Die heilenden Hände der Vitiligo

14. Juni 2016
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Menschen mit der „Weißfleckenkrankheit“, Vitiligo, erkranken seltener an schwarzem Hautkrebs. Ein möglicher Weg zur Behandlung dieser Krebsart könnte es sein, mit dem Stoff Monobenzon Vitiligo auszulösen und hierdurch natürliche Killerzellen zu aktivieren.

„Man möchte also eine weniger schlimme Erkrankung als Waffe gegen den Schwarzen Hautkrebs einsetzen“, sagt Dr. Jasper van den Boorn vom Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie der Universität Bonn, der zuvor in seiner Doktorarbeit an der Universität von Amsterdam diesen Zusammenhang erforscht und die prinzipielle Machbarkeit dieser Option nachgewiesen hat.

„Allerdings war bislang der anfängliche Mechanismus unklar, wie das Immunsystem die Monobenzon-exponierte Pigmentzellen als gefährlich erkennt und angreift“, berichtet Prof. Dr. Veit Hornung von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bekannt ist, dass Monobenzon eine kontaktsensibilisierende Wirkung auf die pigmentierte Haut hat: Prinzipiell ist dieser Stoff alleine inaktiv.

Kontaktallergen muss erst an Tyrosinase andocken

Erst wenn Monobenzon an die Tyrosinase andockt, entsteht daraus ein sogenanntes Hapten in der Pigmentzelle. Die entstehende körperfremde Struktur kann das Immunsystem nun spezifisch aktivieren. Diesen Weg vollzogen die Forscher der Universität Bonn im Detail an Mäusen nach, indem sie mehrfach hintereinander Monobenzon in niedrigen Dosen auf die Haut der Nager aufbrachten.

Wie die Immunabwehr der Tiere auf dieses Hapten reagierte, verblüffte die Forscher. „Normalerweise mobilisiert das Immunsystem eine Mischung verschiedener weißer Blutzellen, um hapten-exponierte Gewebe anzugreifen“, berichtet Dr. van den Boorn. „Die mehrfache Monobenzon-Exposition brachte aber nur die natürlichen Killerzellen dazu, Pigmentzellen zu erkennen und zu attackieren.“ Bisher wurde den Killerzellen von der Wissenschaft in Abrede gestellt, über ein immunologisches Gedächtnis für körpereigene Gewebe zu verfügen und diese spezifisch attackieren zu können. Dieses Phänomen wurde bislang nur den T- und B-Lymphozyten zugeschrieben.

„Unsere Ergebnisse zeigen jedoch eindeutig, dass die natürlichen Killerzellen ebenfalls eine nachhaltige und effektive Immunreaktion gegen körpereigene Pigmentzellen und damit auch gegen schwarze Hautkrebszellen bewerkstelligen können“, sagt Prof. Dr. Gunther Hartmann, Direktor des Instituts für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie der Universität Bonn. Diesen Beweis erbrachten die Forscher, indem sie den Versuch an Mäusen wiederholten, die keine T- und B-Lymphozyten bilden konnten. Trotzdem kam es bei den Tieren zu den weißen Flecken im Fell, sowie zur Vernichtung von schwarzen Hautkrebszellen, weil die Natürlichen Killerzellen die Pigmentzellen angriffen.

Das NLRP3-Inflammasom dient als Kontrollpunkt

Für diese Immunantwort musste erst noch ein Kontrollpunkt grünes Licht geben: das NLRP3-Inflammasom. „Es handelt sich dabei um einen Proteinkomplex, der mehrere Signalinformationen in Makrophagen, das sind spezielle Fresszellen im Gewebe, zusammenführt. Diese Zellen entscheiden dann, ob Immunzellen sowie die natürlichen Killerzellen den Marschbefehl erhalten“, erläutert Prof. Dr. Veit Hornung.

Setzten die Forscher diesen Kontrollpunkt außer Gefecht, dann löste das Monobenzon-Tyrosinase-Hapten nicht die gewünschte Immunreaktion aus. Die Resultate eröffnen möglicherweise neue Therapieoptionen für die Behandlung des Schwarzen Hautkrebses, zeigen eine neue Art der Immunerkennung und könnten sogar neue Einblicke in das Entstehen von Vitiligo liefern.

Originalpublikation:

Inflammasome-dependent induction of adaptive NK cell memory
Jasper G. van den Boorn et al.; Immunity, doi: 10.1016/j.immuni.2016.05.008; 2016

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Dermatologie, Medizin, Onkologie

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