Groß schlägt klein? Das muss nicht sein.

20. Juni 2016
Teilen

Anders als bisher angenommen, verschafft ein großes Gehirn vielen Säugetieren nicht zwingend einen Vorteil. Da Hirne mit großem Volumen auf eine intensive Energiezufuhr des Körpers angewiesen sind, werden evolutionär wichtige Dinge wie die Fortpflanzung vernachlässigt.

Das Gehirn des Menschen zählt im Vergleich zu anderen Tieren zu den größten. Auch wenn es im Verhältnis zur gesamten Körpermasse recht klein ist, verrichtet es tagtäglich Schwerstarbeit. Als organischer Computer steuert es unser Denken, unser emotionales Empfinden und viele weitere, wichtige Prozesse in unserem Körper. Forscher der Universität Reading in England wiesen nun jedoch nach, dass Säugetiere mit großen Gehirnen trotz ihrer kognitiven Überlegenheit stärker zum Aussterben neigen als Lebewesen mit kleineren Gehirnen. Aber woran liegt das genau?

Das durchschnittliche menschliche Gehirn nimmt nur 2 Prozent des gesamten Körpergewichts ein, benötigt jedoch ganze 20 Prozent der Energievorräte, um sämtliche Körperfunktionen ausreichend versorgen zu können. In ihrer Studie analysierten die Wissenschaftler 472 Säugetierarten und erhoben Daten zur Hirngröße im Verhältnis zur Körpermasse. Untersucht wurde sowohl die einfache Hausmaus als auch der ausgewachsene afrikanische Elefant.

Die Untersuchung zeigte, dass größere Gehirne die Wachstumsrate von Populationen indirekt verlangsamen können. „Wird mehr Energie in ein großes Gehirn gesteckt, bedeutet dies gleichzeitig weniger Energie für andere Dinge wie die Fortpflanzung“, sagt Co-Autorin Manuela Gonzalez Suarez. Obwohl größere Gehirne also einen „Intelligenz-Vorteil“ besitzen, wird dieser Vorteil durch evolutionäre Nachteile überschattet. „Heute sind große Gehirne eher eine Belastung für Säugetiere geworden“, so Gonzalez Suarez weiter.

Der Mensch macht eine Ausnahme

Für einige Säugetiere wie den Menschen scheint diese Theorie jedoch irrelevant zu sein. Der Mensch sei gut darin, lang zu leben und dafür zu sorgen, dass seine Kinder überleben – das schnelle Bevölkerungswachstum sei somit gesichert, erklärt Gonzalez Suarez. Ein großer Teil der Säugetier-Spezies ist auf Grund ihres großen Hirnvolumens jedoch benachteiligt und stärker gefährdet als solche, die kleinere Hirne besitzen und somit auch mehr Nachkommen gebären.

Lesen Sie weiter, wieso Säugetiere mit einem großen Hirnvolumen häufig einen evolutionären Nachteil besitzen.

20 Wertungen (4.1 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

3 Kommentare:

Flüchtiger Leser
Flüchtiger Leser

Auf die Größe kommt es nicht an.
Die brasilianische Forscherin Su­za­na Her­cu­la­no-Hou­zel meint, das es auf die Anzahl der Neuronen und nicht auf das Volumen ankommt.
https://magazin.spiegel.de/SP/2016/23/145101370/index.html
Vielleicht auch der Grund, weshalb Frauen, trotz etwas kleinerem Hirn, in der Schule besser sind?

#3 |
  1
Gast
Gast

Wasserkopp – natürlich ist das übertragbar – zur Verhütung und, wenn keiner da ist, aufblasen/-dehnen ? Schon interessant

#2 |
  2
Gast
Gast

Zeigt wiedermal, dass d Mensch etwas ganz Besonderes ist-trotz d Fähigkeit, sich durch sein Verhalten ab und zu zum Affen zu machen;-).

#1 |
  2


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: