Toxisches Schocksyndrom: Tampon-Krankheit adé

16. Juni 2016
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Staphylokokken können bei einem schwachen Immunsystem das Toxische Schocksyndrom, das insbesondere mit der Periode junger Frauen assoziiert wird, auslösen. Anhand einer ersten Testreihe wurde nun ein Impfstoff aus einem entgifteten Toxin des Bakteriums entwickelt.

Das Toxische Schocksyndrom (TSS) ist ein durch Bakterientoxine hervorgerufenes, schweres Kreislauf- und Organversagen, welches meist durch Staphylokokken ausgelöst wird. Erstmals wurde dieses Syndrom in den 1980er-Jahren beschrieben. Damals traten bei jungen Mädchen, die sogenannte „Super-Tampons“ während ihrer Periode verwendeten, allgemeine Symptome einer Blutvergiftung auf. Daher wurde die Erkrankung auch unter dem Begriff der „Tamponkrankheit“ bekannt. Dies führte später dazu, dass die Aufnahmefähigkeit der Tampons reglementiert wurde.

Schwaches Immunsystem in Gefahr

Staphylokokken besiedeln praktisch jeden Menschen, vor allem auf der Haut und an den Schleimhäuten. Für die meisten Menschen sind sie ohne jede Gefahr. „Aber bei Personen, deren Immunsystem angeschlagen ist, können sie zu schwerwiegenden Erkrankungen wie dem Toxischen Schocksyndrom führen“, erklärt Martha Eibl vom Institut für Immunologie der medizinischen Fakultät der Universität Wien.

„Das betrifft unter anderem Dialysepatienten, chronisch Kranke, Menschen mit Lebererkrankungen und Personen nach Herz-Operationen. Zu 50 Prozent wird die Erkrankung aber noch immer mit der Menstruation junger Frauen assoziiert“, sagt Bernd Jilma von der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie.

Die Forscher entwickelten nun einen Impfstoff aus einem entgifteten Toxin der Staphylokokken, welcher bei 46 jungen Frauen und Männern getestet wurde. „Der Impfstoff wird in die Oberarmmuskulatur injiziert, seine Wirkung gleicht der einer Tetanus-Impfung“, sagt Jilma.

Auf dem besten Weg zum Impfstoff

„Die Immunisierung mit solchen Impfstoffen hält typischerweise fünf Jahre und länger“, so Jilma weiter. Der Geimpfte entwickelt Antikörper, die dann aktiv werden, wenn die Keime bedrohlich werden. Mittels Bluttest lässt sich ermitteln, ob jemand über zu wenig Antikörper verfügt – Risikogruppen könnten dann präventiv geimpft werden.

„Wir sind auf einem guten Weg, bald einen Impfstoff zu haben, der vorbeugend gegen diese schwere Erkrankung wirkt. Aber bis zum klinischen Einsatz wird es noch Jahre dauern“, erklärt Eibl. In einer Phase-II-Studie, die über eine größere Probanden-Gruppe verfügt, sollen die ersten Ergebnisse nun überprüft werden.

Originalpublikation:

Safety, tolerability, and immunogenicity of a recombinant toxic shock syndrome toxin (rTSST)-1 variant vaccine: a randomised, double-blind, adjuvant-controlled, dose escalation first-in-man trial
Michael Schwameiset al.; The Lancet Infectious Diseases, doi: 10.1016/S1473-3099(16)30115-3; 2016

14 Wertungen (3.79 ø)

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4 Kommentare:

Ärztin
Ärztin

Weniger invasiv als eine Impfung wären alternative Monatshygieneprodukte wie Menstuationstassen (auch Mondbecher genannt). Tampons sind nicht das Nonplusultra und werden meiner Meinung nach sowieso bald ihren Status als “Goldstandard” der Monatshygiene verlieren.

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Heilpraktikerin Christiane Trettin
Heilpraktikerin Christiane Trettin

Wie bitte????? Auch mir fehlen da die Worte!

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Susanne Hainich
Susanne Hainich

Ich schließe mich dem 1.Kommentar an. Für wen soll dieser Impfstoff letztlich auf den Markt geworfen werden? Für alle jungen Frauen schonmal prophylaktisch? Immunität hält 5 Jahre und länger. …..Wie länger????? Ohne Worte….

#2 |
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Gast
Gast

Gibt es keine Impfstoff gegen diesen Impfwahnsinn?

#1 |
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