Alkoholsucht: Buprenorphin geht unter die Haut

2. August 2016
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In den USA sind Oberarm-Implantate mit Buprenorphin zugelassen, um das Rückfallrisiko bei Alkoholabhängigkeit zu verringern. Sie schneiden hinsichtlich des Therapieerfolgs etwas besser als Sublingualtabletten ab. Galenik und Adhärenz gehen hier Hand in Hand.

Deutschlands Einwohner trinken pro Kopf und Jahr umgerechnet 9,6 Liter reines Ethanol (2014). Im Jahr 2000 waren es noch 10,5 Liter. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DSM) berichtet, dass 3,1 Prozent aller Einwohner entsprechende Getränke missbräuchlich konsumieren. In Zahlen bedeutet das schätzungsweise 1,4 bis 1,9 Millionen Menschen. Eine Abhängigkeit liegt bei 3,4 Prozent der Bevölkerung vor, sprich bei 1,5 bis 2,0 Millionen Konsumenten. Gesundheitsökonomen beziffern den volkswirtschaftlichen Schaden auf 40 Milliarden Euro pro Jahr. Umso wichtiger sind Wege aus der Sucht.

Pille oder Implantat?

Ärzte setzen primär auf die Entgiftung. Psychotherapien und Pharmaka schließen sich an, um Rückfälle zu vermeiden. Zahlreiche Veröffentlichungen befassen sich mit Acamprosat, Baclofen, Disulfiram oder Naltrexon. Jetzt berichtet Richard N. Rosenthal aus New York von neuen Daten zu Buprenorphin. Die Arbeit selbst wurde vom Hersteller Braeburn Pharmaceuticals unterstützt.

Rosenthal rekrutierte zusammen mit Kollegen 177 abstinente Patienten mit Alkoholabhängigkeit in ihrer Vergangenheit. Sie erhielten randomisiert entweder Buprenorphin-Implantate plus Placebo oder Placebo-Implantate plus sublinguales Buprenorphin. Zum Hintergrund: In den USA ist Probuphine®, ein Implantat mit 80 Milligramm Buprenorphin-Hydrochlorid, bereits auf dem Markt. Ärzte setzen den streichholzgroßen Zylinder unter lokaler Betäubung ein. Danach gibt Probuphine® über sechs Monate hinweg kontinuierlich den Wirkstoff ab.

Patienten mit an Bord nehmen

propuphine-implantAT

Probuphine®-Implantat. Quelle: Slideshare

In der Sublingual-Gruppe lag die Abstinenz bei 72 Prozent, in der Implantat-Gruppe bei 86 Prozent. Über Ursachen des statistisch signifikanten Unterschieds lässt sich nur spekulieren: Buprenorphin besitzt aufgrund des First-Pass-Effektes nach oraler Gabe eine Bioverfügbarkeit von lediglich 6,5 Prozent. Bei Sublingualtabletten ist der Wert etwa doppelt so hoch, allerdings dauert die Resorption fünf bis zehn Minuten. So manchem Patienten fehlt womöglich die Geduld.

Als weitere Gefahr kommt hinzu, dass Tabletten im Drogenmilieu verkauft werden. „Die neue Applikationsart ermöglicht es, die Substitution auch an bislang schwer zugängliche Gruppen oder an Süchtige heranzutragen, die sich in einem kriminellen Umfeld bewegen“, heißt es in einem Editorial zum Beitrag. Braeburn Pharmaceuticals plant jedenfalls, eine Zulassung für Europa zu beantragen. Bislang ist die Anwendung auf zwölf Monate beschränkt. Zur langfristigen Gabe bleiben nur Sublingualtabletten.

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Forschung, Pharmazie

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