Ich mach das Ritalin-Abi!

22. Juni 2016
Teilen

Schüler und Studenten sind im Stress: Damit sie allen Anforderungen gerecht werden, greifen sie immer häufiger zu Ritalin, Modafinil und Antidementiva. Beim abendlichen Runterkommen helfen dann wiederum Schlaf- und Beruhigungsmittel.

Die zunehmende Medikamenteneinnahme bei Kindern und Jugendlichen ist besorgniserregend. Eine Untersuchung an 13- bis 16-Jährigen von Professor Gerd Glaeske stellte bereits vor einigen Jahren fest, dass Jugendliche eine Vielzahl von Medikamenten einnehmen. Anfangs erhalten sie diese häufig von ihren Eltern und beschaffen sie sich dann zunehmend auch selbst aus der Apotheke.

Mädchen greifen zu Schlaf- und Beruhigungsmitteln

Besonders Mädchen waren in dieser Studie von verstärkter Medikamenteneinnahme betroffen. So nahmen beispielsweise 19,4 Prozent der Mädchen regelmäßig Schmerzmittel, 14,2 Prozent Erkältungs- und Grippemedikamente und 17 Prozent Vitaminpräparate ein. Auch die Einnahme von Medikamenten gegen Menstruationsbeschwerden, Magenbeschwerden, sowie die Einnahme von Schlaf,- und Beruhigungsmitteln ist bei Mädchen häufig zu verzeichnen. Doch neben diesen herkömmlichen Medikamenten greifen Jugendliche auch verstärkt zu Präparaten, die die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit steigern sollen. Länger wach bleiben, konzentrierter und schneller lernen – viele Gründe sprechen scheinbar für das Gehirndoping mit sogenannten Neuroenhancern.

Wie auch bei Erwachsenen können Krankheiten durch erhöhte Belastung ausgelöst werden. Immer mehr Stress und Leistungsdruck im Alltag der Jugendlichen könnte also ein Grund für den Medikamentenmissbrauch sein. Die Einnahme von Präparaten dient offenbar häufig dazu, einfach das tägliche Leistungspensum zu schaffen und in der Schule oder im Studium nicht zu versagen. Der Druck, gute Noten zu erhalten, einen guten, am besten noch sehr guten Schulabschluss zu schaffen, das Studium in der vorgegebenen Zeit zu absolvieren – all das sind Dinge, die Jugendliche und junge Erwachsene dazu führen, leistungsfördernde oder leistungserhaltende Präparate, wie beispielsweise Neuroenhancer oder auch Schmerzmittel, zu sich zu nehmen.

Wozu dienen Neuroenhancer?

Die teilweise legal erhältlichen und oft sehr unterschiedlichen Aufmerksamkeits-steigernden Substanzen haben alle eine Gemeinsamkeit. Sie sollen die geistige Leistungsfähigkeit steigern und so schnelleres Lernen, besseres Auffassungsvermögen, längere Wachperioden oder erhöhte Konzentrationsfähigkeit ermöglichen.

Mehrere Studien des vergangenen Jahres haben sich bereits verstärkt mit der Thematik des Neuroenhancements auseinandergesetzt. So veröffentlichte beispielsweise Kimberley J. Schelle von der Radboud Universität eine Studie zu Neuroenhancement bei niederländischen Studenten, in der sie in einer Umfrage nach der Häufigkeit des Konsums fragte. Im Vergleich zu anderen Ländern lagen die Niederlande hier mit einem Prozentsatz von 1,7 Prozent der Studenten, die starke Neuroenhancer (z. B. Methylphenidat) zu sich nahmen, deutlich unter dem Durchschnitt anderer Länder. Bei denen lag der Schnitt zum Teil über 25 Prozent. Weiterhin konnte in der Studie ein Zusammenhang zwischen Einnahme von Neuroenhancern und verstärktem Stress in der Uni festgestellt werden.

Ein Vormittag ohne Energy-Drink? – Unvorstellbar

Zu den gesellschaftlich akzeptierten Substanzen in diesem Bereich gehören Coffein und Präparate mit Inhaltsstoffen des Gingko biloba. Die in den Blättern enthaltenen Inhaltsstoffe des asiatischen Gingkobaumes bestehen hauptsächlich aus Flavonoiden und werden in der Medizin beispielsweise zur Behandlung von Demenz eingesetzt. Die Gingkoextrakte wirken neuroprotektiv, fördern die Durchblutung und verbessern Gedächtnisleistung sowie Lernvermögen. Im Bereich des Neuroenhancements spielen sie allerdings eher eine untergeordnete Rolle.

Ganz anders allerdings Coffein. Beim morgendlichen Vorlesungsbeginn in der Universität sieht man kaum noch Studenten ohne den obligatorischen Kaffeebecher oder einen entsprechenden Energy-Drink, um die folgenden Vorlesungsstunden wach und maximal konzentriert zu überstehen. In einem Interview erzählt der 22-jährige Student Elias: „Ich kann mir nicht vorstellen, eine komplette Uniwoche ohne Coffein zu überstehen. Wenn ich vormittags keinen Energy-Drink getrunken habe, fallen mir spätestens ab 15 Uhr in der Vorlesung einfach die Augen zu und ich kann nicht mehr konzentriert mitschreiben.“

Erhöhter Blutdruck und Tachykardie

Auch beim Lernen, erzählt er uns, helfen ihm die süßen Coffeinbomben. Wenn Elias abends um 18 Uhr aus der Uni kommt ist er kaum noch aufnahmefähig. „Und dann muss ich mich erst noch um alltägliche Dinge kümmern, die wegen des Unistresses tagsüber einfach auf der Strecke bleiben. Bis ich mich dann wirklich zum Lernen hinsetzen kann, ist es oft 21 Uhr oder später. Um dann noch wach zu bleiben und nicht über den Lernsachen einzuschlafen, weil man so müde ist, brauche ich einfach die Energy-Drinks. Wenn ich davon gegen 17 oder 18 Uhr noch einen trinke kann ich fast die ganze Nacht wach bleiben,“ erzählt der 22-Jährige.

Tatsächlich wirkt Coffein als ein mildes Psychostimulantium, erhöht den Blutdruck, führt zu Tachykardie und stimuliert das zentrale Nervensystem. Während in einer gewöhnlichen Tasse Kaffee mit 125 ml je nach Sorte von 40 bis 100 mg Coffein enthalten sind, besitzen die süßen Energy-Drinks eine Konzentration von 32 mg pro 100 ml. Allerdings werden diese häufig in 500 ml Dosen angeboten. Dementsprechend wird nach Genuss eines derartigen Getränkes schnell eine hohe Coffein-Konzentration erreicht, die den sensorischen Teil der Hirnrinde im zentralen Nervensystem beeinflusst und so neben des typischen Wachmacher-Effektes auch zu einer Erhöhung des Hirntonus führt, was sowohl das Konzentrationsvermögen als auch die Speicherung von Informationen positiv beeinflusst.

Am liebsten Ritalin

Neben solchen gesellschaftskonformen Neuroenhancern greifen Schüler und Studenten aber auch immer häufiger zu verschreibungspflichtigen Präparaten, die sie sich illegal beschaffen. Besonders beliebt in diesem Bereich ist das Präparat Ritalin, das eigentlich zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) eingesetzt wird. Es ist eine Amphetamin-ähnliche Substanz mit entsprechendem Wirkmechanismus und ihr Konsum ohne medizinische Indikation ist in Deutschland eigentlich illegal.

Der enthaltene Wirkstoff Methylphenidat hemmt bestimmte Transporter für die Transmitter Noradrenalin und Dopamin an den präsynaptischen Nervenendigungen. Diese Transporter sorgen für gewöhnlich für eine Wiederaufnahme der Neurotransmitter aus dem synaptischen Spalt. Da diese nun in Folge des Methylphenidats gehemmt wird, erhöht sich die Konzentration der Transmitter im synaptischen Spalt, was wiederum zu einem verstärkten Signal am Rezeptor und einer Stimulation des Sympathikus führt. Es kommt zu einer Unterdrückung von Müdigkeit, Antriebssteigerung, Steigerung der Aufmerksamkeit und einem gesteigerten Muskeltonus.

„Plötzlich bin ich viel effektiver“

„Mit Ritalin kann ich viel schneller und effektiver lernen“, berichtet Wiebke, eine Tiermedizinstudentin im 4. Semester. Sie steht gerade kurz vor den Physikumsprüfungen und hat das Präparat von einem befreundeten Arzt erhalten. „Einige andere Studenten haben mir von Ritalin erzählt und dass sie damit immer gute Noten in den Prüfungen bekommen haben. Also habe ich es auch ausprobiert und es funktioniert! Plötzlich bin ich viel konzentrierter und lasse mich nicht mehr so leicht ablenken. Ein paar Nebenwirkungen hat es natürlich auch. Ich habe dann oft Kopfschmerzen und keinen Appetit mehr, aber das ist es mir wert.“ Die 28-Jährige steht unter großem Druck ihr Studium so schnell wie möglich zu beenden, da sie vorher bereits ein anderes Studium abgebrochen hat. „Ich werde nicht jünger und irgendwann muss ich auch den Bafög-Kredit für das Studium abbezahlen. Da helfe ich lieber nach, bevor ich nachher durch das Physikum falle und noch ein Jahr länger studieren muss. Das kann ich mir nicht erlauben“, erzählt die Studentin.

Die Meinung von Wiebke teilen offenbar viele Studenten. Durch verstärkten Stress im Studium und immer mehr Stoff, der in immer kürzerer Zeit erlernt werden soll, sehen viele Studenten sich gezwungen, zu derartigem Gehirndoping zu greifen, um ihre Noten zu verbessern. Mehrere Studien aus dem Jahr 2015 zeigen eine erhöhte Bereitwilligkeit der Studenten durch Neuroenhancer, ihre geistige Leistungsfähigkeit zu erhöhen. In einer Studie zur Haltung Schweizer Studenten bezüglich Neuroenhancern des Swiss Research Institute for Public Health and Addiction gaben beispielsweise 22 Prozent der an der Studie beteiligten Studenten an, bereits Neuroenhancer genommen zu haben.

Einsatz von Modafinil und Antidementiva

Neben Methylphenidat spielt auch der Einsatz von Modafinil und Antidementiva als Neuroenhancer eine Rolle. Modafinil wird eigentlich zur Behandlung von Narkolepsie eingesetzt und ist ein extrem starker Wachmacher, während Antidementiva zur Behandlung von Demenz verwendet werden und auf einer Inhibition der Acetylcholin-Esterase beruhen. Durch die Antidementiva wird der Abbau von Acetylcholin gehemmt und somit dessen Konzentration erhöht. Eine verstärkte Gedächtnisleistung sowie Konzentrationsfähigkeit sind die Folge.

Neben ihren dargestellten Vorteilen weisen alle Neuroenhancer jedoch auch Nebenwirkungen auf, die zum Teil äußerst schwerwiegend sein können. Ein Missbrauch derartiger Präparate ohne ärztliche Indikation birgt daher ein großes Risiko. Auch der Faktor der Abhängigkeit von Präparaten wie Ritalin ist derzeit noch nicht vollständig geklärt.

„Leistungsfähigkeit hat eben ihre Grenzen“

Im Interview teilt uns ein Allgemeinmediziner seine Erfahrungen und Bedenken bezüglich der Einnahme von Neuroenhancern mit: „Ritalin und andere Präparate haben in den letzten Jahren für meine Arbeit immer mehr an Bedeutung gewonnen. Die Diagnose von ADHS und ähnlichen Störungen bei Kindern und Jugendlichen nimmt nach wie vor zu. In diesem Bereich haben derartige Wirkstoffe auch durchaus ihre Berechtigung, aber gesunden, jungen Menschen würde ich von der Einnahme solcher Präparate strikt abraten. Ihre Langzeitwirkung auf den Organismus gesunder Individuen, sowie auch diverse Nebenwirkungen, sind meiner Meinung nach immer noch nicht hinreichend belegt.“

Trotzdem hat Dr. L. schon häufig jugendliche Patienten in seiner Praxis gehabt, die ihn ganz offen um die Verschreibung eines solchen Präparates zu Zwecken des Neuroenhancements gebeten haben. „Häufig sind es Studenten“, erzählt der Mediziner, „doch vor einigen Monaten war auch ein junger Mann hier, der gerade vor seinen Abiturklausuren stand und das Lernpensum nicht mehr bewältigen konnte. Er war ganz verzweifelt und sah offenbar in einem Präparat zur geistigen Leistungssteigerung den einzigen Ausweg. Natürlich habe ich ihm kein Ritalin verschrieben. Meiner Meinung nach hat die geistige Leistungsfähigkeit jeder einzelnen Person irgendwo ihre Grenzen und wenn diese Grenze erreicht ist, sollte man das akzeptieren.“

135 Wertungen (4.04 ø)
Medizin, Neurologie

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

60 Kommentare:

Manfred Lothar Dietwald
Manfred Lothar Dietwald

Gestern war ich in der Sprechstunde beim Hausarzt und fragte scherzhaft nach einem Dopingmittel für den Rundlauf zu Gunsten für “Ärzte ohne Grenzen”. Nach anfänglichen allseitigem Auflachen wurde man nachdenklich, als ich den Dopinggebrauch nur für diesen sozialen Fall als sinnvoll erachtete.

#60 |
  0
Gast
Gast

offenbar ist die Diskussion um Neuroenhancement ein Pulverfass, aber am Ende sind diese Medikamente auf dem Markt um Betroffenen zu helfen. Ich nehme seit knapp zwei Jahren fast täglich Modafinil und komme damit sehr gut zurecht, habe keine Nebenwirkungen und kann damit meiner gewohnten Arbeit nachgehen, was dank MS Fatigue sonst nicht möglich wäre. Daher bin ich sehr dankbar etwas zu haben, was mir ein “normales” Leben ermöglicht.

#59 |
  0
Gast
Gast

Interessanter Artikel! Paar kleine Fehler sind mir aufgefallen:
– Methylphenidat ist pharmakologisch eher nicht mit Amphetamin verwandt. Die DAT/NET-Blockade und kurze Halbwertszeit teilt es sich vielmehr mit Kokain. Amphetamin und Methamphetamin wirken anders und wesentlich länger – für lange Lerntage daher zB in den USA (“Adderall”) deutlich beliebter als Methylphenidat. Interessant wäre aber schonmal zu wissen, woher die Leute diese Mittel alle herbekommen. Überraschend, das Ärzte das trotz BTM rausrücken an Bekannte.
– Der Konsum von BTM ist in Deutschland nicht strafbar, nur der unerlaubte Besitz, Erwerb, Verkauf etc.

#58 |
  0
Gast
Gast

Ich studieren wie das Mädchen aus dem.Artikel Tiermedizin. Auch ich habe zuvor eine Lehre absolviert, kann hochrechnen, dass ich erst mit über dreißig mit meinem Studium fertig sein werde.
Ich erhalte kein bafög, muss neben dem Studium arbeiten gehen, um mein Studium zu finanzieren, Wäsche waschen, putzen und kochen erledigen sich ebenfalls nicht von alleine.
Ich finde viele meiner Vorkommentatoren verkennen die Situation. Ich möchte sicher keine illegalen Substanzen anpreisen. Aber vielleicht sollte man sich auch überlegen, ob das aufgegebene Pensum an Schüler und insbesondere Studenten wirklich zu bewältigen ist. Ich bin nicht der Meinung, dass grade burnout eine Modeerscheinung ist, sondern eine ernstzunehmende Krankheit und ein Warnsignal an unsere “höher, schneller, weiter“ Gesellschaft.

#57 |
  0
Manfred Lothar Dietwald
Manfred Lothar Dietwald

Zivilcourage, Gottvertrauen und Gelassenheit scheinen heutzutage Fremdworte und nicht erstrebenswert zu sein. Das alte Sprichwort: “Jeder ist seines Glückes Schmied” scheint nur mittels Drogen zu klappen. Ist ein Beruf, der zu Drogenkonsum zwingt, denn so erstrebenswert, dass man darüber diskutieren muss?

#56 |
  0
Nichtmedizinische Berufe

Heilpraktiker Klaus-Dieter Doerfert, Sie schreiben in #31:

“Gast Gast Nichtmedizinische Berufe: Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Ich wundere mich nur über Ihr Halbwissen, wo Sie doch aus einem nichtmedizinischen Beruf kommen! Im Übrigen fordern siemständig irgendwelche Studien oder Nachweise, wo sind denn Ihre Nachweise oder Quellen?”

1.) Ich kann lesen und habe Ihren Beitrag gelesen!
2.)Es ist richtig, ich bin nicht medizinisch ausgebildet, aber ich bin selbst von ausgeprägter ADHS betroffen, habe einen jahrzehntelangen Leidensweg mit Unmengen an Erfahrungen hinter mir und ich habe eine naturwissenschaftliche akademische Qualifikation die viel zum Verständnis meiner Störung beiträgt.
3.) Ja, ich fordere für jede hier getroffene abenteuerliche Behauptung Nachweise! Sie haben diese bisher nicht vorgelegt. Für die Wirksamkeit von Methylphenidat bei ADHS gibt es inzwischen zahllose Studien und Nachweise. Ein aktueller Nachweis ist folgende publizierte Studie: Dr. Skrodzki, K. Praktische Erfahrungen mit medikamentöser Therapie pädiat. praxis 2015; 83: 377-385. Hans Marseille Verlag GmbH München, oder den Link: http://www.huffingtonpost.de/klaus-skrodzki/adhs-die-medikamentoese-b_b_7791116.html

#55 |
  0
Axel Fingerhut
Axel Fingerhut

@54 Gast

Das Problem des Zwanges zum Neuro-Enhancement ist in dem von Ihnen verlinkten Manifest unter “Auf dem Weg zur Ellenbogengesellschaft?” und folgend unter “Sozialer Druck” thematisiert – es geht nicht um unmittelbaren, sondern mittelbaren Zwang.
Und für diesen sind die ökonomischen Bedingungen mit den damit verbundenen Leistungsanforderungen verantwortlich, in denen der Mensch leben muss.
Ich bezweifle, das »Work-Life-Balance« unter den gegenwärtigen erreichbar ist, für die Illusion darüber ist dann das Neuro-Enhancement “zuständig”.

#54 |
  0
Gast
Gast

@Alexander Werth:

“Ihrer Argumentation könnte man doch auch auf die Depression anwenden: Das sind einfach Leute die wegen der Gaußkurvve einfach eine viel viel schlechtere Laune haben als der Durchschnitt. ”

Vollkommen richtig. Auch bei Depression ist es eine Wert- und keine Faktenfrage, ob und ab wann man von einer Krankheit spricht. Und auch bei Depression ist die Frage vollkommen uninteressant. Entscheidend ist, dass viele Menschen an einer niedergedrückten Stimmung leiden, und dass manche von der Einnahme eines Medikaments profitieren. Welche zusätzliche Erkenntnis ist in der Aussage enthalten, dass es sich um eine Krankheit handelt? Und jetzt noch mal die Frage: Gäbe es ein neues Super-Antidepressivum, mit dem auch “gesunde Menschen” ein glücklicheres Leben führen können: Warum sollte man ihnen die Einnahme des Medikaments verweigern?

@Axel Fingerhut: Wie kommen Sie darauf, dass Menschen gezwungen werden?

@38: Die allermeisten MPH-Konsumenten vertragen das Mittel ohne Probleme. Es gibt sogar Studien, die auf eine neuroprotektive Wirkung hindeuten. MPH ist nicht vollkommen risikofrei, aber wesentlich harmloser als die legalen Volksdrogen. Wenn Menschen das Recht haben, selbst zu entscheiden, ob sie zum Vergnügen ein Nervengift wie Ethylalkohol konsumieren, warum sollten sie nicht entscheiden können, ob sie ein Mittel konsumieren, das wesentlich harmloser und wesentlich nützlicher ist?

Als Lektüre empfehle ich dieses Manifest aus dem Jahr 2009:

https://www.wissenschaft-online.de/sixcms/media.php/976/Gehirn_und_Geist_Memorandum.pdf

#53 |
  0
Nichtmedizinische Berufe

Gast, Sie schreiben:” Natürlich profitieren vom AD(H)S stark betroffene Kinder vom Methylphenidate, aber häufig werden die psycho-soziale Faktoren grundlegende außer acht gelassen. Bei vielen vermeintlichen ADHS-Kinder liegt die Ursache der Problematik mehr im emotionale Bereich u.a. schwierige familiäre Verhältnise, sodass eine Medikation mit Methylphenidate zwar die Symptome (hauptsächlich) in der Schule reduziert, aber den Kindern und den Familien nicht gerecht wird.”

Diese Ihre Aussage ist in mehrfacher Hinsicht unzutreffend! Kinder/Menschen ohne ADHS profitieren NICHT von Methylphenidat. Es wirkt nur aufputschend, ähnlich einer Tasse Kaffee!

ADHS ist eben KEINE Folge psychosozialer Faktoren! ADHS ist die Folge eines genetisch vererbten Defektes in der Botenstoffübertragung an den Synapsen im Gehirn, also eine reine neurophysiologische Störung! ADHS hat als Komorbidität häufig auch psychosoziale Folgen! Aber diese sind nicht Ursachen sondern Folgen dieser Störung!

Methylphenidat bekämpft somit entgegen Ihrer Behauptung gerade nicht die Symptome von ADHS sondern es kann für sich wie kaum ein anderes Medikament in Anspruch nehmen direkt an den Ursachen zu wirken, nämlich bei der Botenstoffübertragung im Gehirn!

#52 |
  3
Axel Fingerhut
Axel Fingerhut

Die meisten Kommentare befassen sich mit der Ritalin-Anwendung bei ADHS-Patienten – aber das ist doch gar nicht das Thema des Artikels!
Was ist mit der Frage nach den gesellschaftlichen (materiellen) Bedingungen, die zum Doping zu zwingen scheinen?
Und da fallen mir noch die Begriffe “Selbstoptimierung” und “Transhumanismus” ein – es wäre gur, wenn in der Diskusssion der Widerspruch zwischen Humanität und Leistungsgesellschaft aufgenommen werden würde.

#51 |
  2
Tierärztin

Das ist doch logisch, dass eine einzelne Beobachtung nicht repräsentativ ist.
Und eine Fachfrau bin ich auch nicht auf dem Gebiet.
Ich habe hier nur eine persönliche Beobachtung mitgeteilt, die mir schon seit Längerem Unbehagen bereitet, wenn ich die Betroffenen in ihrem Unglück erlebe.
Es ist gut zu erfahren, dass es Leitlinien gibt. Dafür danke ich ihnen.
Anscheinend wird die Leitlinie nicht durchweg angewendet, oder es fehlt an der Versorgung an Fachärzten, was ich vermute, wenn man Wartezeiten bis zu 6 Monaten hat.
Ich lasse das hiermit gut sein.

#50 |
  1
Dorothea Hugger
Dorothea Hugger

Wer diskutiert hier eigentlich? Ist in diesem Diskurs irgendein Kinder Psychologe dabei? oder woher kommt so viel Halbwissen ohne Erfahrungswerte??? , Wenn jemand hier vom Fach wäre würden auch Möglichkeiten wie Neuro Feedback in der Therapie von Ads \ ADHS zu Sprache kommen.
. Ich bin überzeugt dass es für manche Kinder nicht ohne Medikation geht – weil sie selbst oder die ganze Familie unter dem Problem so sehr leidet. dennoch sollte vor der Einnahme jeglicher Psychopharmaka eine ausreichende Diagnostik UND das vorherige Ausschöpfen aller nichtmedikamentösen Möglichkeiten selbstverständlich sein!

#49 |
  1
Nichtmedizinische Berufe

Dr. Irmgard Roßnagel, wie gesagt, Psychotherapie ist bei ADHS kontraindiziert und mir ist im Umkreis von 70 Kilometern (ich wohne auf dem Land) kein einziger Psychologe bekannt der Erfahrung in der Behandlung von ADHS bei Erwachsenen hat! DAS IST DAS PROBLEM!!! ADHS’lern wird deshalb in der Regel einfach eine “stinknormale” Verhaltenstherapie aufgedrückt mit negativen Ergebnissen! Ich habe das Problem für mich deshalb so gelöst dass ich in einer ADHS Selbsthilfegruppe bin und darüber hinaus alle 2-4 Jahre für einige Wochen in eine Rehaklinik fahre in der man auf ADHS bei Erwachsenen spezialisiert ist (gibt es z.B. in Bad Bramstedt, Bad Kösen, Freiburg oder im Weser-Bergland…!).

#48 |
  2
Nichtmedizinische Berufe

Dr. Irmgard Roßnagel, Sie behaupten also, das Methylphenidat würde einfach von einem “Hausarzt” über Jahre verordnet ohne dass ein Facharzt hinzugezogen wird? Sie wissen schon dass das längst nicht mehr zulässig ist??? Die Arzneimittelrichtlinien zur Verordnung von Methylphenidat wurden im Jahr 2010 genau dahingehend deutlich verschärft! Bitte informieren Sie sich und behaupten nicht einfach Dinge die bereits seit 6 Jahren nicht mehr zulässig sind! Danke!

Ich stelle nicht Ihre Beobachtungen in Abrede, ich stelle in Abrede dass Ihre Beobachtungen in irgendeiner Weise repräsentativ oder aussagekräftig sind! Zudem frage ich mich über welche fachliche Kompetenz eine Tierärztin bei der Beurteilung und Behandlung von ADHS beim Menschen verfügt…!

Zuerst beklagen Sie in #13, dass ADHS-Betroffenen “auch keine begleitenden Maßnahmen wie Konzentrationstraining oder Psychotherapien angeboten werden, obwohl die jungen Leute oft große Schwierigkeiten mit der Berufsfindung und dem Berufseinstieg haben.” Nun behaupten Sie dass Sie Konzentrationstraining und Psychotherapie nie als Alternative empfohlen haben…! Was sollte Ihre Kritik denn dann aussagen? Wie ich schon sagte: Psychotherapie ist bei ADHS kontraindiziert, die Konzentrationsstörungen sind nur ein Symptom aber keine Ursache des Problems! Konzentration kann man bei ADHS nicht “trainieren” wenn man nicht vorher an die Ursachen geht! Und die liegen in der Botenstoffübertragung im Gehirn. Diese Übertragungsstörung kann durch Methylphenidat direkt verbessert werden! Dass es bei ADHS Komorbiditäten gibt ist unstrittig. Aber bevor man nicht an die Ursachen geht kann man auch kaum diese Komorbiditäten behandeln! Einem Blinden empfiehlt man ja auch kein Sehtraining bevor nicht die Ursache seiner Blindheit behandelt wurde! Ihre Kritik geht folglich ins Leere!

#47 |
  4
Tierärztin

Hallo Gast/U.R.
Dann ist mein Eindruck wohl falsch, dass die Betroffenen, die ich kenne, jedes Quartal mit einem neuen Rezept zur Apotheke gehen, ohne einen Facharzt zu sehen, seit Jahren.
Und dass sie die erwähnten Probleme haben, ist auch falsch.
Sie kennen die Leute und die Situation doch gar nicht und stellen hier meine Beobachtungen in Abrede.
Das verstehe ich jetzt nicht, wie sie darauf kommen…

#46 |
  0
Alexander Warth
Alexander Warth

@Thomas Friedrich Ihrer Argumentation könnte man doch auch auf die Depression anwenden: Das sind einfach Leute die wegen der Gaußkurvve einfach eine viel viel schlechtere Laune haben als der Durchschnitt.

@Alle – Das Leute Studieren obwohl Ihnen vielleicht die Konzentration oder evtl. die psychische Stabilität fehlen liegt doch daran, dass viele nicht akademische Berufe mittlerweile zu Altersarmut oder zu einer unsicheren Lebenslage führen (Ersetzbarkeit).
Es gibt auch viele die studieren und keine Probleme mit dem Verständnis für die Thematik haben. Jedoch enorme Probleme mit dem Vorgang des Studiums an sich (Prüfungssituation, Leistungsdruck etc). Das es hier einige gibt die legal zu verschriebenen Psychopharmaka greifen oder evtl. durch Selbstmedikamentation zu illegalen Mittelchen greifen liegt doch auf der Hand. Jeder der studierte oder am studieren ist, weiß dass viele Situationen im Studium (z.B. Zeitklausur) absolut realitätsfern zum später ausgeübten Beruf sind (so kenne ich es zumindest aus dem technisch, naturwissenschaftlichen Bereichen). Und wer sagt in einem Bewerbungsgespräch: ich musste einen Gang zurückschalten weil ich Probleme mit Prüfungsstress habe. Aber trotzdem bin ich dem Berufsbild intellektuell gewachsen. Welcher Bewerber wird genommen? Für viele ist die Durststrecke mit Hilfsmitteln die einzige Möglichkeit größeren Schaden im späteren Leben durch unbefriedigende Berufswahl abzuwenden.

Um es mal auf die hier häufig angesprochene Konzentration zu münzen. Nur weil jemand Probleme hat sich zu konzentrieren, heißt das nicht das er dumm ist und nur Berufe ausüben darf die geistig nicht fordern.

Ergo: Wenn ich nicht das Glück habe super mit einem Studium (nicht die Thematik an sich!!) klar zu kommen. Muss ich entweder schauen wo ich bleibe um das Studium irgendwie hintermich zu bekommen oder ich laufe in Gefahr dass ich mein Lebenlang einen Beruf ausüben muss der weder meinen Fähigkeiten noch meinem Interesse entspricht. Im letzteren Fall ist Unzufriedenheit vorprogrammiert und führt über Jahre hinweg in sicherlich nicht wenigen Fällen zu psychischen Erkrankungen oder gar in Suchtproblematiken.

#45 |
  0
Gast/ U. R.
Gast/ U. R.

@all
Es geht für einige wohl ins Off-Topic, aber da das Schlagwort (mal wieder) Ritalin ist, war doch wohl damit zu rechnen?!

@Dr. Roßnagel
Das hier
(..)beklage nur, dass betroffene junge Menschen jahrelang Ritalin rezeptiert bekommen, ohne jede Kontrolluntersuchung oder begleitende unterstützende Maßnahmen, (..) und der Hausarzt drückt ihnen jedes Quartal einfach das neue Rezept in die Hand, hat selber keine Ahnung von der Krankheit(..)

ist schlicht falsch. Kontrollen sind zwingen vorgeschrieben.
Und auch Hausärzte mit BTM-Zulassung (z. B. für Morphinhaltige Schmerzpflaster) dürfen ADS-Medikamente nicht einfach so verschreiben. Ausnahme: in Absprache mit dem Psychiater können die Facharzttermine (z. B. weg. des langen Anfahrweges) hinausgezögert werden. Hausärzte die sich darüber hinwegsetzen können sich jede Menge Ärger einhandeln!

Auch das
(..)die Menschen haben mittlerweile auch psyschische und soziale Probleme, (..)
ist falsch.
Dass gerade unbehandelte (!) ADHS-Betroffene Komorbiditäten entwickeln, das ist längst bekannt.

Während das
(..) Termine bei Fachärzten oder Psychotherapeuten gibt erst nach atemberaubend langen Wartezeiten, (..)
absolut richtig ist, egal um welche Problematik es geht.

Ob PTBS, Depressionen, ADS oder was auch immer: es fällt Menschen sowieso schwer, sich für eine Behandlung durch Psychologen oder Psychiater zu entscheiden, weil das in unserer Gesellschaft noch immer einen Beigeschmack hat.
Entscheidet sich nun jemand (vielleicht sehr spät) für eine Behandlung, muss er sich auch noch auf monatelange Warzeiten einstellen, anstatt Hilfe zu bekommen.

Bei ADS kommt noch ein netter Effekt dazu: Fachärzte werden nicht mehr, sondern rarer. Zum einen lässt sich mit ADS-Patienten kaum etwas verdienen.
Zum anderen kann man sich als Facharzt sogar mit Kollegen jede Menge Ärger einhandeln, da selbst Fachleute dem ewigen “ist eine Modeerkrankung”-Gehype auf den Leim gehen, anstatt sich ausführlich damit zu befassen.

Ob man nun AD(H)S als Erkrankung oder einfach als eine Veranlagungsvariante ansieht ist letztendlich völlig egal. Unter optimalen Bedingungen können auch extreme AD(H)Sler unbehandelt gut leben. Aber dem steht unsere westliche Lebensweise entgegen, mit massiven Reizüberflutungen, Störungen des Biorhythmus (Schichtarbeiten etc.), Terminabhängigkeiten etc….

#44 |
  1
sd
sd

Guten Tag,
wie können Sie nur mit Ihren oberflächlichen Behauptungen der ohnehin unter gesellschaftlichem Rechtfertigungsdruck stehenden Gruppe der ADSler so leichtfertig schaden?
Wie kann eine Internetplattform mit dem Namensbestandteil “Doc” das auch noch veröffentlichen?

Die Darstellung von Ritalin als Droge ist inzwischen alt und in den Kommentaren wurde eigentlich auch schon alles dazu gesagt. Eine kurze Auseinandersetzung mit seiner Pharmakologie klärt den Rest.

Haben Sie mal an den Placebo-Effekt gedacht? Auch dazu gibt es zahlreiche Studien…
Oder wurde untersucht, ob die Menschen, bei denen MPH hilft, nicht vielleicht ein mildes ADHS haben? (Wenn man, wie in Ihrem Beispiel, mit 28 noch studiert, kann das viele Gründe haben, einer davon kann die Schwierigkeit sein, sich auf einen geraden Weg zu fokussieren.)
Und wenn MPH so hilfreich ist, warum haben ADS-Kinder dann weiterhin Probleme? …und warum nicht nur gute Noten?

Ich verwahre mich gegen die Annahme, ich hätte mein Kind nicht richtig erzogen und würde es aus Bequemlichkeit und Enhancement-Gründen unter Drogen setzen! Leider gibt es viele Betroffene, die sich nicht wehren können und stark unter diesen Vorwürfen leiden.

Langer Rede kurzer Sinn:
Bevor Sie Plattitüden in die Welt setzen, informieren Sie sich und überlegen Sie, welchen Schaden Sie mit einer Verbreitung über das Internet anrichten können!

Des Weiteren lade ich Sie herzlich ein, in unserer Familie zu Gast zu sein.
Wir und viele andere betroffene Familien wären Ihnen für einen Ratschlag, der die Probleme unserer Kinder löst unendlich dankbar.

#43 |
  4
Reinhard Kestner
Reinhard Kestner

Hallo alle zusammen!
Warum Ritalin verbieten, weil es günstigere Medis gibt, die sogar jeder selbst herstellen kann: Christal Meth.
Warum verbieten? Bei Kindern okay! Bei Erwachsenen zur freien Verfügung! Eigenverantwortlich, na klar!
Konsequenz: zerstörte Menschen in Eigenverantwortung, ….
Auf unsere Kosten!
Schon sch…..!

#42 |
  1

Lieber Herr Geisenberger,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Mir ist sehr wohl bewusst, dass die Thematik bezüglich des zunehmenden Ritalinkonsums schon häufig in verschiedener Weise zur Debatte stand. Deshalb war es mir auch wichtig, mich in diesem Artikel nicht auf Ritalin zu fokussieren, sondern einen Abriss über den Gebrauch von Neuroenhancern und psychoaktiven Substanzen zur geistigen Leistungssteigerung im Allgemeinen zu liefern.
Der Artikel der Ginkgo-Stiftung diente mir diesbezüglich auch nicht als Aufhänger des Artikels, sondern lediglich als Einstieg, um herauszustellen, dass die Thematik des Medikamentenmissbrauchs unter Kindern und Jugendlichen schon seit längerer Zeit ein Thema darstellt, um anschließend auf die aktuelle Situation bezüglich des Neuroenhancements im Bereich der Studenten und Jugendlichen überzuleiten.
Bezüglich der Schweizer Studie lag mein Fokus ebenfalls nicht auf Ritalin im Speziellen sondern dem Einsatz psychoaktiver Substanzen (zu welchen auch Alkohol zählt) im Allgemeinen. Wichtig ist meiner Meinung nach hier die Intention, mit der ebensolche Substanzen konsumiert werden. So meint die Studie hier nicht das Glas Wein am Abend, sondern Alkohol, der mit der Intention des PCE (Pharmacological cognitive enhancement) zu sich genommen wird.
Viele Grüße, Aline Kostka

#41 |
  1
Gast
Gast

Leider wird die individuelle Leistungsfähigkeit in unserer Gesellschaft nicht wirklich akzeptiert. Wie sonst käme es immer mehr zu Anfragen im Bereich Neuroenhancer? Oder zu immer mehr Fällen mit Burn Out Symptomatik in meiner Praxis. In einer Gesellschaft in der Ansehen und Akzeptiert-Werden oft nur von Titel, Besitz und Selbstdarstellung abhängen, hat jemand mit weniger Leistungsfähigkeit meist schlechte Chancen. Arme junge Generation. Lernt sich halb tot an Theorie anstatt praktisch zu lernen, wie man wirklich glücklich lebt.

#40 |
  0
Tobias Sambale
Tobias Sambale

Guten Morgen Frau Satzinger,
Lernförderung sowie die soziale und familiäre Anerkennung und Einbettung betroffener Kinder ist wichtig. Aber sie haben dort ihre Grenzen, wo sie versagen. Ich würde Sie bitten, sich einmal vorzustellen, Ritalin sei kein “Ruhigsteller”, sondern eine “Prothese”. Würden Sie einem einbeinigen Kind, mit der Begründung, dass es einen Kurs im effektiven “Hüpfen” gäbe, diese Prothese vorenthalten?

Ich gebe Ihnen allerdings in dem, von Ihnen implizierten Punkt recht, dass es Eltern oftmals zu einfach gemacht wird, mit den sozialen Schwierigkeiten ihrer Kinder umzugehen, indem man ihnen einfach eine pharmakologische Option anbietet. An und für sich benötigen viele dieser Familien ganz andere Unterstützung.

Auch bitte ich Sie, zwischen Nebenwirkungen und Hauptwirkungen zu unterscheiden. Eine “gesteigerte Konzentrationsfähigkeit” wäre nämlich keine Neben-, sondern eine Hauptwirkung einer Lernförderung. Eine Nebenwirkung, wäre m.E.n der leere Geldbeutel der Familien, die diese privat finanzieren müssen. Das ist kein wirklich inklusives und niedrigschwelliges Konzept…

Viele Grüße
Tobias Sambale

#39 |
  2
Tobias Sambale
Tobias Sambale

“Meiner Meinung nach hat die geistige Leistungsfähigkeit jeder einzelnen Person irgendwo ihre Grenzen und wenn diese Grenze erreicht ist, sollte man das akzeptieren.“

In diesem Satz liegt der Kern des Problems. Akzeptanz ist ja bekanntlich nichts, was man einfach nach Belieben an- und abstellen kann. Um solchen Problemen vorzubeugen braucht es eine Peergroup oder bessere eine gesamte Gesellschaft, die Intelligenz und beruflichen Erfolg nicht auf ein so hohes Treppchen stellt.

Solange wir uns der Tyrannei eines erfolgreichen Lebens unterwerfen, sind die Konsumenten von Neuroenhancern lediglich der Kollateralschaden einer menschenfeindlichen Lebensumgebung.

#38 |
  0
Gast
Gast

@37:

“während eine nützliche und nebenwirkungsarme Substanz wie Methylphenidat unter Verschluss gehalten wird?”

Nebenwirkungssarm- ist das ihr ernst? Schonmal den Beipackzettel von Methylphenidat angeschaut? Der ist gefühlte 10m lang. Mit dieser Begründung dürfte es gar keine verschreibungspflichtigen Medikamente mehr geben- die sind ja alle klinisch geprüft, zugelassen und viele davon bestimmt noch viel nebenwirkungsärmer, als MPH. Wer MPH nimmt, gehört in professionelle, ärztliche Behandlung. Ich muss nicht umsonst alle 6 Monate zum EKG und zur Blutentnahme. Das macht meine Ärztin bestimmt nicht aus Spaß.

Da wird nichts unter Verschluss gehalten. Das ist aus meiner Sicht genau richtig so. Ein Laie kann doch gar nicht einschätzen, wie man das richig dosiert, geschweigedenn, wie man die Tabletten richtig einnimmt. Wenn ich mir überlege, wie lange es bei mir gedauert hat, bis ich die richtige Dosis gefunden habe, dann möchte ich nicht wissen, wie schwierig das ist, wenn mal Null Ahnung von der Thematik hat und gar nicht weiss, wie man Wirkung und Nebenwirkung einschätzen soll…

Bloß, weil Alkohol und Zigaretten frei verkäuflich sind, muss das ja nicht heißen, dass daswegen auch nocht BtM-pflichtige Medikamente frei verkäuflich werden müssen. Das macht es nicht besser. Ich habe selten sowas Unreflektiertes gelesen!

#37 |
  0
Thomas Friedrich
Thomas Friedrich

@Gast:

“Eine Einnahmen zur Leistungssteigerung ohne medizinische Indikation würde ich auf jeden Fall ablehnen.”

Und mit welchem Argument? Warum können erwachsene Menschen in einer liberalen Gesellschaft nicht selbst entscheiden, ob sie ein solches Mittel benutzen? Warum sind nutzlose Drogen wie Alkohol und Zigaretten, die allein in Deutschland jährlich 170.000 Tote produzieren, frei verkäuflich, während eine nützliche und nebenwirkungsarme Substanz wie Methylphenidat unter Verschluss gehalten wird?

#36 |
  8
Gast
Gast

Natürlich profitieren vom AD(H)S stark betroffene Kinder vom Methylphenidate, aber häufig werden die psycho-soziale Faktoren grundlegende außer acht gelassen. Bei vielen vermeintlichen ADHS-Kinder liegt die Ursache der Problematik mehr im emotionale Bereich u.a. schwierige familiäre Verhältnise, sodass eine Medikation mit Methylphenidate zwar die Symptome (hauptsächlich) in der Schule reduziert, aber den Kindern und den Familien nicht gerecht wird. Hier ist doch die genau Indikation für eine medikamentöse Behandlung genau zu prüfen. Eine Einnahmen zur Leistungssteigerung ohne medizinische Indikation würde ich auf jeden Fall ablehnen.

#35 |
  1
Prof.Dr.Dr. Reichardt MP MD
Prof.Dr.Dr. Reichardt MP MD

Gast # 26, sie haben Recht und ich denke es braut dazu keinen Kommentar # ADHS hier geht es nicht um Leistungssteigerung! Das Thema wenn Sie gelesen haben lautet‚
# Ich mach das Ritalin-Abi! #

#34 |
  4
Gisela Satzinger
Gisela Satzinger

Mit den Methoden der Teschler Lernförderung können bei Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen mit Konzentrations- und Lernproblematiken sowie mit ADHS-Diagnostik die Symptome ursächlich behandelt werden. Es treten als “Nebenwirkungen” z.B. gesteigerte Konzentrationsfähigkeit, erheblich bessere Wahrnehmungs-, Gedächnis- und Denkleistungen auf. Insgesamt wird der/die Anwendende angstfreier, kann Vitalität freisetzen, selbstbewusster und selbstsicherer auftreten. … ganz ohne Energy-Trinks, Ritalin & Co.

#33 |
  1
Tierärztin

Hallo Gast #12. Natürlich kenne ich mich nicht aus, ich habe schließlich was anderes studiert. Ich kenn aber Betroffene. Ich habe Konzentrationstraining oder Psychotherapie gar nicht als Alternative empfohlen. Sondern ich beklage nur, dass betroffene junge Menschen jahrelang Ritalin rezeptiert bekommen, ohne jede Kontrolluntersuchung oder begleitende unterstützende Maßnahmen, die Menschen haben mittlerweile auch psyschische und soziale Probleme, aber Termine bei Fachärzten oder Psychotherapeuten gibt erst nach atemberaubend langen Wartezeiten, von fachgerechter Hilfe noch gar nicht zu reden, und der Hausarzt drückt ihnen jedes Quartal einfach das neue Rezept in die Hand, hat selber keine Ahnung von der Krankheit, ja in der Tat bekommen sie das Rezept an der Theke ohne den Arzt zu sehen. Darin sehe ich den eigentlichen Skanal.

#32 |
  0
Thomas Friedrich
Thomas Friedrich

@Gast Gast: ADHS ist ein Sammelbegriff für Störungen der Aufmerksamkeit und der Impulskontrolle, die ein bestimmtes, nicht genau definiertes Maß überschreiten. Wenn Sie sich die Kriterien im ICD-10 angucken, dann werden Sie merken, wie vage die Definition ist.

ADHS ist auch nicht durch eine bestimmte Ätiologie definiert. Eine Störung der Aufmerksamkeit kann genetische Gründe haben, durch Schadstoffe, Infektionen oder Entwicklungsstörungen in der Schwangerschaft verursacht werden. Auf neurobiologischer Ebene findet man teilweise eine vermindertes Gehirnvolumen, teilweise eine verminderte Signalübertragung. Das sind aber alles Dinge, die auch bei “gesunden” Menschen sehr stark variieren.

Mit anderen Worten: ADHS-Patienten sind einfach Menschen mit einer schlechten Konzentration und Impulskontrolle. Die Entscheidung, von einer Krankheit zu sprechen, ist eine menschliche Wertung, keine wissenschaftliche Entdeckung. Und natürlich ist der Übergang von “gesund” zu ADHS vollkommen fließend und nicht genau definiert. Das gleiche Kind, das vom einen Psychiater eine ADHS-Diagnose bekommt, würde sie vom nächsten vielleicht nicht bekommen.

Deshalb sage ich: Die krank/gesund-Dichotomie sollte man nicht so ernst nehmen. Entscheidend ist allein die Auswirkung auf die Lebensqualität. Und wenn ein Mensch mit normaler Konzentration davon profitiert, Ritalin zu nehmen, dann sehe ich nicht, was dagegen spricht.

#31 |
  3

Gast Gast Nichtmedizinische Berufe: Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Ich wundere mich nur über Ihr Halbwissen, wo Sie doch aus einem nichtmedizinischen Beruf kommen! Im Übrigen fordern siemständig irgendwelche Studien oder Nachweise, wo sind denn Ihre Nachweise oder Quellen?

#30 |
  5
Nichtmedizinische Berufe

@ Thomas Friedrich, Sie schreiben: “Ritalin bewirkt im Gehirn eines normalen Menschen dasselbe wie in einem ADHS-Gehirn. Menschen mit ADHS sind keine Mutanten, sondern gewöhnliche Menschen mit Konzentrationsproblemen, die so stark sind, dass man irgendwann angefangen hat, von einer Krankheit zu sprechen. Allerdings war das im Grunde eine willkürliche Entscheidung.”

Bitte informieren Sie sich über die ADHS-Ursachen bevor Sie so etwas schreiben ober belegen Sie Ihre Behauptungen! Danke!

#29 |
  6
Gast
Gast

Herr DR. Glaseke sollte lieber über die Bedingungen schreiben unter denen die Menschen dazu greifen.
Außerdem ist der Bericht unausgewogen.
Wenn es um Antidepressiva geht, werden die Menschen zu Erhalt der Arbeitsfähigkeit damit vollgestopft. Deren Nebenwirkungen sind immens. Das interessiert Keinen.
Sobald es um Neuroenhancer geht, spielt man sich als moralischer Wächter auf.

#28 |
  2
Thomas Friedrich
Thomas Friedrich

@Felix Weinreich:

Wie gesagt: Ritalin bewirkt im Gehirn eines normalen Menschen dasselbe wie in einem ADHS-Gehirn. Menschen mit ADHS sind keine Mutanten, sondern gewöhnliche Menschen mit Konzentrationsproblemen, die so stark sind, dass man irgendwann angefangen hat, von einer Krankheit zu sprechen. Allerdings war das im Grunde eine willkürliche Entscheidung. Man könnte auch sagen, dass eine Krankheit wie ADHS gar nicht existiert, aber dass manche Menschen sich so schlecht konzentrieren können, dass ihre Lebensqualität beeinträchtigt ist, weshalb sie davon profitieren, Ritalin zu nehmen. Es gibt im psychiatrischen Bereich keine objektive Grenze zwischen Krankheit und Gesundheit. Deshalb sollten wir uns nicht an der krank/gesund-Dichotomie orientieren, sondern daran, was der Lebensqualität zuträglich ist. Wenn es zum Beispiel ein Antidepressivum gäbe, mit dem auch gesunde Menschen ein glücklicheres Leben führen könnten und mehr Motivation hätten: Was würde dagegen sprechen, dass auch gesunde Menschen das Mittel nehmen? Warum sollte man von Missbrauch sprechen, wenn einem geringen Risiko ein großer Gewinn an Lebensqualität gegenübersteht?

Der Vergleich von Ritalin mit Doping ist zutreffend. Allerdings bin ich der Meinung, dass auch Doping erlaubt werden sollte. Ich denke darüber genauso wie der Bioethiker Julian Savulescu:

https://aeon.co/essays/why-we-should-legalise-most-doping-in-sport

Zum Argument der Wettbewerbsverzerrung: Dieses Argument wäre nachvollziehbar, wenn alle Menschen das gleiche Potenzial hätten, sodass nur die Anstrengung über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. In Wirklichkeit bringen die genetischen Unterschiede so viele “unfaire” Vor- und Nachteile mit sich, dass es absurd ist, sich über Ritalin oder Doping aufzuregen. Warum sollte es gerecht sein, wenn jemand aufgrund eines genetischen Zufalls besonders viele rote Blutkörperchen bildet und dadurch besonders leistungsfähig ist, aber ungerecht, wenn ein anderer den gleichen Hämoglobinwert durch Blutdoping erzeugt? Das eine ist genauso wenig ein Verdienst wie das andere. Also warum hat der eine Sportler ein “Recht” auf diese Leistungsfähigkeit und der andere nicht? Ebenso kann man fragen: Warum sollte es gerecht sein, wenn einem Studenten das Lernen aufgrund einer vorteilhaften Genetik besonders leicht fällt, aber ungerecht, wenn es ihm leicht fällt, weil er Ritalin nimmt?

#27 |
  4
Nichtmedizinische Berufe

Prof.Dr.Dr. Reichardt MP MD,

welche pflanzlichen Mittel schlagen Sie zur erfolgreichen Behandlung von ADHS vor??? Ich kenne kein pflanzliche Mittel dessen Wirksamkeit zur Behandlung von ADHS nachgewiesen wurde!

Beim Einsatz einer Medikation von ADHS’lern mit Methylphenidat geht es doch nicht um Leistungssteigerung!!! Wie kommen Sie darauf? Es geht darum den Betroffenen ADHS’lern den hohen Leidensdruck zu nehmen, der ihre Symptomatik verursacht! Ohne wirksame Hilfe auch durch Medikation versagen sehr viele dieser Menschen im Leben und im Beruf komplett!

Ohne eine begleitende Medikation wäre ich als ADHS’ler heute nicht in der Lage meinen Beruf auszuüben! Mit Medikation war ich überhaupt in der Lage eine meinen Fähigkeiten entsprechende berufliche Qualifikation zu erreichen und ein Universitätsstudium erfolgreich zu beenden! Vor meiner ADHS-Diagnose war ich ein Schulversager und habe bis zu meinem Abitur 8 verschiedene Schulen besucht, für mich ein Trauma!!! Zahlreiche “Experten” haben erfolglos an mir herumgedoktert! Die Liste meine angeblichen Diagnosen ist lang…! Nach meiner ADHS-Diagnose, Einleitung der Medikation und begleitenden Behandlungsbausteinen ging es schlagartig aufwärts! Meine Lebensqualität hat sich grundlegend verbessert! Und das soll nun alles falsch gewesen sein??? Leute, sprecht mit Betroffenen!

#26 |
  25
Nichtmedizinische Berufe

Herr Doerfert, Sie schreiben”Von Ritalin rate ich grundsätzlich ab, weil, und das ist schulmedizinisch nachgewiesen, der Schaden größer ist als der Nutzen.”. Bitte können Sie uns die Quelle benennen wo dies nachgewiesen wurde. Ich kenne nur gegenteilige aktuelle Studien die die statistisch eindeutige Situationsverbesserungen belegen, die ADHS’ler mit MPH erreichen können! Was reden Sie von Ritalin??? Das ist nur EIN Medikament EINES Herstellers mit dem Wirkstof MPH!

#25 |
  2
Nichtmedizinische Berufe

Heilpraktiker Klaus-Dieter Doerfert, Sie schreiben: “Ich habe vor einigen Jahren Autogenes Training für Kinder gemacht. U.a. waren auch einige Kinder mit der Diagnose ADHS dabei. Sie werden es nicht glauben, aber hier hat das AT seine Wirkung gezeigt.” Sorry Herr Doerfert, aber ein Kind mit ausgeprägter ADHS wird von autogenem Training nur wenig profitieren. Es bekommt in dieser Ruhe seinen Kopf überhaupt nicht frei, wird andere stören, sich vor Langeweile kaum ruhig halten können! Ich fand autogenes Training als ADHS’ler immer eine Qual!!! Der nächste Heilpraktiker empfielt seinen ADHS-Patienten Sport, der Nächste einen Almaufenthalt, der Nächste Zuckerverzicht, der Nächste eine Reittherapie, der Nächste eine Delphintherapie, der Nächste eine Honigtherapie, der Nächste Joga oder Handauflegen, der Nächste sieht den Wald als die ultimative ADHS-Heilempfehlung! Herr Doerfert, ich kann es wirklich nicht mehr hören! All dies hilft ADHS’lern nicht! Es mag im Einzelfall durch die Reizarmut zu einer Entlastung der Symptome kommen, diese ist aber nicht nachhaltig! Kaum verlässt der ADHS’ler z.B. die Almsituation sind die Probleme wieder da, wie sich im Almprojekt bei Dr. Hüther eindrucksvoll gezeigt hat! Es war ein voller Fehlschlag! Ich finde es unverantwortlich wenn Menschen wie Sie aus punktuellen subjektiven Beobachtungen meinen, den idealen Behandlungsansatz gefunden zu haben, der zudem die böse MPH-Medikation überflüssig machen soll! Bitte zeigen Sie mir als Betroffenem Studien die belegen, dass autogenes Training signifikante Erfolge bei der Behandlung von ADHS zeigt! Andernfalls möchte ich Sie bitten Ihre Privatbeobachtungen nicht als Ersatz für wissenschaftlich fundierte Studien zu missbrauchen! Ich verkaufe nichts als Evangelium, ich berichte als Betroffener mit jahrelangen leidvollen Erfahrungen mit Heilsbringern wie Ihnen! Bitte tun sie das den Betroffenen nicht weiter an! Ich frage Sie: Wie soll autogenes Training die Ursachen für die ADHS-Symptome nachhaltig mindern??? Wie soll das funktionieren? Hat autogenes Training Einfluss auf die Botenstoff-Aufnahmefähigkeit der Synapsen im Gehirn? Wo ist das nachgewiesen worden? Es ist vielfach belegt dass autogenes Training bei Kindern mit ADS/ADHS oft zu paradoxen Reaktionen führt, die Kinder werden noch unruhiger und lehnen die meditative Stille deshalb häufig ab!

Bitte bitte, hört auf mit diesen halbgaren Behandlungsempfehlungen!!!!!! Ihr schadet damit den Betroffenen!!! Ich biete ab kommender Woche auch eine Regenwurm-Entspannungstherapie für ADHS’ler an….. Da ich bei drei hyperaktiven Kindern aus der Nachbarschaft beobachtet habe dass diese darauf positiv reagieren verzichte ich darauf den Erfolg dieser Behandlungsmethode wissenschaftlich nachzuweisen! Für meine neue Behandlungsmethode nehme ich nur günstige 100 Euro je Sitzung…!

#24 |
  8
Gast/ U. R.
Gast/ U. R.

Erfreulicherweise gibt es ja einige gute Kommentare hier. Dennoch könnte man noch endlos diskutieren. Und wenn Jugendliche oder Erwachsene den Großeltern Antidementiva stibitzen, sollte man sie selbstverständlich mal dringendst darauf aufmerksam machen, wie gefährlich das werden kann.

Eine Frage allerding vermisse ich: wer bringt denn durchgeknallte, überehrgeizige Eltern (gesunder!) Kinder und Studis auf die blödsinnige Idee mit dem Hirn-“Doping”?
Doch hauptsächlich sinnfreie Artikel wie dieser, die auch nicht besser werden, indem man sie alljährlich wiederkäut.

Bei einer echten Studie (nein, die Quellenangabe habe ich leider nicht mehr) wurden Studenten interviewt, die sehr enttäuscht waren, weil sie vielleicht aufgeputscht länger lernen konnten, aber die Merkfähigkeit keinen Deut besser war als ohne das vermeintliche “Doping”. Und dabei gab es doch sooo vielversprechende Artikel in den Medien…..

Und wenn es um AD(H)S geht…
Es wäre wirklich schön, wenn, ähm, diverse Leutchen es sich verkneifen könnten, oberflächlich-dümmliches Blabla nachzubrabbeln.
Wenn sie mitreden wollen, sollten sie sich einmal intensiv damit beschäftigen, vielleicht auch mal mit Betroffenen reden. Denn leider geht es eben nicht um schlechte Erziehung, und auch nicht nur um schulische Leistungen.

Schön wäre auch, wenn dann nicht immer wieder Kommentare kämen wie “AD(H)S ist ja nur eine Modeerscheinung… Aber sollte es sie doch gegen, dann hätte ich da etwas Feines, pflanzlich/biologisch-dynamisch oder eine nette Therapieform, die zwar nichts bringt, aber meinen Geldbeutel füllt – nicht den anderer Leute”.

#23 |
  2
Gast
Gast

Wenn in Kindergärten in Freiburg/Breisgau Pharmavertreter kursieren und das Kindergartenpersonal auf die Erkennung von ADHS und ADS “schult” und dann empfiehlt, die Eltern der Kinder auf die Möglichkeit der Behandlung mit Metylphenidat anzusprechen, dreht sich mit der Magen um. Eine gewissenlose, gierige Pharmalobby befeuert die Torheit der Eltern. Dass in den USA, wo diese Medikamente schon länger eingenommen werden, unter den Konsumenten zunehmend Parkinsonerkrankungen mit Mitte 20 auftreten, wird fein unter den Tisch gekehrt. Ganz zu schweigen von den eigentlcihen Ursachen von ADS, welche in einer sensomotorischen Störung liegen und einen grundsätzliche anderen und erfolgreichen Behandlungsansatz haben!

#22 |
  4
Heilpraktikerin

Liebe Dr Anne Steinbeck-Klose, der Weg mit Medis ist also einfacher? Sorry aber da habe ich bei meinen beiden Kids nicht viel von gemerkt, der war genauso anstrengend und steinig wie ohne. So war er aber für sie selbst zu schaffen im Gegensatz zu ohne Medis

#21 |
  1
s.s-Tomase
s.s-Tomase

Was für ein schlechter scherzt, bezüglich Ritalin. Wer denkt an die betroffenen Kinder und deren Eltern. Sie haben schon so ein großen geselschafftsdruck. Und nun müssen Sie noch diese Berichte lesen.Einfach geschmacklos und perves.Ich kann nur empfehlen dieser person,wer diesen Bericht geschrieben.Sich mit der Tematik ADHS und ADS.Alina Kostka ich bin etwas überascht dass dieser Artikel veroffentlicht wurde.

#20 |
  5
Alexander Warth
Alexander Warth

Immer wieder das Gleiche wenn es um das Thema MPH und ADHS geht – polarisierte Darstellung. Angebliche Fehldiagnosen, Pharmalobby, Drogenmilieu, mit ein bisschen Streicheln weniger TV und ein wenig Konzentrationstraining hat es sich getan…ehr nicht. Ja, mit Sicherheit gibt es Fehldiagnosen und da hilft reines “Konzentrationstraining” und ein paar Gespräche. Jedoch gibt es genügend reale ADHS Fälle in denen eine Kombination therapeutischer Gespräche plus einschlägige Medikamentation das einzige wirksame Mittel der Wahl sind. Ich finde es schlimm dass diese Stigmatisierung der Fehldiagnose und dem “übermäßigen Gebrauch” weiterhin der ADHS Diagnose anhaftet. Aus meinem Bekanntenkreis kenne ich einige die leider auf Methylphenidat angewiesen sind. Wenn ich die unten genannten Statisitkkritiken aufgreife, so könnte man fasst davon ausgehen, dass die meisten die Methylphenidat in der Schule oder Studum verwenden auch ADHS diagnostizierte sind und somit nicht von Missbrauch geredet werden kann (auch wenn es den wohl Zweifelsohne geben wird). Andererseits hat sich der Zeitgeist von unserer Gesellschaft verändert – wir durchleben eine Akademisierung in allen Bereichen bedingt durch den modernen technologischen Lebenswandel. Heute muss alles beherrscht werden- schnell, effizient und natürlich muss man Experte sein. Die Welt wird komplizierte und fordert von uns dass wir sie trotzdem verstehen. Berufe werden immer kopflastiger und breiter im Wissen. Es ist doch fasst klar, dass dadurch immer mehr kognitive Defizite aufgedeckt werden und jeder versucht sie zu kompensieren. Die Spirale der geistigen Perfektion läuft -> Stress, höherer Leistungsdruck. Nur wenige haben damit wenig Probleme. Der Rest nagt früher oder später an psychischen Leiden.

#19 |
  2

Interessante Diskussion zu dem Thema. Unterm Strich hat jeder Recht auf seine Weise. Lieber Gast Gast/ Nichtmedizinische Berufe, Ihre Aussage ist auch nicht besser, vor allem weil Sie Ihre Idee als einzig gültiges Evangelium verkaufen.
Ich habe vor einigen Jahren Autogenes Training für Kinder gemacht. U.a. waren auch einige Kinder mit der Diagnose ADHS dabei. Sie werden es nicht glauben, aber hier hat das AT seine Wirkung gezeigt. Das würde ich nun nicht als das in Stein gemeißelte Behandlungssangebot nennen. Es ist eine von vielen Möglichkeiten. Man muss genau wie bei allen anderen gesundheitlichen Störungen genau hinsehen und die Ursache ausfindig machen, erst dann kann eine Therapie wirklich helfen.Von Ritalin rate ich grundsätzlich ab, weil, und das ist schulmedizinisch nachgewiesen, der Schaden größer ist als der Nutzen. Und als Leistungssteigerung wurde während meiner Schulzeit, Ende der 1950ger Jahre und darüber hinaus mit Sanostol geworben. Ich habe keine leistungssteigernde Substanzen eingenommen und bin immer erfolgreich durchs Leben gekommen.

#18 |
  10
Prof.Dr.Dr. Reichardt MP MD
Prof.Dr.Dr. Reichardt MP MD

Methylphenidat (z.B. Ritalin®, Concerta®, Medikinet®, Equasym®, Generika)
(C14H19NO2, Mr = 233.3 g/mol9
Ist sicher eine interessante Substanz, und in manchen Fällen (ADHS) auch zur Verordnung geeignet und berechtigt. Richtig ist und im Vordergrund stehend
1. Das Gespräch mit den Kindern und den Eltern , die Kommunikation innerhalb der Familie.
2. Eine strenge Indikation bezogene Anamnese.
3. Strenge Abwägung Therapeutischer Nutzen zu den Risiken der Nebenwirkungen.
4. Wenn überhaupt eine Medikamentöse Therapie, dann den Versuch mit Pflanzlichen Mitteln.
Unser Kind wird hier vorgegaukelt, dass man mit den Medikamenten eine Leistungssteigerung erreicht ohne selbst den Beitrag der Leistung erbringen zu müssen.
Da diese Medikamente Rezeptpflichtig sind liegt es bei dem Verordner, leichtfertig oder mit größter Sorgfalt vorzugehen.

#17 |
  8
Nichtmedizinische Berufe

Als von ADHS selbst Betroffener kann ich die zahlreichen unsubstantiierten Ratschläge selbsternannter “Experten” nicht mehr hören! Die Tierärztin Frau Dr. Roßnagel empfliehlt “Konzentrationstraining” und “Psychotherapien” und dokumentiert damit, dass sie nicht die Spur einer Ahnung davon hat, was ADHS eigentlich ist! Es ist eine neurophysiologische Störung! Weder mit Konzentrationsübungen noch mit Psychotherapien kann man ADHS behandeln! Letztere haben sich sogar als schädlich und kontraindiziert erwiesen!

Gleiches gilt für Frau Dr. Anne Steinbeck-Klose, die lieber bei ihren Privatpatienten und bei ihrer Naturheilkunde bleiben sollte! Wie sie alleine mit Gesprächen das ADHS-Problem lösen will bleibt mir ein Rätsel! Was sie unter “anderen Angeboten” versteht bleibt ebenfalls völlig im Dunkeln! Die Betroffenen bleiben wieder einmal im Regen stehen!

Ich empfehle allen guten Ratgebern hier ihre Behandlungsideen zunächst einmal mit peer-reviewten wissenschaftlichen Studien zu erforschen, zu publizieren und zu belegen! Sollte ihnen der Nachweis gelingen dass ihre Behandlungsmethode erfolgreich die ADHS-Symptome mindern kann werde sie dann umgehend für den Medizin-Nobelpreis vorschlagen!

Ich als Betroffener habe nur eine Bitte: Bitte verschont uns vor un- und halbgaren Behandlungsempfehlungen! Diese verursachen nur noch mehr Rechtfertigungsdruck und Geschwätz zahlloser selbsternannter Experten! Was nach meinen langjährigen Erfahrungen wirklich hilft ist eine multimodale Therapie (keine Psychotherapie), in der man lernt mit den typischen ADHS-Begleiterscheinungen im Alltag besser umzugehen. Damit diese gelingen kann ist eine Medikation oft Voraussetzung!

Nahezu alle anderen Behandlungsempfehlungen haben sich als Scharlatanerie erwiesen! Bevor man solche Empfehlungen ausspricht ist es unerlässlich deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachzuweisen! Alles Andere schadet nur den Betroffenen! Danke!

#16 |
  3

Danke, Herr Geisenberger,
Ihre Überprüfung spart mir das nachschauen … denn genau das hätte ich sonst auch überprüfen wollen!
Das Ergebnis Ihrer Recherchen ist erwartungsgemäß ernüchternd, dabei wäre ein aktueller, gut recherchierter Artikel zu diesem Thema sehr interessant! Denn die Anzahl der Nachfragen in meiner Praxis steigt (ich rezeptiere selbst nicht, sondern verweise dafür an KJP zur sauberen Diagnostik und dann Verordnung) von Jahr zu Jahr, dies in einen größeren Kontext zu setzen wäre sehr interessant!

#15 |
  0
Heilpraktikerin

Wirkt Ritalin wird wahrscheinlich ADHS vorliegen. Prof. Hans Lieb aus der Uni Mainz hat in Experimenten nachgewiesen, dass Studenten die kein ADHS haben, nur eine minimal über dem Placeboeffekt liegende Wirkung haben. In USA werden 20 % der High-School-Schüler (nur Männer) positiv auf ADHS getestet. Wir haben in Deutschland eine weit verbreitete Volkskrankheit die meist bei Erwachsenen nicht diagnostiziert wird. Da Ärzte und Psychologen meist keine Ahnung von ADHS haben, sind die Betroffenen auf die SELBSTDIAGNOSE angewiesen und müssen sich dann mühevoll einen Behandler suchen, nicht selten wird auch Wissen vom Patienten an den Arzt vermittelt. Siehe auch: https://www.youtube.com/playlist?list=PLeX6cbwi5X_gB8AUBGWyDjVayjh2t-mTF oder https://plus.google.com/100574093951392529965/posts

#14 |
  2
Tierärztin

Wirklich schlimm ist dabei, dass junge Menschen, wenn sie einmal die Diagnose ADHS gestellt bekommen haben und auf Ritalin eingestellt sind, jahrelang regelmäßig beim Hausarzt das Rezept abholen und bis ins Erwachsenenalter Ritalin einnehmen, ohne dass es je zu ausführlichen Wiederholungsuntersuchungen und Neubewertungen kommt.
Es werden auch keine begleitenden Maßnahmen wie Konzentrationstraining oder Psychotherapien angeboten, obwohl die jungen Leute oft große Schwierigkeiten mit der Berufsfindung und dem Berufseinstieg haben. Es wird ihnen suggeriert, da sie ja das Ritalin bekommen, sei nun alles gut.
Auf dem Land ist die Versorgung mit entsprechenden Fachärzten so schlecht, dass sie monatelang auf Termine bei entsprechenden Fachärzten warten müssen, da ist oft schon der Berufsstart oder die Lehrstelle in den Sand gesetzt, bevor sie wirksame Hilfe bekommen.

#13 |
  8
Christoph Geisenberger
Christoph Geisenberger

Liebe Aline Kostka,

da ich seit meinem eigenen Abitur (2006) ungefähr jedes Jahr die gleiche Geschichte vom “zunehmenden Ritalinkonsum” gehrt habe, entschied ich mich ihre angegeben Quellen etwas genauer zu recherchieren und würde Ihnen empfehlen, das gleiche zu tun.

1. Ihre Untersuchung, die Sie zu Beginn als Aufhänger verwenden (der kurze Artikel der “Gingko-Stiftung”) thematisiert zu keinem Zeitpunkt die Ritalineinnahme unter Jugendlichen. Es wird zwar die Einnahme von “psychoaktiven Substanzen” erwähnt, jedoch ohne darauf einzugehen was damit genau gemeint ist. Zum anderen ist das Informationsblatt nicht von Prof. Gerd Glaeser, den sie als Quelle angeben, sondern zitiert nur (nicht mehr verfügbare) Folien, die von diesem bei einer Konferenz vorgestellt wurden. Darüberhinaus finde ich es fraglich, zehn Jahre alte Untersuchungen heranzuziehen.

2. Die Studien von Prof. Glaeser aus diesem Zeitraum thematisieren ebenfalls keinen Ritalingebrauch, sondern den Einsatz von Antidepressiva unter Jugendlichen in Deutschland. PubMed hilft hier weiter.

3. Die Schweizer Studie laut der “22% der Studenten schon einmal Neuroenhancer genommen haben” schließt auch Alkohol mit ein, der mit 10% am häufigsten verwendet wurde. Der Anteil der Befragten, der vor dem entsprechenden Examen täglich Ritalin verwendete, was ja eigentlich die viel interessantere und für ihren Artikel relevantere Population darstellt, macht gerade einmal 0,7% der Befragten aus. Das heißt jeder, der während des Lernens mal abends ein Glas Wein trinkt, würde hier unter die 22% fallen.

Nachdem sich die ersten Quellen, die von Ihnen zitiert wurde, als schlecht recherchiert herausgestellt hatte bekam ich leider das Gefühl ihrem Artikel generell nicht vertrauen zu können. Vor allem heißt es ja, “dass Schüler und Studenten immer häufiger” zu Ritalin etc. greifen. Dazu fehlt hier aber jeder Beweis. Wo sind denn Zahlen die den Ritalingebrauch über die Zeit in einer ähnlichen Population vergleichen? In meinen Augen also ein total ausgelutschtes Thema, kaum repräsentative Studien und von Ihrer Seite denkbar schlecht ausgearbeitet.

#12 |
  4
Gast
Gast

Ich zweifele die Überschrift dioeses unsachlichen Artikels doch stark an. Welche Promille- oder Prozentangabe können Sie denn zum Einsatz von Methylphenidat als illegales Neuroenhancement bei Studenten belegen ? Es wird immer reisserisch von Ritalin geschrieben und dann wird auf Analgetika oder Vitamine verwiesen. Durch die BTM-Regelungen wäre es sehr ungewöhnlich, so an Methylphenidat zu kommen. Es ist nicht ausgeschlossen, ganz klar. Aber es stellt sich dann die Frage, ob nicht Modafinil oder gar Crystal-Meth leichter “illegal” zu beschaffen wären.

Nach meiner Erfahrung bei ADHS-Patienten eignet sich MPH eben gerade nicht gut zur Leistungsverbesserung. Es ist ein Weck-Amin für neurotypische Studenten. Mehr nicht.

Glaeske hält seine Zunge an jedes Mikro zu jedem Thema. Interessante wären Studien, statt Vorurteile

#11 |
  4
Gast
Gast

Als Arzt nehme ich selbst seit ca 15 Jahren Ritalin. Ich habe ein ausgeprägtes ADHS. Die Kollegen, die die Diagnose gestellt haben, die Therapie überwachen und mir die Rezepte aufschreiben, haben sich gewundert, wieso ich denn mit der ausgeprägten Störung durch Schule, Studium und Facharztausbildung gekommen bin.
Ich kann allen, die hier sich über Ritalin ereifern nur eines sagen: Wer kein ADHS hat dem hilft Ritalin soviel wie eine Tasse Kaffee. Und die ist deutlich preiswerter als das Medikament.
Wer also durch Ritalin wirklich viel besser lernen kann, der sollte sich möglichst bald auf ein ADHS untersuchen lassen.
Denn schließlich geht ein ADHS nicht mit einer verminderten Intelligenz einher. Und so ist auch zu erwarten, daß an den Universitäten ca 2-5% ADHS-Betroffene anzufinden sind. Und profitieren nun mal ganz legal davon.

#10 |
  3
Student der Humanmedizin

Ich persönlich finde es fragwürdig ob man nach dem Gebrauch von bspw. Ritalin nach großen Stresssituationen wie dem Abi, dem Physikum oder “alltäglichen” Herausforderungen wieder selbstständig reduzieren kann.
Die stoffliche Abhängigkeit ist, soweit Ich gefunden habe, nicht sonderlich groß bzw. bewiesen. Allerdings ist der für den Verbraucher psychologische Effekt, das er schwierige Prüfungen besteht, viele Aufgaben bewältigen kann (unabhängig davon ob er oder die Gesellschaft es für nötig halten) und mental fitter ist, ein mindestens genauso wichtiger Faktor für die Langzeiteinnahme. Denn Wir stehen doch immer wieder vor Herausforderungen, die wir bewältigen wollen (oder müssen (; ). Wenn Ich natürlich die Erfahrung gemacht habe, dass es mit bspw. Ritalin besser läuft, greife Ich doch viel leichter und öfters zu. Wenn etwas dann ohne Unterstützung nicht funktioniert werde Ich es beim nächsten mal lieber mit Unterstützung versuchen. Denn niemand versagt gerne. Oder?

Zu dem ideologischen Vorurteil von Herrn Friedrich:
Stimmt irgendwo, wobei mit Langzeitwirkung glaub Ich eher auf die unerwünschten anderen Wirkungen bei bspw. jahrelanger Einnahme die Rede ist. Das ist zum einen schwierig vorherzusagen ohne Studien an Gesunden mit einem dafür nicht zugelassenen BTM-Mittel.
*off-topic: Zum anderen erinnert mich das an die Amerikaner, die anfänglich Antibiotika in ihre Zahnpasta gemacht haben um Krankheiten vorzubeugen. Was dann allerdings zu Resistenzen gegen das Antibiotikum geführt hat. Die Idee hätte auch jedem anderen Land passieren können, oder ist passiert. Nur so als Beispiel.

Aber Doping im Leistungssport als Berufssportler ist auch nicht erlaubt, weil dadurch die Wettkampfergebnisse verzehrt werden. Und wird das nicht bei Ritalineinnahme und Berufseinstellungstests/Prüfungen auch gemacht?
Über eine Antwort von Ihnen würde Ich mich freuen!

#9 |
  0
Gast
Gast

Das Problem ist, glaube ich, dass das Erreichen der eigenen Grenzen heute nicht mehr akzeptiert und wahrgenommen wird. Die Gesellschaft übt einen so großen Druck auf den einzelnen aus, dass man nur mit Abi und Studienabschluss was “wert” ist, dass viele Menschen in diesen Substanzen ihre einzige Rettung sehen. Man muss im Leben aus meiner Sicht auch mal akzeptieren können, dass gewisse Dinge nicht gehen. Wenn man kognitiv nicht für ein Abi geeignet ist, dann ist das eben so. Dann macht man halt eine Ausbildung- es gibt genug hochwertige Ausbildungsberufe, mit denen man auch Karriere mache kann. Dieser widerliche Trend wird sich wahrscheinlich erst umkehren, wenn die Gesellschaft wieder mehr Individualität zulässt und nicht immplizit den Konsens vermittelt, dass man es als Mensch im Leben nur mit Abi und Studienabschluss zu etwas bringen kann. Das zweite Problem ist auch, dass Abi und Studienabschluss nicht mehr reichen- es muss dann auch immer gleich die Bestnote sein. Das Ganze wird dann beliebig ad absurdum gesteigert. Vielleicht dreht sich der ganze Trend irgendwann wieder um, wenn man merkt, dass es nach oben hin keine Luft mehr gibt. Irgendwann kann man auch unter Ritalin keine zusätzliche Leistungssteigerung mehr erreichen- wobei ich auch nicht zu beurteilen vermag, was daran jetzt Placebo ist, und was tatsächlich dem Wirkstoff und seiner Wirkung zugeschrieben werden kann. Ich selbst habe ADHS und nehme dagegen seit Jahren Ritalin. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man dieses Zeug, wenn man es nicht unbedingt braucht, freiwillig nehmen kann! Wenn ich überdosiert bin, ist das ein schreckliches Gefühl- von Tachykardie, Übelkeit bis extremer (Todes)angst ist da alles möglich. Für Nicht-ADHSler müsste die Wirkung ja quasi mit einer Überdosierung zu vergleichen sein, weil sie ja kein Transmitterdefizit haben. Furchtbar! Mir tun solche Leute nur leid. Da ist doch jetzt schon absehbar, dass da irgendwann sehr große psychische und physische Einbruch kommt.

#8 |
  0
Gast
Gast

An Gast #5
Vielleicht sollten Sie auch keine voreiligen Schlüsse ziehen und Leute vorverurteilen die Sie nicht kennen.
Es ist sicherlich etwas überspitzt formuliert aber es ist doch heute so, dass man oft keine andere Wahl hat.
Das System gibt den Rhythmus vor und wer dem entfliehen will, der muss entweder gänzlich aussteigen und sich irgendwo als Einsiedler und Selbstversorger zurückziehen oder selbst das System bestimmen (zum Teil).
Beides verlangt nach sehr tiefen Einschnitten die die meisten Menschen nicht können oder nich wollen eingehen.
Das Beispiel der 28-jährigen Studentin ist doch sehr gut gewählt um das zu erklären. Sie kann es sich halt schlicht nicht leisten…
Man kann jetzt darüber spekulieren oder philosophieren ob es denn nicht in ihrer Entscheidungsgewalt liegt dass Studium halt abzubrechen wenn sie es nicht ohne chemische Hilfe schafft. Kann man das? Darf man das? Will man das?
ich habe mit Sicherheit in der Vergangenheit Fehler gemacht und für alle bin ich dankbar (auf einige auch heute noch stolz), denn sie machen einem zu dem Menschen der man ist. ich bin auch ganz ruhig und nur manchmal gefrustet.
Hauptsächlich frusten mich solche Aussagen, wie die Ihre (siehe oben mit urteilen und so…), aber das hält nicht lange an ;-)
Wie unsere Gesellschaft funktioniert kann man nur zu einem geringen Teil mitbestimmen, nämlich in dem man bei dem Teil der Gesellschaft anfängt den man im Spiegel sieht (ja das ist auch manchmal frustrierend).
Aber was mich noch immer wütend macht, ja auch ein wenig aufregt, ist dieses Verlangen von Teilen der Gesellschaft, nach immer mehr, nach immer mehr Leistung und besonders gefährlich wird dies, wenn unsere Kinder davon beeinflusst werden – Stichwort: Du bist nur was wert, wenn du was leistest.

#7 |
  2
Gast
Gast

Ein kleiner Fehler findet sich im Artikel. De Konsum Ritalins ist nicht illegal (dies gilt auch für Heroin und jedes andere Betäubungsmittel), sondern nur Erwerb und Besitz.

#6 |
  1
Gast
Gast

An Gast #3/4
Vielleicht sollten Sie sich erstmal beruhigen. Man entscheidet zum Schluss immer noch selbst, wie viel die Gesellschaft einen “erdrückt”. Man sollte einfach so leben, so weit man es ertragen kann. Wenn Sie in der Vergangenheit einen Fehler begangen haben, müssen Sie den halt ausbaden, aber lassen Sie ihren sichtlichen Frust nur an sich selbst aus. Danke.

#5 |
  19
Gast
Gast

Wir setzen uns auch selbst unter Druck, oder lassen uns unter Druck setzten. Wir lassen uns doch einreden, dass, wenn man nicht maximale Leistung bringt, kein liebenswerter Mensch ist.
Vor kurzem musste ich noch eine Werbung für das Ehrenamt sehen. Dort wird einem doch ganz klar gesagt: “DU bist ein fauler Sack, andere Menschen riskieren unentgeltlich für dich ihr Leben, schämen sollst du dich”
Ja klar, neben dem Schichtdienst muss man sich also auch noch ehrenamtlich engagieren, Flüchtlinge eigenhändig aus dem Mittelmeer fischen und dabei noch Friedensverhandlungen mit dem Nahen Osten führen. Dann sollte man auch noch ein Heilmittel gegen Krebs finden und gleichzeitig an de Seiten der Rebelle gegen Assad kämpfen, natürlich erst nachdem man eine 5-köpfige Familie aus der Nachbarschaft aus dem brennenden Haus gerettet hat, nachdem man den Grossvater reanimiert hat.
Erst dann bist du ein vollwertiges und wertvolles Mitglied dieser Gesellschaft.
Selbstredend ist man Veganer, trainiert für den Iron-Man (aber auch nur für den guten Zweck) und zieht nebenbei seine 6 Kinder gross (natürlich nach Montessori)
Sorry Leute aber wo führt das hin? Ach ja ich vergass, es gibt ja Ritalin und co.!

#4 |
  2
Gast
Gast

Seien wir doch mal alle ganz ehrlich! Reinigungskräfte, Ärzte, Pflegepersonal, Manager, Lehrer, Studenten,… Wir stehen doch alle gleich stark unter Druck. Steht das Internet still, wird beim Service-Center angerufen und es wird verlangt dass alles binnen 5 Minuten wieder funktionieren soll. Bei Amazon Bestelltes soll noch am gleichen Tag am anderen Ende der Republik ankommen. Gegen jede Krankheit muss ein Gegenmittel entwickelt werden. Krankenhäuser müssen kostendeckend mit minimalen Personal, maximale Versorgung leisten.
Wir begeben und in Wellness-Oasen wo vom Personal maximale Kundenzufriedenheit verlangt wird. Alles muss sauber und perfekt sein. Das Essen muss schmecken und gesund sein.
Wir müssen in 7 unterschiedliche Geschäfte fahren um unsere Bio-Nahrungsmittel zu kriegen. Bio-Brot, Bio-Fleisch, Bio-Tofu….
Unsere Kinder müssen in den Musikunterricht, zum Fussball, ins Ballett und danach muss man als Eltern den Kindern maximal Zeit widmen.
Ganz ehrlich, wo geht eigentlich das Personal in Wellness-Hotels in Wellness-Hotels?
Unsere gesamte Gesellschaft hat sie doch nicht mehr alle.
Selbst die Personen die hier entweder vor Ritalin warnen und/oder es verschreiben, die gleichen Personen die weniger Stress verordnen, verlangen doch von den Personen in ihrem Umfeld auch maximale Leistung, damit andere maximal gesund werden, die wahrscheinlich vorher von Leuten die maximale Leistung verlangen, maximal krank wurden.

#3 |
  2
Thomas Friedrich
Thomas Friedrich

Die Nebenwirkungen von Methylphenidat sind gering im Vergleich zu anderen, nicht-BTM-pflichtigen Volksdrogen. Wer einmal pro Woche zwei Bier trinkt, schädigt seine Gesundheit vermutlich stärker als jemand, der täglich Ritalin konsumiert. Und da den geringen Nebenwirkungen ein großer Nutzen gegenübersteht, sehe ich keinen Grund, von Missbrauch zu sprechen.

Die Behauptung, die Langzeitwirkung auf “gesunde Menschen” sei nicht ausreichend erforscht, ist jedenfalls Unsinn. Ritalin wirkt auf gesunde Menschen genauso wie auf Menschen mit ADHS.

Die Ächtung von Neuro-Enhancement beruht offensichtlich auf einem ideologischen Vorurteil und nicht auf einer rationalen Abwägung der Vor- und Nachteile im Interesse des Konsumenten. Nicht weil es ungesund oder unvernünftig ist, sondern weil es sich nicht gehört, sollen Menschen auf dieses Mittel verzichten. Obwohl es vermutlich das Leben von sehr vielen Menschen vereinfachen könnte.

#2 |
  39

Die Selbstläufer in der Medikation wie Ritalin etc. ist furchtbar, warum nehmen wir als Ärzte nicht mehr Zeit mit den Kindern und den Eltern zu reden. Ihnen anderes anzubieten, es geht ! Die Spirale, gerade auch mit den Medien zieht sich immer schneller zu, unsere Kinder leiden !!! Nicht immer nur den ” leichten ” Weg der Pharma- Verführung gehen, es lohnt sich !
Dr. Anne Steinbeck-Klose

#1 |
  16
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: