Lieferengpässe: Auf immer und ewig?

22. Juli 2016
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Erneut stehen Apotheker vor unlösbaren Aufgaben: Bei Novaminsulfon oder Metoprolol haben sie schlechte Chancen, Patienten zu beliefern. Jetzt ist die Bundesregierung in Alarmbereitschaft, bleibt aber hinsichtlich der Maßnahmen vage.

Seit Jahren treten Lieferengpässe bei wichtigen Arzneimitteln auf. Neben Metoprolol hatten Kollegen zuletzt auch Schwierigkeiten, Novaminsulfon zu bestellen. Dahinter steckten vor allem Engpässe bei Zentiva. Mit einem Anteil von 80 Prozent ist die Sanofi-Tochter Platzhirsch. Beide Vorfälle reihen sich in eine lange Kette von Ereignissen. Bislang erprobte Strategien wie die freiwillige Veröffentlichung beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zeigten dabei wenig Erfolg. Grund genug für die Linksfraktion, im Rahmen einer Kleinen Anfrage (18/8835) Details von der Bundesregierung abzufragen.

Wunderwaffe Pharmadialog

Koalitionsvertreter erwähnen in ihrer Antwort (18/9049) vor allem Hermann Gröhes (CDU) Pharmadialog. Der Bundesgesundheitsminister wollte ursprünglich Deutschland als Pharmastandort attraktiver machen. Darüber hinaus hat er einige Themen rund um Arzneimittel bearbeitet.

Gröhe will in erster Linie einen Jour Fixe mit Herstellern etablieren, um regelmäßig die Versorgungslage zu sondieren. Von der Industrie fordert er „mehr Transparenz“, etwa in Form einer Selbstverpflichtung, sich abzeichnende Schwierigkeiten rasch zu kommunizieren. Technische Maßnahmen muss das Bundesministerium für Gesundheit aber erst bereitstellen.

Während der Gespräche hätten sich Firmen außerdem verpflichtet, „durch weitere Optimierung der Prozesse und des Qualitätsmanagements zu einer Verbesserung der Versorgungssituation beizutragen“. Allerdings, so heißt es weiter, führten Lieferschwierigkeiten nicht zwangsläufig zu Problemen bei der Versorgung.

Riskante Rx-Abgabe

Damit landet der schwarze Peter wieder einmal bei Apothekern. Ihnen bleibt nur, auf dem Kassenrezept zu dokumentieren, falls rabattierte Präparate nicht erhältlich sind. Hinsichtlich des erforderlichen Nachweises werden Kassen immer rigider. Sie geben sich mit Mitteilungen des Großhandels nicht immer zufrieden. In einigen Fällen fordern sie sogar Aussagen von Firmen selbst.

Dazu ist die Industrie aber nicht immer bereit, aus gutem Grund: „Die mit den Kassen ausgehandelten Arzneimittelpreise in Deutschland sind im Vergleich deutlich niedriger als in anderen europäischen Ländern“, erklärt der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa). „73 Prozent der deutschen Preise liegen unter dem Mittel unserer Nachbarn, 38 Prozent sind die niedrigsten überhaupt.“ Wandern große Tranchen also eher in Länder mit besserer Vergütung, wie einige Apotheker vermuten?

18 Wertungen (4.67 ø)

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4 Kommentare:

Manfred Lothar Dietwald
Manfred Lothar Dietwald

Es geht wie immer um Ausbau der Computersysteme, die natürlich Geld kosten und für den Staat vom Hersteller mit 19% Mehrwertsteuer belegt sind. Wann wird dann endlich dafür der Mehrwertsteuersatz für Medikamente gesenkt, um europäisch eine Angleichung zu erreichen, und den Krankenversicherten zu entlasten.

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Manfred Lothar Dietwald
Manfred Lothar Dietwald

Der Festpreis, den die Krankenkassen festlegen wird aus den Multiplikationen der Anzahl oder Menge hoch einer spezifischen 7-10stelligen Zahl und Substanzmenge hoch einer spezifischen 7-10stelligen Zahl und einer spezifischen 10stelligen Korrekturzahl ermittelt. Dadurch ist gewährleistet, daß niemand durchblickt. Scließlich wird auf- oder abgerundet. Erst jetzt wird der Marktpreisvergleich zur Ermittlung des Rabattvertrages hinzugezogen. Mit realer Preisermittlung oder -findung hat das wenig zu tun, eher mit einer Lachnummer, die zum Heulen ist. Qualität und Verfügbarkeit haben da keinen Platz. Ein echtes Klapsmühlenspiel.

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Erwin Müller
Erwin Müller

Noch zur Erklärung für Europa-Gläubige Auslandsshopper (a la “in Spanien ist aber mein Arzneimittel viel billiger als hier”): Den realen Preis eines verschreibungspflichtigen Medikaments kennen NUR
– die Kranke Kasse
– der Pharmahersteller
sonst NIEMAND! Dass die Kranken Kassen hier Kick-Back-Zahlungen (nennt sich nett “Rabattvertrag” oder “Herstellerabschlag”) in GEHEIMER Höhe erhalten, scheint keinen zu interessieren… Patienten zahlen trotzdem die Zuzahlung von bsp. 10 € obwohl das Medikament die Kasse weniger als 100 Euronen kostet… Nicht umsonst floriert der Handel (der Hersteller, der Großhändler, etc.) mit Medikamenten in benachbarte Ausland – und hier heisst es: “Nicht lieferbar.”

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Gast
Gast

Die Apotheker liegen mit ihrer Vermutung sicher richtig! Was tut eigentlich die EU dagegen, die sonst alles regelt (z.B. Krümmung der Banane)

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