Helikopter-Eltern: Das ist wohl nicht gegluckt!

6. Juli 2016
Teilen

Abi-Zeit ist Orientierungszeit. Wo solls hingehen im Leben? Arzt, Ingenieur oder doch lieber Tischler? Manche Eltern möchten ihren Kindern die Entscheidung am liebsten abnehmen. Doch neuen Untersuchungen zufolge richten sie damit mehr Schaden an, als gedacht.

Auf dem Weg des Erwachsenwerdens kann die Unterstützung der Eltern von großer Hilfe sein, oft ist sie sogar notwendig. Doch wenn die Unterstützung zur Bevormundung wird und sich die berüchtigten „Helicopter Parents“ zu sehr in Entscheidungen einmischen – sie gar den Kindern abnehmen – kann dies langfristig zu Depressionen und Angstzuständen bei den übermäßig umsorgten jungen Erwachsenen führen.

Bereits 2013 wurden die negativen Effekte des „Helicopter Parenting“ auf College Studenten in einer Untersuchung [Paywall] erhoben. In den letzten Jahren ist das Phänomen keinesfalls abgeklungen. Studienberater, Dozenten und Professoren begegnen dieser Form des Elterndaseins mit zunehmender Skepsis.

In einer neuen Studie [Paywall] der Florida State University wurden jetzt 461 Studenten zwischen 18 und 25 Jahren befragt, inwiefern ihre Mütter Einfluss auf wichitge Lebensentscheidungen nehmen. Anhand von Beispielsituation sollten die jungen Erwachsenen das Engagement der Mutter bewerten. Im Fokus der Studie stand der weibliche Elternteil, denn die Mutter sei traditionell erster Ansprechpartner und Bezugsperson, heißt es in der Pressemitteilung der FSU.

Die Studienteilnehmer sollten zudem den Umgang mit komplizierten Situationen einschätzen: Beispielsweise sollten sie bewerten, ob ihre Mutter sie in einer Konfliktsituation mit dem Mitbewohner ermutigen würde, den Konflikt eigenständig zu lösen oder ob sich die Mutter selbst einschalten würde. Auch inwieweit die Mütter ihre Sprösslinge anhielten, sich regelmäßig zu melden oder wie sehr sie sich in die Ernährungsgewohnheiten einmischten, spielte in der Erhebung eine Rolle. Zudem sollten die Studenten eine Einschätzung zu den Punkten „Depression“ und „Ängste“ sowie „Lebenszufriedenheit“ und „körperliche Gesundheit“ geben.

Die Selbstwirksamkeit der Kinder stärken

Den Studienergebnissen zufolge hat das Verhalten der Eltern indirekt einen großen Einfluss auf Ängste, Depression, körperliche Gesundheit und Zufriedenheit – indem sie nämlich die Selbstwirksamkeit der Kinder prägen. Studenten mit Müttern, die ihre Kinder autonomer agieren ließen, bewerteten ihre Zufriedenheit, Gesundheit und Selbstwirksamkeit besser als jene, die einen überfürsorglichen Elternteil hatten. Studenten, die ihre Selbstwirksamkeit schlechter einstuften, berichteten außerdem von stärker ausgeprägten Ängsten und Depressionen sowie von einer generell geringeren Zufriedenheit mit dem eigenen Leben.

Was wäre aus psychologischer Sicht also sinnvoll, um das eigene Kind zwar zu unterstützen, aber nicht dessen gesunde Entwicklung zu beeinträchtigen? „Die Art, wie sich deine Eltern mit dir auseinandersetzen, hat viel damit zu tun, wie du dich selbst siehst“, sagt Mallory Lucier-Greer, eine der Autorinnen der Studie. Wenn Eltern einfach nur unterstützend zur Seite stünden, würden sie Dinge sagen wie „Du kannst deine Finanzen selbst verwalten“ oder „Du kannst deine Kurse selbst wählen“, erklärt Lucier-Greer weiter. Auch wenn der Grat auf den ersten Blick vielleicht schmal zu sein scheint, dieses Verhalten steht in einem deutlichen Unterschied zu Eltern, die einfach alles für ihre Kinder erledigen.

In den meisten Fällen stecken sicherlich gute Absichten hinter der übetriebenen Fürsorge, Eltern müssen sich allerdings bewusst machen, dass sie der Entwicklung ihrer Kinder damit langfristig im Weg stehen.

Originalpublikation:
Helicopter Parenting and Emerging Adult Self-Efficacy: Implications for Mental and Physical Health [Paywall]
Kayla Reed et al.; Journal of Child and Family Studies, doi: 10.1007/s10826-016-0466-x, 2016

64 Wertungen (4.16 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

7 Kommentare:

HP Annette Uebach
HP Annette Uebach

Trifft es genau. Als Ergotherapeutin kann ich das nur bestätigen. Helikopter Eltern behindern die gesunde Entwicklung ihrer Kinder in allen Bereichen. Es entstehen narzisstische und lebensuntüchtige junge Erwachsene. Jeder Arbeitgeber der heutzutage noch ausbildet kann ein Lied davon singen.
Ich habe meine Kinder immer an der langen Leine gelassen. Sie sind zufrieden und selbständig. Und sie sind privat und beruflich erfolgreich.

#7 |
  0

Neben den immer zahlreicher werdenden “Helikopter-Eltern” sollen schon die ersten “Drohnen-Eltern” gesichtet worden sein… .

#6 |
  0

Ich sehe das genauso, wie im Artikel beschrieben. Das Wichtigste, was wir unseren Kindern mitgeben können ist Liebe, Geborgenheit und das Vermögen selbständig in der Welt zurecht zu kommen. Und wenn das Kind mal “auf die Nase fällt”, gibt man ihm Rückhalt und hofft, dass es etwas fürs Leben gelernt hat.
Auch wenn es einem manchmal schwer fällt, sich nicht einzumischen … .

#5 |
  0
Miriam Hornung
Miriam Hornung

Sorry, aber wenn ich das so lese, klingt das eher nach einer Korrelation als nach einem nachgewiesenen Kausalzusammenhang. Ich bin gewiss keine überbesorgte Mutter, aber diese Studie lässt die in der Einleitung erwähnte Schlussfolgerung wohl eher nicht zu.

#4 |
  12
Beamter im Gesundheitswesen

Ich habe in wohlsituiertem Haushalt eine junge Frau mit 3 Kindern erlebt( 4- 7), die nicht in der Lage war mit mir ein medizinisch begründetes Gespräch zu führen, da die Kinder dann Terror machten! Buchstäblich. Das ist dann auch die Kehrseite der Medallie. Auch wenn es den weh tut, manchmal mus man auch Grenzen setzen. Ich habe meinen Kindern erklärt, auch Eltern haben Rechte und sei es denn “Menschenrechte”. Unsere Kurzen regeln schon vieles selbst (Behördengänge, Arztbesuche etc.) Das kommt allen zugute. Aber wir dürfen nicht nachlassen!

#3 |
  0
Ernährungswissenschaftler / Ökotrophologe

Ich kann meiner vorrednerin nur beipflichten
Letztens durfte ich mir von einer mutter anhören was mir denn einfiele die tochter 17 zur Mitarbeit aufzufordern

Schließlich begreife sie nichts
(Was logisch ist wenn sie nicht mitmacht)

Das erklärte ich auch der mutter
Die daraufhin erbost den raum verlies
Mit den worten sie werde schon dafür sorgen dass ihr kind den abschluss.schafft

Die düsteren aussichten auf der notenübersicht die sie einige tage zuvor bekommen hatte
Hat sie wohl ignoriert :)

#2 |
  0
Susan Köcher
Susan Köcher

Das sagen wir Lehrer schon seit langer Zeit. Aber, wer hört denn auf die “Faulenzer der Nation”?
Susan Köcher, Kassel

#1 |
  1


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: