COPD: Comeback für Al Veole

29. März 2011
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Bei chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen kommt es zu einem unaufhaltsamen Verlust von Lungengewebe. Forscher haben einen Therapieansatz entwickelt, der möglicherweise das Fortschreiten der bisher nicht heilbaren Krankheit aufhalten könnte.

In Deutschland leiden drei bis fünf Millionen Menschen an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, kurz auch COPD genannt. Sie ist eine der häufigsten Todesursachen und bisher bestehen keine Möglichkeiten, sie dauerhaft zu heilen. Symptome der Krankheit sind vor allem Husten, vermehrter Auswurf und Atemnot bei Belastung. Ausgelöst wird die COPD meist durch Tabakrauch oder Staubpartikel in der Atemluft. Im Krankheitsverlauf kommt es zu einer Verengung der Bronchien und einer immer weiter fortschreitenden Schädigung des Lungengewebes. Dabei können sich die Lungenbläschen irreversibel überblähen. Derart veränderte Lungenbläschen werden im Fachjargon als Emphysem bezeichnet. Zusätzlich ist bei COPD-Patienten auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie an Lungenkrebs erkranken.

Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München haben nun einen Therapieansatz entwickelt, der eines Tages helfen könnte, COPD wirksamer als bisher zu behandeln. Wie Melanie Königshoff und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine mitteilen, konnten sie den Verlust von Lungengewebe bei Mäusen, die an einer der menschlichen COPD ähnlichen Krankheit litten, rückgängig machen. Nach Ansicht von Professor Claus Vogelmeier, Leiter der Abteilung Pneumologie an der Klinik für Innere Medizin des Universitätsklinikums Marburg, zeigt die Arbeit der Münchener Forscher einen Weg auf, der dazu beitragen kann, krankhaft verändertes Lungengewebe wieder zu reparieren.

Mäuse als Modellsystem

Für ihre Experimente verwendeten Königshoff und ihre Mitarbeiter Mäuse, die entweder Tabakrauch ausgesetzt waren oder denen inhalativ eine Substanz verabreicht wurde, welche das Bindegewebe in den Lungen der Mäuse abbaute. In beiden Fällen erkrankten die Mäuse an COPD. „Die Lungenfunktion wurde kontinuierlich schlechter“, berichtet Königshoff, die am Comprehensive Pneumology Center des Helmholtz Zentrums eine Nachwuchsgruppe leitet. „Außerdem konnten wir feststellen, dass sich die Architektur ihres Lungengewebes ähnlich wie bei COPD-Patienten deutlich veränderte hatte und bei den Mäusen Emphyseme entstanden waren.“

Anschließend nahmen die Forscher das geschädigte Gewebe auf molekularer Ebene genauer unter die Lupe. Sie schauten sich an, welche Gene angeschaltet waren und welche nicht. Dabei zeigte sich im Vergleich zu gesundem Gewebe, dass bestimmte Gene nicht aktiv waren. Sie tragen die Bauanleitung von Proteinen, die am so genannten WNT-Signalweg beteiligt sind. Eine Reihe von mehreren Molekülen, die nacheinander in Aktion treten, sorgt bei diesem Signalweg dafür, dass sich die Lungen während der Entwicklung eines Organismus richtig ausbilden. „Im gesunden Gewebe schlummert der WNT-Signalweg sozusagen“, erklärt Königshoff. „Sobald jedoch ein Schaden auftritt, kann der Weg prinzipiell eingeschaltet werden, um ihn zu beheben.“ Allerdings, so die Medizinerin, schaffe es aus einem noch unbekannten Grund die Lunge bei COPD nicht, den WNT-Signalweg zu aktivieren.

Wirkstoff aktiviert Signalweg

Sie und ihre Mitarbeiter hatten nun die Idee mit einer pharmakologisch wirksamen Substanz diese Hemmung aufzuheben und dadurch die Reparatur des geschädigten Lungengewebes wieder in Gang zu bringen. Die Forscher verabreichten Mäusen, die an einer COPD litten, über einen Zeitraum von mehreren Tagen Lithiumchlorid – einen Wirkstoff, von dem bekannt ist, dass er den WNT-Signalweg aktiviert. Die so behandelten Tiere zeigten im Vergleich zu Mäusen, die den Wirkstoff nicht erhielten, eine deutliche Verbesserung ihrer Lungenfunktion. Auch als Königshoff und ihr Team sich das Lungengewebe der Mäuse genauer anschauten, machte sich ein Rückgang der Erkrankung bemerkbar: „Die Lungenbläschen hatten nach der Behandlung wieder eine annähernd normale Größe“, sagt die Medizinerin.

Ob sich die Ergebnisse ihrer Experimente eins zu eins auf den Menschen übertragen lassen, weiß sie allerdings noch nicht sicher: „Es ist noch nicht klar, ob der Reparaturprozess, den wir in Mäusen gefunden haben, auch beim Menschen vorhanden ist“, so Königshoff. Da aber die Komponenten des WNT-Signalwegs zwischen Maus und Mensch weitgehend identisch seien, stünden die Chancen wahrscheinlich gut, dass die Aktivierung des WNT-Signalwegs auch COPD-Patienten helfen könnte. Um das herauszufinden, plant das Forscherteam nun den nächsten Schritt: „Wir möchten Gewebeproben, die wir COPD-Patienten entnehmen, ebenfalls mit den gleichen Wirkstoffen behandeln“, berichtet Königshoff, „und schauen, ob auch dort das geschädigte Lungengewebe repariert wird.“

Klinische Studie noch Zukunftsmusik

Wenn diese Versuche erfolgreich sind, so die Münchener Medizinerin, könnte in vier bis fünf Jahren vielleicht mit der klinischen Erprobung ihres Therapieansatzes begonnen werden. Ein Ziel, das auch ihr Kollege Claus Vogelmeier vor Augen hat: „Wir müssen Medikamente entwickeln, die direkt in den Prozess eingreifen und den Verlust von Lungengewebe bei COPD aufhalten, wenn nicht sogar rückgängig machen.“

98 Wertungen (4.22 ø)
Medizin
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9 Kommentare:

Der Artikel ähnelt sehr einem Aprilscherz, von Mäusen und Menschen …
und die COPD ist nichts anderes als die DIN Norm der Pulmoonkologen aus den 80 er Jahren, um Therapieergebnisse besser strukturiert zusammenfassen zu können.
Daher der Name GOLD standard … (hihihi)
Dass die industrie daraus einen Massstab für die Wirksamkeit von Boronchospasmolytika gemacht hat, darauf fallen auchnur Nichtpuzlmologen rein…

#9 |
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Der Filmbeitrag war gut zusammengefasst.

#8 |
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“30.03.11 – 23:08
Peter Cornelius
Arzt/Ärztin

Dass es Hahnemann gelungen ist, ein substanzspezifisches Kraftfeld in Kügelchen zu bannen, weiß jeder, der damit hinreichend Erfahrungen gemacht hat, auch wenn man das eben so wenig begreifen kann, wie die Entstehung aller anderen Kraftfelder, obwohl wir gelernt haben solche zu messen.
Oder wissen Sie vielleicht wie die Erde ihr Schwerefeld produziert, das jeder fühlt aber noch keiner gesehen hat.”

Herrlich, einfach herrlich.

Das ist mal wieder die typische Verwechslung zwischen Funktionsweise und Wirkung.

WIESO das Schwerefeld da ist und wie es funktioniert, muß man gar nicht wissen. Die Wirkung des Schwerefelds ist reproduzierbar zu messen. Darauf kommt es an. Ebenso ist es in der Medizin: Dort kann man die Wirkung einer Medikation oder Behandlungsmethode messen. Die einfachste Methode ist das Zählen. Das ist einfachste Statistik.

Bei Vorgängen, die sehr langsam ablaufen, wie es bei der Zerstörung der Lunge ist, ist Statistik extrem wichtig, denn da können so viele Faktoren mitspielen, die mal alle fein säuberlich einordnen und aussortieren muß. Blinder Aktionsmus nützt da gar nichts.

Eine Medizin, die angeblich nur wenige Meister beherrschen, ist eher eine Sache der Rhetorik als der Fakten.

#7 |
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Dr. med. Michael Hosch
Dr. med. Michael Hosch

Daß ausgerechnet Herr Kollege Cornelius mit seinem immer wiederkehrenden “Allheilmittel” Nosodentherapie von Wissenschaftlichkeit und evident spricht entbehrt nicht einer gewisen Ironie. Bei den von ihm behaupteten Erfolgen fragt man sich doch unwillkürlich, warum diese Therapie nicht einen großen Siegeszug um die Welt angetreten hat, aber wahrscheinlich liegt das, wie im Kommentar 2 von Herrn Cornelius ausgeführt, an dem Betreiben aller anderen unfähigen Ärzte, Funktionäre und Politiker !?

#6 |
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“30.03.11 – 18:24
Peter Cornelius
Arzt/Ärztin

Da in diesem Fall von 30 Patienten, denen keine Schulmedizin je hat helfen können, ausnahmslos alle mit der genannten Nosode endgültig geheilt worden sind, so ist das evidenter als 100000 Fälle bei denen, wenn sie Glück hatten, mit Cortison vorübergehende Remissionen erzielt werden aber keiner jemals wirklich geheilt worden ist.”

Das ist eine Anekdote, aber kein Beweis.

#5 |
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“29.03.11 – 15:25
Peter Cornelius
Arzt/Ärztin

Zweierlei Ursachenkomplexe von COPD habe ich bei meiner Arbeit mit der Nosodentherapie gefunden: So wie beim Keuchhusten bekanntlich auch noch geraume Zeit nach dessen Ausheilung der typische keuchende Husten von banalen Infekten imitiert wird, was auf der Prägung eines Reaktionsengrammes beruhen muß, so kann durch die Diphtherie-Impfgung das Reaktionsengramm des Pseudokrupp geprägt werden, was kausal mit der Nosode Diphtherinum gut behandelt werden kann, denn keines der ca. 30 so von mir behandelten.”

Mit Verlaub, das meinen Sie doch nicht ernst, oder?

“In diesen Fällen half früher zuverlässig und immer eine Behandlung mit der Nosode dieses Infektes, soweit die entsprechenden Nosoden verfügbar waren, was leider heute durch Betreiben von unwissenden Politikern und Funktionären leider nur mehr selten der Fall ist. Durch die gezielte Nosoden Therapie wird offenbar das Immunsystem belehrt und in Stand gesetzt nachträglich den jeweiligen Infekt doch noch zu überwinden.”

Wenn das wahr wäre, ließen sich diese Behauptungen beweisen. Doch wo sind die nachprüfbaren Beweise?

Ich empfinde es als äußerst krass, wieviel Aberglaube in der medizinischen Praxis geduldet wird.

#4 |
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Priv.Doz. Dr. med. Klaus Heller
Priv.Doz. Dr. med. Klaus Heller

Zumindest formal hat die Bronchopulmonale Dysplasie (BPD) des Früh- und evtl. auch Neugeborenen gewisse Ähnlichkeit mit der COPD. Es wäre nun interessant, in einem entsprechenden Tiermodell zu prüfen, ob auch bei der BPD LiCl Vorteile bringen könnte. Natürlich bietet sich hier auch an, Untersuchungen zum WNT – Signalweg bei den betroffenen (meist langzeit beatmeten) vorzunehmen.

#3 |
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Founder-Administrator Vlady Rozenbaum
Founder-Administrator Vlady Rozenbaum

What about the trials with Retinoid Acid and macrolide antibiotics? The Japanese researchers found them to have ability to regenerate lung tissue.

#2 |
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Die Information über Polonium 210 als Alphastrahler im Zigarettenrauch sollte gerade heute, wo wir Alle über radioaktive Belastung reden, immer mal wieder ins Gedächtnis gerufen werden. 1 Schachtel entspricht etwas einer Thoraxübersicht ….Nadjmi

#1 |
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