Die Methusalem-Junkies

5. April 2011
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Denkt man an Sucht und Abhängigkeit, kommen einem Begriffe wie Heroin, Spritzen und Jugendliche in den Sinn. Dies ist aber nur eine sehr klischeehafte Seite der Suchtproblematik. In zunehmendem Maße ist die "Generation 50+" von Abhängigkeit betroffen.

Bis zum Jahre 2030 steigt in Deutschland der Anteil der über 60-Jährigen auf bis zu 40 Prozent. Die Problematik wird durch eine millionenfache Vereinsamung verstärkt. Bereits heute lebt jeder zweite Rentner als Single allein in seiner Wohnung. Der aktuelle Suchtbericht gibt an, dass etwa 27 Prozent aller Frauen über 60 Jahren gefährdet sind, eine Abhängigkeit durch Benzodiazepine zu erleiden. Zwei Drittel aller verschriebenen Medikamente mit Suchtpotenzial werden von Frauen eingenommen. Bei vielen Frauen führt die doppelte Belastung in Beruf und Familie zur Erschöpfung. Außerdem fühlen sich Frauen meist in besonderer Weise verantwortlich für das Wohlergehen der Familienmitglieder. Eigene Bedürfnisse werden nicht selten in den Hintergrund gestellt, als Folgeerscheinung kommt es zu Schlafstörungen, Unruhe und Kopfschmerzen. Mit der Einnahme von Arzneimitteln wird versucht, diese Beschwerden zu lindern.

Auch Drogensubstitution mit Methadon und Buprenorphin ist ein Thema. Die Überlebenschancen bei Drogenabhängigkeit sind dank der Substitutionsbehandlung gestiegen. Die Prognose ist, dass drogenabhängige Menschen mit dem Substitutionsmittel ein Alter erreichen, welches weitere Fragen für den Bereich der Geriatrie aufwerfen wird. Spätestens in 15 Jahren wird die Anzahl der über 65–jährigen Substituierten stark gestiegen sein!

Mehr Missbrauch durch mehr Freizeit?

Oft führt ein Wechsel der Lebensumstände wie das Ende des Berufslebens oder das Ausziehen der erwachsenen Kinder aus der elterlichen Wohnung zum vermehrten Genuss von Alkohol und Medikamenten. Die Frage, wie der Betroffene mit der vielen Freizeit sinnvoll umgehen kann, kann er oft nicht beantworten. Die Analyse der Patientinnengruppe der über 50-jährigen Suchtkranken belegt die Notwendigkeit von spezifischen Angeboten für dieses spezielle Klientel. Die Patienten sind sich oft gar nicht bewusst, dass sie ein Suchtproblem haben. Nicht selten wird eine Abhängigkeit dann offensichtlich, wenn das Suchtmittel längere Zeit nicht konsumiert werden kann, beispielsweise in Kur oder Klinik. Wenn der Tremor einer älteren Patientin im Krankenhaus zunimmt, muss nicht Angst dahinter stehen. Das Zittern kann auch Ausdruck eines Entwöhnungssymptoms sein. Viele frei verkäufliche Arzneimittel aus der Gruppe der Stärkungsmittel enthalten große Mengen Ethanol. Der Melissenextrakt mit der Nonne hat mehr Sprit als jeder Doppelkorn: über 80 Prozent! Nicht nur Psychopharmaka sondern auch Appetitzügler, Laxantien, Analgetika, chemische Schlafmittel oder Antitussiva mit Codein können abhängig machen.

Die Sucht ist so individuell wie der Betroffene. Suchtkranke Senioren können in drei Gruppen eingeteilt werden:

  • Die “early-onset”-Gruppe: Zu dieser Gruppe zählen die altgewordenen Abhängigen. Sie konsumieren nur selten extreme Mengen. Vielmehr nehmen sie dauerhaft Alkohol und/oder Arzneimittel zu sich und führen damit ein scheinbar „normales“ Leben. Häufig ist den Betroffenen gar nicht bewusst, dass sie ein gesundheitsschädliches Fehlverhalten begehen.
  • Die “late-onset”-Gruppe: Zu dieser Gruppe werden Patienten gezählt, die erst im fortgeschrittenen Alter exzessiv und missbräuchlich Alkohol oder Medikamente konsumieren und schließlich abhängig werden. Die Veränderungen des Betroffenen sind drastischer als bei der ersten Gruppe, und Freunde und Familie erkennen deutlich(er) einen Handlungsbedarf.
  • Die Rückfälligen: Diese Betroffenen, die erfolgreich im Laufe ihres Lebens zur Abstinenz gefunden hatten, sind im Alter wieder rückfällig geworden. Es ist ihnen nicht gelungen, mit der Lebensumstellung fertig zu werden. Meist entschließt diese Gruppe sich nicht für eine Behandlung.

Oma’s little Helpers

„Seine“ Medikamente sind dem Arzneimittelabhängigen zum Freund, Heilmittel und Lebensmotor geworden. Ohne diesen Motor erscheint ein Leben für ihn nicht mehr möglich oder lebenswert. Oft weiß er gar nicht, warum er sie einnimmt. Unter der Gewohnheit, jeden Tag eine Tablette einzunehmen, verliert der Konsument das (Heil-)Ziel aus dem Auge. Nicht selten äußern gerade ältere Patienten, sie nähmen ihr Kopfschmerzmittel, weil es ihnen dann gut ginge. Die konkrete Frage, ob sie denn unter Kopfschmerzen leiden, wird häufig verneint. Auch in diesem Fall wird die „Tablette“ an sich als Belohung angesehen, als etwas, das zum Leben dazu gehört.
Männer und Frauen sind unterschiedlich stark durch eine Medikamentenabhängigkeit betroffen. Während 20,4 Prozent der Frauen mindestens ein Medikament mit Suchtpotenzial zu sich nehmen, sind es bei Männern nur 13,3 Prozent. Gründe dieses Geschlechtsunterschiedes liegen vermutlich in der unterschiedlichen Einstellung zum Gebrauch von Medikamenten. Deutlich mehr Frauen als Männer nehmen Medikamente zur Lebensbewältigung ein. 10,9 Prozent der Frauen wissen nicht, wie sie den Tag ohne Medikamente überstehen sollen. Bei Männern liegt der Anteil bei 7,9 Prozent. Dies hat eine Studie des Instituts für Therapieforschung (IFT) ergeben, das seit 1995 eine Repräsentativerhebung an über 8000 Personen durchführt.

Leeres Nest, volle Dröhnung

Bei Frauen könnte auch das sogenannte “empty-nest-Syndrom”, des leeren Nests, in dem die Frauen im Alter von etwa 45 zurückbleiben, dazu beitragen. Hier fühlen sie sich nicht mehr wertgeschätzt, sie haben ihren Aufgabenbereich verloren und bekommen keine Anerkennung mehr. Die Konsumrate steigt mit zunehmendem Alter deutlich an. Sind es bei den 18 – 20-Jährigen noch 12,5 Prozent der Gesamtbevölkerung, hat sich die Rate bei den 50 – 59-Jährigen bereits verdoppelt. 16 Prozent der „Generation 50+“ (50 – 59-Jährige) fühlen sich ohne Medikamente nach eigenen Angaben als „halber Mensch“.

Benzodiazepine – „Altersverstärker“ auf Rezept

Die Inzidenz von Schlafstörungen nimmt mit steigendem Lebensalter zu. Etwa 20 Prozent der Frauen und 10 Prozent der Männer über 75 Jahren leiden unter Schlafstörungen. Schlafstörungen sind außerdem verknüpft mit Krankheit und früherem Tod. Die Folge der häufigen Schlafstörungen ist der Anstieg der Verschreibung von Hypnotika im Alter. Die Verordnungsrate bei Älteren liegt bei 10 – 15 Prozent. Unter den rezeptpflichtigen Schlafmitteln sind die Benzodiazepine die Spitzenreiter. Sie wirken nicht nur sedierend sondern auch anxiolytisch und verstärken die Wirkung von Schmerzmitteln. Scheinbar die idealen Pharmaka für Geriatriker. Der „typische Alte“ kann nicht schlafen, wird von Ängsten geplagt und hat häufig Schmerzen. Kein Wunder also, dass viele betagte Patienten ihren Arzt drängen, ihnen die „Pillen für mehr Lebensqualität“ zu verschreiben. Doch was ist der Preis für Schlaf und Angstlosigkeit? Benzodiazepine wirken auch muskelrelaxierend. Die Muskulatur der Extremitäten verliert an Tonus und der Patient wird gangunsicher, er fällt häufiger. Die Sturzgefahr unter dem Einfluss von Benzodiazepinen steigt um mehr als 65 Prozent. Außerdem erschlafft auch der Tonus des Blasensphinkters und die Substanzen wirken amnestisch. Häufiges Fallen, Inkontinenz, Vergesslichkeit. Erschreckenderweise deckt sich das Nebenwirkungsspektrum mit dem Zustand vieler älterer Patienten. Man ist an die Parabel vom Huhn und dem Ei erinnert. Was war zuerst da? Insbesondere in einigen Altenheimen wird die Problematik besonders deutlich. Ein ruhiger Patient ist ein guter Patient. Keinesfalls soll an dieser Stelle die Pflegequalität verallgemeinert und insgesamt diffamiert werden, aber auch hier gibt es schwarze Schafe.

Besonders risikoreich ist die Verordnung von Benzodiazepinen mit langer Halbwertzeit. Der Klassiker Diazepam ist erst nach mehr als 70 Stunden zur Hälfte abgebaut. Auch wenn es vielen Älteren so vorkommt: so lang dauert kein Tag. Die Folgen sind eine Kumulation und gehäufte Nebenwirkungen. Nur der großen therapeutischen Breite der Benzodiazepine ist es zu verdanken, dass die Zahl der kausalen Todesfälle gering ist. Wenn Benzodiazepine verordnet werden, dann solche mit kurzer Wirkdauer wie Triazolam oder Temazepam. Benzodiazepinabkömmlinge wie Zolpidem oder Zopiclon scheinen möglicherweise ein günstigeres Risikoprofil aufzuweisen. Zopiclon hat eine Halbwertzeit von drei bis sechs und Zolpidem von nur zwei bis drei Stunden. Das Risiko eines Hangovers und einer Gangunsicherheit ist somit minimiert.

Wege aus der Sucht

Um Benzodiazepine sinnvoll zu verordnen, müssten folgende Kriterien erfüllt sein:

  • klare Indikation
  • kleine Dosis
  • kurze Anwendung
  • kein abruptes Absetzen

Auch wenn der verschreibende Arzt für die Problematik sensibilisiert ist, kann ein Missbrauch nicht immer verhindert werden. Häufig pilgern die Patienten von einem Arzt zum anderen und entgehen somit der ärztlichen Kontrollfunktion. Außerdem existieren „Benzodiazepinschwerpunktpraxen“, die derartige Medikamente sehr unkritisch verordnen. Für die Entwicklung einer Benzodiazepinabhängigkeit gibt es eine Reihe von Risikofaktoren: Eine vorbestehende Suchterkrankung, hohe soziale Belastungen, chronische Erkrankungen, neue Wohnsituation (Heim), Erwartungshaltung des Patienten, fehlende Arzt-Patienten-Beziehung u.a.

Die Abhängigkeit wird durch die spezielle Bindung des Patienten an sein Benzodiazepin und durch Entzugserscheinungen in Entzugssituationen deutlich. Diese Bindung zeigt die psychische Abhängigkeit an. Sie drückt sich in typischen Verhaltensweisen aus:

  • Der Patient kennt Namen und Beipackzettel seines Medikaments bestens. Er kennt oft auch die Generika und Analogpräparate.
  • Der Patient sorgt dafür, dass er immer einen Vorrat seines Medikaments hat (Reserverezept!).
  • Notfalls greift der Patient sogar zu semikriminellen Praktiken, um die Versorgung mit seinem Medikament sicherzustellen (Beschaffung über Dritte, Rezeptfälschung, Rezeptdiebstahl).
  • Der Patient bevorzugt Rezeptbeschaffung per Post oder über Dritte.
  • Der Patient widersetzt sich Entzugsversuchen.
  • Das ganze Lebensinteresse verengt sich in Richtung Medikament. Eine deutliche psychische Bindung an „sein Benzo” ist erkennbar.

Beendet ein Benzodiazepin-Abhängiger die Zufuhr plötzlich, treten psychische und physische Entzugssymptome auf. Die Symptome ähneln denen im Alkoholentzug, ohne ihnen zu gleichen.

Absetzerscheinungen:

  • Beginn 24 – 72 Stunden nach Beendigung der Einnahme
  • Dauer: 1 – 2 Wochen
  • Schwindel
  • Brechreiz
  • Ängstlichkeit
  • Schwitzen
  • Zittern
  • Schlaflosigkeit
  • Albträume

Alternativen nicht in Sicht

Es ist gar nicht so einfach, sinnvolle Alternativen für die benzodiazepinhaltigen Schlafmittel zu finden. Phytopharmaka, Barbiturate, Chloralhydrat, H1-Antihistaminika und Neuroleptika kommen grundsätzlich in Betracht. Aus pharmakologischer Sicht schrumpft die kleine Liste unter Betrachtung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses noch weiter zusammen. Baldrian & Co sind meist unterdosiert, enthalten als flüssige Zubereitungen meist Alkohol und wirken allenfalls Schlaf anstoßend, nicht wirklich sedierend oder gar hypnotisch. Barbiturate sind wegen der hohen Toxizität für diese Anwendung obsolet. Chloralhydrat hat zwar gute pharmakokinetische Eigenschaften, wenige Wechselwirkungen und löst keine Sucht aus, ist sonst aber ein Nischenprodukt. Die magenschädigenden Eigenschaften und die Geruchsbelästigung des Patienten nach der Einnahme schränken die Anwendung erheblich ein. Antihistaminika wie Doxylaminsuccinat und Diphenhydramin sind lediglich apothekenpflichtig und weit verbreitet.

Es wird gern vergessen, dass die therapeutische Breite um ein Vielfaches geringer ist als die der Benzodiazepine. Sie haben parasympatholytische Begleiteffekte und sind deshalb kontraindiziert bei tachykarden Herzrhythmusstörungen, Engwinkelglaukom und Prostataadenom. Diese Erkrankungen findet man besonders häufig bei alten Menschen. Bei Überdosierung kann es zum sogenannten Anticholinergen Syndrom mit Halluzinationen, Muskelschäden, massivem Temperaturanstieg und Tachykardien kommen.

185 Wertungen (4.63 ø)
Medizin

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25 Kommentare:

Isabella Mathes
Isabella Mathes

Hallo Loddar! Es heißt
“Oma’s little helpers”. Sowas sollte eigentlich einem Journalisten nicht passieren.
Guter Artikel, anyway!

#25 |
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Dr. Sonja von Lorenty
Dr. Sonja von Lorenty

5 HTP wirkt sehr gut bei Depressionen etc. In Aminosäurenuntersuchungen zeigt sich sehr oft insbesondere ein Mangel an Tryptophan (essentielle Aminosäure) dadurch ist der Syntheseweg hin zum Serotonin nicht mehr möglich. Letzteres ist als “Glückshormon” in der Schokolade populärwissenschaftlich bekannt. Die Mangelzustände durch Tryptophan oder 5-Hydroxytryptophan sind jedoch sehr viel weiter darüberhinausgehend. Es ist daher ratsam dieses unbedingt in diesen Fällen oder auch probatorisch zu verabreichen.

#24 |
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Hartmut Meier
Hartmut Meier

Hat irgendjemand Erfahrungen mit 5-Hydroxytryptophan (5-HTP) gemacht ?

#23 |
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Alternativen nicht in Sicht. Wenn die Problembetrachtung sich auf pharmakologische Lösungen begrenzt, ist es wohl so. Diese Engführung reicht nicht aus. Biopsychosoziale Betrachtung eröffnet Möglichkeiten. Die sozialen Faktoren wurden von bereits erwähnt, ebenso Entpannungsverfahren. Dass im Alter das Schlafbedarf sinkt und wir als Behandler Patienten zutrauen können, etwas in ihrem Leben zu verändern, fehlte mir in den biherigen Ausführungen. Dass Entzugs- und Entwöhnungsbehandlung im Alter durchaus sinnvoll sind, habe ich bereits erlebt.

#22 |
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Ist die regelmäßige Einnahme von zB 1.5-3mg Bromazepam überhaupt eine Abhängigkeit i.S. der DMS-IV oder ICD-10?

Das einzige vorhandene Item der Abhängigkeit ist doch in der Regel das Entzugssyndrom beim Absetzen. Craving, Toleranz, Kontrollverlust, erkennbare Schadeffekte, Vernachlässigung anderer Interessen? Alles Fehlanzeige!

Nicht einmal die Voraussetzungen eines “schädlichen Gebrauchs”, nämlich der fortgesetzte Gebrauch trotz eingetretener Schäden, sind in der Regel gegeben!

Wie sehen denn die Alternativen aus? Neuroleptica (Promethazin, Melperon, Levomepromazin) haben ein eindeutiges Schadpotenzial, ebenso sedierende AD wie Doxepin, Trimipramin oder Opipramol.

Anhaltender Schlafmangel führt ebenso zu einem erhöhten Sturzrisiko und kognitiven Beeinträchtigungen.

In den Altenheimen ist es die erzwungene Anpassung des Tagesablaufs an die Dienstpläne und Arbeitsrhythmen der Pflegekräfte, in der eigenen Wohnung die Einsamkeit und das sture Festhalten an eingeprägten Abläufen, die ein bedarfsgerechtes Schlafverhalten vereitelt.

Den ersten Kontakt mit den ach so wohltuenden BZD haben übrigens die meisten alten Menschen im Krankenhaus, wo die Nachtschwester nur allzugern die blauen Pillen verteilt, damit ihre 40-60 Schutzbefohlenen nicht die ganze Nacht auf der Klingel oder im Dienstzimmer stehen!

Dass Männer seltener Schlaftabletten nehmen, ist doch völlig klar: Die betreiben einen gepflegten Altersalkoholismus!

#21 |
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@18 Die Wirksamkeit von Melatonin kann ich nur bestätigen, aber auch andere in den Hormonhaushalt eingreifende orthomolekulare Mittel wie die Melatonin-Vorstufen können hilfreich sein. Viele Menschen sind jedoch schlaflos wegen angestauter emotionaler Befindlichkeiten und untherapierter vegetativer Belastungen, da kommt auch die Wirksamkeit von Melatonin an Grenzen.

#20 |
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Horst Rieth
Horst Rieth

nach einer “objektiven” aufklärung (nichtg moralisierend) aller potentialen ist letztendlich die subjektive lebensqualität entscheidend.
solange keine maschinen bedient werden und allenfalls eine eigengefährdung besteht, muss die gesellschaft gemäß ihren maximen handeln, “freiheit” solange nicht andere in ihrer eingeschränkt werden.
es gibt in den augen des andern immer bessere lösungen, aber man muss bereit sein sie akzeptieren zu können.

#19 |
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Rettungsassistent

@ Thomas Dreher
Weil u.a. die Sturzgefahr massiv ansteigt. Und die ehemals rüstige alte Dame, jetzt Schenkelhalsfraktur und leider anschließender Bettlägerigkeit jetzt eine deutlich verkürzte Lebenserwartung hat. Gerade in Pflegeheimen gilt, wer Bettlägerig wird, bleibt nicht mehr so lange. Außerdem in Inkontinenz nicht förderlich für die Lebensqualität.

#18 |
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Karin Duersch
Karin Duersch

Das beste Schlafmittel für mich ist immer noch Melatonin. Bringe es mir aus USA mit und nehme es nach meinen Rückflügen wenn ich wegen Jetlag nicht zur richtigen deutschen Zeit einschlafen kann. Hat keine Nebenwirkungen und die schnellauflösende Tablette lässt mich innerhalb einer halben Stunde einschlafen. Kann nur bei Bedarf genommen werden und wirkt immer.

#17 |
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Dr. Hans Stange
Dr. Hans Stange

Zum Thema Chloralhydrat gibt es auch andere Meinungen, gerade eben Sucht erzeugend :
Chloralhydrat wird im Körper in 2,2,2-Trichlorethanol als Hauptwirkstoff umgewandelt. Es kommt vor allem bei älteren Patienten zum Einsatz, da diese auf Benzodiazepine teilweise paradox reagieren. Wie bei anderen organischen Halogenverbindungen besteht die Gefahr einer Sensibilisierung des Herzmuskels gegen Catecholamine. Aufgrund der Nebenwirkungen und der von ihm ausgehenden Suchtgefahr (sog. Chloralismus) ist Chloralhydrat verschreibungspflichtig und hat heute keine große Bedeutung mehr (aus Wikipedia).

#16 |
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Dr. med. Elena Müller
Dr. med. Elena Müller

Zuerst einmal vielen Dank für den schönen Artikel.
Das Problem der BDZ-Abhängigkeit im Alter stellt für alle Behandler ein Problem dar, ob nun niedergelassen oder Krankenhausarzt. Im stationären Bereich regen wir uns oft über den oft viel zu lockeren Umgang mit BDZ im niedergelassenen Bereich auf. Das Problem bleibt dann häufig bei uns hängen, weil die Patienten erst auf der Station entzügig werden, was ja auch im Artikel erwähnt wird. Wie oft haben wir auf unserer Geriatrie die Pat., die mit irgendwo zwischen 10 und 70 mg Diazepam täglich (alles schon gesehen) “gut eingestellt” sind. Wenn ich das schon auf der Einweisung lese…
Das Argument, dass keine Zeit da ist, um etwas anderes zu tun, als eben das zu verschreiben, was der Pat. will, kann ich daher so nicht stehen lassen. Über sinnvollere Alternativen nachzudenken sollte eigentlich nicht lange dauern, voraus gesetzt, man weiß, dass es welche gibt. Mit Zolpidem haben wir übrigens auch gute Erfahrungen gemacht. Dass man eine Entgiftung im Alter getrost vergessen kann, muss ich den anderen hier allerdings zustimmen…
Und zu der Pflegequalität in den Heimen (danke für das Ansprechen dieses Problems) will ich gar nichts sagen, jeder, der mal im Krankenhaus gearbeitet hat, weiß, wie das aussieht! Und wie zufriedenstellend es doch ist, die Patienten im guten Zustand zu entlassen, um sie zwei Monate später im gleichen fürchterlichen Zustand wie vorher wieder aufzunehmen. Entschuldigen Sie, aber ich finde, dieses Thema kann man gar nicht genug “dramatisieren”.

#15 |
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Dr. med. Michael Hosch
Dr. med. Michael Hosch

Lieber Herr Kuhn, es geht bei genauer Betrachtung nicht um die Kosten “der Krankenkassen”, sondern um die Kosten für die dahinterstehenden Beitragszahler, also für die Gesellschaft bzw. für uns alle. Und wenn “man” an die Ursachen gehen will, bedeutet das, daß jeder von uns seinen Anteil / Aufwand für die Beschäftigung und Betreuung der älteren Generation erhöhen sollte bzw. müßte.

#14 |
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Dr. Marc Heydenreich
Dr. Marc Heydenreich

Grundsätzlich sind Ihre Ausführungen richtig.
Ich kann Ihnen jedoch einige Patienten nennen, die sich “dem Lehrbuch entziehen”.
Ein 83 Jähriger, der bereits in den 1950 er Jahren Amphetamine und Valium genommen hat und polytoxikoman während seines geasmaten weiteren Lebens dieses hohe Alter erreicht hat.
Eine ebenfalls über 80 jährige, sehr rüstige Dame mit Bezodiazepinabusus über Jahrzehnte etc – einige scheinen das gut zu vertragen.
Und Entzüge bei über 70 Jährigen ? Wissen Sie wie lange das dauert?! und wie hoch die Erfolgsratebn sind?!
Das ist aus meiner Sicht nicht sinnvoll. Dementsprechend sollte man dieses Problem auch nicht unnötig dramatisieren.

#13 |
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Jörg Kuhn
Jörg Kuhn

Kosten, für die Lösung des eigentlichen Problems (Vereinsammung) zu hoch!

#12 |
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Jörg Kuhn
Jörg Kuhn

Danke, für den kritischen Artikel. Die Tablette ist immer die, für Krankenkassen, günstige Lösung! Ausserdem ist es einfacher die Symptome zu behandeln, als an die Ursachen zu gehen. Wahrscheinlich sind die

#11 |
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Vielen Dank für diesen Artikel. Bei all den heute in den Medien so präsenten Berichten über die “jung gebliebene”, so vitale und unternehmungslustige Generation 60 oder 70+ wird nur all zuoft vergessen, dass aus auch diese von Herrn Bastigkeit sehr dezidiert beschriebene Schattenseite gibt, die sich in Zukunft noch zu verdunkeln droht.
Die von Herrn Dreher so pauschal formulierte “Alternative” löst mit Sicherheit nicht das Problem.

#10 |
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Dr. med Karen Awiszus
Dr. med Karen Awiszus

Danke für den schönen Artikel.

#9 |
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Lieber Herr Bastigkeit, das Wort “alternativlos” ist hier fehl am Platze. Es gibt alterneativen, nur zu viele Ärzte, die damit keine Erfahrungen haben und / oder Kranke, die genau das gewohnte Medikament brauchen, weil sie 100%ig festgetellt haben, dass das Mittel von der Konkurrenzfirma wesentlich schlechter verträglich oder effektiv oder was immer auch ist.Was macht der Therapeut dann unter Zeitdruck, anstatt sich den Mund fusselig zu reden?

#8 |
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…die Tabletten sind also zu Freund und “Lebensmittelo
punkt” geworden…

Ja- ist das denn erstaunlich bei einer medikamentenorientierten Medizin, einer übergewaltigen pharmazeutischen Industrie.

Pars pro toto?

Wie wär´s mal mit dem guten alten autogenen Training odeer sonstigen autusuggestiven Verfahren?

Verwunderte Grüße

#7 |
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Dr. med. Jiri Masek
Dr. med. Jiri Masek

Benzodiazepam gibt es nur auf Privatrezept. Bei einer 80- jährigen alten Dame hätte ich damit keine Probleme. Suchttherapie in dem Alter kann man eher wohl vergessen….

#6 |
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Ernährungswissenschaftlerin / Ökotrophologin

Ein Problem, welches sich noch sehr verstärken wird !!
Gute Erfahrungen sind doch weltweit mit Zolpidem gemacht
worden. Bei älteren Patienten reichen oft 5 mg/die, wenn
man es intervallmäßig geben kann, noch besser. Die kurze
HWZ ist sehr von Nutzen (kein Hang over etc.), eine
Muskelrelaxation ist so gut wie nicht vorhanden, und die
Kompatibilität mit anderen Pharmaka für ältere Patienten
ist gut.

#5 |
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Medizinjournalist

Hallo Frau Lorenzen,
1. Danke für das Lob!
2. Ja, das ist ein fast unlösliches Problem. chloralhydrat ist ein tolles Reserveschlafmittel, verursacht aber extremen Körper- und Mundgeruch. Das Problem ist im Alter nicht nur die Abhängigkeit, die Geriatriker sterben mit und meist nich an ihrer Sucht. Wichtig ist die kurze Wirkdauer damit die Muskelrelaxation nicht so zum Tragen kommt.

#4 |
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liebe thore lorenzen,da gebe ich dir vollkommen recht,dieses dilemma ist schwer im griff zubekommen…………..

#3 |
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Exzellenter Artikel, der ein (oft bewusst) übersehenes Problem beleuchtet!

Da kann man nur zu genauen Indikationsprüfung und Zusrückhaltung bei der Verordnung mahnen.

#2 |
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Thore Lorenzen
Thore Lorenzen

Ein sehr schöner Artikel, der ein Dilemma in der ambulanten Versorgung beleuchtet. Was mache ich mit einer 80 jährigen Patientin, die seit Jahren von Kollegen ihre Benzodiazepine verschrieben bekommen hat. Kann ich das als suchtbewusster Arzt mit gutem Gewissen weiter verordnen ? Und wie bekomme ich die alte Dame in eine Suchttherapie…? Wenn ich doch weiter verordne, muss ich mit einem Regress der Kassen rechnen.
Die angegebenen Alternativen wie Antihistaminika und Chloralhydrat setze ich gerne zur kurzfristigen Therapie ein, aber das geht häufig nur bei nicht BDZ-abhängigen Patienten. Ergo, das Dilemma bleibt…

#1 |
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