Honorarmodelle: Einmal all inclusive, bitte

1. Juli 2016
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Standesvertreter sehen in neuen pharmazeutischen Dienstleistungen die Zukunft öffentlicher Apotheken. Doch jetzt machen Aufsichtsbehörden gesetzlicher Krankenkassen Einwände geltend. Der BVpta gibt sich damit nicht zufrieden.

Bereits im September 2014 verabschiedeten Delegierte beim Deutsche Apothekertag in München das Perspektivpapier „Apotheke 2030“. Als eine der zentralen Aufgaben sehen sie das systematische Medikationsmanagement. Fragen zur Vergütung bleiben bislang offen – mit den aktuellen Honoraren wird es nicht getan sein.

Der Amtsschimmel wiehert

Das Bundesversicherungsamt sieht weitere Honorare mit Verweis auf Paragraph 30 des IV. Sozialgesetzbuchs (SGB IV) kritisch: „Die Versicherungsträger dürfen nur Geschäfte zur Erfüllung ihrer gesetzlich vorgeschriebenen oder zugelassenen Aufgaben führen und ihre Mittel nur für diese Aufgaben sowie die Verwaltungskosten verwenden.“ Damit nicht genug: Pharmazeuten dürfen in Einzelverträgen zwischen Kassen und Leistungserbringern nicht als direkte Vertragspartner in Erscheinung treten. Zugelassen sind nur zeitlich begrenzte Verträge oder Konstrukte, in denen die Apotheken lediglich am Rande auftauchen. Einzelprojekte sind jetzt in die Schusslinie geraten.

Diabetes-Coaching in Schieflage

Mitte 2014 hatten die Techniker Krankenkasse und der Deutscher Apothekerverband vereinbart, Patienten mit Typ 2-Diabetes besondere Leistungen anzubieten. Kollegen der Stammapotheke bewerten im ersten Gespräch Probleme der Gesamtmedikation und besprechen gegebenenfalls erforderliche Maßnahmen. Im zweiten Gespräch vertiefen sie die Inhalte mit Patienten, um möglichst nachhaltige Effekte zu erzielen. Dafür erhalten sie 30 plus 20 Euro. Das Konstrukt beinhaltet aus Sicht des Bundesversicherungsamts zwei Schwachstellen. Einerseits hatten TK-Verantwortliche keine Ausschreibung durchgeführt. Andererseits würden Leistungen vergütet, zu denen Apotheker gesetzlich verpflichtet seien.

Politischer Wille trifft Gesetzeslage

Sabine Pfeiffer

Sabine Pfeiffer. Foto: BVpta

„Die jüngst bekannt gewordenen Bedenken des Bundesversicherungsamtes gegenüber Verträgen zwischen Krankenkassen und Apotheken zu pharmazeutischen Dienstleistungen erfordern akut die Schaffung neuer rechtlicher Grundlagen“, sagt Sabine Pfeiffer, Bundesvorsitzende des BVpta. „Hier besteht ein offenkundiger Widerspruch zwischen dem politischen Willen und der geltenden Gesetzeslage“, so Pfeiffer weiter. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte im Rahmen seines E-Health-Gesetzes ab Oktober 2016 Medikationspläne vorgesehen. „Apotheker sind von Anfang an einbezogen und bei Änderungen der Medikation auf Wunsch des Versicherten zur Aktualisierung verpflichtet“, stellt das Bundesgesundheitsministerium klar. Ein Honorar werden sie – im Unterschied zu Ärzten – jedoch nicht erhalten.

Umso wichtiger sind Vereinbarungen zwischen GKVen und Verbänden der Apothekerschaft. „Müssten bereits bestehende Verträge aufgrund formaler Probleme aufgehoben werden, könnte sich das erheblich negativ auf die Aufbruchsstimmung auswirken, die derzeit auch bei den gesetzlichen Krankenkassen zu erkennen ist“, so Pfeiffer. Als Leidtragende sieht sie neben pharmazeutischem Personal vor allem Patienten.

7 Wertungen (4 ø)

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6 Kommentare:

Student der Pharmazie

Ich bin nicht #5, hier aber die Daten, wie es die üblichen Tätigkeitsorte betrifft:

Krankenpfleger Entgeltgruppe TV-öD-Kr:
2393 – 3220 € je nach Berufserfahrung

PTA:
1892 – 2467 € je nach Berufserfahrung (ADEXA Rahmentarif)

#6 |
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Gast
Gast

Ich lade Sie in meine Apotheke ein.
Mal schauen, was Sie dann sagen…

#5 |
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Gast
Gast

Kann ich als Krankenpfleger sehr wohl. Der Verdienst ist gleich. Und zwar in ähnlichem Rahmen wie andere dreijährig qualifizierte Ausbildungsberufe im Gesundheitswesen auch.

#4 |
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Gast
Gast

@2: Sie können nicht aus dem Gesundheitswesen kommen, sonst würden Sie derartige Lächerlichkeiten nicht preisgeben.
Die gesamte Branche ist komplett unterbezahlt, besonders stark trifft es aber die PTAs und PKAs, eben die Handlanger der Apotheker.
Die Apotheker können sich zumindest eine halbwegs große Wohnung leisten, bei den PTAs wird das schon schwieriger.
Ich als PTA liege nur knapp über dem Mindestlohn.
Das IST ein Hungerlohn.
Dazu noch pöbelnde Kunden und Menschen wie Sie, das versüßt einem echt die tägliche Knechtschaft :)

#3 |
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Gast
Gast

Das Gehalt stimmt mit dem gleich qualifizierter Kräfte im Gesundheitswesen überein. Und das (kostenlose) Studium steht in Deutschland jedem offen, der “mehr” aus sich machen muss.
Das man im Gesundheitswesen weniger verdient als in manch anderer Branche ist zwar richtig, aber ein Hungerlohn ist auch was anderes.

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Gast
Gast

Die Arbeit wird wie immer an den PTAs hängen bleiben…
Zu einem lächerlichen Hungerlohn…

#1 |
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