Polio – Symptomlose Gefahr

13. April 2011
Teilen

In Teil 6 der Kinderkrankheiten-Serie erfahrt Ihr alles Wichtige über Poliomyelitis - eine Krankheit, die häufig symptomlos verläuft, aber schwere Folgen mit sich ziehen kann.

Poliomyelitis (auch kurz Polio oder Kinderlähmung genannt) ist eine akute und fieberauslösende Viruserkrankung, deren Erreger bevorzugt Teile des Rückenmarks befallen. Sie wird zu den Kinderkrankheiten gezählt.

Die muskelsteuernden Nervenzellen des Rückenmarks werden durch die Infektion angegriffen, daher kann Polio im ungünstigsten Fall zu einer Lähmung führen. Der Erreger der Infektion ist der sogenannte Poliovirus. Polioviren sind RNA-Viren aus der Gruppe der Picornaviridae, welche sich in die verschiedenen Untergruppen Typ I, II und III gliedern lassen und auch für Erkrankungen wie zum Beispiel Hepatitis A verantworltlich sind. Diese Erreger sind für den Menschen hochansteckend.

Ansteckung

Für Polio kommen als Ursachen vor allem fäkal-orale Ansteckungen in Frage. Dies bedeutet, dass beispielsweise die Übertragung der hochansteckenden Polioviren durch Aufnahme von Nahrungsmitteln erfolgt, welche mit infektiösen Fäzes erkrankter Menschen in Berührung gekommen sind. Eine Übertragung der Viren über eine Tröpfcheninfektion wie zum Beispiel Niesen oder Husten kommt so gut wie gar nicht vor. Nach ihrer Übertragung vermehren sich die Polioviren im Körper. Erfolgte eine Übertragung und Vermehrung der Viren, so verläuft eine Polio-Infektion in den meisten Fällen symptomlos. In ganz wenigen Fällen aber kann eine Polio verschiedene Symptome hervorrufen, welche zu Beginn für die Erkrankung untypisch, später aber kennzeichnend sind. Dieser seltene Verlauf der Polio gliedert sich in eine unspezifische erste Phase und in eine für Polio spezifische zweite Phase. Die erste und zweite Phase werden durch ein symptomfreies Intervall voneinander abgegrenzt.

Verlauf

Die erste Krankheitsphase der Polio äußert sich durch untypische Symptome wie zum Beispiel Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Durchfall, Fieber und Schluckbeschwerden. In der zweiten Krankheitsphase zeigen sich die typischen Symptome der Polio, unter anderem eine Hirnhautentzündung, Lähmungen, Rückenschmerzen, Muskelschmerzen und erhöhte Sensibilität auf äußere Reize. Entwickeln sich neben der Polio-Infektion noch zusätzlich bakterielle Infektionen in den Luftwegen, so führt dies zu Atemlähmungen des Patienten. Außerdem ist die Entstehung einer Herzmuskelentzündung möglich, welche später zu einer Herzschwäche führen kann.

Bei einer Polio-Erkrankung sind drei unterschiedlich schwere Krankheitsverläufe möglich. Der erste und leichteste Krankheitsverlauf wird auch als abortive oder gemilderte Polio bezeichnet. Bei dieser Form treten einige Tage nach der Infektion wenig kennzeichnende Symptome wie Fieber, Übelkeit, Halsschmerzen und Kopfschmerzen auf. Das zentrale Nervensystem ist noch nicht infiziert. Bei der nicht-paralytischen Polio oder auch aseptische Meningitis ist das ZNS bereits infiziert. Es treten nach mehreren Tagen zusätzlich Symptome wie Fieber, Nackensteifigkeit, Rückenschmerzen und Muskelschmerzen auf. Bei der dritten und schwersten Form, der paralytischen Polio, ist das zentrale Nervensystem auch infiziert und es können sich bereits nach mehreren Tagen nach der Infektion Symptome wie asymmetrische Lähmungen und bleibende Körperschäden bilden.

Folgen

Nicht nur bei Kindern oder Jugendlichen kann eine Polio-Infektion weitreichende Folgen haben. Auch bei Erwachsenen können schwerwiegende Spätfolgen entstehen. Eine ganz wichtige und häufig auftretende Spätfolge ist das Post-Polio-Syndrom. Darunter versteht man eine nach einer Polio-Infektion auftretende Schwäche, die mit Muskelschwund, Schmerzen und völligen Erschöpfungszuständen verbunden ist. Das Post-Polio-Syndrom kann nach jeder Verlaufsform der Polio auftreten, sogar auch, wenn während der Infektion im Kindesalter keine Krankheitszeichen aufgetreten sind. Das Post-Polio-Syndrom verläuft fortschreitend und es entsteht größtenteils aufgrund anderer Erkrankungen. Zum Beispiel kann das Post-Polio-Syndrom aufgrund eines chronischen Erschöpfungssyndroms als Begleiterscheinung auftreten.

Behandlung und Prophylaxe

Bei der Polio-Infektion zielt die Therapie immer darauf ab, die Symptome zu lindern. Eine ursächliche Behandlung ist wie bei allen anderen Kinderkrankheiten bisher nicht möglich. Es gibt keine Medikamente, mit denen sich das verantwortliche Virus direkt bekämpfen lässt. Zu den gegen Polio verfügbaren und geeigneten Behandlungsmaßnahmen gehören unter anderem Bettruhe, muskelentspannende und wechselnde Lagerung der Betroffenen bei auftretenden Lähmungen, Krankengymnastik und eventuell maschinelle Beatmung bei entstehenden Atemlähmungen bis hin zur intensivmedizinischen Betreuung.

Der Infektion wird am besten mit einer Impfung vorgebeugt. Hierbei kommt seit einigen Jahren nicht mehr die Schluckimpfung zum Einsatz, sondern es wird per Spritze den Polio-Impfstoff IPV, sogenannte inaktivierte Polio-Vakzine, injiziert.

Fazit

Wichtig bei den Kinderkrankheiten ist vor allem, dass sie nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen auftreten und hierbei sogar schlimmere Folgen haben können als bei Kindern. Daher muss man als Arzt, unabhängig vom Alter des Patienten, die Symptome genau untersuchen, um den Patienten exakt zu behandeln. Dadurch können eventuelle und schwerwiegende Folgenschäden wie zum Beispiel das Post-Polio-Syndrom verhindert werden.

Kinderkrankheiten-Reihe:

11 Wertungen (3.55 ø)
Allgemein

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: