Lupus: Vom Virus zum Schmetterling

19. Juli 2016
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Virusinfektionen können zur Entstehung der Autoimmunkrankheit Lupus erythematodes beitragen. Problematisch scheint die erhöhte Interferon-Ausschüttung zu sein, die in manchen Fällen auch nach der Infektion nicht runterfährt: wenn nämlich das regulierende Protein Siglec-H fehlt.

Virusinfektionen können an der Entstehung der Autoimmunkrankheit Lupus beteiligt sein. Das haben Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) herausgefunden. Demnach lösen Botenstoffe des Immunsystems die Krankheiten aus, wenn ihre Produktion nach überstandener Virusinfektion nicht wieder gesenkt wird. Die Ergebnisse könnten langfristig einen neuen Ansatz für Therapien von Autoimmunkrankheiten eröffnen.

Bei der Autoimmunerkrankung Systemische Lupus erythematosus (SLE) werden vor allem die Haut, die Nieren und die Blutgefäße vom eigenen Immunsystem angegriffen. Unbehandelt kann die Krankheit im schlimmsten Fall zum Multiorganversagen führen. Die Wissenschaftler konnten nun ein weiteres Puzzleteil im Rätsel um die Entstehung der Autoimmunkrankheit entschlüsseln.

Erhöhte Interferon-Ausschüttung ohne Siglec-H-Protein

In einem Mausmodell wiesen die Wissenschaftler Dr. Heike Schmitt, Prof. Dr. Lars Nitschke und Prof. Dr. Thomas Winkler vom Lehrstuhl Genetik nach, dass ein bestimmtes Protein mit dem Namen Siglec-H für die Regulierung der Interferon-Ausschüttung verantwortlich ist. Fehlte das Protein Siglec-H, blieb die Interferon-Ausschüttung hoch, auch wenn die Infektion bereits abgeklungen war – und es kam zu einer der SLE-ähnlichen Autoimmunkrankheit.

Die Wissenschaftler vermuten nun, dass es im Menschen vergleichbare Proteine zu Siglec-H und damit vergleichbare Mechanismen gibt, die die Interferon-Ausschüttung regulieren und die die Entstehung einer Autoimmunkrankheit wie SLE verhindern. Die Verstärkung Interferon-hemmender Mechanismen über diese Gruppe von Proteinen könnte daher einen neuen Therapieansatz für SLE darstellen.

Originalpublikation:

Siglec-H protects from virus-triggered severe systemic autoimmunity
Heike Schmitt et al.; Journal of Experimental Medicine, doi: 10.1084/jem.20160189; 2016

20 Wertungen (4.7 ø)
Medizin

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3 Kommentare:

Heilpraktikerin

Der Artikel ist leider sehr platt geschrieben. Ich muss meinen Vorkommentartoren da leider recht geben. Das Thema Lupus ist für mich nicht nur als Therapeutin von hoher Wichtigkeit, sondern auch als Betroffene fühle ich mich ein wenig veräppelt. Da hätte man den Artikel auch in die Bildzeitung setzen können. WELCHE Vieren? Weis man da schon mehr? Und warum glaubt alle Welt, dass bald ein Medikament erfunden werden “könnte” wenn es an Mäusen klappt? -Dies ist zwar ein Fachforum, aber auch betroffene lesen das hier (ich bin selber über eine Betroffenengruppe darauf aufmerksam geworden). All diese Menschen fühlen sich durch sowas ziemlich veräppelt. Denn es hilft uns nichts. Eine heiße Blase, die platzt. Schade… Mehr Info und vor allem mehr über die Grundlagenforschung wäre besser. So wird leider nur mal wieder viel Wind um nichts gemacht.

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Coventina
Coventina

Zu Frage 2 hilft lesen: “Die Wissenschaftler vermuten nun, daß es im Menschen vergleichbare Proteine zu Siglec-H und damit vergleichbare Mechanismen gibt”
Also ist es noch nicht nachgewiesen, sondern die Suche danach ist der nächste logische Schritt.

Zu 4: Wer macht hier Mut, daß es in Kürze ein neues Medikament geben könnte? Das ist ein Artikel für Fachpublikum, in dem es um GRUNDLAGENFORSCHUNG geht. Klar hofft man, daß das eines Tages für die Therapie nützlich wird, aber jeder, der halbwegs eine Vorstellung von Forschung hat weiß, daß das noch Jahrzehnte dauern kann und nicht unbedingt eintreten muß.

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Weitere medizinische Berufe

1. handelt es sich hier (wie meist) um ein Mausmodell.
2. wurde bisher überhaupt die Ausschüttung von Siglec-H beim Menschen überprüft oder gemessen?
3. sind es nicht nur die Interferone sondern auch viele andere Botenstoffe, die beim SLE verrückt spielen
4. macht man Lupus-PatientInnen immer wieder Mut, um ihnen nach kurzer Zeit wieder die Hoffnung zu nehmen – ein trauriges Spiel…..

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