Schutz vor Chlamydien: Da geht noch was

29. Juli 2016
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Keime und kein Ende: Weltweit hohe Infektionsraten mit Chlamydia trachomatis haben Forscher aufgerüttelt. Kurzfristig helfen Antibiotika, auch als einmalige Gabe. Mittelfristig bleibt die Hoffnung auf Schutzimpfung.

Chlamydia trachomatis gehört weltweit zu den häufigsten Erregern sexuell übertragbarer Infektionen. Das Robert-Koch-Institut gibt auf Basis unterschiedlicher Publikationen Prävalenzraten von 6 bis 20 Prozent in der Bevölkerung an. Bei Frauen verlaufen bis zu 80 Prozent aller Genitalinfektionen asymptomatisch, ziehen aber chronisch-inflammatorische Prozesse nach sich. Extrauterine Schwangerschaften und die sekundäre Sterilität sind mögliche Folgen. Bei Männern kann es zu Urethritis, Epididymitis und Proktitis kommen. Doch Hilfe naht.

Wirkstoffe nach Wahl

Infektionen durch Chlamydien werden meist mit Tetracyclinen oder Makroliden behandelt. Antibiotikaresistenzen treten momentan noch selten auf. Trotzdem kommt es zu Schwierigkeiten: Gerade junge Patienten ohne Beschwerden nehmen ihr Antibiotikom oft nur kurz oder gar nicht ein. William M. Geisler, University of Alabama at Birmingham, untersuchte deshalb mögliche Alternativen.

Die US Centers for Disease Control and Prevention (CDC) empfehlen schon länger 1.000 Milligramm Azithromycin als einmalige Gabe. Bei Ärzten war die Behandlung umstritten. Geisler konnte zeigen, dass die CDC-Strategie ähnlich gut abschneidet wie die Gabe von Doxycyclin über eine Woche, wenn er Neuinfektionen durch sexuelle Kontakte herausrechnete. Seine Arbeit ist nicht ohne Schwächen. Alle Studienteilnehmer befanden sich in Gefängnissen. Die Arzneistoffgabe erfolgte unter Aufsicht. Im realen Leben erwarten Heilberufler bei Doxycyclin deutlich weniger Adhärenz, was Azithromycin in einem weitaus besseren Licht dastehen lässt.

Schutz per Spritze

Noch zielführender wäre eine Schutzimpfung. Vakzine gibt es zurzeit nicht, weil sich die Serotypen zu stark voneinander unterscheiden. Jetzt kommen neue Impulse aus der Wissenschaft. Forscher identifizierten sogenannte polymorphe Membranproteine als kleinsten gemeinsamen Nenner. Diese sind bei allen Serotypen zu finden.

Wayne Paes von der Universität York hat gezeigt, dass rekombinante Vakzine plus Adjuvantien Mäuse sicher vor C. trachomatis-Infektionen schützen. David Bulir vom DeGroote Institute for Infectious Disease Research in Hamilton/Ontario hat ebenfalls Erfolge vorzuweisen. Er arbeitete mit einem Fusionsprotein, das drei unterschiedliche Antigene trägt. Auch hier überstanden Nager Infektionen mit C. muridarum, einer Variante, die Mäuse befällt, gut. Ob sich die Befunde auf Menschen übertragen lassen, muss sich zeigen.

34 Wertungen (4.65 ø)
Pharmazie

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4 Kommentare:

Christian Becker
Christian Becker

Trotz möglicher Impfungen (vielleicht, wenn die oben beschriebenen Ansätze denn fruchten) sollte man immer wieder auch darauf hinweisen, dass den besten Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten (neben Verzicht, aber wer will das schon?) Kondome bieten.

#4 |
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Angestellte Apotheker

Lieber Gast #1,
Schutzimpfungen sind auch nicht so gewinnbringend für Big Pharma. Viel besser ist es, große Teile der Bevölkerung durch Herabsetzung von Normalwerten behandlungsbedürftig chronisch krank zu machen, dann wird das Medikament nämlich dauerhaft und nicht nur einmal oder alle 10 Jahre benötigt. Außerdem verhindern ja Schutzimpfungen Erkrankungen, an denen sich doch viel mehr Geld verdienen ließe.
Also, nur als Information um beim nächsten Mal noch besser pöbeln zu können.
Ansonsten: Interessanter Artikel, hoffentlich bringt der erwähnte Ansatz eine Schutzimpfung!

#3 |
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Isabell Regine Oeynhausen
Isabell Regine Oeynhausen

Der Gast hat wohl noch nie einen Patienten gehabt, der dadurch geschädigt wurde….

#2 |
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Gast
Gast

Hauptsache noch eine Impfung, an der die Pharma versienen kann, daß man das Immunsystem schützen kann und muß, und die Menschen vor Umweltgiften auch aus der Nahrung schützen muß dafür, das ist natürlich weit weniger gewinnbringend für bestimmte Konzerne……

#1 |
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