Fröhliche Früchte für fröhliche Bürger

14. Juli 2016
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Dass Obst und Gemüse gut für uns sind, wissen wir schon lange. Zum Beispiel sollen sie das Risiko mindern, an Krebs zu erkranken oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Darüber hinaus wurde nun eine weitere Wirkung von Grünzeug und bunten Früchten belegt: Sie heben die Stimmung.

An apple a day, keeps the doctor away – und nicht nur das: Der Konsum von Obst und Gemüse macht darüber hinaus scheinbar auch noch glücklich. Einer australischen Studie zufolge soll der regelmäßige Genuss von Gemüse und Früchten die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben in etwa so positiv beeinflussen, wie es ein neuer Job nach längerer Arbeitslosigkeit tun würde. Dies galt zumindest für Menschen, die bisher fast gar kein Obst und Gemüse gegessen hatten und sich dann angewöhnten, bis zu acht Portionen täglich zu sich zu nehmen.

Um herauszufinden, ob sich ein Zusammenhang zwischen psychischem Wohlbefinden und bestimmten Lebensmitteln herstellen lässt, nahmen die Forscher die Ernährungsgewohnheiten von ca. 12.000 Australiern unter die Lupe. So heißt es im Abstract der Studie, es seien 12.385 Ernährungstagebücher von zufällig ausgewählten Australiern analysiert worden. Bei sorgfältigerem Lesen der Studie stellt sich dann allerdings heraus, dass die Forscher vielmehr auf Daten des Household, Income, and Labour Dynamics in Australia Survey (HILDA) aus dem Zeitraum von 2007 bis 2009 zurückgegriffen haben. Der HILDA-Survey sammelt Daten von Mitgliedern australischer Haushalte, die älter als 15 Jahre sind. Ziel der Erhebung ist es, Informationen zu den Schwerpunkten „wirtschaftliches und subjektives Wohlbefinden“ sowie Dynamiken des Arbeitsmarkts und des Familienlebens zu gewinnen. Ingesamt enthält der Bericht Information zu 13.969 Australiern, wovon sich die Daten von ungefähr 12.000 Individuen für die Untersuchung des Obst- und Gemüseverzehrs auswerten ließen, bei den übrigen Teilnehmern fehlten die relevanten Informationen.

Wie glücklich macht Gemüse?

Der Survey enthielt in beiden Jahren jeweils zwei Fragen zum Thema „Obst- und Gemüseverzehr“. So wurden Teilnehmer gefragt, wie häufig sie Obst und Gemüse pro Woche aßen, wobei die Fragen auch Obst und Gemüse aus Dosen, in tiefgefrorenem oder getrocknetem Zustand miteinschlossen. Diejeningen die angaben, regelmäßig Früchte zu essen, sollten anschließend erläutern, wie viele Portionen sie pro Tag zu sich nahmen. Ob Ernährungstagebücher tatsächlich mit einzelnen Invertviewfragen gleichgesetzt werden können, sollte an dieser Stelle kritisch betrachtet werden.

In einem anderen Teil des HILDA-Surveys wurden die Teilnehmer aufgefordert, die Zufriedenheit mit ihrem Leben zu bewerten. Antworten konnten auf einer Skala von 1 bis 10 angegeben werden – 10 gab den höchsten Grad der Zufriedenheit an. Der Durchschnitt lag hier bei 7,91.

Zum Schluss wurde der Zusammenhang der beiden Variablen – also (1) das subjektive Zufriedenheitsgefühl der Menschen und (2) der Obst- und Gemüsekonsum – ausgewertet. Demzufolge bedeutet ein Aufstieg vom geringsten Level des Obst- und Gemüseverzehrs auf das höchste Level eine Zunahme der Zufriedenheit von 0,24 „life-satisfaction-points“, was in etwa gleichbedeutend mit den positiven Effekten eines Wechsels von der Arbeitslosigkeit in ein Beschäftigungsverhältnis sein soll.

So kommt die Studie abschließend zu dem Ergebnis, dass der Konsum von bestimmten Lebensmitteln, insbesondere Obst und Gemüse, eine Investition in künftiges Wohlbefinden darstellen könne. Redzo Mujcic, Wissenschaftler an der University of Queensland und Autor der Studie, sieht die Untersuchungsergebnisse auch deshalb positiv, weil viele Effekte gesunder Ernährung sich normalerweise erst Jahre später äußern, hier habe man es aber mit einem unmittelbaren Erfolg zu tun. Das könnte die Motivation sich gesund zu ernähren, effektiver steigern als die traditionellen Botschaften, so Mujcic.

Ob nun kurzfristig oder langfristig, die positiven Effekte von Obst- und Gemüseverzehr scheinen immerhin vielfältig zu sein: eine positive Nachricht bei sonst so zahlreichen Hiobsbotschaften zu unverträglichen, giftigen und krebseregenden Lebensmitteln.

Originalpublikation:

Evolution of Well-Being and Happiness After Increases in Consumption of Fruit and Vegetables
Redzo Mujcic und Andrew J. Oswald, American Journal of Public Health, doi: 10.2105/AJPH.2016.303260; 2016

25 Wertungen (3.68 ø)

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6 Kommentare:

Gast
Gast

#5 Diese ewige Eigenwerbung für Ihr Buch ist wirklich ermüdend

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Dr. med. Susanne Bihlmaier
Dr. med. Susanne Bihlmaier

siehe auch Artikel auf der website von Fr. Professor Ingrid Gerhard, “Demenz und Depression von Milch, Wust und Zucker”?

#5 |
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Gast
Gast

#2: “Demzufolge bedeutet ein Aufstieg vom geringsten Level des Obst- und Gemüseverzehrs auf das höchste Level eine Zunahme der Zufriedenheit von 0,24 „life-satisfaction-points“,…”

Mich würde noch interessieren, ob der Effekt bei BIO-Obst evtl. noch höher ausfallen könnte. Der Körper muss hier doch noch weniger Pflanzenschutzmittel (PSM) i.W.S. verstoffwechseln.
Der Verzehr von Erdbeeren macht mich dieses Jahr gar nicht fröhlich (Hautreaktion, vermute durch ebendiese PSM, Verträglichkeit schwankt bei mir von Jahr zu Jahr, kein Problem bei BIO. Warum kaufe ich Trottel trotzdem noch die sog. Regionalen aus dem Supermarkt? )

#4 |
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Gast
Gast

Ich weiß nicht, was stimmt. Sowohl bestimmte Antioxidantien sind im Gespräch, krebsfördernd zu sein als auch gerade geringe Mengen an Flavonoiden lt. Bundesinstitut für Risikobewertung. Bezöge es sich nur auf Nahrungsergänzungsmittel, wäre es noch relativ überschaubar, bin aber nicht sicher ( meine, es gelesen zu haben ), ob auch Nahrungsmittel zumindest ebenfalls im Gespräch sind, kaum auszudenken…
Es ist leider die Vielzahl an Informationen und Quellen, die haltauch verwirren können. Aber vielleicht könnte sich Doccheck dieses Themas einmal annehmen und hierauf focussieren ?

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Flüchtiger Leser
Flüchtiger Leser

Und wo ist geklärt worden, dass nicht fröhliche Bürger mehr Appetit auf Obst&Gemüse haben als traurige?

#2 |
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Rettungsassistent

Theoretisch ein klares “JA”,wenn da doch nicht die behandelten, gespritzten Wildkräuter, die Verbreitung durch Windverhältnisse und Aerosionen, Platzregen. Durch Insekten, welche von Tieren wie allgemeine Vögel, Igel, durch andere Insektenfresser. Die wiederum von deren nächsten gejagt werden und so weiter.
Durch die Handelsabkommen, Nordamerikanischer Staaten, kommt die “Bösen Ereignisse” nach Europa. Gewässer sind ebenso in Gefahr, Langzeitstudien existieren nicht, es gelangt ungefiltert in unser aller Nahrungsquellen. Sieger, sofern von Siegern befunden werden kann sind Wirtschaftsriesen, die ganz geschickt durch ihre Politiker Nahrungsmittel ohne feste Kennung von stark kontaminierten Lebensmitteln durch winken kann. Glyphosfat istnur ein Mittel andere sind sicher im Umlauf. Was soll das ? – Wir alle Leben von der Erde, wir alle Leben vom Wasser, wir alle leben von der gleichen Luft…denkt nach !

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