Sprachen lernen: Neue Muckis fürs Gehirn

5. Juli 2016
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Beim Erlernen einer Sprache werden neue linguistische Informationen in Hirnregionen integriert, die auch für die Muttersprache genutzt werden. Unbekannte sprachliche Muster steigern dabei die Gehirnaktivität, bekannte senken diese. Eine Kunstsprache konnte dies nun demonstrieren.

Das Erlernen einer neuen Sprache ist eine schwierige Aufgabe. Man muss sich neue Wörter merken, man muss lernen, wie man die Wörter grammatikalisch richtig zusammensetzt und das neue Wissen mit bestehenden Sprachkenntnissen verknüpfen. In einer Untersuchung, die aktuell im Journal of Neuroscience publiziert wurde, beobachteten Forscher des Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik in Nijmegen und des niederländischen Donders Institute diese Fähigkeiten mittels bildgebender Untersuchungen am Gehirn.

Die Probanden, holländische Muttersprachler, lernten dafür eine künstliche Miniatursprache namens Alienese. Dabei fiel den Forschern auf, dass es offensichtlich wichtig für das Gehirn ist, ob die grammatikalischen Eigenschaften der neuen Sprache (in diesem Fall die Wortstellung) den grammatikalischen Eigenschaften der Muttersprache ähneln. Gleichen sich diese, greift das Gehirn beim Erlernen der neuen Sprache auf die gewohnte Grammatik zurück.

Unterscheiden sich die Wortstellung der neuen Sprache und die der Muttersprache, muss das Gehirn ein neues grammatikalisches Repertoire erstellen. Erstmals haben Forscher gezeigt, dass es dem Gehirn hilft, wenn es Eigenschaften der Muttersprache beim Erlernen einer neuen Sprache wiederverwenden kann.

Unterschied im Satzbau wirkt sich auf Hirntätigkeit aus

Alienese besteht aus einer Reihe von Wörtern wie josa „Frau“, komi „Mann“ und oku „fotografieren“. Diese Wörter wurden in einer bestimmten Reihenfolge kombiniert, die mit der Wortstellung im Holländischen entweder übereinstimmte oder nicht. So bedeuten beispielsweise die Sätze „Komi oku josa“ („Mann fotografiert Frau“) und „Josa komi oku“ („Frau Mann fotografiert“) beide „Der Mann fotografiert die Frau“.

Der erste Satz entspricht der Wortstellung im Holländischen, der zweite jedoch nicht. Die Probanden lasen Sätze mit diesen vertrauten und ungewohnten Wortstellungen, wobei ihnen Bilder gezeigt wurden, die die Bedeutung darstellten. Wurden die unbekannten Wortstellungen wiederholt („Josa komi oku“), so erhöhte sich die Hirntätigkeit in den Regionen des Gehirns, von denen man weiß, dass sie auch für die Muttersprache genutzt werden.

„Die stärkere Aktivierung könnte einen speziellen Mechanismus im Gehirn widerspiegeln“, interpretiert Kirsten Weber, die Erstautorin der Studie. „Damit wird vermutlich ein neuronales Netzwerk aufgebaut, das Regelmäßigkeiten bei neuen Wortstellungen erkennt und verarbeitet.“

Bekannte Strukturen senken Aktivität des Gehirns

Wurde dagegen die bekannte Wortstellung („Komi oku josa“) wiederholt, so verringerte sich die Hirntätigkeit in den auf Sprache spezialisierten Hirnregionen. „Die reduzierte Aktivierung bestätigt unsere These, dass sich eine bekannte Struktur in einer neuen Sprache schnell wie eine Struktur in der Muttersprache verhält“, sagt Weber.

„Eine bekannte Struktur wiederholt zu verarbeiten, beansprucht das Gehirn deutlich weniger.“ Es zeigte sich, dass Alienese dabei war von den Teilnehmern in die vorhandenen Sprach-Netzwerke im Gehirn eingebaut zu werden. Das lässt darauf schließen, dass Menschen für die grammatikalischen Strukturen einer neuen Sprache offenbar die gleichen Hirnregionen nutzen wie für die der Muttersprache.

Originalpublikation:

fMRI syntactic and lexical repetition effects reveal the initial stages of learning a new language
Kirsten Weber et. al; The Journal of Neuroscience, doi: 10.1523/JNEUROSCI.3180-15.2016; 2016

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Forschung, Medizin, Neurologie

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