Brexit-Referendum: Abwarten und Tee trinken

19. Juli 2016
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Mit 51,9 Prozent aller abgegebenen Stimmen votierten Großbritanniens Wahlberechtigte knapp für einen EU-Austritt. Drei Wochen später zeigt sich: Auswirkungen auf die Pharmazie gibt es derzeit kaum. Alle Beteiligten gehen zum Tagesgeschäft über.

Wenig beachtet von der politischen Öffentlichkeit ist Großbritanniens Gesundheitsminister Alistair Burt zurückgetreten: eine indirekte Folge des Brexit-Votums. Jetzt blicken Apotheker mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Sie waren Burt nicht gerade in Freundschaft verbunden, hatten ihm aber erklären können, mit welchen Nöten der Berufsstand kämpft. Das wird mit einer neuen Regierung deutlich schwieriger. Noch dazu drohen Kollegen Honorarkürzungen von 170 Millionen Pfund (203 Millionen Euro) bei der Abgabe von Arzneimitteln. Die National Pharmacy Association (NPA), eine Apothekervereinigung, schätzt, dass mindestens 3.000 Apotheken wirtschaftlich in Gefahr sind. Ob Burt das Ruder herumgerissen hätte, ist jedoch zweifelhaft.

Wir werkeln weiter

In anderen Bereichen bemühen sich die Akteure um Normalität. Großbritanniens umstrittene Online-Praxis DrEd bleibt nach dem Brexit tiefenentspannt. „Auch nach dieser politischen Entscheidung möchten wir Ihnen versichern, dass Sie bei DrEd weiterhin alle Leistungen in gewohntem Umfang und Qualität erhalten“, schreibt Gründer und Geschäftsführer David Meinertz an alle Kunden. „Nach unserem heutigen Kenntnisstand werden wir Ihnen auch in Zukunft unsere Leistungen anbieten und Sie beraten und behandeln können.“ Ein mögliches Austrittsverfahren werde „mindestens zwei Jahre, wahrscheinlich eher drei bis fünf Jahre“ dauern. Danach rechnet Meinertz noch mit Übergangsfristen von ein bis zwei Jahren. Er hält es für „wahrscheinlich“, dass selbst nach dem EU-Austritt englische Unternehmen deutschen Patienten Leistungen anbieten.

Umzug? Das hat Zeit!

Auch die Europäische Arzneimittelagentur EMA hält nichts von allzu überstürztem Aktionismus. Nach dem Brexit hatten mehrere EU-Staaten ihr Interesse bekundet. Auch Deutschland brachte sich als Sitz der EMA ins Gespräch. In einer Meldung stellten EMA-Vertreter klar, alle Prozesse und Arbeitsabläufe fortzuführen. Wie die nächsten Jahre aussehen werden, weiß niemand. Bislang gibt es keine Präzedenzfälle zur Ausgliederung von Behörden. „Die Auswirkungen auf den Sitz und den Betrieb der EMA hängen vom zukünftigen Verhältnis zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU ab“, heißt es offiziell. Man werde sich nicht „an Spekulationen beteiligen“. Nach dem ersten Schock ist wieder Ruhe eingekehrt.

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