Sterbehilfe: Angebot ohne Nachfrage

27. Juli 2016
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Ärztliche Sterbehilfe ist inzwischen in vielen Ländern legal. Dennoch wird sie verhältnismäßig selten angewendet, so eine aktuelle Studie. Insgesamt hat die öffentliche Zustimmung in Westeuropa und den USA zu Sterbehilfe fast kontinuierlich zugenommen.

Ob Ärzte schwer kranken Patienten zum Sterben verhelfen dürfen, wird unter ethischen und rechtlichen Gesichtspunkten kontrovers diskutiert. Inzwischen ist ärztliche Sterbehilfe in immer mehr Ländern der Welt legal. Deshalb befürchten viele, dass die Zahl der Fälle deutlich ansteigen wird – und dass die Beihilfe zum Sterben auch leichtfertig oder missbräuchlich geleistet werden könnte.

Zur Zeit sind in den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Kanada und Kolumbien sowohl die aktive Sterbehilfe als auch die Beihilfe zur Selbsttötung legal. Während der Arzt bei der aktiven Sterbehilfe das Leben des Patienten durch gezielte Gabe von Medikamenten beendet, stellt er bei der Beihilfe zur Selbsttötung dem Patienten das tödliche Medikament nur zur Verfügung, das dieser dann selbst einnimmt. In der Schweiz und in fünf US-Bundessstaaten ist nur die Beihilfe zur Selbsttötung legal – nämlich in Oregon, Washington, Montana, Vermont und Kalifornien.

In Deutschland gilt: Die Beihilfe zur Selbsttötung ist sowohl für Ärzte als auch für Nichtärzte straffrei, sofern der Helfer dabei nicht geschäftsmäßig handelt. Aktive Sterbehilfe ist dagegen strafbar. Insgesamt ist die Rechtslage jedoch komplex – detaillierte Informationen zu einzelnen Ländern finden sich auf der Webseite des Deutschen Referenzzentrums für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE).

Daten aus den Jahren 1947 bis 2016

Nun hat ein Forscherteam zum ersten Mal umfassend untersucht, wie häufig Sterbehilfe angewendet wird und wie sich die Legalisierung auf die Einststellung zur Sterbehilfe und die Zahl der Fälle auswirkt. Dazu werteten die Wissenschaftler um Ezekiel J. Emanuel von der Perelman School of Medicine an der University of Pennsylvania (USA) alle verfügbaren Daten zum Thema aus den Jahren 1947 bis 2016 aus. Diese umfassten Meinungsumfragen und Studien mit Ärzten und der Allgemeinbevölkerung, Interviews mit Ärzten, offizielle Datenbanken und Studien zu Sterbeurkunden (die seit 1990 in den Niederlanden und Belgien durchgeführt werden). Ihre Ergebnisse sind jetzt in der Fachzeitschrift „JAMA“ erschienen.

Die Auswertung der Daten ergab, dass Sterbehilfe insgesamt relativ selten durchgeführt wird: So waren in Ländern, in denen sie legal ist, nur 0,3 bis 4,6 Prozent der Todesfälle auf aktive Sterbehilfe oder Beihilfe zur Selbsttötung zurückzuführen. Bei 70 Prozent der Betroffenen handelte es sich dabei um Krebspatienten. Allerdings hat die Zahl der Fälle sowohl in den USA als auch in Belgien und in den Niederlanden zugenommen, seit Sterbehilfe legalisiert wurde – in den übrigen Ländern lagen dazu keine ausreichenden Daten vor.

„Häufig wird angenommen, dass ärztliche Sterbehilfe weit verbreitet ist. Allerdings sind die solidesten Daten, die wir zu diesem Thema haben, bereits 15 Jahre alt“ sagt Emanuel. Zur Zeit wird in verschiedenen Ländern und US-Bundesstaaten über Gesetzentwürfe diskutiert, die solche Praktiken legalisieren könnten. „Aber im Moment besitzen wir gar kein umfassendes Wissen, wie Sterbehilfepraktiken aussehen und wie die Öffentlichkeit und die Ärzte das Thema sehen“, so der Forscher. „Wir brauchen mehr Daten, bevor solche Maßnahmen als Lösung in der palliativen Medizin eingesetzt werden.“

Befürwortung hat in vielen Ländern zugenommen

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Sowohl in den USA als auch in Europa hat die öffentliche Zustimmung zu Sterbehilfe von den 1940er bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts kontinuierlich zugenommen. So lag sie in den USA im Jahr 1947 bei 37 Prozent, in den 1990er Jahren bereits bei 66 und in den frühen 2000er Jahren bei 75 Prozent. Seitdem ist sie wieder etwas zurückgegangen, nämlich auf 64 Prozent im Jahr 2012. Die Befürworter von Sterbehilfe waren dabei vorzugsweise männlich, jung, weiß und gehörten keiner Religion an.

Auch in Europa zeigte sich eine zunehmende Befürwortung von Sterbehilfe. Dabei ist die Zustimmung zwischen 1999 und 2008 in den meisten westeuropäischen Ländern gestiegen, in vielen Ländern Osteuropas jedoch zurückgegangen. Emanuel und sein Team vermuten, dass dies mit der abnehmenden Religiosität in Westeuropa und zunehmender Religiosität in den ehemals kommunistischen Ländern Osteuropas zusammenhängen könnte.

Missbrauch selten – über Komplikationen wenig bekannt

Als Gründe für den Wunsch, ihr Leben zu beenden, nannten die Betroffenen vor allem den Verlust von Autonomie und Würde, fehlende Freunde am Leben und andere Formen starker psychischer Belastung. Schmerzen wurden dagegen selten als Grund genannt. Die Mehrheit der Patienten, die Sterbehilfe fordern, waren älter, männlich, weiß und relativ gebildet.

Anfragen nach Sterbehilfe haben in den US-Bundesstaaten, in denen die Beihilfe zum Suizid legal ist, weniger als 20 Prozent der Ärzte erhalten – und weniger als 5 Prozent haben sie bereits geleistet. Dies deutet darauf hin, dass die Legalisierung nicht dazu führt, dass Sterbehilfe zum Regelfall wird, sondern eher eine Ausnahme in extremen Fällen bleibt. Weiterhin befanden sich die meisten Patienten, die um Sterbehilfe baten, bereits in palliativer Behandlung – was vermuten lässt, dass ihre Symptome angemessen behandelt wurden. Darüber hinaus deuten die Ergebnisse darauf hin, dass kritische Fälle – etwa lebensbeendende Maßnahmen bei Minderjährigen oder Demenzpatienten – nur einen sehr geringen Anteil der Fälle ausmachen. „Insgesamt legen unsere Daten nahe, dass es keinen umfassenden Missbrauch von ärztlicher Sterbehilfe gibt“, schreiben die Autoren.

Ein weiteres Ergebnis gibt jedoch Anlass zur Sorge: Außer in den Niederlanden und den USA lagen keine Daten über die Häufigkeit von Komplikationen vor – und auch in diesen Ländern waren die Berichte häufig unvollständig. So fehlten zwischen 1998 und 2015 bei 40 Prozent der Fälle von ärztlich assistiertem Suizid Angaben zu Komplikationen. Wenn Daten zur Verfügung standen, wurden am häufigsten ein lang dauernder Sterbeprozess (länger als einen Tag), Erbrechen der Medikation und Krampfanfälle als Komplikationen berichtet.

Fragen für die Zukunft

Welche Forschungsfragen zum Thema Sterbehilfe sind nun für die Zukunft am wichtigsten? Mit dieser Frage hat sich ein Team um Mark Rodgers von der britischen University of York vor kurzem zum ersten Mal beschäftigt. Die Forscher befragten verschiedene Personengruppen, die am Thema Sterbehilfe interessiert waren, welche Fragestellungen sie als besonders wichtig ansehen. Dazu gehörten Fachleute aus dem Gesundheitswesen und der sozialen Versorgung, Wissenschaftler, Bürgerrechtler und auch Patienten. Insgesamt wurden 110 Gruppen und Einzelpersonen befragt, wobei Sterbehilfe-Befürworter und -Gegner gleichermaßen einbezogen wurden. Über 90 Prozent der Befragten stammten aus Großbritannien – wo aktive Sterbehilfe und Beihilfe zum Suizid verboten sind –, die übrigen kamen aus anderen Ländern Europas.

Als wichtigste Forschungsfragen kristallisierten sich heraus: Wie und warum entscheiden sich Menschen dafür, ihr Leben zu beenden? Welche Faktoren beeinflussen diese Entscheidung und wie verändert sich diese mit der Zeit? Wie könnte die Lebensqualität von Patienten mit einer unheilbaren Erkrankung in der letzten Lebensphase verbessert werden? Was bedeutet für sie genau „Lebensqualität“? Was bedeutet für sie „unerträgliches Leiden“? Weitere Fragestellungen, die von einer Mehrheit der Befragten genannt wurden, lauteten: Sind Bedenken, dass schwer kranke Patienten zu Sterbehilfe gedrängt werden, zutreffend oder nicht? Und: Warum lehnen manche Patientengruppen Sterbehilfe entschieden ab? Was sind ihre Gründe, und wie könnten diese verändert werden?

„Diese Fragestellungen sollten Gegenstand zukünftigen Studien sein. Gleichzeitig sollte die bestehende Literatur unter diesen Aspekten ausgewertet werden“, schreiben die Autoren. „Das könnte der effektivste Weg sein, objektive Belege in die Diskussion um Sterbehilfe einzubringen.“

Häufigkeit und Komplikationen genauer erfassen

Ähnliches fordern auch Emanuel und sein Team. Aus ihrer Sicht sollten überall auf der Welt mehr und systematischere Daten zum Thema Sterbehilfe erhoben werden – nicht nur in Ländern, in denen sie bereits legal ist. „Dabei sollten vor allem drei Bereiche untersucht werden“, schreiben die Forscher. „Die tatsächliche Häufigkeit ärztlicher Sterbehilfe, wie oft Sterbehilfe gefordert und mit welchen Methoden sie durchgeführt wird, und schließlich die Rate an Komplikationen.“ In Ländern, in denen Sterbehilfe legal ist, sollten zudem regelmäßige, sorgfältige Analysen der offiziellen Daten und der Sterbeurkunden durchgeführt werden – ähnlich wie dies bereits in den Niederlanden und Belgien der Fall ist.

69 Wertungen (4.17 ø)

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28 Kommentare:

Zur Eugenia Dietrichs Frage: Warum … müssen das unbedingt Ärzte machen? Erstens, weil sich die Ärztekammern auch hier in paternalistischer Art, aber völlig unnötiger Weise, in diese Diskussion drängen, anstatt zu sagen, jeder der Selbstbestimmung verlangt hat selbstverständlich auch das Risiko und die Konsequenz aus seinem Verlangen bzw. aus seinem Handeln oder Unterlassen zu tragen. Ob das heißt, jeder entscheidet selbst, ob er den ärztlichen Rat für eine Behandlung gar nicht erst einholt, oder das/die verordnete/n Medikament/e nicht mehr nimmt.
Zweitens braucht die Gesellschaft eine kompetente Instanz/Institution die man in weiterer Folge auch (z. B. für hier ja auch genannte “Komplikationen”) klagen kann, um aus dem Ableben des Angehörigen Geld machen kann. Das geht eben nur, wenn ein ausgebildeter Mediziner “sich an die Sache gemacht hat”.
Zu Herr Detlef N. Lermanns Beitrag: … er muss nur seine Feigheit, diesen Schritt zu gehen, überwinden. Sie sprechen ein wahres Wort, nur vielleicht mit etwas zu viel polemischen Unterton, aus. Ich habe eben vorhin die Thematik von Risiko und Konsequenz angesprochen. Die “Feigheit” wollen viel zu viele dadurch umschreiben, dass sie professionelle (ärztliche) Sterbehilfe verlangen. In Wahrheit aber, haben sich viel zu wenige Menschen, mit dem Thema auseinander gesetzt, als sie noch ganz gesund waren, und die Umsetzung des Themas noch weder zeitlich nahe stand oder gar notwendig war. Die Mehrzahl der Diskutanten, die straffreie Sterbehilfe fordern, wollen sich vor der höchstpersönlich zu treffenden Entscheidung, ob man weiterleben möchte oder der Natur ihren Lauf lassen möchte, flüchten, und sie einem Dritten zuschieben. Es würde in den meisten Fällen “genügen” sich beizeiten darüber klar zu werden, welche Maßnahmen man ablehnt, die das Leben künstlich verlängern. Darunter fallen natürlich alle herz-kreislauf-wirksamen Medikamente, Antibiotikatherapie bei akut auftretenden Infektionen, alle intensivmedizinischen Maßnahmen etc.

#28 |
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Gast
Gast

Nichts in diesen Studien bzw dem Artikel ist geeignet, meine zunehmende Panik seit dem 217 zu verringern.
Um nur das Krasseste zu nennen: Demente, die nicht rechtzeitig (d.h. als sie noch zu Planung und Durchführung eines Freitods fähig waren) gehandelt haben, werden hier als Gläubige an die Kirchendefinition “Leben” vorgeführt.
Das war mindestens ein Drittel schon nach der Statistik nicht.
Da seit dem Gesetz über die Patientenverfügung von 2009 alle Ärztinnen und Ärzte meine mehrseitige Erklärung abnicken, habe ich seitdem eine Möglichkeit weniger, zu erkennen, wer mich zu einem langsamen qualvollen Sterben zwingen wird – wie es der Kommentar von Moritz von Fallois zugibt.
Und es ist recht schwierig, von vorneherein Untersuchungen und Diagnostik zu blocken, bei denen ein “jetzt ist Schluss!” herauskommen kann.
(auch ganz abgesehen von der Tatsache, dass bei Alzheimer wenig, und bei selteneren Demenzen gar keine Vorhersage bis jetzt funktioniert).
Wie ich mir Qual ersparen kann, weiss ich; was für mich als solches qualifiziert, auch – die Frage ist nur, wie kann ich die vielen aufdringlichen Mitmenschen daran hindern sich und ihre Werte mir aufzuzwingen???

#27 |
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Julia Reichert
Julia Reichert

Sobald ein kapital daraus geschlagen werden kann bzw der kapitalismus sich nicht mehr die ueberalterung leisten kann wird die diskussion wohl auch seitens der politik hinfaellig.ich haette mir eine vorzeitige vernuenftigere loesung gewuenscht und einen pschiater der meinen freien willen respektiert und mich unterstuetzt.wie alt und krank muss man sein um das leben nicht mehr lebenswert zu finden?

#26 |
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Gabriela Bähre
Gabriela Bähre

Nun, Dr. Lorenz, derzeit läuft eine Studie zur Selbstmordrate bei Tierärzten…in anderen Ländern ist diese etwa 4 x so hoch wie die der Durschnittsbevölkerung. Warum ist das wohl so?…weil wir im Gegensatz zur Durchschnittsbevölkerung über die Mittel verfügen, uns selbst möglichst schmerzlos zu töten, wenn es notwendig ist..auch ich werde diesen Weg gehen, sollte es mal nötig sein…unnötig leiden bis zum Schluß, werde ich bestimmt nicht.

Und bei vielen Tieren habe ich es schon gespürt, diesen Moment, wo sie nicht mehr wollen..leichtfertig habe ich nämlcih noch kein Tier eingeschläfert und schon manchem Besitzer den Wunsch der Euthanasie auch verweigert… dazu gehört natürlich ein gewisses Maß an Empathie…vielen Humanmedizinern ist das anscheinend abhanden gekommen

Und schon jetzt kann ich ihnen sagen, daß ich gerne sterben werde… ich habe keine Angst vor dem Tod..vor zwei Jahren war ich ihm ganz nahe, als ich bei einem Badeunfall in den Atlantik abtrieb…Der Tod gehört zum Leben.. das sollte man endlich mal akzeptieren.

#25 |
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gudrun Hölz
gudrun Hölz

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#24 |
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Der Arzt der seine Pharmakologie und den Umgang mit Betäubungsmitteln , die Diagnose , Prognose ,das Leid und den Wunsch des Patienten und der Angehörigen , kennt , sollte sein Hippo-Eid noch einmal durchdenken .

Die Scheinwerfer fokussieren nicht auf alle Tätigkeiten!

#23 |
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liane el-wannas
liane el-wannas

heute möchte ich mich auch mal mitteilen.
ich bin seit knapp 20 jahren exam. altenpflegerin.habe in der gerontopsychiatrie eines krankenhauses,sowie der damals größten wachkomastation berlin’s gearbeitet und jetzt seit jahren in einem seniorenheim mit korsakowstation und gemischten wohnbereichen mit an demenz erkrankten bewohnern.zum thema sterbehilfe stehe ich so,daß ich seit jahren regelmäßig meine patientenverfügung aktualisiere.
mittlerweile bin ich fast 53 jahre alt und habe 3 erwachsene kinder.sie wissen,daß ich keine dialysepatientin werden möchte,keinen hsm möchte und, daß ich auch keine sondennahrung erzeugenden firmen unterstützen möchte.gegenüber anderen “ersatzteilen” bin ich positiv eingestellt.aber ich möchte so sterben,wie
es die natur eingerichtet hat.dabei wäre es für mich noch erträglich,vielleicht einmal eine alzheimerdemenz zu erleiden.denn so wie ich pflege habe ich immer noch die hoffnung,daß dann jemand für mich da ist.das müssen dann nicht meine kinder sein.ich sehe jeden tag,wie schwer es angehörige haben und ich war selbst pflegende angehörige.meine mutter hätte ich heute auch in eine einrichtung gegeben.vor 20 jahren wußte ich es nicht besser.als sie starb ,mußte ich mich ein jahr lang seelisch pflegen,um familie,ehe und beruf wieder “normal”einzutakten.
danke für die möglichkeit,das hier mal loswerden zu können. lg liane

#22 |
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Dr. med.vet. Stefan Gabriel
Dr. med.vet. Stefan Gabriel

@Dr.Lorenz #17
Ich habe hier ganz bewusst nichts von meiner nahezu täglichen Euthanasieerfahrung in meiner Praxis geschrieben, weil das was ganz anderes ist. Tiere werden vor ganz klarem gesetzlichen Hintergrund von Leiden erlöst. Sie haben ein Recht auf den professionellen schmerzlosen Tod. Das geben wir ihnen, wenn es indiziert ist und der Besitzer diese Entscheidung trägt. Daher kenne ich mich gut damit aus. Tiere dürfen in Deutschland nicht leiden, sie haben das Tierschutzgesetz auf ihrer Seite!
Man kann und sollte das nicht (ausser vielleicht den technischen Aspekt) mit der Sterbehilfe bei Sterbewilligen Patienten vergleichen! Mir geht es lediglich, und DAS habe ich geschrieben, darum, daß der Patientenwille akzeptiert wird. Welcher Arzt will sich anmaßen, über meinen erklärten Willen hinweg zu handeln. Nicht der antiquierte Hippo-Eid gebietet dem Arzt sein Handeln, sondern die Zustimmung des Patienten, also sein Wille. Nicht nur bei OP und allen Eingriffen, sondern auch beim Sterben muss der Wunsch des Patienten entscheidend sein.
Warum fürchtet die Ärzteschaft gerade bei diesem wichtigen Thema den aufgeklärten Patienten und dessen Willenserklärung. Es wird ja kein Arzt dazu gezwungen, etwas gegen seine Prinzipien zu tun, aber entscheidend ist immer der Patientenwille, nicht der Arztwille ! Und so wie ich einem vorgeschlagenen Eingriff vielleicht mal nicht zustimme, werde ich zu gegebener Zeit auch verlangen, von Leiden erlöst zu werden. Bereits heute haben Patienten Rechte.
Das war bei Hippo anders….

#21 |
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Weitere medizinische Berufe

@Martina Arkenau:
Was Sie zu passiver Sterbehilfe schreiben stimmt. Ich habe den Begriff mit “assistiertem Suizid” verwechselt, was ich sehr bedauere.

#20 |
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Gast
Gast

zu Eugenia Dietrich

ähnlich wie in der Schweiz sollte es Hilfe geben-in der letzten Phase –
Patienten die sich bewust für ihr Ende entscheiden –
Und kein jahrelanges Liegen im Bett Inkontinenz u. das auch nicht ihren Angehörigen zumuten wollen

#19 |
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Weitere medizinische Berufe

Aktive Sterbehilfe bedeutet, einen Menschen gezielt zu töten. Assistierter Suizid heißt im Klartext, jemandem die Möglichkeit zur Verfügung zu stellen, seinem Leben selbst ein Ende zu setzen. Beides stellt meines Erachtens eine klare Übertretung einer roten Linie dar. Es wiederspricht auch eindeutig den ärztlichen Aufgaben Leben zu erhalten und / oder Leiden zu lindern.

#18 |
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@#11:
Ich gebe zu, es ist eine andere Dimension. Einen Hund, eine Katze, eine Maus einzuschläfern, ist vordringlich eine andere Diskussion – die Entscheidung fällt der Tierhalter zusammen mit Ihnen, das Tier hat nix dazu zu sagen.
Bei meinem Hund wüsste ich nicht, wie er entscheiden würde. Das ist das Vertrackte. Ich glaube nicht, daß es irgendein Lebewesen gibt, das gerne sterben MÖCHTE. Ich kenne soviele Tumorpatienten, die gekämpft haben bis zum Ende. Sie wollten dem Leben eben noch die letzten Wochen oder Monate abtrotzen.

#17 |
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Studentin der Humanmedizin

Warum wird stets darauf gepocht, dass es unbedingt die Ärzte machen müssen?

Ist es eine bestimmte Fachrichtung, so wie Nephrologe, Anästhesist, Pulmonologe…?

Braucht man ein 6-jähriges Studium, um einen Zugang zu legen?

Warum muss einer, der eigentlich ein Leben retten lernt, auch in die Rolle eines Henkers schlupfen?

#16 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

Selbstbestimmung, eigener Wille ? was ist das ?
auch schon beim Eintritt in diese Welt ?

#15 |
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Studentin der Humanmedizin

“…Warum lehnen manche Patientengruppen Sterbehilfe entschieden ab? Was sind ihre Gründe, und wie könnten diese verändert werden?…”

Man muss sich das erstmal auf der Zunge zergehen lassen: “…wie könnten diese verändert werden?…”

Wie kriege ich jemanden rum, sein Leben vorzeitig beenden zu wollen, obwohl er das entschIdeen ablehnt?

Gibt es bald Fortbildung darin, wie man das macht?

#14 |
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Gast
Gast

Die Möglichkeit das es Komplikationen gibt wird in der Diskussion vernachlässigt. Was heißt Komplikation? Wird die Sterbehilfe wegen unerträglicher Schmerzen durch Krämpfe “vertagt” oder abgebrochen. Wird das Leiden noch vergrößert und zwar für den Patienten, sowie für die Angehörigen (die ja immer mit einem schlechten Gewissen oder mit ihrem subjektiv empfunden Versagensängsten kämpfen, sei es weil sie Schmerz oder Angst ihrem geliebten Angehörigen nicht nehmen können) Sind Komplikationen rechtlich als Kunstfehler für den Arzt zu sehen und haben diese Komplikationen rechtlich ähnliche Folgen wie ein “Kunstfehler”?
Gibt es eine garantiert schmerzfreie und angstfreie Sterbehilfe überhaupt? Ich glaube die Diskussion ist neben den rechtlichen Unsicherheiten erst dann beendet, wenn Patienten, Angehörigen und Ärzte auch keine Angst vor den Nebenwirkungen haben

#13 |
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Gast
Gast

Und wieviele Heimbewohner sammeln im Altenheim – Tabletten i Suizidaler Absicht? –
Was ist mit Patienten unter 60 — mit Demenz Diagnosen? Bis 2015 konnten diese in die Schweiz fahren? Wird die Zahl der Harten Suizide steigen ?
Eine Patientenverfügung ist sehr wichtig.

#12 |
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Dr. med.vet. Stefan Gabriel
Dr. med.vet. Stefan Gabriel

Ich bin erstaunt, daß Human-Mediziner oft so unbeholfen mit dem Thema umgehen. Der Wille des Patienten sollte doch über allem stehen und respektiert werden. Wo ist bei vernünftiger Dokumentation bei Kenntnis der Krankengeschichte das Problem, den Willen des Patienten zu akzeptieren, selbst wenn der Arzt anderer Meinung ist ??? Warum müssen immer wieder MEnschen mit infauster PRognose im Endstadium ihrer Krankheit unnötig leiden, wenn sie das nicht mehr wollen ?
Ich erwarte von meinem Arzt eine aufrichtige Betreuung, das schließt die Beratung in aussichtsloser Situation ein. In der Diskussion wird immer so scheinheilig vom Leiden des betroffenen medizinischen PErsonals geredet. Es geht doch hier nicht um aktive Lebensverkürzung gegen den Patientenwillen!! Aber die Entscheidung eines Patienten, seinem Leben nun ein schmerzfreies Ende zu setzen, muss vom Arzt akzeptiert werden ! Der hippokratische Eid ist für die Ärzteschaft gemacht, leider nicht für die Patienten …

#11 |
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Gennadij Eistrach
Gennadij Eistrach

Das Problem, den Wunsch nach dem Sterben, kann nur durch das Gespräch unter vier menschlichen Augen (nicht Kommunikation) gelöst werden. Das sogenannte Gesprächmedizin in normalen, biblischen (Gebot der Liebe und Barmherzigkeit, gegenseitig) Sinne.
Aus eigener Erfahrung.
Gennadi.E

#10 |
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Gedanken zum Thema

Wer das Leben per Gesetz erlaubt zu verkürzen (Aktive Sterbehilfe) und zuläßt, daß hierdurch Personal (Dritte) per Arbeitsvertrag genötigt werden kann, gegen sein Gewissen zu handeln (wie es häufig schon bei Abtreibungen geschieht) macht sich schuldig. Denn wer sich als Schwester oder Arzt verweigert, den im Angebot der Krankenhausleistungen implementierte Willen, Abtreibungen durchzuführen und mitzuwirken (bringt einem Haus auf mehrfacher Weise Geld – Fallpauschalen, Verkäufe von Gewebe usw), muß mit Entlassung rechnen und dies hat für den Betroffenen Mitarbeiter und sein berufliches Fortkommen massive Folgen (Krankenhäuser sind mehr denn je miteinander vernetzt).

Wer also von Anderen verlangt (Feigheit in Verbindung von Nötigung) die Spritze zu setzen weil es per Gesetz (Rechtsanspruch) erlaubt ist, macht sich der Anstiftung und Verleitung zum Totschlag/ in manchen Fällen sogar Mord schuldig, gleiches gilt für die Befürworter und Gesetzgeber.

Dem Willen einer Selbsttötung liegt meist
– Scham (Diagnose des Verlustes seiner Selbst – Bei kognitive Erkrankung),
– Angst vor Schmerzen (häufige Mißachtung oder zu späte Anwendung, des von der WHO empfohlenen Schmerzmanagements )
– gesellschaftlicher Druck (Finanziell), wegen eventuell langem Siechtum, den Angehörigen / Gesellschaft zur Last zu fallen (Infauste Diagnose, schwere Unfälle, oder bei irreversiblen Abbauprozesse der kognitiven Fähigkeit, die alle meist zum Pflegefall führen).

Es reicht wenn die Selbsttötung (auch der Versuch) nicht unter Strafe (auch Zwangseinweisung in eine Psychiatrie ist eine Strafe) gestellt wird. Hilfsmittel hierfür gibt es zu Hauf, er muß nur seine Feigheit diesen Schritt zu gehen überwinden. Allerdings ist hierbei zu bedenken, daß auch eine Selbsttötung für die Hinterbliebenen meist seelische Schäden zur Folge haben können, die ebenso massive Kosten verursachen.

Eine Gesellschaft die für solche schwere Fälle nur die Zustimmung zur Tötung im Programm hat, statt Sterbe- und Abbauprozesse des Menschen würdiger zu gestalten, hat seine Daseinsberechtigung verspielt.

Zudem öffnen solche Gesetze wie oben erwähnt, Tür und Tore für Mißbrauch. Tagtäglich geschieht es bei unnötige OP’s, Implantation bzw. Explantation, Abtreibung. Zu sehen an häufiger Mißachtung des Patientenwillens, welcher in Patientenverfügungen kundgetan wurde.

Denn die Patientenverfügung hat einen Knackpunkt, sie wird meist auf den Namen ausgefühlt. Die Definition der Personen (Familienname/ NAME) finden Sie im § 28 PAuswVo. Sehen Sie auf den Personalausweis, Versicherungskarte als was Sie dort deklariert wurden. Sie wurden als Name = Sache deklariert.

Nur die Würde des Menschen ist unantastbar, die Würde einer Person nicht.

Es ist also nicht egal, welche Person Sie wissentlich oder unwissentlich administrieren, sprich welche Rolle (Person = Maske, Rolle des Schauspielers) sie bereit sind spielen zu wollen.

Ein Mensch der ohne seines Wissens einen Antrag, oder Patientenverfügung ausfüllt, indem die Deklaration Name abgefragt wird, übersieht, daß er zum bürgerlichen Tod zustimmt. Er wird zur Sache und Sachen haben keinen Willen. Über Sachen entscheidet der Treuhänder. Im Falle eines “Kunden im Krankenhaus” hat somit der Arzt, als in diesem Moment Treuhänder, das Recht über den Willen der vor Ihm liegenden menschlichen Hülle zu entscheiden (Achtung selbst bei einem Verstoß gegen den Patientenwillen, wo wollen Sie klagen? Meist sind Ärzte, Anwälte, Staatsanwälte, Richter usw. in Logen verbandelt und eine Krähe hackt einer anderen kein Auge aus).

Wie so oft werden in unserer so “fortschrittlichen” Gesellschaft, wirtschaftliche Interessen (z. Bsp. muß die Anzahl der Fallpauschalen 1 Jahr im Voraus ausgehandelt werden) vor dem Nutzen für den Kunden gestellt.

Wenn ein Krankenhaus dann nicht die Anzahl der im Voraus bestimmten Fälle erfüllt, geht er Gefahr, daß die Abteilung geschlossen werden muß (wird als Qualitätssicherung verkauft). Wer hindert dann also einen Arzt davor, im Interesse seines Arbeitsplatzes (Wirtschaftsunternehmen) zu handeln?

Wie vermehrt geschehen, finden auf diese Weise unnötige Eingriffe im menschlichen Körper statt, vor allem wenn die Gefahr der Erfüllung der Fallzahlen eine Schließung der Abteilung bevorsteht. So vieles spielt bei diesem Thema eine Rolle. Umdenken ist angesagt! Zwangsimpfungen und andere die Würde des Menschen verletzende Eingriffe, stehen bereits in den Startlöchern.

Wer den hypokratischen Eid ernst nimmt, kann an solche Diskussionen nur ein Contra zugunsten der Achtung des Lebens plazieren
#LogorRhoe

#9 |
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Martin Hagedorn
Martin Hagedorn

Unter Prozent kann ich mir nichts vorstellen!!!! Wie viel Toten entsprechen die Prozentangaben? Dabei können 0,3 % einige 1.000 oder viel mehr sein, und dies sollte nicht bagatellisiert werden. Es geht hierbei um Mord bzw. Selbstmord. Dies ist ein grauenvoller Zustand, wenn Menschen an solch einen Punkt gelangen.

#8 |
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Dr. med. Gerd Bauersfeld
Dr. med. Gerd Bauersfeld

Wer ist eigentlich für die Leichenschau/Ausstellung des Totenscheines verantwortlich bei passiver Sternehilfe und welche Todesursache wird dokumentiert?

#7 |
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Dr. rer. nat. Mandy Laube
Dr. rer. nat. Mandy Laube

Ich kann Herrn Fallois da nur zustimmen. Wenn ein Mensch sein Leben nicht mehr als lebenswert erachtet, sollte zunächst die Situation überdacht werden. Meine Mutter ist in einem Hospiz gestorben, wovon es in Leipzig glaube ich 2 Stück, mit je ca. 12 Betten gibt und das bei einer Einwohnerzahl von über 500.000. Erstmal sollte an diesem Punkt angesetzt werden, denn das deckt noch nicht mal annähernd den Bedarf.

#6 |
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Medizinisch-Technischer Assistent

Die Überschrift ist irreführend, da sie genau das Gegenteil, von dem suggeriert, was die Datenlage scheinbar hergibt. Mich ärgert der Umgang mit dem Thema sowieso, da ich selbst betroffen bin.

#5 |
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Moritz von Fallois
Moritz von Fallois

Ein interessanter Artikel, zumal wenig gewertet wird. Das ist grundsätzlich ja erstmal hilfreich.
Ich wundere mich allerdings darüber, dass angeblich in wenigen Fällen mißbräuchlich gehandelt wurde und verweise auf das Buch “Die Todesengel. Euthanasie auf dem Vormarsch” von S. Rehder, in dem der Autor schlüssig darlegt, dass Untersuchungen in NL z.B. zeigen, dass relativ viele Ärzte tatsächlich ohne Zustimmung des – nicht mehr zustimmungsfähigen – Patienten gehandelt haben.

Das ist eine Entwicklung, die durchaus bedenklich ist. Zudem ist es strittig, ob ein tatsächlich rational entscheidender Patient überhaupt den eigenen Tod wünscht oder damit nicht vielmehr sagt, dass er so nicht mehr leben möchte. Da müsste die Therapie in palliativer aber auch psychologischer Absicht ansetzen.

Grundsätzlich müssen wir uns als (angehende) Ärzteschaft fragen, ob wir es als unsere Aufgabe ansehen wollen, Patienten zu töten, bzw. ihnen dabei zu helfen. Sinnvoller wäre es doch, die Palliativ- und Hospizmedizin konsequent auszubauen.

#4 |
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Gast
Gast

Bei der Gelegenheit sollte auch mal jemand den freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit untersuchen. Immerhin ist das eine Methode, die nicht viel Beihilfe braucht (außer Mund und Schleimhautpflege) und mit einer natürlichen Bedenkzeit daherkommt.

#3 |
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Medizinjournalistin

Lieber Gast,
vielen Dank für Ihren Kommentar! Natürlich handeln Ärzte im Rahmen ihres Berufs, unter “geschäftsmäßig” wird in der aktuellen Gesetzgebung aber “das wiederholte, organisierte und gewinnorientierte Handeln von Vereinen und Einzelpersonen” verstanden.
Zu ergänzen ist, dass bei Beihilfe zum Suizid auch geprüft wird, ob andere Straftatbestände wie Totschlag oder unterlassene Hilfeleistung vorliegen oder ob ein Arzt oder naher Angehöriger seine Garantenstellung verletzt hat.
Vieles ist im Moment auch in der Diskussion; insofern ist die Situation für Ärzte in Deutschland sicher nicht einfach.

#2 |
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Gast
Gast

Danke, ein sehr interessanter Überblick. Allerdings ist bzgl. der gesetzlichen Regelung in Deutschland ein bedeutsames Missverständnis unterlaufen. Sie schreiben: In Deutschland gilt: Die Beihilfe zur Selbsttötung ist sowohl für Ärzte als auch für Nichtärzte straffrei, sofern der Helfer dabei nicht geschäftsmäßig handelt. Für Ärzte trifft die Straffreiheit allerdings praktisch nicht zu, da sie als Ärzte schon von Berufs wegen immer geschäftsmäßig handeln – dazu bedarf es keiner Gewinnorientierung. Ob das auch für einen Arzt gilt, der einmalig einem Angehörigen hilft, ist noch nicht entschieden.

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