Körpergewicht: Hirnsignal für Regulation entdeckt

10. Juni 2013
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Wissenschaftler haben entdeckt, dass ein Rezeptor bislang unbekannter Funktion an der Regulation des Körpergewichts beteiligt ist. Wie die Forscher nun erstmalig zeigen konnten, spielt das GPR83 genannte Molekül eine entscheidende Rolle bei der Regulation des Energiehaushaltes.

So sind Mäuse mit einem Funktionsverlust dieses Rezeptors selbst nach Fütterung einer hoch-fettreichen Diät geschützt vor Fettleibigkeit (Adipositas) und Diabetes. Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins ‘Nature Communications’ veröffentlicht und liefern einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Signalnetzwerke, die an der Kontrolle von Körperfett und Blutzucker beteiligt sind.

Die Regulation des Körpergewichtes ist ein komplexer Prozess, bei dem Organe wie der Verdauungstrakt und das Fettgewebe ständig Informationen über den aktuellen Energiezustand an das Gehirn weiterleiten. Das Gehirn reagiert auf diese Signale mit der Aktivierung oder Hemmung neuronaler Signalmechanismen, welche akut Hunger und Sättigung steuern. Eines dieser Signale ist das im Magen gebildete Hormon Ghrelin, welches über den Blutkreislauf in das Gehirn gelangt und dort Regelkreise aktiviert, die die Nahrungsaufnahme steuern. Wie die Wissenschaftler um Prof. Dr. Matthias Tschöp (Helmholtz Zentrum München) und Dr. Heike Biebermann (Charité Berlin) nun herausfanden, beeinflusst GPR83 den Energiestoffwechsel sowohl durch eine direkte Interaktion mit dem Ghrelin-Signalweg als auch über noch bislang unbekannte Signalmechanismen.

Neue Wege in der Bekämpfung metabolischer Krankheiten

In weiteren Studien sollen nun spezifische Bindungspartner von GPR83 identifiziert werden. Dadurch erhoffen sich die beteiligten Forscher um Dr. Timo Müller vom Helmholtz Zentrum München neue Strategien für die Behandlung von Übergewicht und Diabetes. “Erweist sich die pharmakologische Hemmung von GPR83 als ein sicherer und spezifischer Ansatzpunkt, kann dies neue Wege in der Bekämpfung metabolischer Krankheiten bedeuten”, so Matthias Tschöp, Leiter des Instituts für Diabetes und Adipositas.

Originalpublikation:

The orphan receptor Gpr83 regulates systemic energy metabolism via ghrelin-dependent and ghrelin-independent mechanisms
T. D. Müller et al.; Nature Communications, doi:10.1038/ncomms2968; 2013

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4 Kommentare:

Dr. rer. nat. Karl Reinhold Gruner
Dr. rer. nat. Karl Reinhold Gruner

Es stimmt schon: sich eine Komponente eines komplizierten Regelkreises einfach herauszupicken, wäre wohl ein wenig simpel gedacht. Es bleibt abzuwarten, was die weiteren Forschungen zeigen. Sicherlich wäre dies zumindest für Patienten mit erblich bedingten Stoffwechselkrankheiten eine gewisse Hoffnung…

#4 |
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Da sehe ich aber noch sehr viele Fragezeichen. Ob der Funktionsverlust eines Rezeptors ein erstrebenswerter Zustand ist, kann wohl erst beurteilt werden, wenn bekannt ist, zu welchen Preis das Schlanksein erkauft wird. Wenn durch die Rezeptorinhibition andere nützlichen Stoffwechselprozesse nachteilig beeinflusst werden, treibt man möglicherweise den Teufel mit dem Beelzebub aus.
Zudem wissen wir seit langem, dass die 1:1-Übertragung von an Nagern gewonnenen Erkenntnissen auf den Menschen ein nur allzuoft unerfüllter Wunschtraum ist.
Bedarfsangepasste Ernährung und regelmäßige Bewegung scheint mir auch auf lange Sicht die beste Methode des Körpergewichtsmanagements.

#3 |
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Horst Rieth
Horst Rieth

….wenn das so einfach wäre,…… die weichen werden vorwiegend in der schwangerschaft gestellt, es bleibt mal wieder an den müttern und ihrem sozialen psychologischen und physiologischen umfeld kleben, was die kleinen in sich hineinschaufeln bzw ob das zeug ansetzt oder sich verdünnisiert …….
die evolution geht ihre eigenen schritte …

#2 |
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Heilpraktikerin

…wie muß ich mir das vorstellen? 10 Hamburger pro Tag futtern und trotzdem schlank bleiben?

Wenn in den Köpfen mal angekommen ist “Du bist, was Du ißt” und in der Schule anstelle des für 98 Prozent der Schüler völlig obsoleten Zitronensäurezyklus womöglich “Nahrung, die lecker ist, Spaß macht und den Körper nicht ruiniert” gelehrt wird. Dann könnten wir die Studiengelder zur Hemmung gesunder und sinnvoller Gene wunderbar umnutzen (s.o.)…

#1 |
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