Darmkrebstherapien: Drei auf einen Streich

9. August 2016
Teilen

Neue Wirkstoffe sind bei Darmkrebs nur die halbe Miete. Forscher haben jetzt gezeigt, wie sich drei unterschiedliche therapeutische Strategien in einem System kombinieren lassen. Die lokale Applikation bringt weitere Vorteile.

Kolonkarzinome zählen zu den häufigsten Krebsformen in Europa und in den USA. Ärzte versuchen im besten Fall, den Tumor offen oder laparoskopisch zu entfernen. Als adjuvante, systemische Therapien haben sich beispielsweise 5-Fluorouracil/Folinsäure/Oxaliplatin oder Capecitabin/Oxaliplatin bewährt. Trotzdem kommt es häufig zu Rezidiven. Forscher versuchen, nach Möglichkeit Tools zu minimieren und Arzneistoffe lokal zu applizieren.

U-Boot im Gastrointestinaltrakt

Metin Sitti hat am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Stuttgart, ein magnetisch angetriebenes Endoskop mit weicher Kapsel (Magnetically Actuated Soft Capsule Endoscope) entwickelt. MASCe, so das Akronym, besteht aus zwei Steuermagneten und einer Kammer für Arzneistoffe. „Wir stellen uns vor, dass Ärzte damit künftig im Magen oder im Darm gezielt geringe Mengen an Medikamenten dosieren – etwa bei Entzündungen oder einzelnen Tumoren“, sagt Sitti. Je nach Bauart lässt sich die Kapsel durch ein externes Magnetfeld sogar zur Scheibe deformieren und bleibt mehrere Tage im Magen. Sind kleine Greifer, sogenannte Microgripper, an Bord, nimmt MASCe sogar Gewebeproben.

Strategien gegen Rezidive

Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) treiben die Miniaturisierung weiter vor und präsentieren ein kleines Hydrogel-Patch. Natalie Artzi hat ihre Studie zwar nur in einem Mausmodell für Darmkrebs durchgeführt. Sie hält ihre Resultate generell auf Menschen übertragbar.

Ihr Pflaster enthält Nanostäbchen aus elementarem Gold. Ältere Studien hatten gezeigt, dass Goldpartikel bei systemischer Gabe nur zu wenigen Prozent im Tumor landen. Diese Schwierigkeit umgeht Artzi durch die lokale Applikation. Unter Infrarotstrahlung heizt sich das Edelmetall im neuen Patch auf; es kommt zur thermischen Ablation des Tumors. Gleichzeitig lässt sich über Hitze die Freisetzung von Chemotherapeutika und small interfering RNA (siRNA) gegen das für KRAS kodierende Gen steuern.

Schonende Therapie

Artzi sieht als Vorteil, dass sich systemische Nebenwirkungen vermeiden lassen, lokal aber höhere Dosen möglich sind. Sie hält neoadjuvante Therapien vor der geplanten OP, aber auch adjuvante und palliative Anwendungen für möglich. Ihr Patch lässt sich entweder vor oder nach dem Eingriff per Endoskop platzieren. Jetzt folgen Studien in größeren Tiermodellen.

28 Wertungen (4.36 ø)
Forschung, Pharmazie

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

3 Kommentare:

dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

warum so kompliziert,
Farbstoff Chlorin e6 injizieren,nach 3 Std. Anreicherung im Tumor,laser adäquater Wellenlänge drauf und …
heißt : Photodynamische Therapie

bei Lungentumoren , Hauttumoren funktioniert es schon ganz prima

#3 |
  1
Gast
Gast

Lieber Herr Wagner,
gibt es schon längst – einfach “Nanopartikel Hyperthermie Krebs” googeln – meine Erfahrungen sind allerdings eher negativ… .

#2 |
  0
Heilpraktiker

Jede Form von lokaler Anwendung bei der Tumorbehandlung ist vorteilhaft gegenüber einer systemischen Anwendung von Chemotherapeutika bei soliden Tumoren. So habe ich mir schon gedacht, es müßte doch möglich sein ein Kapselorgan wie die Prostata lokal mit Eisenpartikel zu infiltrieren, um dann temperaturgesteuert mittels Magnetinduktion lokal thermisch zu behandeln, evtl. unter Begleitung von Lokalanästhetika, damit die notwendige Temperatur auch erträglich ist. Vielleicht findet sich ein Institut, welches so etwas versucht.

#1 |
  1
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: