Psychopharmaka: Nachschlag für die Kleinen

26. Juli 2016
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Ärzte verordnen Kindern in Deutschland immer häufiger Psychopharmaka. Es liegt jedoch nicht an überaktiven Eltern. Ärzte verschreiben etlichen kleinen Patienten, die bereits eine Therapie bekommen haben, in den folgenden Jahren erneut Medikamente.

„Immer mehr Psychopillen für Kinder“, berichtete die Barmer GEK schon 2013 im „Arzneimittelreport“. Das Thema hat nicht an Relevanz verloren, wie Dr. Sascha Abbas und Dr. Ingrid Schubert herausfanden. Sie forschen an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Universität zu Köln. Basis ihrer Studie sind fünf Millionen Versorgungsdaten der AOK und der TK von Kindern bis zum 17. Lebensjahr.

Tendenz steigend

Die Verordnungsprävalenz stieg von 19,6 (2004) auf 27,1 (2012) pro 1.000 Kinder. Unterschiede zeigen sich bei den Wirkstoffgruppen. Wie Abbas herausfand, gab es bei Antidepressiva kaum Änderungen. Wesentlich häufiger rezeptierten Ärzte Antipsychotika (2,3 versus 3,1 Promille) und Stimulanzien (10,5 versus 19,1 Promille).

Arzneimittelreport

 

Speziell zu Methylphenidat stehen neuere Daten des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zur Verfügung. Im Jahr 2012 erwarben Apotheken 1.839 Kilogramm des Pharmakons in Form von Fertigarzneimitteln. Mittlerweile entwickelt sich der Trend leicht rückläufig. Hier unterscheiden Forscher allerdings nicht zwischen Kindern und Erwachsenen. „Der erneute Rückgang zeigt, dass wir mit den geänderten Anwendungsbedingungen für Methylphenidat auf dem richtigen Weg sind“, erklärte BfArM-Präsident Professor Dr. Karl Broich. „Der Umgang mit Methylphenidat braucht aber auch weiterhin besonderes Augenmaß, damit Patientinnen und Patienten von einer gezielten Therapie profitieren und zugleich vor unkritischer Überversorgung geschützt werden.“

methylphenidad_300dpiBroichs Wunsch scheint sich mit der Studie erfüllt zu haben. Erstverordnungen kommen häufiger als im Vergleichszeitraum von Neurologen oder Psychiatern. Gleichermaßen sank der Prozentsatz an Kinderärzten bei der Erstverordnung.

Depressive Datenquellen

Noch ein Blick speziell auf Antidepressiva. Laut Andrea Cipriani, Oxford, zeigen etliche dieser Pharmaka bei Kindern keinen Effekt. Im Rahmen einer Metaanalyse hat der Forscher zusammen mit Kollegen 34 Studien mit 5.260 Teilnehmern ausgewertet. Lediglich Fluoxetin wirkte bei depressiven Symptomen besser als Placebo. Dem standen leichte bis schwerwiegende unerwünschte Effekte gegenüber. Duloxetin, Imipramin und Venlafaxin wurden von kleinen Patienten schlecht vertragen. Bei Venlafaxin kam es sogar zu Suizidgedanken.

Cipriani sagt zu möglichen Schwächen seiner Arbeit: „Ohne Zugriff auf Individualdaten ist es schwierig, genaue Angaben über die Wirkung zu machen.“ Hunderttausende Menschen hätten weltweit an Studien teilgenommen, mit dem Ziel, Therapien zu verbessern. „Wir müssen die Privatsphäre unserer Patienten durch Regelungen und Techniken schützen“, ergänzt der Autor und moniert gleichzeitig: „Verzögerungen bei der Umsetzung solcher Maßnahmen zum Austausch von Daten haben negative Folgen für die Forschung, aber auch für Patienten.“

Jon Jureidini aus Adelaide schreibt im Kommentar, dies sei bewusst geschehen, um negative Ereignisse zu verschleiern. Bestes Beispiel ist die 2001 veröffentlichte und 2015 neu ausgewertete „Study 329“ von SmithKline Beecham, heute GlaxoSmithKline. Dabei zeigte sich nicht nur, dass Paroxetin oder Imipramin bei Jugendlichen keinen Benefit gegenüber Placebo zeigen. Vielmehr kam es unter Verum zu zahlreichen Nebenwirkungen, Selbstmord-Gedanken inklusive. Trotzdem haben Ärzte, wie Sascha Abbas herausfand, Präparate aus dieser Wirkstoffgruppe genauso oft verschrieben wie im Vergleichszeitraum. Antipsychotika und Stimulanzien schnellten sogar nach oben.

Schlucks nochmal, Sam

Doch wie lässt sich dieser Trend erklären? In der Literatur finden sich keine Hinweise, dass psychische Störungen hier zu Lande zunehmen würden. Forscher verglichen die KiGGS-Basiserhebung (2003–2006) mit der „KiGGS-Welle eins“ (2009–2012). Sie fanden keine statistisch signifikanten Veränderungen der Diagnosehäufigkeit für ADHS. Auch bei sonstigen psychischen Auffälligkeiten ließen sich keine nennenswerten Trends identifizieren.

„Die Zunahme der Psychopharmaka-Prävalenzen scheint weniger auf der Anzahl an neu pharmakologisch therapierten Kindern und Jugendlichen zu beruhen, sondern dadurch bedingt zu sein, dass mehr Patienten, die bereits einmal eine Therapie bekommen hatten, in den folgenden Jahren erneut eine Psychopharmaka-Therapie erhielten“, schreibt Sascha Abbas. Von Ärzten fordert er, eine zunehmende Belastung bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu erkennen und mit sozialen, pädagogischen oder strukturellen Maßnahmen zu intervenieren. „Sonst entsteht die Gefahr, soziale und gesellschaftliche Probleme mit Medikamenten lösen zu wollen.“

Veritable Werbung

In diesem Zusammenhang spielt womöglich auch die Werbung bei Fachkreisen eine große Rolle. Laut BARMER GEK Arzneimittelreport 2013 ließen sich steigende Verordnungszahlen von Antipsychotika bei Kindern und Jugendlichen vor allem auf neuere Präparate zurückführen. Alte Arzneistoffe entwickelten sich sogar leicht rückläufig.

72 Wertungen (4.22 ø)
Forschung, Pädiatrie, Pharmazie

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21 Kommentare:

Ärztin

bitte mehr vom “Ketzer-Apotheker”!

#21 |
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Ketzer-Apotheker
Ketzer-Apotheker

@19: Drei Kinder, sieben, elf und vierzehn Jahre alt.
Meine geschilderte Lehrmethode ist zumindest hier in Schleswig-Holstein sehr verbreitet.

#20 |
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Christian Becker
Christian Becker

Lieber Herr Ketzer,
wann waren Sie denn das letzte mal in einer Schulklasse?
“Es wird von Kindern verlangt, dass sie regungslos auf ihren Stühlchen sitzen bleiben, bis der sechs bzw. acht Stunden Tag endlich vorbei ist.”
Das ist gar nicht mehr so verbreitet.
1. Müssen die meisten Schüler nach fast jeder Schulstunde den Raum wechseln (in Chemie-/ Biologie-/ Musik-/ Werk- und Kunstfachräume/ Sportplatz bzw. halle).
2. Gibt es die großen Pausen
3. Gibt es diverse Unterrichtsformen, die es den Schülern erlauben, sich zu bewegen und die an den Seminaren von den Referendaren auch eingefordert werden. Machen Sie als Referendar mal Frontalunterricht, bei dem die Schüler “still auf ihren Stühlchen” sitzen müssen und freuen sich anschließend über eine Note, die im besten Fall “ausreichend” lauten wird.

Problematisch ist es eher, wenn man tatsächlich mal von den Schülern verlangt, für eine Schulstunde still zu sitzen. Das gelingt vielen nicht – mittlerweile ist es so weit, dass es sogar Studenten zu viel ist, mal in einer Veranstaltung 45 Minuten einfach dazusitzen und zuzuhören, von 90 Minuten ganz zu schweigen.

In Sachen ADHS und dessen Medikation bin ich allerdings auch skeptisch und ich denke, dass ADHS als Diagnose und Methylphenidat und Co. als bequemes Mittel von vielen Eltern gerne angenommen wird. Schlechte Leistungen in der Schule? Mein Kind hat ja ADHS. Aber mit den Tabletten wird es besser…

@Andreas Ekkert
:D
Und man hat auch noch einen tollen Oberkörper.

#19 |
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Gast
Gast

Adhs gibt es nicht wie der Kollege schon beschreibt unten aber wo eine DG entstanden ist gibt es auch ein Medikament.

#18 |
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@ Ketzer:
Ich glaube auch nicht an ADHS…
Schaut man sich einmal die Geschichte des Methylphenidat an, so fällt auf, dass das Argument, einen “Pusher”, ein Amphetamin-Derivat GEGEN eine sog. Hyperaktivität einzusetzen, zunächst eine postulierte “paradoxe Wirkung bei Kindern” war. Dass also, was Erwachsene anscheinend hyperaktiv werden lässt, bei Kindern das Gegenteil erzeugen sollte. Als es dann für “ADHS im Erwachsenenalter” zugelassen wurde, war keine Rede mehr von diesem Sachverhalt…..
Viele Ärzte verschreiben Methylphenidat ausschließlich während der Schulzeiten und sagen den Eltern, dass es am Wochenende sowie in den Ferien nicht genommen werden muss. Handelte es sich bei ADHS WIRKLICH um eine Pathologie mit einer “gestörten” Ausschüttung irgendeines Transmitters, so frage ich mich, ob es dem Transmitterstoffwechsel nicht völlig egal ist, ob gerade Wochenende ist oder nicht…..

#17 |
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Andreas Ekkert
Andreas Ekkert

Die beste Therapie gegen Depressionen-mindestens 3-Mal täglich 200 Liegestützen.

#16 |
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Ketzer – Apotheker
Ketzer – Apotheker

Jaja, ich weiß, ich mache mich erneut unbeliebt, aber hier meine Ansicht:
Wir leben in einer (Hoch-)leistungsgesellschaft, wo bereits den allerkleinsten mit Nachdruck engebleut wird, dass sie LEISTUNG erbringen müssen, immer, überall, jederzeit.
Es wird von Kindern verlangt, dass sie regungslos auf ihren Stühlchen sitzen bleiben, bis der sechs bzw. acht Stunden Tag endlich vorbei ist.
Dann haben sie sich ordnungsgemäß zu erheben und in Reih und Glied nach Hause zu marschieren, wo sie bis abends um zehn Hausaufgaben machen müssen, da wöchentlich irgendein Test oder eine Lernzielkontrolle ansteht.
Dass Kinder schlechte Zombie abgeben, merkt man in den Anfängen des Kindergartens, wo spielen und toben noch erlaubt sind.
Dann kommt die Einschulung und die Kinder können ihrem natürlichen Bewegungsimpuls natürlich nicht unterdrücken, wie auch?
Sie fallen aus dem Idealbild eines braven, stillen, lernfähigen, und das wichtigste, einem absolut hörigem Kinderzombie heraus, sie stören die heilige Integrität von Lehrer, der ja ein vorschriebenes Pensum schaffen muss und den anderen Kindern.
Was liegt da näher, die aufmüpfigen Kinder so umzupolen, dass sie in die Gesellschaft passen?
Da gibt es ein paar lustig bunte Tabletten und, o Wunder, das Kind funktioniert wie gewünscht.
Jeder Standeskollege aus der Pharmazie sollte noch einmal einen neueren Pharmakologie – Kurs besuchen und sich fragen, was die ganzen Tabletten mit unseren Kindern anstellen.
Sie verändern den Gehirnstoffwechsel, das steht fest.
Kann mir irgendjemand sagen, warum es Medikinet adult gibt?
Ein erfundenes Mittel für eine erfundene Erkrankung, damit unsere Kinder von der Pike auf zu Gehorsam und Obrigkeitshörigkeit erzogen werden.
Erkennt die Zeichen!

#15 |
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Dazu gäbe es leider sehr viel zu sagen…
Zum ersten möchte ich die Frage aufwerfen, ob auch im Falle von Erwachsenen ein wirklich deutlicher Effekt von SSRI gegenüber Placebos gezeigt werden konnte. Vor vielen Jahren wurde bereits unter Berücksichtigung auch nicht in großspurigen Fachjournalen veröffentlichter Daten aud der FDA-Datenbank in großen Metaanalysen die Überlegenheit von SSRI gegenüber Placebos begründet bezweifelt. Daraufhin regierten die “SSRI-Befürworter” mit folgender Argumentation: “Danke für den Hinweis darauf, doch ist das kein beleg dafür, dass die Medikamente nicht überzeugend wirken, sondern wir müssen unsere Messverfahren überdenken”. Sicherlich auch richtig und eine wirklich in Betracht zu ziehende Möglichkeit, doch wie das dann geschehen ist…..
Da wurden dann die Fragebögen teilweise auf eine einzige Frage reduziert: “Fühlen sie sich depressiv?”
Dann waren plötzlich die SSRI wieder überlegen….. Kein Wort davon, dass es sich hier um manchmal jahrelang antherapierte Patienten handelte, die aufgrund der SSRI nun einen – ich nenne es mal “Serotonin-Entzug” (durch SSRI kann es, soweit sie die Serotonin-Wiederaufnahme tatsächlich hemmen, was in vivo auch noch nicht ausreichend belegt ist, zu einer Hochregulation der Serotoninrezeptoren postsynaptisch kommen, was nach Absetzen zu einem relativen Serotonin-Mangel führen kann. So zumindest könnte man sich unter Berücksichtigung der gängigen Hypothesen die Nebenwirkungen erklären sowie das Auftreten einer pathologischen Verstimmung nach Absetzen….)
Diese Patienten merken dann den Unterschied zwischen Placebo und dem echten Wirkstoff natürlich. Ferner scheint es so zu sein, dass die -wenn überhaupt geringen- Vorteile, die ein SSRI gegenüber einem Placebo aufweist, durch Nebenwirkungen entstehen. Die Patienten könnten anhand der Nebenwirkungen feststellen, dass sie sich nicht in der Placebogruppe befinden. Dieser Effekt wird auch “Super-Placebo” genannt. Auch anderswo konnte gezeigt werden, dass ein Placebo mit Nebenwirkungen einen Vorteil in der Behandlung gegenüber einem Placebo ohne Nebenwirkungen hat, allerdings nur, wenn die Nebenwirkungen nicht allzu stark sind. Der Patient glaubt sich anscheinend dann in der Medikamentengruppe, was den Placeboeffekt zu verstärken scheint. Sind die Nebenwirkungen allerdings zu heftig, scheint das Medikament bzw. das Placebo abgelehnt zu werden, solange bemerkt wird, dass es sich um Nebenwirkungen handelt.
Soweit zur Placeboforschung bzw. meinen Einsichten darin….

Ein weiterer Faktor ist mit Sicherheit psychosozialer Natur. Und da würde ich keinesfalls ausschließlich die “Kritikfähigkeit der Eltern” bemängeln. Zum Ersten gibt es DIE Eltern aus meiner täglichen Erfahrung gar nicht und ich erlebe das als Kinderarzt als ein Schutzargument von Kollegen. Die meisten Eltern sind in aller Regel besorgt – und das zu recht. Wird ihnen doch vermittelt, wie ihr Kind zu funktionieren hat….
Betrachtet man hierzu einmal die “Drogenentwicklung” der letzten Jahre, wird deutlich, was es vielen Jugendlichen bedeutet, zu “funktionieren”. Waren in den 70gern und 80gern noch Drogen angesagt, mit denen die Konsumenten das gefühl hatten, “für einen Moment auszusteigen”, so hat sich das Gleichgewicht zu Substanzen verlagert, mit denen man “besser funktioniert”, also vom “Downer” zum “Pusher”. Wenn das ganze dann noch als Medikament verpackt wird, sinkt die Hemmschwelle zum Konsum, vor allem, wenn ich das Problem beim Individuum suchen soll und nicht in einer Interaktion mit seiner Umwelt. Unsere Interaktionen mit unserer Umwelt sind vermutlich gestört, nicht jedoch unsere Seelen, unsere “Psyche”. Aber mit der Projektion des Problems in das Individuum, brauch ich nur wenig Refelktionsvemögen. Ich habe einige Familien gesehen, die nach meiner Auffassung unmöglich mit ihren Kindern umgegangen sind und als es dann eine Diagnose gab, brauchten sie nicht mehr darum zu scheren, nicht ihre Erziehung hat dieses oder jenes bewirkt oder gar eine soziologische Konstellation, sondern das Kind hat ja eine Störung, eine Krankheit. Darauf wird dann alles geschoben, dass es mit seiner Umwelt nicht adäquat interagiert, dass ich als Eltern, Lehrer, Arzt womöglich versagt habe, all das hat keine Bedeutung, das Kind ist ja krank, es KANN dieses oder jenes gar nicht KÖNNEN. Aber es gibt da ja zum Glück ein Medikament…….
Das Versagen einer ganzen Gesellschaft wir so in Individuen projiziert, die unser Versagen spiegeln, naiv zwar und unbewußt, doch wir könnten uns fragen, was bei uns eigentlich schiefgelaufen ist, wenn wir das Verhalten unserer Kinder betrachten. Ich möchte damit nicht sagen, dass es keine krankheitsbedingten Einschränkungen von Ressourcen gibt, denn das wäre schlicht und einfach nicht wahr, ich möchte damit lediglich darauf hinweisen, dass wir gar nicht erst versuchen, Ressourcen adäquat und individuell einzuschätzen. Wenn alle verrückt sind, und das als normal bezeichnet wird, ist das Normalsein halt verrückt. Vielleicht gehört vieles von dem, was wir behandeln -Depressionen, Hyperaktivität und einige andere- zu einem normalen Empfindungsspektrum des Menschen unter gegebenen Bedingungen und wir nehmen einigen Menschen etwas, wenn wir ihnen das nehmen. Und ich kenne einige Psychologen, die sich lange damit beschäftigen, Menschen zu einem Anerkennen und einem gesunden Umgang mit ihrem krankgewordenen Empfinden zurückzuführen…..

#14 |
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Gast
Gast

Dann sind ja alle langfristig glücklich. Die Pharmaindustrie verdient ab 10 Jahren bis ins hohe Alter, denn die Cocktails werden selbstverständlich auch im Studien- und Berufsstress nicht abgesetzt. Die Eltern haben Kinder, die funktionieren, auch wenn man s ich nicht um sie kümmert. Die Leistungs- und Konsumgesellschaft hat Mitglieder die funktionieren. Huxley läßt grüßen.

#13 |
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Nichtmedizinische Berufe

Noch gar nicht klar ist die Quellenlage, dass Psychopharmaka bei Jugendlichen eventuell nicht nur zu Auto- sondern auch Fremdaggression führen können, wie Amokläufen. Hier ein Artikel aus dem Jahr 2009(!), der bereits vor dieser Gefahr warnt http://www.arznei-telegramm.de/html/2009_04/0904040_01.html

#12 |
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Dr. rer. nat. Herzberg, Heilpraktikerin
Dr. rer. nat. Herzberg, Heilpraktikerin

Leider ist die Verordnung von Psychopharmaka bei Kindern mit steigender Tendenz zu beobachten, zeigt es doch die Hilflosigkeit vieler Eltern und Ärzte mit seelischen Problemen bei Kindern umzugehen. Dabei geht es auch anders: Ursachenermittlung steht im Vordergrund. Dazu gehört sowohl die Bestimmung des Mikronährstoffstatus als auch die Ermittlung anderer Ursachen wie z.B. Untersuchungen stressauslösender Faktoren. An dieser Stelle möchte ich die Problematik von Energiedefiziten bedingt durch eine gestörte Mitochondrienfunktion erwähnen. Hiermit lassen sich weitaus optimalere und für das Kind schonendere Therapieoptionen ableiten.

#11 |
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Wenn das Vorzeigekind nicht funktioniert wie es soll, wird im Hirnstoffwechsel herum gepfuscht, bis es akzeptable Verhaltensweise zeigt. Was man im Gehirn anrichtet interessiert niemanden. Solchen Eltern sollte man das Sorgerecht entziehen.

#10 |
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Apotheker

Leider sind genannten Fakten wenig hilfreich, besonders die Umrechnung eines Fertigarzeimittels in KG Wirkstoff/Jahr. Was ist mit Psychopillen gemeint ? Welche Wirkstoffe (ATC) werden als Psychopillen definiert ? Um zur Indikation ADHS zu kommen, 2004 war Methylphenidat ausschliesslich für Kinder und Jugendliche zugelassen, jetzt auch seit 2011 für Erwachsene. Schade, dass nicht die DDD´s pro Altersgruppe dargestellt werden. Zitat Fachinfo Ritalin:” Dieses Arzneimittel darf nur unter der Aufsicht eines in der Behandlung von verhaltensstörungen bei Kindern und oder Jugendlichen erfahrenen Arztes erfolgen.” Es ist nicht fair, den Hausärzten zu unterstellen, dass sie ohne diese Vorgaben einzuhalten OFF Label verordnen. Schön wäre es, wenn Herr von Heuvel einmal anhand der beiden Arzneiverordnungsreporte 2015 dieses Thema noch einema aufgreifen würde. Vielleicht würde man das ärztliche Handel differenzierter betrachten

#9 |
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Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA)

Herr Hans Ulrich Kuhn: was bleibt in der Aussage unverstädlich? Vielleicht hilft ihnen die Originalstudie auf die Sprünge…

“When considering the risk–benefit profile of antidepressants in the acute treatment of major depressive disorder, these drugs do not seem to offer a clear advantage for children and adolescents. Fluoxetine is probably the best option to consider when a pharmacological treatment is indicated.”

Quelle:
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(16)30385-3/abstract

#8 |
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Alles gute Kommentare! Noch nicht angesprochen wurde natürlich, dass die Pharma Industry ein großes Interesse daran hat, dass wir unseren Kids Pillen geben, anstatt viel Zeit und Energie damit aufzuwenden Ihnen zuzuhören, mit ihnen gemeinsam ihre Störungen zu durchleben und im kontinuierlichen Eltern Kind Dialog zu stehen, bis die kleinen mal groß sind. Die Kids sollen halt funktionieren und das schnell, damit wir wieder alle normal sein können und wie erwartet funktionieren. Die hier präsentierten Zahlen belegen leider nur eine unheilige Allianz zwischen Eltern, die eine schnelle vermeintlich einfache Lösung wollen, Ärzten die keine Zeit haben und sich nicht trauen den Eltern eine unangenehme Wahrheit ins Gesicht zusagen und der Pharmaindustrie, die ja nur für alle eine einfache schnelle Lösung liefert.

#7 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ulli Kuhn

Medizinisch Interessierter

Woher hat Herr Heuvel die Meinung, ich zitiere: ‘Lediglich Fluoxetin wirkte bei depressiven Symptomen besser als Placebo’? Und alle weiteren SSRIs wirken höchstens so wie Placebo – im Umkehschluss? Da kann doch was nicht stimmen! Schlecht recherchiert?

#6 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Ja, was soll man da tun Frau Dr. Habersetzer? Ihre Fage ist nur allzu berechtigt. ich denke, daß zu allererst Ärzte genauer hinschauen müßten…und das ist wohl in der alltäglichen Praxis nicht möglich..eine genaue Anamnese zu erstellen, bzw. mehrere ausführliche Gepräche zu fürhren… die Hilfe einer Erziehungsberatung anzuraten, wobei da auch der Schuss nach hinten los gehen kann, wenn man an eine staatliche Stelle kommt und die “verkehrten” Personen erwischt…das Kind ist schneller weg als du schauen kannst… da ist auch der Staat gefordert..Körperlich gesunde Kinder, die auf diese Art und Weise “Hilfe” benötigen, müssen immer zuerst auf Ihr Umfeld hinterfragt werden. Ich bin selbst 5 fache Mutter/ exam. Krankenschwester und habe natürlich auch meine Erahrungen. Und diese sind leider nicht immer positiv.Der “Zeitfaktor”, sowie die fachl. Qulifikation spielen eine übergeordente Rolle. Leider gibt es immer mehr Ärzte die Ihre “Kompetenzen” überschreiten und einfach munter darauf los therapieren. Zum Leidwesen von kleinen und großen Patienten. Man kann nur persönlich die Menschen ansprechen, wobei ja immer noch ein Arzt “prinzipiell alles richtig macht”, so die Einstellung der Leute. Obwohl heutzutage der Informationsfluss für jeden zugänglich ist, gibt es eben immer noch viel zu viele Menschen die sich einfach auf die Meinung oder Handlung von einem einzelnen Menschen verlassen. Es gibt viele gute Ärzte, aber auch viele schwarze Schafe, oder sagen wir vielleicht, unverantwortliche schwarze Schafe :)

#5 |
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Hans-Peter Schwarz
Hans-Peter Schwarz

Bei Jugendlichen können einige Psychopharmaka zu Enthemmung und aggressiven Durchbrüchen führen, gesteigert noch durch wechselnde Compliance (abruptes An- oder Abfluten statt ausschleichen oder langsamem Dosisaufbau) und zu wenig Feedback über Nebenwirkungen mit dem verordnenden Arzt, der im Übrigen auch etwas mehr Zeit brauchen könnte.
Bei den Terrorereignissen der letzten Zeit ist immer wieder stigmatisierend von “psychischen Problemen” die Rede, die Rolle von Psychopharmaka- Einflüssen fällt komplett unter den Tisch. Wir brauchen valide Toxikologische Ergebnisse von jedem Amok-Läufer und müssen aus den Ergebnissen verdammt viel lernen

#4 |
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Gast
Gast

Eltern das Smartphone wegnehmen? Und den Kindern auch…..
Mal nach draußen gehen und zum Beispiel Plastikabfall aus der Natur sammeln, die letzten Bienen anschauen, die Schmetterlinge zählen, das kann heute jedes Kleinkind, denn es muß nicht weiter als bis 3, gelegentlich bis 4 zählen können…

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Medizinjournalist

Ein Armutszeugnis für die Ärzteschaft. Darunter leiden nämlich auch jene Ärzte, die ihr Handwerk noch verstehen und wissen, wie man Ethik buchstabiert.

Diese Bevorzugung von Psychopharmaka schon bei Kindern outet die Verordner als gewissenlose Stümper, die in ihrer Verlegenheit wg. mangelnder Kompetenz, sich dieses Kapitulationssymptom der eigenen Unfähigkeit antun müssen und ihre Inkompetenz den kleinen Patienten und deren Eltern.

Da bevorzuge ich doch einen ethisch und fachlich kompetenten Heilpraktiker.

#2 |
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Schlimm, leider alltägliche Erfahrung. Wie kann man bloß die Kritikfähigkeit der Eltern fördern?

#1 |
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