Diskretion: Kommt nicht in die Tüte

19. Juli 2016
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Seit Anfang Juli leisten viele Apotheken ihren Beitrag, um Plastikmüll zu vermeiden. Während einige von ihren Kunden eine Gebühr für Plastiktüten verlangen, verzichten andere ganz auf Tragetüten. Was die Umwelt freut, schadet dem Marketing, aber auch der Diskretion.

Plastiktüten sollen europaweit deutlich seltener genutzt werden. Grund genug für viele Apotheker, seit Juli von Kunden einen Obolus zu verlangen. Die Höhe der Gebühr können Inhaber selbst bemessen. Viele Apotheker und PTA fragen Kunden aber auch direkt, ob sie einen Beutel benötigen. „Wir unterstützen die gesellschaftlichen Ziele Umweltschutz und Nachhaltigkeit“, sagt ABDA-Präsident Friedemann Schmidt. Gleichzeitig macht er klar: „Die ABDA als Dachorganisation der Apotheker will und kann dem einzelnen Apothekenleiter keine Vorschriften machen. Deshalb haben wir unsere Mitglieder, die Apothekerorganisationen auf Landesebene, darum gebeten, die Apotheken entsprechend zu informieren. Das hat erfreulicherweise bundesweit flächendeckend funktioniert.“

Alternativen weit verbreitet

Zu ähnlichen Resultaten kommt eine aktuelle APOkix-Umfrage des Instituts für Handelsforschung (IFH) unter rund 230 Apothekenleitern. Bei Kunden sind die umstrittenen Behältnisse immer noch beliebt:

APOkix_Anteile_abgegebener_Plastiktueten

Mehr als neun von zehn Kollegen wollen deshalb ihren Beitrag leisten, um sinnlosen Müll zu vermeiden, wenn auch mit unterschiedlichen Strategien. Ein Blick auf bereits umgesetzte Maßnahmen: 79 Prozent halten Tragetaschen aus anderen Materialien wie Papier oder Stoff bereit. 71 Prozent geben Plastiktüten nur noch auf Nachfrage hin ab, und 28 Prozent verlangen dafür eine Gebühr. Zum gänzlichen Verzicht konnten sich bislang 21 Prozent durchringen. 32 Prozent begleiten ihre Aktion sogar mit einer Kampagne. Deutlich mehr Kollegen denken über Maßnahmen zur Vermeidung von unnötigem Kunststoffmüll nach.

Diskretion Ehrensache

Ganz ohne Tragetaschen wird es in Zukunft aber kaum funktionieren. Rund 30 Prozent der APOkix-Teilnehmer finden, bei der Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamenten sollte auf eine Gebühr verzichtet werden. Für jeden vierten Umfrageteilnehmer tragen Plastiktüten wesentlich zur Diskretion in der Apotheke bei und sollten nicht kostenpflichtig sein. Als Werbeträger spielen die Behältnisse ebenfalls eine Rolle – nicht nur aufgrund ihres Aufdrucks, sondern auch durch die Möglichkeit, Infomaterialien an Patienten zu bringen. Mehr als sieben von zehn APOkix-Teilnehmern sind der Meinung, man könne wenig umweltfreundliche Varianten durch Tragetaschen aus anderen Materialen ersetzen. Diskrete Verpackung, Funktion und Nachhaltigkeit müssen sich nicht widersprechen.

11 Wertungen (4.27 ø)

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6 Kommentare:

Katrin Meyer
Katrin Meyer

Wie wäre es mit biologisch abbaubaren Kunststoffen, z.B. aus Maisstärke? Es gibt Firmen, die solche verwenden und sie zerfallen wirklich nach einer Weile.

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Manfred Lothar Dietwald
Manfred Lothar Dietwald

Inkontinenzartikel können für Kinder, Großeltern oder Ehepartner sein und werden meist in Supermärkten mit Parkplatz vor der Tür und per Einkaufswagen ans Auto geschoben. Zeigen Sie mir den Fußgänger, der seelenruhig mit Inkontinenzartikeln in einer Plastiktüte nachhause läuft. Bei mehr als 50Tsd. Apothekenartikeln müssen die meisten Neugierigen nach dem Zweck fragen und können auch angelogen werden, zumal die Wahrscheinlichkeit einen Bekannten zu treffen gering sein dürfte. Frauen haben meist eine Hand- oder Hosentasche und Männer Hosentasche, BTM zu verstecken. Bei mehreren unhandlichen Medikamenten kann man auch aufteilen, bzw. weniger wichtige zurücklegen lassen. Eine Herstellung von Teilmengen lässt sich nicht realisieren. Taschenkontrollen sind nur bei begründetem Verdacht auf Diebstahl erlaubt, und das ist noch peinlicher.

#5 |
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Christian Becker
Christian Becker

@2
Schön, dass sie entweder noch nie Inkontinenzartikel kaufen mussten oder es ihnen nichts ausmacht.
Andere Leute sind aber in dem Bereich sehr auf Diskretion aus. Ich kenne einige Kunden, die die Ware telephonisch vorbestellen und dann nur noch das fertige Päckchen abholen. Bei kleineren Packungen durchaus in einer Tüte, große natürlich in einem Karton; und um Kartons geht es hier nicht.
Aber auch die Hepatitis-C-Patienten bekommen ja nicht nur eine kleine Packung, sondern mehrere Medikamente, die man eben nicht einfach diskret in der Hand halten kann.
Viele andere Menschen bekommen auch mehrere Packungen, die dann nicht mehr handlich sind. Das sind zwar oft keine Medikamente, die einem “peinlich” sein müssten, andererseits geht es doch niemanden was an, was man in der Apotheke holt.
Bei Betäubungsmitteln kann es je nach Gegend auch gefährlich sein, diese offen rumzutragen – die sind in manchen Kreisen stark begehrt.

Daher teile ich nicht die Einschätzung, dass man nur für Kühlware eine Tasche braucht.

#4 |
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Gast
Gast

“Plastiktüten sind in der Herstellung am billigsten” wenn man 1:1 umrechnet. Wenn man der Idee von Herrn Dr. Kass folgt, bräuchte man erheblich weniger dieser Behältnisse. Ein Hundertstel vielleicht? Diese könnten dann auch etwas ansprechender gestaltet werden, weniger knitterig, in verschiedenen ansprechenden Farben und Größen, ein Zugband statt der Henkel, damit nichts herausfallen kann, wäre eine weitere gute Idee. Man wäre so in der Lage, einige Beutel im Auto zwischen zu deponieren, bevor man noch im Supermarkt einkauft und danach alles wieder in einen großen Korb zu packen. In den meisten Läden gibt es bei uns inzwischen Taschenkontrollen und mir wäre es unangenehm, der Kassiererin meine Medikamente vorzuzeigen.
Es gab doch solche großen Beutel schon mal für Brot und Brötchen zu erwerben, da war, meine ich, das Problem, dass sie nicht hinter die Theke gereicht werden durften. Aber in anderen Geschäften können wir unsere Waren doch selbst verpacken…

#3 |
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Manfred Lothar Dietwald
Manfred Lothar Dietwald

Plastiktüten sind in der Herstellung am billigsten. Dennoch finde ich die Idee von der Firma IGLO am besten, die eine handliche Tragekühltasche mit der Aufschrift “Steck sie alle in die Tasche” anbietet und bezahlen lässt. Eigentlich brauchen nur Kühlschrankartikel eine Tragetasche, alles andere läßt sich auch diskret in der Hand halten und ist gleichzeitig Werbung genug (z.B. für ein Sonnenschutzmittel). Bei Dauerkunden lässt sich auch über ein Pfandpreis verhandeln.

#2 |
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Chemiker

Wenn ich Medikamente abhole, reiche ich der Dame hinter der Theke eine mitgebrachte Plastiktüte aus ebenderselben Apotheke. Gefaltet nimmt die Tüte kaum Platz weg, für die Werbung ist gesorgt und auch für die Diskretion. Und die Tüten sind stabil genug, um das jahrelang auszuhalten… Und natürlich geht auch ein Leinenbeutel. Da passen dann auch weitere Einkäufe rein.

#1 |
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