Das stressige Klassenzimmer

11. Juli 2016
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Der Alltag eines Lehrers kann sehr belastend sein. Forscher fragten sich nun, ob der Stress der Lehrer ansteckend sein kann? Den Ergebnissen zufolge besteht ein Zusammenhang zwischen Burnout-Symptomen bei den Lehrkräften und einem erhöhten Cortisolspiegel der Schüler.

Psychische Erkrankungen stellen in Deutschland die zweithäufigsten Ursache für Arbeitsunfähigkeit dar. Kaum eine Berufsgruppe ist so häufig von Burnout-Symptomen betroffen wie die der Lehrer. Bereits 2014 hatte der Aktionsrat Bildung in einem Gutachten auf die besorgniserregenden Statistiken hingewiesen und vor Auswirkungen auf den Unterricht gewarnt. Forscher der University of British Columbia in Kanada setzten sich nun genauer mit dieser Thematik auseinander und untersuchten den Zusammenhang von psychologischem Stessverhalten der Schüler und dem Auftreten eines Burnouts bei ihren Lehrern.

Kann Stress ansteckend sein? Die Forscher sagen: Ja. Zumindest scheint dies indirekt der Fall zu sein. In ihrer Studie untersuchten sie das berufliche Stresslevel von Lehrern anhand eines Burnout-Messinstrumts, dem sogenannten „Maslach Burnout Inventory“ (MBI). Zur Bestimmung des Stresspegels der Schüler entnahmen die Forscher insgesamt 400 Grundschülern zusätzlich eine Speichelprobe, die den Cortisolspiegel der Kinder angab. Dieser ist Indikator für die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Funktion (HPA), welche Stressreaktionen im Körper kontrolliert.

Das Ergebnis der Studie machte deutlich, dass ein erhöhter Cortisolspiegel bei Schülern mit einem erhöhten Burnout-Risiko für ihre Lehrern einhergeht. „Dies legt nahe, dass eine Ansteckung von Stress im Klassenraum zwischen Lehrern und Schülern stattfindet. Es ist jedoch nicht bekannt, was zuerst auftritt: ein erhöhter Cortisolspiegel bei Schülern oder ein Burnout bei Lehrern“, sagt Eva Oberle, Hauptautorin der Studie.

Die Forscher sehen im „Schüler-Stress“ und dem damit verbundenen „Lehrer-Burnout“ außerdem das Problem eines Schneeball-Effekts. Sind Lehrer überfordert, berichten sie häufiger von Burnout-Symptomen. Sind sie wiederum von einem Burnout betroffen, sind ihre Fähigkeiten beschränkt, ihre Schüler effektiv zu betreuen. Dies führt wiederrum zu erhötem Stress der Schüler und Problemen in der Schule.

Mehr zur „Burnout-Stress-Thematik“ von Lehrer und Schüler hier.

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Medizin, Neurologie, Psychiatrie

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6 Kommentare:

Dr. Joachim Bedynek
Dr. Joachim Bedynek

#5 : 1. Satz Ironie ??
2. Satz unklar ??, leider anonym !

#6 |
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Gast
Gast

#4 : Das haben Sie aber gut verstanden. Warum nur hinterlassen Ihre Kommentare fast durchgängig einen eigenartigen Eindruck ?

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Dr. Joachim Bedynek
Dr. Joachim Bedynek

Prinzipiell ist schon die Lehrkraft “schuld”, denn die Schüler sind ja viele und da ergibt es prinzipiell einen Durchschnitt, einen Mittelwert.
Klar können manchmal ein oder wenige Schüler das Klassenklima in die eine oder andere Richtung kippen lassen – besonders in der Erwachsenenbildung.

#4 |
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Jürgen Schuster
Jürgen Schuster

Moment – dabei wird übersehen, dass es keine FORTBILDUNG zu diesen Themen gibt. Heute sind diese Phänomene so alltäglich, ja selbstverständlich dass wir dringend etwas mehr Information an der Basis brauchen. Dann erledigen sich Schuldzuweisungen.
Man muss sich als Laie die Infos in Spiegel oder Stern holen, oder Fachbücher lesen. Geschieht leider eher selten.
Lehrer bekommen kaum Angebote in Persönlichkeitstraining, Haltung etc. gewscheige den Stresskompetenz- es geht immer nur um Auswendiglernen in völlig überholten Systemen.

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Gast
Gast

Ja, ja, die Lehrer sind immer Schuld: Niemals könnte es an den eigenen Nachwuchs liegen, an dessen Vermögen oder eben Unvermögen.Und hier überträgt sich gerade Stress von einem garstigen Kommentar auf mich! Und dass obwohl ich nebenberuflich “nur” in der Erwachsenbildung tätig bin…

#2 |
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Gast
Gast

DAS glaube ich sofort! Und in Folge steigt auch der Stresspegel der Eltern, weil ich persönlich schon im Voraus weiß, was folgt. Die betreffende Lehrkraft kann weder für Ruhe, noch für Disziplin, noch für Lernerfolg im Klassenzimmer sorgen, Elternabende werden anberaumt um über diese “problematische” Klasse zu sprechen und auf Dauer ändert sich nichts, außer, dass schlechte Zensuren aus Frust oder zur “Disziplinierung” verteilt werden. Am Ende des Schuljahres ist der Wissensstand katastrophal und man hofft, dass sich betreffende Lehrkraft nächstes Schuljahr eine andere Stelle sucht.
Augen auf bei der Berufswahl!

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