Studie: Fitter dank Filius

12. Juli 2016
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Beruf, Kinder und pflegebedürftige Eltern: Die Sandwichgeneration zwischen 30 und 44 Jahren hat mit Doppel- oder Dreifachbelastungen zu kämpfen. Doch Hilfe naht: Ihr Nachwuchs wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus, berichten Forscher.

Laut Gesundheitsreport 2016 der Techniker Krankenkasse (TK) waren Beschäftigte mit familienversicherten Kindern im letzten Jahr 2,3 Tage weniger krankgeschrieben und bekamen auch weniger Medikamente als eine Vergleichsgruppe ohne Nachwuchs. Das geht aus Daten von 4,6 Millionen Versicherten aus dem Jahr 2015 hervor.

Gesund mit Kind

Erwerbstätige kamen im Schnitt auf 15,4 Fehltage mit Krankschreibung. Bei Personen mit Sprösslingen waren es 14,3 Tage, und bei Versicherten ohne Nachwuchs 16,5 Tage. „Auffällig ist allerdings, dass sich dieser Trend erst ab dem 40. Lebensjahr abzeichnet“, sagt Dr. Thomas Grobe vom AQUA-Institut. Er hat die Daten ausgewertet. „In den jüngeren Jahrgängen liegen die Fehlzeiten bei Eltern noch höher, ab 40 dreht sich das Verhältnis um und sie sind weniger arbeitsunfähig.“ Jahr für Jahr klafft die Schere weiter auseinander. Mit zunehmendem Alter werden Beschäftigte mit Kindern vor allem aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen weniger oft krankgeschrieben als Beschäftigte ohne Kinder.

TK-Infografik Gesundheitsreport 2016

Weniger Psychopharmaka

Über alle Altersgruppen zeigt sich, dass Ärzte Eltern mit familienversicherten Kindern weniger Psychopharmaka verordnen. Der Unterschied zwischen beiden Gruppen lag bei drei (Männer) beziehungsweise sieben Tagesdosen (Frauen). Arbeitsmediziner Klaus Jumpertz, der Firmen beim betrieblichen Gesundheitsmanagement berät, bewertet die Familie als wichtige Säule, wenn es um die körperliche und seelische Gesundheit von Beschäftigten geht.

Stress, lass nach

Neben Kindern kommt dem Arbeitsplatz eine große Bedeutung zu, wie die Studie „Job & Gesundheit“ (JuGs) zeigt. Basis war die Analyse von 8.500 Fragebögen aus dem ganzen Bundesgebiet. In der ersten Phase von 2002 bis 2009 gaben drei von zehn Beschäftigten an, ihr Job sei auch nach Feierabend noch ein Stressfaktor. In der zweiten Phase zwischen 2010 und 2015 waren es schon über 47 Prozent. Präventionsexpertin Dr. Sabine Voermans rät Chefs in erster Linie, Mitarbeitern mehr Wertschätzung entgegenzubringen. Knapp jeder vierte Befragte klagte über mangelnde Anerkennung.

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Forschung, Pharmazie

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3 Kommentare:

Gast
Gast

Kenne ich, #2 Frau Friedrichs, allerdings anders herum:
Konnte nach Geburt der Kinder nicht wieder ins Arbeitsleben einsteigen, u.a., weil die Großeltern keine Lust auf “Pflichten” in der Rente hatten, mein Mann 12h und mehr außer Haus ist, und das Modell, Kinder nach Schule und KiGa zur Tagesmutter zu geben und sie nur beim Wecken und “Gute Nacht sagen” zu sehen, war für uns ein No Go.
Das Problem ist m. E., dass die Großelterngeneration bei uns und in weiten Teilen des Bekanntenkreises meint, alle unangenehmen Pflichten auf Kinder und teilw. auch die Enkel abladen zu dürfen. Warum auch immer.
Arbeit mit den Kindern ist anstrengend, GIBT aber auch Kraft; ständig und ungeplant verfügbar sein zu müssen macht den Stress und NIMMT Kraft (und Lebenszeit).
Und, ja, da haben Sie recht, es muss irgendwie weiter gehen, denn Zeit für Wartezimmer oder Therapien kann man schwerlich aufbringen. Dann lieber irgendwie weiter machen. Meinen Respekt haben Sie und alle anderen, die tagtäglich diese großartige Leistung vollbringen!

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Ute Friedrichs
Ute Friedrichs

….gehöre zur Generation 50++; meine Kinder brauchen Hilfe und Unterstützung für die Enkel (weil sie sonst ihren Job nicht machen können), Anerkennung in meinem Job in einer Klinik? Fehlanzeige!; meine Mutter braucht Hilfe und Unterstützung….Ich selbst? Hab’ keine Zeit zum Arzt zu gehen….

#2 |
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Fitness allein an Statistiken über Fehl-/Arbeitsunfähigkeitstage und Psychopharmakadosen festzumanchen, find ich etwas enttäuschend. Beim Lesen der Überschrift hatte ich mehr Konkretes bzgl. “typischer Volkskrankheiten” wie die angedeutete geringere Rate von Muskel-Skelett-Erkrankungen (wohl als Folge des Herumtollens/Sport treibens mit dem Nachwuchs) erwartet. Erfreulich aber, dass Kinder mit positiven gesundheitlichen Folgen korrelieren. Hoffentlich schließt niemand aus dem “filius” in der Überschrift, dass nur Jungs der elterlichen Gesundheit zuträglich sind.” Man muss ja heute vorsichtig sein. Sicherer wäre es gewesen den Titel “Fitter dank filius et filia” zu wählen :-)

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