Multiresistenz: Die Anti-Antibiotika-Bewegung

12. April 2011
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In Deutschland infizieren sich jährlich 60.000 Patienten auf Intensivstationen. Auslöser sind meist superresistente Keime. Um diesen beizukommen, wird an neuen Antibiotika geforscht. Gesundheitspolitiker fordern auch strengere Hygienerichtlinien.

Das Dilemma beginnt bereits im Kindesalter. Obwohl viele Infekte der Atemwege durch Viren ausgelöst werden, verordnen Pädiater teilweise leichtfertig Antibiotika. Eine Metaanalyse mit rund 2.500 Patienten zeigte, dass lediglich in jedem 15. Fall eine Antibiose Sinn machte. Der zu häufige Einsatz entsprechender Präparate rächt sich: Durch zufällig entstandene oder übertragene Änderungen im Erbgut können einzelne Bakterien das Arzneimittel unschädlich machen. Diese Keime vermehren sich besonders gut weiter. Begünstigt wird diese Selektion resistenter Spezies auch durch eine schlechte Compliance seitens der Patienten – Symptomfreiheit heißt eben noch lange nicht, dass alle Erreger abgetötet wurden.

Ein Haushalt voller Gefahren

Auch der Einsatz spezieller Reiniger in Haus und Hof kann Bakterien widerstandsfähig machen. Schuld im Sinne der Anklage sind vor allem quartäre Stickstoffverbindungen. Genetiker fanden nun heraus, dass bestimmte Regionen im Erbgut Bakterien helfen, chemische Keulen zu überleben und gleichzeitig resistent gegen Antibiotika zu werden. Desinfektionsmittel auf Triclosan-Basis haben vergleichbare Effekte: In zu niedriger Dosis dem Wischwasser zugesetzt, selektieren Anwender damit auf lange Sicht widerstandsfähige Keime. Auch die Massentierhaltung leistet ihren Beitrag. Stichwort Geflügelmast: Ohne Antibiotika würden viele Hühner, auf engstem Raum eingepfercht, in kürzester Zeit verenden. Mittlerweile fand das Bundesinstitut für Risikobewertung bei fast 50 Prozent aller Bakterien, die aus Lebensmitteln isoliert werden konnten, Widerstandsfähigkeiten gegen eine, und bei 30 Prozent gegen zwei und mehr Antibiotika-Klassen vor.

Keime setzen sich zur Wehr

Bis dato hatten Wissenschaftler bei Bakterien vor allem genetische Mechanismen der Resistenzentwicklung nachgewiesen: Veränderungen im Erbgut, die spontan auftreten, sorgen für die rasche Inaktivierung eines Antibiotikums. Diese Eigenschaften können über mobile genetische Elemente, etwa Plasmide, auch auf biologisch weit entferne Arten übertragen werden.

US-Forscher fanden jetzt einen weiteren Prozess: In einer größeren Kolonie können einzelne, bereits resistente Vertreter den Signalstoff Indol produzieren. Dieser aktiviert Schutzmechanismen bei den Nachbarn – Pumpen werden angeschaltet, um das Pharmakon aus der Zelle zu schleusen, und der Stoffwechsel reagiert, indem er molekulare Maßnahmen gegen den oxidativen Stress einleitet. Damit werde, so die Autoren, die Kolonie als Gesamtheit robuster gegen eine antibiotische Therapie.

Speziell Makrolid-Antibiotika stören die bakteriellen Eiweiß-Fabriken, die Ribosomen. Das Andocken des Arzneimittels hemmt in den meisten Fällen die Synthese von Proteinen. Chemiker der Ludwig-Maximilians-Universität entdeckten, dass manche neu hergestellten Eiweiße es schaffen, das Antibiotikum vom Ribosom zu verdrängen – ein weiteres Modell für die bakterielle Widerstandsfähigkeit.

In der Klinik des Grauens

Über Jahre hat sich das Spektrum der Erreger verändert, wie aus Daten des Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems (KISS) hervorgeht. Mehr als 800 Kliniken sowie knapp 600 Intensivstationen sind an das Register angeschlossen. Die Zahl Methicilin-resistenter, mittlerweile multiresistenter Staphylococcus aureus-Stämme (MRSA) ist nahezu konstant geblieben. Sorgen bereiten den Kollegen neuerdings immer häufiger Fälle Vancomycin-resistenter Enterokokken (VRE) sowie Extended-Spectrum-Beta-Lactamase bildender Bakterien (ESML). Das betrifft auch Clostridium difficile, ein Bakterium, das Diarrhö auslöst.

Mitte 2010 machten „Superkeime“ negative Schlagzeilen: Britische Patienten hatten sich bei Schönheits-OPs in Indien infiziert. Auch in Deutschland wurden einzelne Fälle bekannt, berichtete das Robert Koch-Institut. Der Hintergrund: Klebsiella pneumoniae-Erreger hatten eine zusätzliche Resistenz gegen Beta-Lactam-Antibiotika erworben. Ein übertragbares Resistenzgen produziert das Enzym NDM-1, die Neu-Delhi-Metallo-Beta-Lactamase, und inaktiviert entsprechende Arzneimittel.

Den Ausbreitungswegen multiresistenter Bakterien sind niederländische Forscher auf die Spur gekommen. Sie untersuchten knapp 3000 Staphylococcus aureus-Proben von infizierten Patienten aus 450 Kliniken aller europäischen Länder. Aus der regionalen Häufung verschiedener MRSA-Genvarianten folgerten sie, dass die Verlegung von Patienten in andere Krankenhäuser einen wichtigen Weg zur Verbreitung von Infektionen darstellt.

Speerspitzen aus pharmazeutischen Rüstkammern

Reißen alle therapeutischen Stricke, sprich treten Resistenzen auf, können Kollegen oft noch auf Reserveantibiotika zurückgreifen. Zur Verfügung stehen vor allem Doripenem, Vancomycin, Daptomycin sowie Tigecyclin. Damit nimmt das pharmazeutische Waffenarsenal immer weiter ab, neue Wirkstoffe sind gefragt. Der Verband forschender Arzneimittelhersteller erwartet in den kommenden Jahren, dass bis zu sieben neue Breitband-Antibiotika zugelassen werden könnten. Ceftarolinfosamil etwa, die Vorstufe eines Cephalosporins, hat sich bei zahlreichen multiresistenten Bakterien bewährt. Entsprechende Phase III-Studien konnten die Sicherheit und Wirksamkeit des Präparats bei Erwachsenen zeigen. In den USA hat die Arzneimittelbehörde FDA den Wirkstoff bereits zur Behandlung von Pneumonien und Infektionen der Haut bzw. des Weichteilgewebes zugelassen.

Gute Nachrichten auch aus dem Hans Knöll-Institut in Jena: Das Bakterium Clostridium cellulolyticum, ein Celluloseverwerter, produziert einen interessanten Naturstoff. Closthioamid, so der Name der neuen Substanz, erwies sich als äußerst aktiv gegen multiresistente Staphylokokken.

Dänische Forscher arbeiten an Plectasin, einem Abwehrmolekül aus Pilzen. Die Substanz stört im Experiment die Ausbildung bakterieller Zellwände bei der Teilung – Bakterien sind ohne eine äußere Schutzbarriere nicht lebensfähig. Auch an einem Impfstoff gegen multiresistente Staphylococcus aureus-Stämme wird geforscht. Professor Fred Zepp von der Uni Mainz rechnet mit einer Marktreife in zwei bis drei Jahren, mehrere Phase II-Studien laufen gerade. Einen weiteren Angriffspunkt fanden Wissenschaftler der Uni Würzburg und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) Braunschweig. Sie stellten kürzlich Antikörper gegen Staphylococcus aureus her. Diese aktivierten im Labor das Immunsystem von Mäusen. Für klinische Tests bauen die Arbeitsgruppen den Antikörper jetzt auf die Erfordernisse des menschlichen Körpers um.

Der Wettlauf geht weiter

Trotz vielversprechender pharmakologischer Innovationen sind langfristige Strategien für den Klinikalltag gefragt. Eine – zugegeben aufwändige – Möglichkeit wäre, Patienten mit multiresistenten Erregern durch Screening-Maßnahmen rasch zu identifizieren, zu isolieren und dann zu sanieren. Niederländische Kollegen haben mit diesem Vorgehen gute Erfahrungen gemacht: Studien belegen, dass die Häufigkeit entsprechender Infektionen auf 20 Prozent des deutschen Levels gesenkt werden konnte. Dafür wäre in Deutschland auch eine separate Gebührenposition notwendig. Erste Wehklagen der GKVen sind bereits zu vernehmen. Indes plant die Bundesregierung, Hygieneregeln zwingend vorzuschreiben. Auch Qualitätssiegel für Kliniken mit besonders hohen Standards sind in der Diskussion. Ob Zwang allerdings zum Erfolg führt, bezweifeln viele Kollegen.

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Medizin

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27 Kommentare:

In der Naturheilkunde kämpfen wir ja schon seit jeher dafür, nicht jeden banalen (viralen) Infekt mit Antibiotika zu behandeln, aber viele Arztkollegen setzen trotzdem dauernd Antibiotika ein- und die Patienten fordern es auch ein- das kann ich immer wieder im Notdienst erleben, udn es gelingt in dieser Situation nicht immer, den Patienten zu überzeugen, es doch einmal mit pflanzlichen Mitteln und Ruhe zu versuchen, den Infekt zu überstehen…

Außerdem vermisse ich noch einen Forschungsansatz, der in einem Arte-Film vor einigen Monaten zu Antibiotika-Resistenzen erwähnt wurde: (russische?) Forscher arbeiten an Bakteriophagen zur Behandlung von bakteriellen Infekten, das ist doch einmal ein ganz neuer Ansatz, denn immer neue Antibiotika, können doch nicht der einzige Ansatz sein. Auch mit pflanzlichen Aromaölen gibt es meines Wissens interessante Ansätze, und es gibt ja z.B. auch für Infekte der oberen Luftwege und der Blase ein pflanzliches Arzneimittel mit Meerettich- und Kapuzinerkresse-Extrakten (Angocin N), das durchaus wirksam gegen Bakterien ist (ohne Resistenzentwicklung…)

#27 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Schon lange nicht mehr Klinikalltag auf einer Intensivstation erlebt. 1 Schwester auf 3 bis 4 Intensivpatienten, davon 1 bis 2 isoliert, beatmet, pro Patient zwischen 10 und 20 Spritzen- und Infusionspumpen laufen, ca. 20 weitere Medikamentengaben pro Patient pro Schicht, zwischendurch noch einen desorientierten unruhigen Patienten, der bettflüchtig ist, sich an allen Kabeln und Schläuchen zu schaffen macht, kommt noch ein Patient mit antibiotika induzierten Diarrhoen, mit einer Stuhlfrequenz von 5 bis 10 mal pro Schicht dieser möchte auch nicht zu lange auf ein sauberes Bett warten. Telefon, Angehörige, Patienten zur Diagnostik oder in OP fahren, schnelll eine Verlegung, unten in der Notaufnahme wartet der nächste Intensivpatient, kreislaufinstabil, mit Atemnot. Da sind 15 bis 30 Sekunden Einwirkzeit eines Hautdesinfektionsmittel Luxus, diese Zeit wird noch mit anderen Tätigkeiten ausgefüllt, nur um einigermassen der Arbeit hinterherzuhechten. Für mich ein eindeutiges Statement für eine bessere Personalpolitik um dann auch noch strengere Hygienevorschriften einhalten zu können. Die Händedesinfektion sollte noch in Ruhe möglich sein. Davor brauchen wir aber auch genügend Personal. Nicht nach dem Motto: “s gibt viel zu tun, leider ist keiner mehr da, also schreiben wir ales auf, was getan werden muss!” (Schreibtischtäter, und Studienauswerter)

#26 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Zu Punkt 9) Schon lange nicht mehr im Klinikalltag einer Intensivstation gearbeitet. Es sind katastrophale personelle Engpässe zu meistern, 1 Schwester für 3 bis 4 Intensivpatienten, davon noch 1 bis 2 Isolierungen, beatmet, mit im Schnitt pro Patient 10 bis 20 kontinuierlich laufenden Spritzenpumpen oder Infusionspumpen, diverse Alarme von Überwachngsmonitoring, die quittiert werden müssen, auf die reagiert werden muß. Teils desorientierte, bettflüchtige Patienten, die an jedem Kabel oder Schlauch ziehen, zwischendurch Patienten mit von Antibiotika induzierte Diarrhoen zu versorgen, Stuhlhäufigkeit pro Schicht 5 bis 10 mal keine Seltenheit. Den Patienten zur Diagnostik in Op fahren. Telefon bedienen. Nur der Arbeit hinterherhechten, schnell einen Patienten verlegen, der Platz wird dringend gebraucht für den nächsten “Intensivfall”. Intensivbetten sind knapp. Da scheint es für mir sehr sarkastisch, von schärferen Hygienestandards zu sprechen, die Händedesinfektion, eine einfache selbstverständliche Hygienemassnahme, ich wäre glücklich, könnte ich sie immer in Ruhe durchführen. Auch die Einwirkzeiten von Hautdesinfektionsmitteln,15Sekunden, manche auch 30 Sekunden müssen mit anderen Tätigkeiten ausgefüllt werden, um mit der Arbeit über die Runden zu kommen. Für mich klares Statement für eine bessere Personalbesetzung um die vielen Vorschriften, die von vielen “Schreibtischtätern” und “Studienauswertern” kommen auch umzusetzen. Nach dem Motto: es gibt viel Arbeit, wer soll sie noch tun?

#25 |
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kollinisation oder Infektion ??

Das ist die Frage !!

#24 |
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@24. glückwunsch zu Ihrem Mut, solches zu tun und heir darüber zu berichten

#23 |
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rolf müller
rolf müller

Mein erster MRSA Patient hatte eine 5 jährige Odysse durch alle großen münchner Krankenhäuser hinter sich, als er in meiner Praxis vorstellig wurde.Alle 6 Wochen hatte er Furunkel / Karbunkel am ganzen Körper
Nachdem ich ihn ohne Antibiotika nach ca. 10 Wochen erstmalig mrsa-frei bekommen habe, sprach ich mit einem ehemaligen Chefarzt einer Dermatologischen Uniklinik, in der Hofnung, mein rein pflanzlicher Therapieansatz könnte die Aufmerksamkeit der universitären Wissenschaft auf sich ziehen. Denkste! “Ich mache mich strafbar, wenn ich ihre Therapie an unseren MRSA Patienten ausprobieren würde,dieser Therapieversuch müßte u.a. bei der Ethikkommission angemeldet werden, und kostet schnell mal ca. 1 Million Euro” – war die Ausage des Kollegen.Ok, wieder was dazugelernt. Ironischerweise waren die Inhaltstoffe so ziemlich das, was ein mediterraner Feinschmecker täglich zu sich nimmt: Salbei, Rosmarin, Thymian ect… .Hier wurde mir erstmal so richtig klar, wie sehr unsere Medizin am Gängelband der übermächtigen Pharmalobby hängt, denn mit diesem Kunstgriff verhindert sie alle alternativ wirksamen Therapieansätze sich einer großen, klinischen Studie zu unterziehen.

#22 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Fortsetzung:
Nun zu den Zahlen:
Allein in deutschen Krankenhäusern werden jährlich (je nach Quelle) bis zu 900.000 Patienten (gegen ihren Willen!) mit Keimen infiziert, die diese vorher nicht hatten; bis zu 40.000 Menschen sterben Jahr für Jahr daran. Nicht nur alte und kranke Menschen, sondern auch unzählige vorher Kerngesunde, die z. B. bei oder nach einer Operation infiziert wurden. Die Ursache für die Infektionen sind in den meisten Fällen Hygiene-Fehler des Klinik-Personals. Man kann immer wieder Krankenhauspersonal in grüner oder blauer Bereichskleidung ausserhalb eines Bereiches antreffen; ein schwerer Hygiene-Fehler! Diese Kleidung wurde eingeführt, um das Verschleppen krankmachender Keime zwischen einzelnen Bereichen zu unterbinden. Am Schlimmsten aber ist das Fehlen von ganz oft notwendigen Hände-Desinfektionen. Mindestens nach dem Kontakt mit einem Patienten, der pathogene Keime trägt, sollte diese Schutzmaßnahme erfolgen. Es gibt Erhebungen, nach denen Hände in 55% der nötigen Fälle desinfiziert wurden. Mit anderen Worten: Fast jede zweite Händedesinfektion unterblieb dort. Unsere Bundeskanzlerin hat deshalb die Aktion ¿Saubere Hände¿ ins Leben gerufen. Sie selbst, liebe Leser, können unsere Kanzlerin dabei unterstützen, indem Sie ab jetzt auf solche Fehler achten. Als Patient oder als Besucher. Und dann bei Bedarf auch reklamieren. Ich wünsche Ihnen allen Mut dieser Welt dazu.
Könnte eine Hälfte dieser Infektionen verhindert werden, hätten wir, quasi als Nebenwirkung, keine finanziellen Sorgen mehr im Gesundheitswesen. Die Infektionen jetzt kosten uns jährlich mehr als 10 Milliarden Euro.
Allen Patienten eine gesundere Zukunft, wünscht ganz herzlich Wolfgang Wahl aus Sittensen.
p.s.: In den Niederlanden gibt es diese Infektionen nicht, trotz der Nähe zur BRD. Dort werden fast alle Niederländer bei der Krankenhausaufnahme auf MRSA getestet. Garantiert jeder Deutsche wird gescreent. Und bis zum Vorliegen des Ergebnissses in Quarantäne gesteckt. Bei uns wird dieser Test (in hoffentlich vielen Klniken?) bei Verdacht durchgeführt. Nur, wem sieht man an, dass er Träger schlimmer Keime ist?

#21 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

12.04.2011
Freue mich über Artikel, die sich mit der größten Geldverschwendung im Gesundheitswesen befassen, den Infektionen in unseren Krankenhäusern. Bei den Kassen und KVen scheinen nur Leute zu sitzen, die mit einer äußerst schlechten Mathe-Zensur die Schule verlassen haben. Wäre es anders, wären MRSA-Screening u.ä. schon längst vorgeschrieben, und extra honoriert. Die Probleme sind seit Jahrzehnten bekannt. Die Branche selbst ist nicht in der Lage, aus dieser Katastrophe heraus zu kommen. Für mich gibt es nur eine Möglichkeit: Druck von außen. Und der baut sich (leider nur) ganz allmählich auf. Beiträge wie dieser leisten einen wichtigen Beitrag.
Weil ich mich schon lange für eine bessere Hygiene in unseren Kliniken engagiere, habe ich vor ein paar Tagen anliegenden Leserbrief geschrieben.
zum Artikel “WHO schlägt Antibiotika-Alarm”:
Die Zahlen im genannten Artikel zeigen überhaupt nicht, was sich hier in unserem Land abspielt:
Richtig ist: Die Zunahme der (multi-) resistenten Keime ist die logische Folge unseres verantwortungslosen Umganges mit Antibiotika. Diese Medikamente wurden einmal zur Bekämpfung lebensbedrohlicher Infektionen entwickelt. Und was ist daraus geworden? Antibiotika werden inzwischen auch bei völlig harmlosen Infekten genommen. Auf Hochdeutsch: Bei jedem Mist! Sogar schon vorbeugend werden sie gegeben. Dabei kann unsere körper-eigene Abwehr gar nicht mehr zum Einsatz kommen. Das ist gefährlich, weil unsere Abwehr ein ständiges Training braucht, um optimal funktionieren zu können. Ein Antibiotikum bei einer Virus-Infektion ist sogar kontra-indiziert; es killt keinen einzigen Virus, schadet aber der Abwehr. Sehr ¿erfolgreich¿ bei unser Zucht von nicht mehr zu bekämpfenden Keimen ist der Einsatz von
Fortsetzung auf nä.Seite
antibiotischen Salben: Es überleben massenhaft Bakterien, die dieses Medikament in Zukunft abkönnen. Dann kommt das nächste Antibiotikum, und das Spiel wiederholt sich. In den letzten Jahren sind damit multi-resistente Keime enstanden. Der bei uns bisher schlimmste ist der MRSA, der MultiResistente Streptococcus Aureus. Wer damit infiziert wird, hat große Chancen, nach oft jahrelangem Leiden qualvoll zu sterben. Es müssten eigentlich längst alle antibiotischen Salben verboten sein.
Fortsetzung nä. Seite!

#20 |
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wie selten mikrobiologische Untersuchungen angesetzt werden, sollte mal untersucht werden. Weder bei COPD-Patienten mit bakteriellen Rezidiven, noch bei Harnwegsinfektionen, die schon mehrmals aufgetreten sind, wurden Kulturen angesetzt, sondern immer wieder blind behandelt.Den meisten Kollegen genügt die Diagnose, ohne nach weiteren Ursachen zu suchen.
Leider!!

#19 |
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Dr. Gero Beckmann
Dr. Gero Beckmann

Als Hygieneiker + Mikrobiologe wundert mich, wie sehr alte Grundsätze der Medizin einfach geopfert werden: “Vor die Therapie haben die Götter die DIAGNOSE gestellt” (NAEGELI). Eine antibiotische Therapie ohne Versuch einer Erregeranzucht und Antibiogramm, mindestens begleitend, ist – wenn man schon von Qualitätssicherung in der Medizin überall faselt – dem Grunde nach (grob) fahrlässig! Und gerade bei viral bedingten und bakteriell superinfizierten Atemwegsinfekten bzw. Harnwegsinfekten gibt’s auch effektive pflanzliche Alternativen (ohne bisher bekannt gewordene Resistenzen der wirksamen Senfölglykoside sowie hinreichend klinisch belegt) wie z.B. eine Kombination aus Kapuzinerkresse und Meerrettich wie in Angocin.

#18 |
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Spannender Artikel, da fällt mir spontan der Satz von Claude Bernard ein “Le microbe n’est rien, le terrain c’est tout”. Sehr passend dazu auch der Eigenversuch von Max von Pettenkoffer (unbedingt nachlesen, vor allem die Haltung der orthodoxen Medizin zu diesem Versuch – hochspannend!!).
Leider hat sein großer Mut nichts daran ändern können, dass man weiterhin ausschließlich Pasteur’schen und Koch’schen Postulaten folgt und der Blick seitwärts immer noch als Ketzerei gilt.
Natürlich kann man bei einer schweren bakteriellen Infektion nicht die Hände in den Schoß legen, die Frage stellt sich aber: Muss es überhaupt soweit kommen?
Aude sapere!

#17 |
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Weitere medizinische Berufe

Schweinepest, Vogelgrippe…hier Viren, dort Bakterien. Tiere, die ohne Antibiotikagabe nicht überlebensfähig sind. Es leuchtet doch ein, dass die (resistenten) Bakterien über die Nahrung und den “Output” der Tierfabriken den Weg zu uns finden. Ich erlaube mir, hierzu das Buch “Tiere essen” von Jonathan Safran Foer zu empfehlen.

#16 |
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Dr. Hermann Grötschel
Dr. Hermann Grötschel

Hat eigentlich schon jemand mal untersucht, welche Auswirkungen Edelschimmel aus unserer Nahrung (häufig Penicillum Arten) auf die Resistezentwicklung gegen Antibiotika haben?

#15 |
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Dr. med. ERNST  H. Tremblau
Dr. med. ERNST H. Tremblau

Hallo Herr Bayerl,
ich kämpfe standespolitisch seit Jahrzehnten gegen die hohe MWSt auf Medikamente in Deutschland.-Die ebenso intelligente wie entwaffnende Antwort eines hochrangigen zuständigen Beamten lautete: “Wir brauchen das Geld”.-
In der Schule lernte ich, daß es sich da wohl um den Plural
Majestatis handelt.- Bürgernähe suchen dann auch Taschendiebe!
Sind Haustiere mehr wert als Menschen?

#14 |
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Günter Schanné
Günter Schanné

1. ein hervorragender Artikel. Danke!
2. Der Begriff Massentierhaltung ist nicht definiert;
besser ist hier von Intensivtierhaltung zu sprechen
3. Antibiotische LEistungsföderer sind in der EU seit vielen Jahren verboten!
4. Vancomycin ist in der BRD NICHT zugelassen für die Anwendung bei lebensmittelliefernden Tieren
5. LEider ist unser AMG so löchrig, dass jedes Bäuerchen seinen Tieren Penicillin u.a. Chemotherapeutika verabreichen kann, sofern er nur einen willigen Tierarzt findet, der ihn damit versorgt.
Eine Verschärfung des AMG ist gegen den DBV nicht zu machen.

#13 |
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Dr. med. Christiane Siefert-Ajtai
Dr. med. Christiane Siefert-Ajtai

Antibiotika oder andere Rückstände in unserer Nahrung haben bisher nur wenige beunruhigt, Hauptsache billiger und mehr fürs Geld! Öko Standards, nachhaltige Landwirtschaft ist nicht unbezahlbar und nur für sog.Besserverdienende, heisst es dann. Es ist aber meistens nur eine Frage wofür ich bereit bin, mein Geld auszugeben. Für Zigaretten,Autozubehör, die x.te DVD oder halt für saubere Nahrung,die weniger krank macht…

#12 |
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Dr. med. Christiane Siefert-Ajtai
Dr. med. Christiane Siefert-Ajtai

Antibiotika und wer weiß,was sonst noch alles an Rückständen in unserer Nahrung ist, hat bisher nur eine Minderheit wahrgenommen, Hauptsache billig! Wird schon nicht schaden! Oder etwa doch?!? Dass sich nur sog. Besserverdiener Nahrungsmittel mit Öko-Standard leisten können, halte ich für ein Märchen. Es ist eine Frage, für was wir unser Geld ausgeben wollen, für saubere Lebensmittel oder Markenklamotten, Zigaretten, Autoubehör,….

#11 |
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Susanne Friedrich
Susanne Friedrich

Pilze gegen Bakterien, Bakterienprodukte gegen wiederum andere Bakterien…

…bakterielle Kriegsmanöver??

#10 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Hat doch nichts mit unrealistischen Pflegeschlüsseln und Hygienevorschriften zu tun, wenn mann sich vernünftig von Patient zu Patient die Hände desinfiziert !

#9 |
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Dr. med. Jürgen Meckum
Dr. med. Jürgen Meckum

Schlampige Hygieneverhältnisse auf deutschen Intensivstationen gehen häufig einher sowohl mit unrealistischen Pflegeschlüsseln als auch ärztlicher Besetzung. Was nützen gute Hygienevorschriften, wenn häufig bauliche und zeitliche Gründe eine Einhaltung verhindern.

#8 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Das wichtigste Kriterium bei der Verbreitung der Keime wurde in diesem Artikel komplett weggelassen. Die Händehygiene !!! ESBL, MRSA usw. springen halt nicht von Bett zu Bett. Nicht nur das Pflegepersonal hat die Pflicht sich die Hände zu Desinfizieren und zu Reinigen. Nein Alle ! die im Krankenhaus am und mit dem Patienten arbeiten müssen sich bei den Hygienemaßnahmen verbessern. Der Leittragende ist der “bakteriell Besiedelte – Infizierte”, ob als Patient oder als Pflegender. Wenn der Patient in die Häuslichkeit entlassen wird steht er außerdem stark isoliert da, weil ja der Rettungssanitäter im weißen Overall Ihn nach Hause bringt und alle im Ort, die Ihn bei seiner Ankunft sehen denken die ¿Seuche¿ ist ausgebrochen! Selbstmorde bei Patienten dabei nicht ausgeschlossen. Der Richtige Umgang mit diesen Patienten und derer Angehöriger und vor allem die Aufklärung derer wird viel zu wenig betrieben und häufig vergessen. Die Mortalitätsraten bei MRSA sind nach heutigen Studien nicht deutlich gestiegen Deutschland liegt dabei noch immer im mittleren Bereich. Wir sollten uns mehr Sorgen machen wie wir mit der steigenden Anzahl dieser “Erkrankten” umgehen so dass es für alle Menschlich genug bleibt.

#7 |
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Hallo Herr Diplomchemiker van den Heuvel,
ein sehr interessanter und wichtiger Beitrag!

der Blickwinkel ist aber noch zu sehr eingeengt auf Intensivstationen, Krankenhäuser und ausgerechnet die armen Kinderärzte, wo wir doch so wenig Kinder haben.

Richtig ist, dass man mit mehr Hygiene im Krankenhaus -wie etwas simpel gefordert wird – das Problem NICHT MEHR gelöst werden kann. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass hier bereits wesentlich mehr “läuft” als in USA, wo das Resistenzproblem früher auftrat und vielschlimmer ist. Menschen müssen isoliert werden ohne dass sie krank sind, weil sie Keimträger sind! Das ist teuer!

Es ist also eher der massive Einsatz von Antibiotika.
Eigentlich müsste man eine Art Strategie entwickeln, einige davon wirklich für die Intensivstation zu beschränken (wahrscheinlich unrealistisch).
Fakt ist, dass inzwischen die Mehrzahl dieser resistenten Keime INS KRANKENHAUS HINEIN gebracht werden.
Und zuhause sind es nicht nur die Kinderärzte sondern auch die Tierärzte,
JEDER DRITTE HAUSHALT hat in Deutschland ein oder mehrere Haustiere,
das ist mehr als Kinder!!!
Und hier steigt der Verbrauch massiv, zudem kosten sie weniger als beim Menschen, weil das der Staat mit reduzierter Mehrwertsteuer unterstützt.
Es gibt inzwischen schon multiresistente Keime im Grundwasser.

Das Problem ist nicht ganz gering,
Krankenhäuser sind inzwischen eher die Leidtragende als die Verursacher!
Gruß

#6 |
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Ein sehr guter Artikel.Es wereden vielzu häufig bei banalen Infekten Antibiotika verordnet.In vielen Fällen bestehen Patienten oder deren Angehörige auf solchen Verordnungen.

#5 |
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Student

Ich sehe leider als Rettungsdienstler täglich, wie mit MRSA oder ESBL-infizierten Patienten umgegangen wird. Teilweise zieht sich das Pflegepersonal nicht mal Handschuhe an und ich stehe dann imn meinem schicken weißen Overall da wie ein Depp. Die Keime werden so über die komplette Station verteilt. Solange das Klinikpersonal so lapsig mit der Gefahr umgeht, bringt das alles leider wenig und bei Nachfragen bekommt man nur: ist doch nur Clostridium…Traurig aber so ist es nun mal an der Uniklinik Mainz.

#4 |
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rolf müller
rolf müller

Ein beliebtes Mittel in der Massentierhaltung stellt Vancomycin dar, als “Wachstumsbeschleuniger”… Hier werden die resistenten Keime massenhaft gezüchtet, mit staatlichen Subventionen! Wie kann es sein, daß die Lobby der Fleischproduzenten die Interessen der Verbraucher nach gesunder Nahrung so in den Schatten stellt?

#3 |
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rolf müller
rolf müller

Die Multiresistenzen weiterhin durch immer raffiniertere Antibiotika auszumerzen, heißt den Teufel mit dem Belzebub austreiben zu wollen.Denn gerade der jahrzehntelangen unkritischen Verordnung von Antibiotika haben wir das Dilemma ja zu verdanken. Holland und Skandinavien sind mit einer strikten Hygieneverordnung einen richtigen Weg gegangen, wir schlampen nach wie vor in dieser Hinsicht wie eine Bananenrepublik.

#2 |
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Dr. Martin Kauer
Dr. Martin Kauer

Die Massentierhaltung wird praktisch weltweit nur noch mit säckeweisen (!) Antibiotika betrieben; auch weil diese einen anabolen Effekt als “Nebenwirkung” mitliefern!
Dass diese Keime nicht stationär auf der Geflügelfarm gefangen bkeiben, müsste eigentlich jedem klar sein. Gemessen an diesem Umstand, wirken alle Bemühungen der Humanmedizin diesbezüglich geradezu lächerlich!

Was mich ebenso wundert ist der Umstand der “Selbstbezichtigung”, dass eben einzig und alleine schlechtes Hygienemangement in den Kliniken etc. Ursache von Multiresisteneten sein soll. Die Tatsache, dass durch die in den letzten 2-3 Jahrzehnten enorm verbesserte Intensivmedizin schon rein statistisch ein höheres Keimreservoir “auf Station” kommt, bzw. bleibt wird in den entsprechenden Statistiken nur unzulänglich berücksichtigt (was selbstverständlich kein Argument für schlampige Hygiene sein darf!)

#1 |
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