Was tötet den Selbstmord?

20. Juli 2016
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Immer häufiger nehmen sich Menschen weltweit das Leben. Wissenschaftler haben untersucht, welche präventiven Maßnahmen wirken. Sie empfehlen, Risikofaktoren zu identifizieren, gezielt zu informieren und Möglichkeiten der Selbsttötung einzuschränken.

Laut World Suicide Report der Weltgesundheitsorganisation WHO nehmen sich insgesamt 800.000 Menschen pro Jahr ihr Leben, sprich 11,4 Suizide pro 100.000 Personen. Eine aktuell veröffentlichte Studie des Nationalen Zentrums für Gesundheitsstatistik (NCHS) in den USA zeigt, dass die Zahl der Suizide von 1999 bis 2014 um fast 24 Prozent angestiegen ist.

Die Suizide können sogar geographisch zugeordnet werden und so existiert in den Vereinigten Staaten seit wenigen Jahren der Begriff „Suicide belt”. Damit ist der Westen der USA mit den Bundestaaten Arizona, Colorado, Idaho, Montana, Nevada, New Mexico, Oregon, Utah und Wyoming gemeint. Hier ist die Suizid-Rate besonders hoch im Vergleich zum nationalen Durchschnitt. Welche Möglichkeiten haben Ärzte, aber auch Behörden und Regierungen, um Selbsttötungen zu vermeiden?

Todesfälle durch Selbstverletzungen

Todesfälle durch Selbstverletzungen, jeweils pro 100.000 Einwohner © Wikipedia

1. Risikofaktoren erkennen

Health Professionals versuchen an erster Stelle, gefährdete Personen zu identifizieren. Biomarker auf epigenetischer Basis gelten bei Forschern als zukunftsträchtige Möglichkeit. Bis zur Praxis ist der Weg aber noch weit. Damit bleiben Klassiker wie das schon vor Jahrzehnten vom Psychiater Erwin Ringel beschriebene präsuizidale Syndrom aus Einengung, Aggressionsumkehr und Suizidphantasien. Mittlerweile kommen Daten aus epidemiologischen Untersuchungen hinzu.

Etwa 70 Prozent aller Suizidopfer sind Männer, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS). Das Risiko steigt generell mit dem Lebensalter. Durch Selbsttötung Verstorbene sind im Schnitt 57 Jahre alt. Menschen mit gleichgeschlechtlicher sexueller Orientierung und junge Frauen mit Migrationshintergrund sind auch gefährdet. Traumatische Ereignisse wie der Verlust wichtiger Bezugspersonen oder schwerwiegende ärztliche Diagnosen gelten als kritisch.

Carolin Donath von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg kam bei Jugendlichen zu einer in Teilen abweichenden Einschätzung. Ihre Studie mit 44.000 Jugendlichen zeigt, dass je nach Patientengruppe große Unterschiede auftreten. Bei Jugendlichen sind nicht etwa Jungen besonders gefährdet, sondern die Forscherin bewertet ein weibliches Geschlecht als Risikofaktor. Aber auch ärztlich gestellte ADHS-Diagnosen, Nikotinkonsum, Rauschtrinken in den letzten vier Wochen, Schulverweigerung, Trennungserlebnisse in der Kindheit, einen Migrationshintergrund sowie einen vernachlässigenden Erziehungsstil sind mögliche Risikofaktoren.

Mediziner sollten bei bestimmten Grunderkrankungen ebenfalls hellhörig werden. Donald A. Redelmeier, Toronto, berichtet auf Basis einer Kohortenstudie, dass Gehirnerschütterungen das Suizidrisiko bei Erwachsenen langfristig erhöhen. Auch bei Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom (CFS) kam es häufiger zu Selbsttötungen, schreibt Emmert Roberts, London.

2. Mögliche Therapien einsetzen

Finden Kollegen diese Grunderkrankungen, steht eine ursächliche Therapie an erster Stelle. Ansonsten greifen sie zu Clozapin und zu Lithium. Valproat könnte Gil Zalsman zufolge bei bipolarer Störung wertvoll sein. Depressionen sollten leitliniengerecht therapiert werden. Fluoxetin, Zalsmans erste Empfehlung, habe mehreren Studien zufolge das Suizidrisiko bei Patienten über 75 Jahren verringert. Und bei Jugendlichen sowie bei Erwachsenen würden Selbstmordgedanken reduziert, schreibt der Forscher.

Ob SSRI zu mehr Selbstmordgedanken oder Suiziden führen, ist wissenschaftlich umstritten. Ältere Studien stellen einen Zusammenhang her, während neuere – teils industriefinanzierte – Arbeiten Entwarnung geben. Carol Coupland, Professorin für medizinische Statistik an der University of Nottingham, sieht keinen Unterschied zwischen SSRI und Trizyklika. Sie rät Ärzten, ihre Patienten während der ersten 28 Tage ihrer Pharmakotherapie besonders gründlich zu überwachen. Die FDA hält an ihrem Warnhinweis („Black Box Warning“) jedenfalls fest: „Antidepressants increased the risk compared to placebo of suicidal thinking and behavior (suicidality) in children, adolescents, and young adults in short-term studies of major depressive disorder (MDD) and other psychiatric disorders.“ Früher oder später könnten auch hier Biomarker zum Einsatz kommen.

Bleibt als Fazit, dass es keine Wunderpille gegen Suizid gibt. Eine Schlagwortsuche bei AWMF online zeigt, wie komplex die Materie ist. Hier greifen unter anderem die Leitlinien Suizidalität im Kindes- und Jugendalter, Depressive Störungen bei Kindern und Jugendlichen, Bipolare Störungen, Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, die Leitlinie Essstörungen, Diagnostik und Therapie und viele weitere.

3. Informieren ohne Sensationsgier

Schulische Aufklärungsprogramme hätten die Häufigkeit von Suizidversuchen und Suizidgedanken zwar halbiert, so Zalsman weiter. Er fand jedoch keinen Hinweis, dass gemeinschafts- oder familienbasierende Interventionen Selbsttötungen verhindern. Als unterstützende Maßnahmen hätten sie trotzdem ihre Berechtigung.

In Deutschland zeigten Forscher mit ihrem „Nürnberger Bündnis gegen Depression“ als Pilotprojekt, dass präventive Maßnahmen fruchten. Sie schulten Hausärzte, entwickelten professionelle PR-Materialien und informierten Multiplikatoren, beispielsweise Pflegekräfte oder Lehrer. Nach zwei Jahren ging die Gesamtzahl aller Suizide plus Suizidversuche im Vergleich zu einer Kontrollregion signifikant um 24 Prozent zurück.

Medien können auch das Gegenteil bewirken, Experten sprechen vom Werther-Effekt. „In den Tagen nach dem Suizid von Robert Enke hat es einen deutlichen Anstieg von Suiziden nach dem gleichen Muster gegeben, nach Datenlage sogar auch noch einmal nach der Gedenkfeier”, berichtet die DGS. Sie hat deshalb eigene Empfehlungen für Journalisten veröffentlicht. Auch der Presserat fordert Zurückhaltung bei der Berichterstattung – nicht ohne Grund. In den USA hatten FDA-Warnungen vor Antidepressiva dazu geführt, dass es mehr Suizidversuche mit den Wirkstoffen gab.

4. Möglichkeiten einschränken

Bleibt noch, Möglichkeiten des Suizids zu reglementieren. Als besonders erfolgversprechend bewerten Wissenschaftler staatliche Einschränkungen bei Schusswaffen. Befanden sich Pistolen oder Gewehre im Haushalt, erhöhte sich die Suizidrate um das 3,2-fache. Ob strengere Gesetze in einzelnen US-Bundesstaaten speziell gegen Selbsttötungen hilfreich sind, konnte Zalsman nicht belegen. Klarer war der Zusammenhang bei Brücken. Hinweisschilder, Telefone, Zäune und Gitter zeigten Wirkung. An berüchtigten „Hot Spots“ verringerte sich die Zahl an Selbsttötungen um 86 Prozent.

Golden Gate Bridge

An der Golden Gate Bridge in San Francisco versuchen Behörden mit Hinweisen, Menschen vom Selbstmord abzuhalten © Wikipedia

Arzneimittelrechtliche Änderungen leisten ebenfalls einen Beitrag zur Suizidprävention, wie ältere Daten aus Großbritannien zeigen. Stein des Anstoßes war Co-proxamol, ein Kombinationspräparat mit Paracetamol plus Dextropropoxyphen, das hier zu Lande nicht erhältlich ist. Dextropropoxyphen, ein Opioid, dämpft die Atmung, kann aber auch zu Herzrhythmusstörungen führen. Neben unfreiwilligen Medikationsfehlern mit Todesfolge führten britische Forscher ein Fünftel aller Suizide durch Pharmaka auf Co-proxamol zurück. Deshalb beschloss die Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency (MHRA), bestehenden Zulassungen bis Ende 2007 auslaufen zu lassen. Ärzte konnten das Präparat nur noch mit einer Sondergenehmigung verordnen – und Suizide durch Co-proxamol sanken schlagartig um 62 Prozent. Langfristig ist von 43 Prozent die Rede. Bei Paracetamol verringerte sich in Großbritannien durch kleinere Packungsgrößen die Zahl beabsichtigter oder unbeabsichtigter Vergiftungen. Um Selbstmorde zu vermeiden, sind gemeinsame Aktionen von Ärzten und Regierungen besonders vielversprechend.

101 Wertungen (4 ø)
Forschung, Medizin

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21 Kommentare:

Andreas Ekkert
Andreas Ekkert

Aus welche Quelle sind zahlen für ehemalige UdSSR?

#21 |
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Gast
Gast

Ich bin nun sehr ehrlich und schildere meine Ansicht.
Ich weiß das sie anders ist und ich stehe dazu.
Zunächst, Herr Kollege Schrettenbrunner: Der christliche, zornige “Gott”bestraft seine Kinder, seine Anhänger leben in Angst und Demut.

Die Wahrheit ist aber, dass die Götter, ewig und wissend, liebevoll und lichtvoll ist.
Der göttliche Wille ist im Menschen, dazu gehört auch die Bestimmung über das eigene Ende.
Eine Strafe aufgrund einer Selbsttötung, das Geschenk des Lebens freiwillig zurückzugeben, existiert nicht.
Wer sich freiwillig entscheidet, sein Leben zu beenden, weil er oder sie keinen Sinn oder keine Lebensfreude mehr sieht oder empfindet, kehrt zurück ins Licht.

Wie viele haben sich nicht getraut, den letzten Schritt zu gehen, weil sie Angst vor einer Strafe nach ihrem Ableben haben?
Wie viele mussten sich jahrelang schwerstkrank quälen, weil sie Angst hatten, “Gott”, würde sie strafen?
Der Suizid ist eine Selbsterklärung, dass man nicht mehr bereit ist, die Last des Lebens zu “er”tragen.
Wenn der Druck und die Last des Lebens zu groß wird, wenn die Kraft zuneige geht, wenn niemand da ist, der einen stützt und trägt?
Niemand, der nicht in so einer Situation gewesen ist, kann das nachvollziehen.
Medikamente mögen mit einer Therapie helfen, aber wie oft werden sie verordnet, ohne die Möglichkeit eine ZEITNAHE (!!) Therapie zu beginnen?
Den Suizid aus religiösen Gründen zu verteufeln ist falsch, genauso wie es falsch ist ihn ausschließlich mit Arzneimitteln behandeln zu wollen.
Wir als Therapeuten müssen alles daran setzen, dem Patienten Hilfe und Beistand zu gewähren, wenn, ja wenn, er das möchte.
Kommt die Hilfe nicht an oder es ist zu spät, wenn die Entscheidung gefallen ist, sich das Leben zu nehmen, hat kein Mensch, kein Arzt und kein Gott, speziell nicht der christliche, das Recht auf Verweigerung.
Soll heißen: Wir, die Therapeuten, müssen mehr Möglichkeiten zur Prävention bieten, wir brauchen dringend mehr psychologisch ausgebildetes Fachpersonal vom HP psych. bis zum Psychiater.
Ich wünsche uns allen viel Kraft dafür.

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Dr. Wolfram Dorrmann
Dr. Wolfram Dorrmann

… und komischerweise steigen ja die Suizidraten, seit die SSRIs in großem Stil verschrieben werden. Vielleicht ist hier wirklich mal Ursachenforschung nötig. Das Erkenntnisinteresse der forschenden Firmen dürfte dafür jedoch nicht sehr hoch sein.
Es gibt aber auch noch bessere Ideen der Suizidprävention im Rahmen der primären Prävention. Diese Ansätze existieren ja schon und dürften bis etwa 2009 zur Reduktion der Zahl der Selbsttötungen beigetragen haben. So ist die Prävention suizidaler Entwicklungen in bestimmten Fällen sehr eng verbunden mit der medizinischen Versorgung, wenn es z.B. um chronisch Kranke, terminal Erkrankte und pflegebedürftige insbesondere alte Menschen geht. Der angemessene Einsatz von Möglichkeiten der Schmerztherapie und der Palliativmedizin insgesamt muss bezogen auf suizidales Verhalten als primäre Prävention angesehen werden. Angesichts der verdeckten Suizide bei den Drogentoten sollten auch der Einsatz von Drogensubstitution und die verordnete Heroinvergabe bei Suchterkrankungen durchaus weiter beforscht und diskutiert werden.

Hinzu kommen gezielte Hilfsangebote in Risikozeiten, so z.B. die ebenfalls meist telefonischen `Zeugnisnotdienste´ für Schüler oder auch der Aufbau der Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen nach der Novellierung des § 218 StGB im Jahre 1976 müssen als primäre Prävention eingestuft werden.

Mittlerweile wurde im Kompetenznetz Depression auch ein Nationales Suizidpräventionsprogramm (NaSPro) ins Leben gerufen. Es soll Rahmenbedingungen schaffen, die ein generelles suizidpräventives Klima bewirken und Forschung und praktisches Handeln stimulieren.

Menschen, die sich in aussichtslosen Situationen befinden und verzweifeln, benötigen Hilfe von außen. Das bedeutet, dass die Risikobedingungen, in denen Menschen suizidal werden verändert werden müssen. So ist die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe noch keine Erklärung für suizidales Verhalten. Psychisch Kranke oder alte Menschen bringen sich nicht unbedingt wegen der negativen Begleiterscheinungen der Erkrankung oder des Alters um. Es sind die damit verbundenen sozialen Konsequenzen wie Ausgrenzung und Isolation, die das Leben nicht mehr lebenswert erscheinen lassen. Unsere Gesellschaft hat nicht mehr die Ressourcen der Großfamilien, diesen Menschen angemessene Lebensräume bieten zu können. Wir haben diese Versorgung immer mehr institutionalisiert und dadurch trotz aller Vorzüge dieser Versorgung auch Ausgrenzung und Isolation gefördert. Ein seltener aber viel versprechender Ansatz, der diese Gefühle von Nutzlosigkeit, Wertlosigkeit und Resignation bei alten Menschen verhindert, ist die aus Frankreich importierte Idee des Seniorengartens, der Integration von Kindergarten und Seniorenheim. Hier sind die Kinder gleichsam ein Therapeutikum gegen Langeweile und Depressionen und beugen Vereinsamungstendenzen vor.

Auch die Zugehörigkeit oder das „Abrutschen“ in eine Situation, welche durch die Harz-4-Gesetze entstehen kann, ist für sich genommen kein Grund, warum ein Mensch suizidal werden muss. Wer sich dadurch aber gekränkt und wertlos fühlt oder keine Perspektive für ein Leben unter diesen erschwerten Bedingungen entwickeln kann, ist sehr gefährdet. Die Toleranz gegenüber und die Integration von Randgruppen aber auch von Einzelnen, die sich keiner Gruppe zugehörig fühlen, reduzieren nicht nur Konflikte, sondern wirken immer auch antisuizidal. Jeder hat hier Verantwortung und Möglichkeiten im persönlichen, familiären Umfeld.

Ansonsten obliegt es eher politischen Entscheidungsträgern und den staatlichen Einrichtungen, sich mit Fragen der primären Prävention zu befassen. Allerdings waren staatliche Programme zur Primärprävention bisher eher selten. Inzwischen wird das „Bündnis gegen Depression“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das „Nationale Suizidpräventionsprogramm“ vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und dem neu gebildeten Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert.

Spektakuläre Selbsttötungen, die in sogenannten Suizid-Foren verabredet worden waren und suizidale Amok laufende Schüler führten zu öffentlichen Diskussionen über die möglichen Gefahren von Computerspielen und Internet. Diese Medien sind kaum wirklich effektiv zu kontrollieren und sie werden vorwiegend von jüngeren Leuten genutzt. Aus diesem Grund muss unser Erziehungs- und Bildungssystem in pädagogischen Einrichtungen und allen Medien der Jugendkultur ganz bewusst auf ein antisuizidales Klima hinwirken. Nicht nur die obligatorische Behandlung dieser Thematik in den entsprechenden Fächern wie Religion, Ethik und Sozialkunde sondern auch die gezielte Schulung der Lehrkräfte ist nötig. Selbsttötung ist ein Tabuthema und erfordert daher ähnliche Maßnahmen, wie dies zum Beispiel auch die Einführung des Sexualkundeunterrichts nötig gemacht hat.

Von der Weltgesundheitsorganisation wurde der 10. September zum „Welt-Suizidpräventionstag“ gewählt. Dieser Tag kann auch in Schulen als Anlass gewählt werden für Projekte oder Workshops, um über Selbsttötung zu sprechen, zu diskutieren und mehr zu erfahren. In vielen Städten werden dazu Aktionen von verschiedenen zum Teil oben schon genannten Organisationen angeboten. Hier könnten auch Krankenkassen zusammen mit anderen gesellschaftlichen Gruppen, wie Betrieben oder Selbsthilfeorganisationen ihre Interessen vertreten und Möglichkeiten von präventiven Interventionen überprüfen.

#19 |
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Heilpraktikerin

Wie wäre es denn, wenn man die Umsätze der Pharmaunternehmen mit Antidepressiva ins Verhältnis zu Suiziden setzt.
Wenn Antidepressiva tatsächlich Suizide verhindern können, müssten dann die Suizidraten nicht sinken????

Man kann (wenn überhaupt) nur Suizide von denjenigen Menschen verhindern, die sich Hilfe suchen.
Wir alle haben gelernt, bei Verdacht direkt zu fragen.
Aber eben bei Verdacht.

Viele Suizide (gerade in der Pubertät) kommen aber eben aus dem Nichts.
Und genau da muss Prävention beginnen.
Aus Angst vor dem Werther-Effekt macht man genau das aber nicht.
Der Werther Effekt kommt meines Erachtens aber nur zum tragen, wenn über “geglückte” Suizide berichtet wird.
Wenn ich einem Jugendlichen aber begreiflich machen kann, dass Gedanken über Sinn und Unsinn des Lebens in diesem Alter recht normal sind und zur Entwicklung gehören, kann ich damit wohl kaum etwas falsch machen.

Auch interessant wäre doch mal ein Artikel mit der Überschrift

“Nebenwirkung Suizid”

Da reden wir dann von Arzneien gegen Akne bei Teenagern, die der Hautarzt doch ganz gern verschreibt, “harmlose” Medikamente, die den Haarwuchs des Mannes fördern oder auch das “Stäbchen” für die Frau zur Verhütung.

#18 |
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Jaroslaw Wegner
Jaroslaw Wegner

Der Titel ist sehr gut, der Artikel selbst gibt leider kaum Antworten..

Aus fast allen (99%) meiner Gespräche mit Menschen nach gescheitertem Suizidversuch ging hervor, dass diese letztendlich froh waren den Selbsttötungsversuch überlebt zu haben und dies, obwohl sie oft danach mit tlw. schlimmen Folgen des Versuchs selbst weiterleben mussten (verstümmelte oder fehlende Körperteile, zerstörte innere Organe, etc.) !

Gern wüsste ich wie man zuverlässig den Zündfunken für diese (geplante oder ungeplante) Kurzschlusshandlung vermeidet…

#17 |
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Heilpraktikerin

Ganz einfach also?!? Das Glückspillchen für den Patienten und alles klar….

Wenn es nicht gelingt dem “des Lebens Müden” eine Perspektive aufzuzeigen und ihm eine helfende Hand zu reichen, die ihm im Wirrwarr hilft, wieder einen Weg zu sehen und Freude am Leben zu finden, dann hat man das Grundproblem nicht wirklich begriffen.

#16 |
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Brunhilde Dissen
Brunhilde Dissen

Ja jeder hat das Recht zu leben oder auch selbstbestimmt zu sterben. Ich kann mir aber jederzeit überlegen, dass ich mein Leben verändern möchte. Aber den vollzogenen Tod?!
Nach über 30 Jahren als Fachkrankenschwester für Psychiatrie und der Pflege ungezählter suizidaler Patienten bin ich der Meinung, dass Jeder die Zeit haben sollte diesen unumkehrbaren Schritt – zu überdenken. Wohlwollende aber nicht wertende Gesprächspartner haben eine großen Vorteil: Der lebens-müde Mensch muss seine Gedanken in gesprochene Worte fassen, dadurch werden auch gedankliche Sackgassen deutlich.
Wenn dieser Mensch in dieser Zeit eine “Krücke” in Form eines Medikamentes benötigt – meiner Ansicht nach okay, solange denken noch möglich ist!

#15 |
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PR,HP;MZS Stefan Graf
PR,HP;MZS Stefan Graf

Es tut mir wirklich leid aber die Artikel von Herrn Heuvel sind absolut schlecht recherchiert und es macht überhaupt keinen Lust diese schlechten Artikel zu lesen. Einzig und alleine die Überschriften sind gut und dann wird man beim lesen bitterlich enttäuscht. Sorry…

#14 |
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Unser Leben ist von Gott gegeben, und wir haben kein Recht einfach so dem Leben ein Ende zu machen. Gott sollte den Zeitpunkt bestimmen wann es zu Ende geht, bis dahin, haben die Menschen viele Chancen Jesus kennen zu lernen. Weil Gott uns lieb hat, können wir nicht einfach unser Leben wegschmeissen.

#13 |
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Gast
Gast

Wer ein Recht auf Leben hat, hat auch ein Recht, zu sterben und den Zeitpunkt ggf. selbst zu bestimmen. Das Thema ist zweifellos sehr komplex. Anstelle von Selbstmord, Suizid und Selbsttötung gibt es auch das Wort FREITOD.
Mir persönlich ist der Artikel zu pharmalastig.
Die Überschrift fand ich derart unverständlich, daß ich den Artikel gelesen habe, um zu gucken, worum es geht.

#12 |
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Alexander Feidel
Alexander Feidel

Einschränkung der Möglichkeiten: hier wird so getan, als sei ein selbstbestimmtes Lebensende grundsätzlich pathologisch begründet. Da schimmert schon eine gewaltig paternalistische (in den USA wohl auch christlich-fundamentalistische) Haltung durch, wenn man die Existenz von Bilanz-Selbsttötungen ignoriert. Und: es ist ja wohl ein Statistik-Witz, daß man über sinkende Selbsttötungszahlen durch ein bestimmtes Instrument jubiliert, wenn es unzugänglich gemacht wird. Die Menschen finden dann eben andere Wege. Wurde der Effekt denn untersucht? Wüßte nicht, daß die Zahlen dadurch insgesamt zurückgingen. Allenfalls sind dann die Verzweifelten gezwungen, auf brutalere Methoden auszuweichen. Ob das menschlicher ist…

#11 |
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Liebe DocChek-Redaktion,
nicht jede Überschrift muss auf Teufel komm raus ein Kalauer oder einen Wortwitz zum Thema ergeben.
Die Überschrriften sind manchmal einfach nur dämlich bis geschmacklos und desavouieren teils lesenswerte Artikel schon mit der ersten Zeile.
Überdenken Sie doch vielleicht diese (Un-)Sitte.

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Rolf Höhl
Rolf Höhl

Er scheint mir sehr Pharma- lastig. Der medikamentöse Weg kann nur die
Krücke sein, die den Fall vorm Abkippen bewahrt. Also durchaus akzeptabel.
Aber was machen wir dann? Dauermedikation? Dann noch Medikamente gegen die MEDIKAMENTE? Wo ist die Ergänzung? Menschliche Hinwendung, Defizite aufarbeiten? Vermitteln dass Menschen nicht nur als Konsumenten und Produzenten gebraucht werden sondern einen Wert an sich verkörpern .
Das eigentliche Problem liegt doch im System der Wertevermittlung: Hast Du was bist Du was- was ist das Gegenteil?

#9 |
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@Hans Peter Moser.
Natürlich hat jeder das Recht auf selbstbestimmten Tod, keine Frage.
Die Frage ist nur ob jemand der sich selbst tötet auch alle Möglichkeiten die er noch hat auch wahrnimmt.
Ich war 1988 auch in einer subjektive ausweglosen Situation in der ich mir ernsthaft überlegt habe mich umzubringen. Dann habe ich mir überlegt das kann ich auch noch in einem Jahr.
Ich habe damals zu meinem Arzt gesagt ich mach jetzt lauter “sinnlose Sachen”
Ich habe dann wieder angefangen zu arbeiten, bin einmal in der Woche mit einem Freund weg, bin in Urlaub, gefahren, habe eine Frau kennengelernt, und nach 2 Jahren war ich wieder voll da. Seitdem ist meine Selbstwirksamkeit “unkaputtbar” auch wenn es mir in den 28 Jahren nicht immer gut ging.
Es mag was anderes sein, bei einer unheilbaren Erkrankung mit qualvollen Schmerzen, dazu nehme ich mir nicht das Recht heraus etwas zu sagen.
Die Ansicht die der Author vertritt, dass man die Probleme mit Medikamenten lösen kann teile ich nicht. Ich glaube, das ist eher der Ausnahmefall.

#8 |
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Medizinisch-Technischer Assistent

Lieber Herr Wagner,
Wie es scheint, unterliegen auch Sie dem Irrtum, daß das Verbot von Schußwaffen Suicidraten reduzieren könnte. Überall dort, wo Schußwaffen verboten wurden, sank die Zahl der Suicide in keinster Weise. Die Art des Suicids wechselte – statt Schußwaffe kam nun der Zug, der Brücken- oder Hochhaussprung und andere Möglichkeiten zum Zuge; es fanden sich immer Mittel und Wege. Letztendlich ist es egal, ob der Suicid spontan durch eine Schußwaffe oder 1 Stunde später durch den Sprung von einer hohen Brücke o. ä. stattfindet. Warum werden denn nicht die Forderungen erhoben, die Medikamente, die Suizide fördern, zu verbieten? Hat die Pharmaindustrie eine zu große Lobby?

#7 |
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Heilpraktikerin

Als Angehörige wird mir schon bei der Überschrift schlecht.

Aus agus ( Angehörige um Suizid)

“Ein Hinweis zu unserer Wortwahl:

Sie werden beim Lesen bemerken, dass wir durchgängig die Begriffe Suizid (aus dem Lateinischen) und Selbsttötung verwenden, beide sind wertneutral und beschreibend.

Im Alltag wird oft von Selbst„mord“ gesprochen. Mord ist der schwerste Straftatbestand in unserem Strafgesetzbuch und bezeichnet die Tötung eines anderen Menschen aus niedrigen Beweggründen wie Habgier, Neid, Eifersucht, Mordlust usw. – diese Bezeichnung hat nicht im Entferntesten etwas zu tun mit der Situation eines verzweifelten Menschen, der sich das Leben nimmt. Und Suizidtrauernde sind nicht Hinterbliebene eines „Mörders“.”

Mal sehen, wann ich mich überwinden kann, den Rest des Artikels zu lesen.

Kann mit der Einleitung aber eigentlich nichts Sinnvolles sein.

#6 |
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Diese unsinnige schlechte Formulierung “immer häufiger”! In vielen Staaten sind die Suizidraten gesunken, vor allem auch in Deutschland.
Im übrigen können sie den Bildlesern Ihre Überschrift vorsetzen:
1. Im medizinischen Sprachgebrauch wird von Selbsttötung geschrieben.
2. Billige Effekthascherei in der Überschrift, die das Bedürfnis, DocChecknews zu beachten, deutlich herabsetzt.

G. Ziegeler, Nervenarzt

#5 |
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Heilpraktiker

Wenn jemand absolut keinen anderen Weg mehr für sich sieht als den Suizid und die Gesellschaft auch nicht in der Lage ist, sinnvolle Alternativen aufzuzeigen, dann kann ihm das auch nicht verwehrt werden. allerdings sollte z.B. die Zugänglichkeit zu schußwaffen eingeschränkt sein, denn damit vermindert sich vor allem die Möglichkeit des Spontansuizids aus einem Impuls heraus.

#4 |
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Heilpraktiker

Lieber Herr van den Heuvel,

ein journalistisch guter Artikel – weiter so! Gute handwerkliche Arbeit.

#3 |
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Dipl.-Psych. Thomas Ehrenberg
Dipl.-Psych. Thomas Ehrenberg

Guter Artikel, der den bisherigen Forschungsstand zur Prävention gut zusammenfasst.

Aber …

Haben wir uns nicht schon seit Jahren wissenschaftlich darauf geeinigt, den Begriff “Selbstmord” nicht mehr zu benutzen? Hier “mordet” niemand sich selbst aus niederen Beweggründen. Der Suizid oder Suizidversuch sollte als Umschreibung verwandt werden.

Dipl.-Psych. Thomas Ehrenberg

#2 |
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Warum das recht auf Selbstbestimmung beschneiden? Hat
nicht jeder Mensch das recht auf seinen eigenen Tod? Dazu gehört auch, den Zeitpunkt selbst zu bestimmen!

#1 |
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