Physician Assistants: Untergang der Ärzte?

30. März 2011
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In den USA gibt es sie schon lange, in Deutschland kommen sie grade erst auf: Physician Assistants (PAs) sollen die Ärzte zukünftig im Klinikalltag entlasten. Werden Ärzte jetzt überflüssig?

Viele Ärzte – gerade junge Kollegen in den internistischen Fachrichtungen – kennen das Problem: man kommt früher zum Dienst, geht ohne Überstunden zu notieren später als geplant heim, verzichtet auf Pausen. Und das vor allem, weil der Bürokratieaufwand im Gesundheitssektor in den vergangenen Jahren stetig – ach was, exponenziell! – zugenommen hat. Entlassbriefe wollen geschrieben und EKGs befundet werden, planmäßig einbestellte Patienten stehen im Flur vor dem Arztzimmer und warten darauf befragt, untersucht und aufgenommen zu werden.

Gerade am Anfang der Assistenzarztzeit ist man in der täglichen Routine noch nicht so geübt, dass man alles in der dafür vorgegebenen Zeit schaffen könnte, und so bleibt man am Abend halt ein, zwei Stunden länger. Die Arbeit muss schließlich erledigt werden. Kommt zu alldem noch ein schlecht besetztes Kollegium hinzu, spitzt sich die Situation zu.

Helferlein wanted!

Schön wäre hier ein „Helferlein“. Gut, das Pflegepersonal hilft natürlich wo es kann, aber längst nicht alle Krankenhäuser und Abteilungen verfügen über genug Ressourcen, und so bleibt am Ende doch viel Nicht-Ärztliches am Arzt hängen.

Bei ähnlich problematischen Voraussetzungen haben die USA bereits Mitte der 1960er einen Beruf etabliert, der hinsichtlich Aufgaben und Kompetenzen zwischen Arzt und Pflege steht: den Physician Assistant (PA). Idealerweise soll es sich hierbei um eine Art Schnittstelle zwischen ärztlichem und pflegerischem Bereich handeln und dem Arzt ermöglichen, spezifische Aufgaben wie beispielsweise Anamnese und Untersuchung aber auch Aufklärung und Medikamentenverordnungen entsprechend zu delegieren. Inzwischen gibt es in den USA über 60.000 PAs.

Der PA kommt nach Deutschland

In Deutschland wird ein ähnliches, an den bestehenden amerikanischen Inhalten angelehntes Studium seit einiger Zeit angeboten.
Vorreiter war im Jahr 2005 die private Hochschule Steinbeis in Berlin, die deutschlandweit als erstes das Studium zum PA – so auch hier die offizielle Abkürzung – mit Bachelor of Science Abschluss anbot. Inzwischen haben einige Hochschulen den Handlungsbedarf erkannt und entsprechend nachgezogen. Beispiele hierfür sind die Mathias Hochschule Rheine/Münster oder die DHBW in Karlsruhe.

Neben der Vermittlung von medizinischen Grundlagen (Anatomie, Physiologie) wird in dem 6-semestrigen Studium auch auf die einzelnen fachspezifischen Gegebenheiten (Innere, Chirurgie, Anästhesie) eingegangen. Notfallmanagement und das Erlernen invasiver Techniken stehen ebenso wie ethische Grundsätze und wissenschaftliches Arbeiten auf dem Lehrplan.

Mögliche Einsatzgebiete des PAs sind Funktionsbereiche, Ambulanzen und nicht zuletzt der OP. Gerade hier können sie die Ärzte beispielsweise im Lagern, sterilen Abwaschen und als erste Assistenz während der OP unterstützen.

Wir der Stationsarzt überflüssig?

Im Zuge von steigenden Personalkosten wird immer wieder der Vorwurf laut, dass vermeintlich günstigere PAs das Ärztepersonal ersetzen könnten und die Klinik durch Stellenkürzungen im ärztlichen Bereich massiv Gelder einsparen könne. Auch wenn dieses Argument sicher immer wieder angebracht wird, so muss ganz klar gesagt sein: PAs sollen Ärzte nicht ersetzen, sondern entlasten. Sie haben in Deutschland beispielsweise auch keinen konkreten Heilauftrag. Anamnese, Patientengespräch und Heilplan sind meiner Meinung nach immer noch rein ärztliche Aufgabe und nicht oder zumindest nicht vollständig delegierbar. Allzu schnell könnten man sich sonst bei etwaigen Fehlbehandlungen einer Anklage auf Organisations- oder Übernahmeverschulden gegenübersehen.

Anders in den USA: Dort sind im Laufe der Jahre die Kompetenzen des PAs deutlich ausgeweitet worden. Sie verschreiben dort eigenständig (bestimmte) Medikamente, interpretieren Befunde und pflegen diese in Patientenakten ein. Sie unterstehen auch nicht direkt einem bestimmten Arzt sondern handeln unabhängig, müssen entsprechende “Malpractice”-Versicherungen abschließen und verdienen bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 32 Stunden knapp 90.000$ pro Jahr.

Fazit

Zusammenfassend ist zu sagen, dass sich die Rolle der z.Zt. noch wenigen PAs in Deutschland langfristig wohl immer mehr etablieren wird. Gleiches gilt für die Kompetenzen, die sich bei voranschreitender Verbreitung des Berufsstandes immer klarer definieren. Ich persönlich sehe hier eher Chancen als Gefahren für den Gesundheitssektor und bin – auch als Berufsanfänger – dankbar für jede Arbeitsentlastung oder Hilfe seitens der qualifizierten Pflege oder eines PA.

22 Wertungen (4.36 ø)
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5 Kommentare:

Julian Wichmann
Julian Wichmann

Dort steht ja auch “at least 32 hours”, oder auf welche Zahl beriefen Sie sich? Sicherlich sind 50+ pro Woche realistischer.

#5 |
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hallo zusammen,
anbei die gewünschte quelle (aapa, quasi die landesvereinigung der pa’s in den usa):

http://www.aapa.org/about-pas/faq-about-pas

dort mal unter income/salary schauen….

hier dann auch nochmal die aufstellung je nach fachrichtung, in der der pa arbeitet (zahlen aus 2008):
http://nurse-practitioners-and-physician-assistants.advanceweb.com/editorial/content/editorial.aspx?cc=188720

bzgl. der stunden gebe ich zu bedenken, dass sicherlich – ebenso wie bei amerikanischen ärzten – in erheblichem umfang mehrarbeit anfällt..der amerikanische arzt hat ja quasi keine freizeit, wissen wir ja ;-)

#4 |
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Julian Wichmann
Julian Wichmann

PAs sind extrem hilfreich und hervorragend ausgebildet in den USA. Gerade in den chirurgischen Fächern sind ihre Kompetenzen recht groß, trotzdem fühlt sich kein Chirurg bedroht. PAs sind selbstständig “on call” und sehen Patienten in der Notaufnahme. Sie assistieren auch bei OPs und können unter Aufsicht kleine Teile von OPs selber durchführen.
Die Gehälter muss man in Relation sehen, wenn man weiß, dass Fachärzte in den USA je nach Fach zwischen $150.000 und sehr häufig eher Richtung $400.000 in chirurgischen Fächern verdienen.
Insofern wird das Durchschnittsgehalt der PAs in Deutschland sicherlich nicht 1:1 wie in den USA umgesetzt, sondern eben einen ähnlichen Anteil wie ein Facharzt hier.
Die Stundenzahl kommt mir aber extrem niedrig vor. Hier wäre mal eine Quellenangabe gut.

#3 |
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Hp und Studentin almut rensch
Hp und Studentin almut rensch

So wie sich das Politisch,- Gesundheitsmedizinisch entwickelt hat und noch entwickeln wird,sich in den Kliniken die Auswikungen sichbar darstellen lassen,ist es Wert darüber mal nach zu Denken.

#2 |
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Daniel Hamow
Daniel Hamow

Woher kommen die Stundenzahlen und Gehälter? (Quelle?)
Wenn das stimmt, ist es nur ein weiterer Grund zum lauthals Lachen. Da verdient so ein PA in der hälfte der Zeit mehr Geld als ein Assistenzarzt hinerzulande…

#1 |
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