HIV: Pillenfrei am Wochenende

5. Juli 2016
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Für Apotheker ist das oberste Gebot, Patienten so zu beraten, dass sie ihre Medikamente regelmäßig gemäß Vorschrift einnehmen. Dass es Ausnahmen von dieser goldenen Regel gibt, zeigt eine Studie mit HIV-infizierten Jugendlichen.

Nehmen Patienten ihre Medikation nicht gemäß apothekerlicher Anweisung ein, verschlimmern sich möglicherweise bestehende Grunderkrankungen. Gleichzeitig entstehen volkswirtschaftliche Verluste in ungeahnter Höhe. Als Summe gibt Booz & Company pro Jahr 38 bis 35 Milliarden Euro für Deutschland, 28 bis 50 Milliarden Euro für Großbritannien und 9 bis 13 Milliarden Euro für die Niederlande an. Generell gilt die Regel: Je länger Präparate einzunehmen sind, je größer die Zahl an Präparaten ist, je geringer der Leidensdruck ist und je mehr Nebenwirkungen auftreten, desto stärker sinkt die Adhärenz. Besonders schlecht schneiden Virustatika zur HIV-Langzeitbehandlung ab.

Adherence

Therapie-Abbrecherraten für diverse Krankheitsbilder. Quelle: Booz & Company

Freizeit ohne Pharmaka

Jetzt hat Anna Turkova aus London untersucht, ob eine „Pillenpause“ bei HIV-infizierten Kindern und Jugendlichen möglich ist. Junge Patienten leiden besonders an der kontinuierlichen Einnahme. Bei Freizeitaktivitäten sinkt ihre Therapietreue stark. Für die BREATHER-Studie (BREaks in Adolescent and child THerapy using Efavirenz and two nRtis) rekrutierte Turkova zusammen mit Kollegen 199 Kinder aus elf Ländern. Ihre Teilnehmer waren bei Studienbeginn zwischen acht und 24 Jahre alt. Viele nahmen seit geraumer Zeit antiretrovirale Medikamente ein. Voraussetzung war, dass Efavirenz in Kombination mit zwei nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren HI-Viren erfolgreich supprimierte. Alle Teilnehmer wurden randomisiert zwei Gruppen zugewiesen. Sie nahmen sie ihre Medikation weiterhin kontinuierlich ein oder wurden auf ein „5+2-Schema“ umgestellt: fünf Tage Medikation, zwei Tage keine Tabletten.

Endpunkte erreicht

Große Unterschiede fand Anna Turkova hinsichtlich des Ansprechens nicht. In der Gruppe mit kontinuierlicher Pharmakotherapie kamen sieben von 100 Patienten auf mehr als 50 Kopien/ml, in der Gruppe mit Pillenpause waren es sechs von 99 Patienten – kein signifikanter Unterschied. Die nächste gute Nachricht: Unter der „5+2-Therapie kam es lediglich zu zwei unerwünschten Ereignissen durch Medikamente, während es in der Dauertherapie-Gruppe 14 waren.

Rashida A. Ferrand, ebenfalls aus London, spricht im Editorial von einer „Verschnaufpause“ für junge Menschen. Dennoch erwähnt sie zwei wesentliche Limitierungen. Die Zyklustherapie sollte nur bei Patienten eingesetzt werden, bei denen Arzneimittel längerfristig die Viruslast erfolgreich verringert haben. Auch ist die Studiendauer mit 48 Wochen eher knapp bemessen. BREATHER wurde deshalb um zwei Jahre verlängert.

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Forschung, Pharmazie

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