Kooperation: Männer und Frauen ticken anders

1. September 2011
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Ob ein Mensch ein kollegialer und kooperativer Typ ist, wird von seinen Genen beeinflusst. Die Forscher sind sie auf eine weitere Entdeckung gestoßen: Eine Variante des gleichen Gens steuert das Verhalten von Männern und Frauen gegensätzlich.

Frauen sind demnach eher bereit, einen Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten, wenn sie eine weniger aktive Variante des MAOA-Gens aufweisen. Bei Männern ist es genau umgekehrt. Die Forscher folgern daraus: Evolutionäre Mechanismen sind für diese Entwicklung verantwortlich. Über die Hintergründe lässt sich jedoch nur spekulieren. Die Studie wurde in einer Zusammenarbeit von Wissenschaftlern des Instituts für Arbeitsrecht und Arbeitsbeziehungen in der Europäischen Gemeinschaft (IAAEG) sowie der Abteilung für Verhaltensgenetik an der Universität Trier durchgeführt.

In der vom Forschungsfonds der Universität Trier geförderten Studie haben Studierende um echtes Geld gespielt. Einen Teil davon konnten sie in einen Gemeinschaftstopf „investieren“. Die Forscher um Vanessa Mertins und Jobst Meyer berichten, dass sich Männer und Frauen in Bezug auf ihre Bereitschaft zur Kooperation in Abhängigkeit von einer Variante des Monoaminoxidase A-Gens (MAOA) unterscheiden. MAOA ist auf dem X-Chromosom lokalisiert und wurde in früheren Studien mit aggressivem Verhalten in Zusammenhang gebracht: Männer und Mäuse, denen dieses Gen fehlt, sind überaus gewalttätig.

Männer mit einer weniger aktiven Variante des Gens zeigen gegenüber ihren Mitspielern starke Skepsis und wenig Kooperationsbereitschaft. Ein aktives MAOA stärkt hingegen die eigene Kooperationsbereitschaft wie auch das Vertrauen in die Mitspieler. Bei Frauen war das Verhalten gegensätzlich: Frauen mit der weniger aktiven Variante des MAOA-Gens verhalten sich kooperativer und optimistischer in der Einschätzung ihrer Mitspieler. Die Forscher schließen daraus, dass evolutionäre Mechanismen das geschlechtsspezifische Verhalten mit Blick auf die Bereitschaft, etwas für die Gemeinschaft beizutragen, geschärft haben. Auch zukünftig will das interdisziplinäre Forscherteam das Zusammenspiel von (Verhaltens-)Ökonomie und (Verhaltens-)Genetik im Rahmen weiterer gemeinsamer Arbeiten untersuchen.

Originalpublikation:
Genetic Susceptibility for Individual Cooperation Preferences: The Role of Monoamine Oxidase A Gene (MAOA) in the Voluntary Provision of Public Goods
Vanessa Mertins et al.; PLoS ONE, 6(6): e20959; 2011

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3 Kommentare:

Biologie und Natur kennen keine + oder – …. trotzdem:
ist dies nun eine positive oder negative Nachricht???
Für die “Inkollegialen”: eindeutig positiv: sie “können nicht dafür, wohla aber Ihre Gene” (???)
Für die “Kollegialen”: ein “Seitenhieb” und sie müssen sich weiterhin – und nun genetisch begründet – den Anderen unterordnen lassen ???
Vielleicht hat die Gruppe der “genetisch benigne Bevorzugten” einen Vorteil: etwas mehr Substanz oder Synapsen für Reflexion und Selbstkontrolle. Immerhin ein kleiner Trost :)

#3 |
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Stimme Dr. Berwanger zu. Habe eigentlich gedacht, dass der Mensch einen freien Willen – wo auch immer lokalisiert – hat, mit dem er das selbstsüchtige GEhirn kontrollieren und führen kann. Wozu habenwir einen Verstand, wozu sind wir zur Selbstkontrolle befähigt. Wir gebenKulturgut auf und stellen unsere Gesellschaft zur Disposition, wenn wir das VErhalten von Genen abhängig machen.

#2 |
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Vorsicht!
(Epi)Genetik darf nicht als Argumentationsgrundlage für Ethik missbraucht werden.
In einer immer enger zusammenwchsenden Welt sollten die Einübung und Praktizierung von ¿soft skills¿ ausschlaggebend sein.
Gene sind eins, Ethik ein anderes.
SAPERE AUDE!

#1 |
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