Insult-Studie: Forscher trifft der Schlag

26. Juli 2016
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Insulte gehören in vielen Ländern zu den wichtigsten Todesursachen. Fast jedes Ereignis ließe sich durch präventive Maßnahmen vermeiden, fanden Wissenschaftler jetzt heraus. Allerdings ist ihre Arbeit nicht frei von Schwächen.

In Deutschland nehmen zerebrovaskuläre Krankheiten mit rund 55.000 Fällen (2014) einen Spitzenplatz in der offiziellen Todesursachenstatistik ein. Die Inzidenz ischämischer Hirninfarkte liegt bei 160 bis 240 Ereignissen pro 100.000 Menschen. Bei Hirnblutungen sind es 24, und bei Subarachnoidalblutungen sechs Fälle pro 100.000 Einwohner. Darüber hinaus sind Insulte die häufigste Ursache für mittlere und schwere Behinderungen. Forscher interessieren sich seit Jahren für mögliche Risikofaktoren, um präventiv zu handeln.

Umwelt und Lebensstil

Jetzt hat Valery L. Feigin aus Auckland, Neuseeland, untersucht, welche Möglichkeiten es aus wissenschaftlicher Sicht gibt. Basis seiner Arbeit war die weltweite „Global Burden of Disease“-Studie. Sie arbeitete mit „Disability-Adjusted Life Years“ (DALY), also mit Lebenszeiten, die durch Behinderung oder Tod verloren gehen.

Global betrachtet führt Feigin 90,5 Prozent aller Schlaganfall-assoziierten DALY auf vermeidbare Faktoren zurück. Mit 74,2 Prozent stehen Rauchen, Ernährung und wenig Bewegung an erster Stelle. Ähnlich stark schlagen kombinierte Risiken durch einen hohen systolischen Blutdruck, einen hohen BMI, hohe Nüchternglukosewerte, hohe Werte beim Gesamtcholesterin und niedrige glomeruläre Filtrationsraten zu Buche.

Jenseits des eigenen Lebensstils weist Valery L. Feigin auf die Bedeutung von Umwelteinflüssen hin. Nahezu jeder dritte Insult lässt sich ihrer Publikation zufolge auf Luftschadstoffe zurück – mit erheblichen Unterschieden. Während die Belastung durch Feinstaub in Nordeuropa, in den USA, in Kanada und in Australien weiter abnimmt, sind weniger entwickelte Länder nach wie vor stark betroffen. In Deutschland lassen sich zehn Prozent aller Schlaganfälle auf die Luftverschmutzung zurückführen, in Entwicklungsländern sind es bis zu 50 Prozent. Als Ursache gilt die Verfeuerung fester Brennstoffe wie Holz und die damit verbundene Feinstaubemission.

Empfehlungen ohne Mehrwert

Bei näherer Betrachtung hat die Publikation ihre Schwächen. Valery L. Feigin vergleicht Daten aus Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern. Finanzielle und kulturelle Unterschiede spielen hier eine erhebliche Rolle, sodass die Autorin selbst nur von „Vorschlägen“ beziehungsweise „Empfehlungen“ spricht. In vielen Fällen wird es schlichtweg unmöglich sein, Abhilfe zu schaffen. Bestes Beispiel sind die erwähnten offenen Feuerstellen in armen Ländern.

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Forschung, Pharmazie

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