten, zeigten als Reaktion auf die Heirat keine Veränderung im Selbstwertgefühl. Umgekehrt hatte das Selbstwertgefühl auch keinen Einfluss darauf, ob Personen heirateten oder ohne Trauschein mit einem Partner zusammenlebten. Die Forscher vermuten, dass diese Befunde auf die in unserem Kulturkreis verringerte gesellschaftliche Bedeutung der Ehe zurückzuführen sind. „Für das Selbstwertgefühl der heutigen jungen Erwachsenen scheint die Erfahrung des Beginns einer Partnerschaft weitaus wichtiger zu sein als die formale und rechtliche Anerkennung dieser Beziehung durch die Heirat“, so Luciano.

Originalpublikation

Transitions in Romantic Relationships and Development of Self-Esteem
Luciano et al.; Journal of Personality and Social Psychology, doi: 10.1037/pspp0000109; 2016

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