Hirnaktivität: Don’t text and drive

4. Juli 2016
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Der ständige Blick auf das Handydisplay ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Dass die Nutzung von Mobilgeräten Auswirkungen auf unsere Hirnströme hat, zeigte sich nun in einer Untersuchung und belegte einmal mehr: Tippen am Steuer ist keine gute Idee.

Das Smartphone ist aus den Händen vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Immer häufiger ersetzt der Text-Messenger unsere alltägliche, verbale Kommunikation und macht den Blick auf den Bildschirm zu einem weit verbreiteten gesellschaftlichen Phänomen. Inwiefern das Schreiben von Nachrichten aber auch mit dem Rhythmus unserer Hirnwellen gekoppelt ist, zeigte nun ein Forscherteam um Dr. William Tatum, Professor für Neurologie an der Mayo Clinic in Jacksonville, Florida.

Anhand eines Elektroenzephalogramms (EEG) und verschiedenen Videoaufnahmen, beobachteten die Forscher die Gehirnströme von 129 Probenden über einen Zeitraum von 16 Monaten. Während der Studie baten die Forscher die Teilnehmer auch, verschiedene Aktivitäten mit ihrem Handy durchzuführen – zum Beispiel Nachrichten zu schreiben oder zu telefonieren. Kombiniert wurde die Studie mit zusätzlichen Aufmerksamkeitstests.

Kleine Bildschirme fordern mehr Konzentration

Das Ergebnis der Studie zeigte, dass ausschließlich das Schreiben von Nachrichten bei jedem fünften Probanden zu einem veränderten, neuartigen Rhythmus der Gehrinwellen führte. Der Rhythmus beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Nutzung von Smartphones, sondern wurde auch bei anderen Mobilgeräten wie Tablets festgestellt.

Die Wissenschaftler erklären die veränderten Hirnstrom-Aktivität daher mit einem gestiegenen Anspruch an die Konzentrationsfähigkeit, welche mit der Nutzung verkleinerter Bildschirme einhergeht. Einen weiterer Erklärungsansatz wird in der Paarung mentaler und motorischer bzw. auditiv-verbaler Aktivität gesehen. Diese unterscheidet sich zu bisherigen Formen geistiger Stimulation.

Die Ergebnisse der Studien könnten besondere Relevanz für die Schnittstellen zwischen Gehirn und Computer, aber auch – und das vielleicht noch viel wichtiger – für das Autofahren und parallele Tippen haben. Tatum sagt: „Jetzt gibt es einen biologischen Grund, warum Menschen nicht gleichzeitig schreiben und fahren sollten – das Nachrichtenschreiben kann die Gehirnströme verändern.“

Mehr zum einmaligen „Nachrichten-Rhythmus“ des Gehirns finden Sie hier.

27 Wertungen (3.96 ø)
Medizin, Neurologie, Psychiatrie

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2 Kommentare:

Gast
Gast

Dass eine Veränderung des visuellen Inputs eine biologische Veränderung in der Hirnaktivität verursacht, steht seit spätestens Ende des 19. Jahrhunderts fest und ist daher kein annäherungsweise spektakulärer Befund.
Ob mit unseren derzeitigen Methoden messbar oder nicht messbar sagt nicht eindeutig etwas über die Relevanz und Stärke des Effektes aus.

Von daher: Schön, dass eine biologische Grundlage gefunden wurde, aber verbessert dieser Befund etwas an den zahlreichen Belegen aus der Aufmerksamkeitsforschung, die schon detailliert untersucht hat, welche Arten von Informationen als Input einen Einfluss auf die Fahrleistung haben?

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Nic. Kelling, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin
Nic. Kelling, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin

Ob das Lesen von Kleingedrucktem in Vertägen die Gehirnströme ebenso verändert? ;) Wäre vielleicht auch mal ein Anlass für eine Studie… und übrigens:ie Augen schliessen beim Autofahren verändert auch die Gehirnströme, aber das dürfte wohl das geringste Problem daran sein.
Fazit: Was will uns diese Studie eigentlich sagen???

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