Kein Druck mehr im Pfortader-Kessel

16. Juni 2016
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Eine Portale Hypertonie führt meist zu Komplikationen einer Leberzirrhose, welche häufig mit einer Hepatitis C-Infektion einhergeht. Forscher zeigten, dass interferonfreie Therapien den Virus nicht nur ohne Nebenwirkungen bekämpfen, sondern auch den Pfortaderhochdruck zurückbilden.

Die Hepatitis C ist eine weitverbreitete Virusinfektion, die bis vor einigen Jahren mittels Interferonspritzen und zusätzlichen Medikamenten therapiert wurde. Besonders bei Patienten mit Portaler Hypertonie waren die Heilungsraten gering und die Nebenwirkungen enorm.

Heute behandelt man die Virusinfektion mit direkt antiviralen Substanzen, die weitgehend nebenwirkungsfrei sind und eine Erfolgsquote von 95 Prozent aufweisen. Bei den geheilten Personen ist zwar kein Hepatitis C-Virus mehr nachweisbar, allerdings war bisher nicht geklärt, wie reversibel die Zirrhose und insbesondere der Pfortaderhochdruck sind. Eine wichtige Frage, denn bedingt durch die Portale Hypertonie kann es etwa zu Blutungen aus Krampfadern in der Speiseröhre oder dem Auftreten von Bauchwassersucht kommen.

Deutliche Erleichterung für Patienten

Nun konnte eine Forschungsgruppe von der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der Medizinischen Universität Wien an Patienten, die durch Interferon-freie Therapien geheilt wurden, beobachten, dass sich bei der Mehrheit der Patienten der Pfortaderhochdruck zurückbildet, sofern die Hepatitis C bereits in einem frühen Stadium behandelt wurde. Diese Ergebnisse wurden mittels Lebervenendruckmessung und einem neuen, ultraschallähnlichen Verfahren erhoben.

Neben einer Verbesserung der Prognose bedeutet dies auch eine Erleichterung für die Patienten, da bei einem Teil nebenwirkungsreiche Medikamente zur Verhinderung von Komplikationen der Leberzirrhose abgesetzt werden können. Auch müssen sich diese Patienten weniger häufig den belastenden endoskopischen Kontrolluntersuchungen unterziehen.

Weitere Kontrollen sind ratsam

Ob es bei einzelnen Patienten zur Rückbildung der Portalen Hypertonie gekommen ist, lässt sich voraussichtlich auch durch nicht-invasive Ultraschallverfahren feststellen.

Mattias Mandorfer, Erstautor der Studie: „Generell kann man sagen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rückbildung des Pfortaderhochdrucks umso größer ist, je früher mit der Therapie begonnen wurde. Trotz der vielversprechenden Resultate raten wir aber unbedingt zu weiteren Kontrollen, da es nicht bei allen Patienten zu einer Reduktion des Pfortaderhochdrucks kommt und die Wahrscheinlichkeit, als Folge der Leberzirrhose an Leberkrebs zu erkranken, unabhängig davon gegeben ist.“

Originalpublikation:

Sustained virologic response to interferon-free therapies ameliorates HCV-induced portal hypertension
Mattias Mandorfer et al.; Journal of Hepatology, doi: 10.1016/j.jhep.2016.05.027; 2016

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