Gefährliche Soccerkokken

29. Juni 2016
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Fußball ist eine Risikosportart – so sind Profikicker erhöhten Gefahren ausgesetzt. Auch der Trainer trägt ein medizinisches Risiko, bei ihm sind besonders die Stimmbänder bedroht. Und selbst die Fans leben riskant: Emotionaler Stress führt zu einer Zunahme kardialer Ereignisse.

Über adrenerg-getriggerten skrotalen Juckreiz mit anschließender olfaktorischer Kontrolle des Bundestrainers soll an dieser Stelle nicht spekuliert werden, dennoch leiden Trainer unter ihren speziellen Problemen. Eine finnische Studie hat die Prävalenz von Stimmproblemen bei Vielrednern wie Lehrern, Priestern und eben Fußballtrainern untersucht. Fellman et al. verteilten an 500 Fußballtrainer Fragebögen, in denen sie sich für Stimmprobleme interessierten.

Abgefragt wurden Beschwerden wie „häufiges Räuspern oder Husten beim Sprechen“, „Stimme wird leise und heiser“, „Stimme wird gepresst oder müde“, „Stimme bricht beim Sprechen“, „Schmerzen oder Kloß im Hals“ sowie „Schwierigkeiten gehört zu werden“. 109 Fragebögen wurden ausgefüllt zurückgeschickt.

Bei 28,4 Prozent der Befragten treten die Symptome zwei oder mehrmals pro Woche auf. Untersuchungen der Allgemeinbevölkerung ergaben eine Frequenz von Stimmproblemen von 3 bis 9 Prozent. Bei Lehrern wurden Stimmprobleme mit einer Prävalenz von 19 Prozent, bei Priestern von 20 Prozent gefunden.

Fußballtrainer schlagen Priester

Die häufigsten Symptome bei den Trainern waren mit etwa 30 Prozent Räuspern und Husten beim Sprechen, gefolgt von leiser und heiserer sowie gepresster und „müder“ Stimme. Im Vergleich zu Geistlichen gaben die Trainer doppelt so häufig an, „nicht gehört zu werden“. Gerade im Training ist dies aber für den Erfolg von Coach und Mannschaft von großer Bedeutung. Chronische Rhinitis, Stress und das Ansprechen gegen eine laute Umgebung werden als Risikofaktoren verantwortlich gemacht. 9 von 10 Trainern haben während ihrer Ausbildung keine Informationen über Stimmergonomie erhalten, hier sehen die Autoren einen Handlungsbedarf.

EM-Thriller bedroht Thailänder

Das Thailändische Gesundheitsministerium hat die Fußballfans des Landes vor dem kardialen Stress der Fußball-EM gewarnt. Die Thailänder lieben europäischen Fußball. Das Ministerium rät dazu, die Spiele nicht zu exzessiv im Fernsehen zu verfolgen, sich zwischendurch Ruhephasen zu gönnen. Auch in Deutschland warnen Mediziner. Damit das spannende Großereignis nicht zulasten der Herzgesundheit geht, bietet die Deutsche Herzstiftung kostenfrei zwei Ratgeber mit praktischen Tipps.

Emotionaler Stress belastet das Herz

Eine Arbeitsgruppe um die Kardiologin Wilbert-Lampen der Ludwig-Maximilians-Universität München untersuchte bei der letzten Fußball-WM die gesundheitlichen Risiken der Fans. Um festzustellen, ob der emotionale Stress zu einer Zunahme kardialer Ereignisse führt, wurden die Notarztprotokolle von 4379 Patienten ausgewertet. Während der sieben Spiele der deutschen Mannschaft wurden fast dreimal so viele Patienten wegen eines akuten Koronarsyndroms (ACS) in die Notaufnahme eingeliefert als an spielfreien Tagen.

Bei Patienten mit einer Erkrankung der Herzkranzgefäße war das Risiko fast viermal höher. An dem Spieltag, an dem die Engländer 1998 gegen Argentinien verloren, stieg die Zahl der Herzinfarktpatienten um 25 Prozent. Besonders bei bedeutenden Endrundenspielen kann der emotionale Stress Herzrhythmusstörungen auslösen.

Spieler sterben früher

Wenn schon die Fans auf der Couch durch die Fußball-EM leiden, wie groß muss erst die Belastung der Spieler auf dem Rasen oder der Bank sein? Dieser Frage ging das Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg nach. Sterben Profifußballer früher als „Otto Normalbürger“? Dazu wurden die Daten von 847 Nationalspielern der letzten 100 Jahre ausgewertet. Ist Sport wirklich Mord? Oliver Kuß et al. kamen zu dem Ergebnis, dass die Lebenserwartung der Nationalspieler um 1,9 Jahre unter dem erwarteten Wert der Bevölkerung lag. Je jünger der Nationalspieler sein erstes Länderspiel hatte, desto geringer war seine Lebenserwartung. Eine Begründung für diese Daten konnten die Studienautoren nicht nennen, da ihnen gesundheitliche Daten aus der Zeit nach der Fußballkarriere fehlten.

Fußball ist Verletzungsmeister

In der Studie „Sportunfälle im Vereinssport in Deutschland“ untersuchten Dr. Thomas Henke und Patrick Luig von der Fakultät für Sportwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum (RUB), sowie David Schulz von einer Versicherung ,das Verletzungsgeschehen im Vereinssport in Deutschland.

Ergebnis: Fußball ist mit großem Abstand die verletzungshäufigste Sportart aller untersuchten Disziplinen. Das Verletzungsrisiko eines Fußballers ist etwa 1.000fach höher als das eines Industriearbeiters. Besonders hoch fiel die Steigerung der Verletzungsprävalenz im Frauenfußball aus. Sie stieg von 1987 bis 2012 von 7,5 auf 15,6 Prozent.

Fußball liegt mit 46,5 Prozent der Verletzungen an der Spitze, gefolgt von Handball (14,8 %), Turnen (5,2 %), Volleyball (4,9 %), Gymnastik (2,7 %), Basketball (2,5 %), Judo (2,4 %) und Reiten (1,9 %).

Die UEFA-Verletzungsstudie für Eliteklubs untersucht unter der Leitung von Prof. Jan Ekstrand, Universität Linköping, das Verletzungsrisiko von Profikickern. In den 13 Spielzeiten seit Beginn der Studie wurden rund 10.000 Verletzungen und 1,4 Mio. Belastungsstunden aufgezeichnet. Insgesamt 37 Mannschaften aus zwölf verschiedenen Ländern waren im Laufe der Zeit in diese Studie eingebunden. Fast jeder Profi-Sportler ist mindestens einmal pro Saison verletzt.

bardo - pixelio.de

Fußballer weisen Veränderungen in der Mikrostruktur des Gehirns auf © bardo-pixelio.de

Balla Balla nach Kopfball

Macht Kopfball blöd? Ein Lederfußball kann im Flug auf bis zu 100 km/h beschleunigt werden. Es ist einleuchtend, dass dies zu Hirnschäden (concussion) führen kann. Nun ist ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) beim Fußball ja eher selten. Aber auch häufige Erschütterungen mit minderer Energie können subconcussive Schäden am Gehirn hervorrufen.

Die Neurowissenschaftlerin Prof. Inga Koerte, Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, hat untersucht, wie sich das Gehirn von jungen Fußballern im Durchschnittsalter von knapp 20 Jahren verändert. Mit Diffusionstensor-Magnetresonanztomographie (DTI) wies die Arbeitsgruppe Veränderungen in der Mikrostruktur des Gehirns nach. Keiner der Probanden hat vorher eine Gehirnerschütterung erlitten. Die mikrostrukturellen Veränderungen glichen denen bei einem SHT.

In einer nachfolgenden Studie untersuchte dieselbe Arbeitsgruppe die kortikale Dicke des Hirns von Profifußballern mit einem Durchschnittsalter von knapp 50 Jahren und verglich diese Veränderungen mit Sportlern anderer Disziplinen. Es zeigte sich, dass der Kortex von Fußballern im Alter vergleichsweise dünner wird.

In Tests ergab sich, dass die kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit vergleichsweise signifikant geringer war. Der Hirnstoffwechsel zeigt Anzeichen einer leichten chronischen Entzündung.

Kopfballverbot für Kinder

Der US-amerikanische Fußballverband hat für Spieler unter 11 Jahren ein Kopfballverbot verfügt. Bei bis zu 13-Jährigen sind Kopfbälle nur im Training erlaubt. Nach einer Studie von Comstock ist nicht nur Kopfball das Problem von Hirnschädigungen, sondern der Spieler-Spieler-Kontakt in allen Phasen des Spiels. Wie ein Spiel nach dem Motto „nur Laufen und nicht Anfassen“ funktionieren soll, hat die Arbeitsgruppe nicht erarbeitet.

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2 Kommentare:

“Oliver Kuß et al. kamen zu dem Ergebnis, dass die Lebenserwartung der Nationalspieler um 1,9 Jahre unter dem erwarteten Wert der Bevölkerung lag. Je jünger der Nationalspieler sein erstes Länderspiel hatte, desto geringer war seine Lebenserwartung.” – Könnte daran liegen, dass bereits im Jugendbereich die körperlichen Frühentwickler gesichtet und auf die Profikarriere vorbereitet werden. Biologische Frühentwickler altern aber oft auch schneller.

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Ingo
Ingo

Hallo, bei Fußballern soll die Häufigkeit von Nagelpilzerkrankungen an den Zehen größer sein, da sie häufig belastet bzw. geschädigt werden und dadurch anfälliger für Pilzerkrankungen sind.

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