Die Durchsichtigen

15. Juli 2016
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Bei Spiegel Online werden Ärzte unter der Überschrift „Vielen Dank für die Millionen“ als willfährige Geldempfänger der Pharmaindustrie gebasht. Erwischt hat es aber ausgerechnet diejenigen, die der Veröffentlichung ihrer Honorare zugestimmt haben. DocCheck fragte bei Betroffenen nach.

Dr. Anton Neuwirth, Internist aus dem Rheinland, der Honorare in Höhe von 1.942,95 Euro erhalten hat, sagt: „Ich wusste von der Initiative und habe alle meine Zuwendungen offen gelegt. Ich halte diese Transparenzaktion aber für vollkommen überflüssig. Das erzeugt ein Klima des Misstrauens, das nicht richtig ist. Es wird eine Stimmung gemacht, als ob Ärzte viel Geld erhalten würden. Doch das stimmt nicht.“

Die medizinische Fachangestellte Martina Pütz aus Köln rechnete mit öffentlichen Reaktionen, nachdem sie alle Pharmafirmen, mit denen sie in geschäftlicher Verbindung gestanden hatte, angeschrieben haben. „Ich habe mich dann nicht bei allen Firmen für die Offenlegung der Beträge entschieden, sondern möchte auch manche nicht veröffentlicht wissen. Da geht es auch darum, dass die Firmen untereinander nicht wissen sollen, wer mir wieviel zahlt. Denn die Firmen haben ja jetzt ebenfalls Zugriff auf alle Daten. Aber es muss auch nicht alles transparent sein, denn sonst werden die Leute gerade in Deutschland schnell neidisch. Manche denken ja: ‚Ach, 200 Euro für’n Stündchen, das ist schnell verdientes Geld ‘, aber ich habe bei den Schulungen, die ich für die Firmen gebe, auch eine Menge Vorbereitungszeit und andere Unkosten wie Anfahrt usw.“

Prof. Rudolf Mies, Facharzt Innere Medizin und Diabetologe aus Köln Rodenkirchen erhielt laut Spiegel-Datenbank 2.000 Euro für Sponsoringverträge. Er hat kein Problem mit der Aktion: „Das muss auch alles transparent gemacht werden. Bei meinem Betrag handelt es sich um Unkostenerstattungen der Pharmafirmen für Vorträge. Früher, also ich meine vor etwa 20 Jahren, da wurden einem gerne mal kostspielige Reisen von Pharmaunternehmen angeboten. Diese Zeiten sind lange vorbei.“

37 Wertungen (3.43 ø)

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13 Kommentare:

Manfred Lothar Dietwald
Manfred Lothar Dietwald

Bei gesponserten Fortbildungen der Pharmazeuten wurde die mangelnde Anzahl von Ärzten oft beklagt, obwohl immer danach heftige Diskussionen stattfanden. Schließlich haben wir ein ausgedehntes Chemiestudium hinter uns mit Pharmakologievorlesungen an der Uni. Auch dort waren Pharmaindustriebeeinflusste am Werk. Wie will man also diese Tätigkeit ohne Industrielobby schaffen? Nur in Frage stellen, ist auch keine Lösung.

#13 |
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Ärztin
Ärztin

Danke Herr Dr. Eckhoff. Ich bin da ganz bei Ihnen, entscheidend ist als Arzt vorzugsweise Medikamente zu verordnen über die man möglichst viel weiß: Nebenwirkungsprofil, Interaktionen, Kontraindikationen,…sollte alles präsent sein, im Interesse des Patienten (zur Not hilft ein interaktives Programm, niemand muss mehr eine rote Liste als Buch auf dem Tisch liegen haben). Aber bereits 5 Jahre nachdem wir die Uni verlassen haben existiert eine neue breite Palette bislang unbekannter Präparate, ich persönlich bin da sehr dankbar für jede Möglichkeit der Weiterbildung. Falls einem die Auswahl der Studien mit welchen der Referent seine Argumente für ein Präparat untermauert zu einseitig vorkommt steht es ja jedem frei auch selbst ein wenig zu recherchieren.
So oder so: man sieht sich IMMER mit Vorwürfen konfrontiert. Möchte man einen Patienten mit NOAKs behandeln wird einem vorgeworfen man sei von der Pharmaindustrie “gekauft” oder “gehirngewaschen” und “probiere” etwas fragwürdiges an ihm aus. Entscheidet man sich hingegen (aus medizinischen Gründen) für Phenprocoumon wird einem vorgehalten man wolle an seinem Patienten sparen und verzichte aus Profitgier auf die Verordnung des neuen und teuren Präparates.

#12 |
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Man sollte unterscheiden:Wer hat das GEld bekommen? Der Referent in bar oder der Arzt als Zuhörer einer Veranstaltung in Form von Essen. Als Arzt bin ich zur Fortbildung verpflichtet, wohnend in der PEripherie sind die Wege zu Kongressen weit. Der Referent kommt an den Wohnort, hält den phantastischen Vortrag, und mir als Zuhörer ist bei einem Essen die Möglichkeit zur Diskussion gegeben. Habe ich Rückgrat, dannkann ich zwischen Information und Zuwendung untertscheiden und fachgerecht verordnen. Ich bedanke mich jedenfalls für so manche gelungene Fortbildung, die mein Wisen um die Allgemeinmedizin – bin selbst Orthopöde – bereichert hat.

#11 |
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Ärztin

Ich fände es sogar erstrebenswert die Quartaslpauschalen die ein Niedergelassener für die Behandlung von Kassenpatienten bekommt oder die Dienstvergütungen die im Krankenhaus angestellten Ärzte erhalten offen gelegt würden. Das würde so Manchem die die Kinnlade herunterfallen!

#10 |
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Medizinjournalist

Es ist schon etliche Jahre her, als ein namhafter Minister erstmals einen Versuch wagte, die Pharmalobby an die Kandare zu nehmen. Er wollte die Methoden der Pharmazie bekämpfen. Und bekannte am Ende ehrlich die Unfähigkeit der Politik im Krieg gegen die Pharmazie und deren Lobby.

Viele Jahre später hatten wir einen anderen Bundesminister (mir ist Name entfallen, aber es jener Bubi mit Dr. med. und dann Minister der FDP), erneut, aber inkompetent, blauäugig und arglos ein zweites Versuchchen wagte. Heraus kam, zu Gesicht wahren, das Ergebnis, dass sich die Pharmazie die “Zustimmung” beim Preisdiktat einholen müsse. Es sei vereinbart, dass der Preis verhandelt wird. Welch’ ein “Erfolg” dieses Bübchens! Die Pharmazie nennt einen überhöhten Mondpreis und lässt sich von den KVen auf einen Mondpreis runterhandeln. Und die Gepflogenheiten, Ärzte zur Verordnung der Präparate zu “überzeugen” gehört genau so zu den Manipulationen der Pharmazie. Und auch, weil man nicht mehr früher, sich durch nicht erbrachte, aber abgerechnete Leistungen am Topf bedienen kann, ist jener der Pharmazie vielfach doch höchst willkommen.
Ein Schelm, wer bei der Frage, wer denn das schlimmere Übel sei: Unsere Politik(er) oder die Pharmazie?

#9 |
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Gast
Gast

Sicherlich schafft dann auch endlich mal z.B. der Bundestag Transparenz und veröffentlicht die Nebeneinkünfte der Abgeordneten auch jenseits der jetzigen verschleiernden Kategorien.

#8 |
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Antje Sonntag
Antje Sonntag

Aus meiner Sicht geht es nicht so sehr um die ‘Neidgesellschaft’, die ‘Verdienstklasse’, größere oder kleinere geldwerte Vorteile oder ähnliches. Ich denke, dass viele Patienten sich nicht mehr von den Ärzten als Patient/Mensch wahrgenommen werden und auch nicht BEHANDELT werden. Sie sind in fünf Minuten mit einem Rezeptzettelchen in der Hand wieder draußen. Und das schafft Unmut!! Es gibt überall und in jedem Berufsstand ‘schwarze Schafe’. Ohne Frage. Da ich aber zuweilen selbst Patient bin fällt es mir inzwischen (als Privatpatient) schwer, zu einem Arzt zu gehen. Erstens gibt es nur ganz wenige Ärzte, die mich untersuchen und ernsthaft an meiner Gesundung arbeiten und zweitens erhalte ich eine Abrechnung, bei der mir die Augen ausfallen. Jeder soll seinen ‘Lohn’ erhalten. Und das neide ich keinem. Aber jeder, z.B. ein Mauerer, erhält seinen Lohn auch nur für die Meter, die er eine Wand gemauert hat.. Und da beginnt die Schieflache des Systems in Form der Abrechnungsstellen, und beim Patient entsteht der Eindruck: unzureichende Patientenbetreuung plus finanzielle Abzocke bzw. Abrechnung von Leistungen, die nie erbracht wurden… Das hat nichts mit ‘Neidgesellschaft’ zu tun, sondern ungenügender/ nicht zufrieden stellender Leistung zum nicht gerechtfertigten Preis! Und die Ärzte Schießen sich aus meiner Sicht selbst in diese Position, da die Öffentlichkeit nur den Schrei nach unzureichender Bezahlung hört und nicht den Schrei nach unmöglicher ausreichender Behandlungsmöglichkeit eines Kassenpatienten (außer in der Igelhöhle..)…!
Und natürlich gibt es jede Menge Korruption, aber man muss ja nicht mitmachen. Nur, wenn man einmal ‘ja’ gesagt hat, hängt man für immer am Fliegenfänger.. Und die Politik etc. vorzuschieben, die es uns angeblich vormacht, finde ich persönlich zu billig. Nur, weil andere ins Feuer springen, muss ich es doch nicht auch tun, gerade, wenn ich ein Mensch mit gesundem Menschenverstand und er adäquaten Intelligenz bin. Das ist doch eine recht billige Rechtfertigung…., aus meiner Sicht…..

#7 |
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Nichtmedizinische Berufe

Es scheint mir weniger Neid, als vielmehr die hippe Strömung als Moralapostel seinen eigenen kleinen Teufel verbergen zu wollen. Die meisten Menschen bedienen doch nur Floskeln, gespeist aus den Kästchen für den schnellen Leser und da bleibt schon Mal die möglicherweise zu findende Differenzierung im langatmigen Text rund um den Kasten auf der Strecke. Nicht, dass ich für immer und überall anzutreffende Korruption wäre, jedoch sollte jeder Mensch mit Lebenserfahrung schon wissen, dass alles so komplex ist, es nicht einfach so eben mit moralischem Anspruch erklären zu können. Andererseits finde ich hier anfangs als Gegenwehr die Argumentation zu den nicht gedankten Fort- oder Weiterbildungen. Gerne würde ich als Patient gerne mal hier am Ort und in der näheren Umgebung dazu gratulieren wollen. Das könnte ich dann nur fern der Heimat bei den wenigen Ärzten machen, die sich wirklich intensiv mit bestimmten und nicht so seltenen Krankheitsbildern auseinandersetzen, zu denen sich hier am Ort die involvierten Fachdisziplinen ja geradezu verweigern. Könnte dies denn auch etwas anders herum gedacht, dann doch schon mehr oder weniger mit diesem Thema hier erklärbar werden? Ist ja nur mal so ein Gedanke zu möglichen Ursachen und denke nichts Böses dabei…

#6 |
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Gast
Gast

Und noch einmal : Wo ist der Mediziner MIT Hut bitte ?

#5 |
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Gelder mit “Geschmäckle” fließen in jeder Branche bis in den Niedriglohnsektor. Dass die Ärzte so oft zu Prügelknaben gemacht werden, hängt mit unserer Neidgesellschaft zusammen, die gern (auch von manch politischer Seite) alle “Besserverdienenden” zum Feindbild erhebt. Der Arztberuf ist seit jeher einer der am höchsten angesehenen und auch das erzeugt Neid. Das wissen natürlich auch die Medienmachen (“Bad news are good News”). Natürlich gibt es wie überall auch unter Ärzten die Schwarzen Schafe. Aber so wie 200 Chaoten im Fußballstadion 78.800 friedliche Fans mit in Verruf beringen, leidet die gesamte Ärzteschaft unter einer Minderheit korrupter “Kollegen”.
Im Übrigen handelt es sich bei den im Artikel genannten Honoraren im Bereich von 2.000 Euro um eine Größenordnung, für die wohl kein Spitzenmanager oder Fußballprofi einen Finger/Fuß krumm machen würde.
Ich selbst habe auf diesem Protal nicht selten recht kontroverse Diskussionen um Artikelinhalte und ärgere mich bisweilen, wenn einige (ärztliche) Diskussionspartner die sachliche Ebene verlassen und (meist anonym) ins Persönliche gehen. Das sind für mich aber Einzelcharaktäre, die nichts mit dem Arztberuf zu tun haben, der meine volle Hochachtung genießt, da ich die Leistung (Fleißstudium) und hohe berufliche Verantwortung zu schätzen weiß. Ich weiß auch, dass der “gemeine” Arzt nicht der Gehaltskrösus ist, als der er in den bashenden Medien oft dargestellt wird. Als Molekularbiologe ist man auch kein Krösus – wird aber immerhin nur selten öffentlich an den Pranger gestellt, wenngleich es sicher auch in der Forschung “dunkle” Gelder gibt, die im Hinblick auf “gewünschte” Studienergebnisse fließen.

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Alexander Engel
Alexander Engel

Ich glaube das es egal ist ob man transparent ist oder nicht. In jedem Fall wird es Menschen geben die daran etwas auszusetzen haben. Deshalb finde ich die Transparenzinitiative gut und ist ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es wird häufig vergessen, das die Politik und auch die Krankenkassen kein Interesse an sogenannten “unabhängigen” Weiterbildungen haben, denn das kostet Geld, also macht es die Pharmaindustrie. Komisch ist es, das in allen anderen Branchen niemand fragt ob die Industrie (Elektro, Kfz. Baumaschinen etc) Weiterbildungen organisiert oder bezahlt.

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Nichtmedizinische Berufe

Es muss ja nicht viel Geld sein. Zitiere aus einem Artikel, der auch hier erscheint : “Scheintransparenz: Big Pharma in Spendierlaune “, da steht:
“Bereits ein einziges Essen unter 20 US-Dollar führte dazu, dass Rosuvastatin im Vergleich zu anderen Statinen signifikant häufiger auf dem Rezeptblock stand.”
Herr von Ameln, ich fände es richtig, dass Fortbildungen eben nicht nur von der Pharmaindustrie gegeben werden, da sie wohl etwas….hüstel…einseitig sind. Ob Holzklasse oder Kaschmir.

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Günther von Ameln
Günther von Ameln

Ich wünsche allen diesen Schmierfinken, die nichts besseres zu tun haben, als Ärzte zu verunglimpfen, dass sie, wenn sie es nötig hätten, nicht mehr behandelt werden. Vielleicht freuen sie sich dann mal, dass wir (trotz aller Korruptheit) unsere Arbeit immer im Sinne der Patienten machen. Aber auch dann werden sie etwas finden, dass man in’s schlechte Licht rücken kann. Diverse Politiker haben es ja exemplarisch gezeigt, wie das geht. Es reicht nicht, dass wir unsere knappe Freizeit für Fortbildung opfern, sondern wir sollen es auch auf der Holzklasse tun. Tschüß Deutschland!

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