Apothekenhonorar: Der Rubel im Anrollen

14. Juni 2016
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Schon beim Pharmadialog kündigten Gesundheitspolitiker an, die Vergütung apothekerlicher Leistungen zu überarbeiten. Jetzt kommt endlich Bewegung in das Thema – und Standesvertreter versuchen, den Ball am Rollen zu halten.

Viel Uneinigkeit in Berlin: Vor mehreren Wochen hatten die Regierungsfraktionen von Union und Sozialdemokraten Ergebnisse des Pharmadialogs vorgestellt. Zwar ging es nicht in erster Linie um öffentliche Apotheken. Trotzdem streiften CDU/CSU und SPD das Thema. Dass Anpassungen überfällig sind, hat sich längst bis nach Berlin herumgesprochen.

Abwarten oder handeln?

Regierungsvertreter schlugen bessere Vergütungen für Rezepturen und BtM vor. Davon fühlten sich etliche Parlamentarier übergangen. Sie veröffentlichten fast zeitgleich ein eigenes Positionspapier und empfehlen, den Apothekenzuschlag von aktuell drei Prozent bei Hochpreisern zu deckeln.

Wie DocCheck erfahren hat, gab es innerhalb der CDU/CSU weitere Gespräche zum Thema. Alle Beteiligten haben sich verständigt, sowohl die Gebühren für Rezepturen und BtM als auch die Deckelung weiterzuverfolgen – mit ungewissem Ausgang. Auch bei der SPD denken Gesundheitspolitiker laut über Reformen des Honorarmodells nach. Die Zeit drängt: Als letzte Chance bietet sich Hermann Gröhes „Pharmagesetz“ an, mit dem er Resultate des Pharmadialogs umsetzen will. Ein Referentenentwurf wird in den nächsten Monaten erwartet. Was alle Akteure bremst, ist ein geplantes Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums zum Apothekenhonorar. Ergebnisse sollen noch „in dieser Legislaturperiode vorliegen“, heißt es vom BMWi.

Apothekenvergütung

Entwicklung der Apothekenvergütung im Vergleich zu sonstigen wirtschaftlichen Parametern. Grafik: ABDA

Standesvertreter machen Druck

Kollegen drängen auf eine schnelle Umsetzung. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt sagte anlässlich des „Tages der Apotheke“: „Um die Herausforderungen zu meistern, vor denen wir Apotheker gemeinsam mit unseren Patienten stehen, brauchen wir mehr Planungssicherheit von der Politik – regulatorisch genauso wie wirtschaftlich und fachlich.“ Er nennt in diesem Zusammenhang unter anderem eine regelmäßige Überprüfung der Vergütung nach einer verlässlichen Methodik sowie ein Beratungshonorar für erklärungsbedürftige Rezepturarzneimittel. „Und der Mehraufwand beim Umgang mit Betäubungsmitteln muss nach fast vierzig Jahren Stillstand endlich angepasst werden“, ergänzt Schmidt. Er wünscht sich auch „Rechtssicherheit für Dienstleistungsverträge mit Krankenkassen“ und eine fachliche Beteiligung von Apothekern an vorbeugenden Maßnahmen, Stichwort Präventionsleitfaden. Bleibt abzuwarten, für welche Maßnahmen sich Gesundheitspolitiker entscheiden.

14 Wertungen (4.14 ø)

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5 Kommentare:

Gast
Gast

Genau richtig Herr oder Frau Kollegin, Gast Nr.1!
Es muss tatsächlich dringend etwas passieren.
Denn nach langen Jahren in diversen Apotheken wird eines klar: Die Vergütung bzw. eigentlich besser die monatliche Almosenauszahlung des nichtapprobierten und damit nicht erlauchten Kreises ist einer der Hauptgründe warum niemand mehr in die Apotheke will!
Ich rate auch jedem davon ab.
Niedriges Gehalt ist eine Sache, die menschliche aber die andere.
Es wird von Apothekerseite immer vergessen dass wir keine billigen Handlanger oder Dienstmägde sind, sondern examiniertes Fachpersonal, das sich durchaus anmaßen darf alleine einen Tee abzufassen oder eine Salbe herzustellen plus Protokoll.
Und wer sich dann noch regelmäßig von Kundenseite bepöbeln lassen darf, dem wird das ganze Ausmaß seiner tragischen Entscheidung einen toten Beruf zu erlernen erst dann wirklich klar.
Ich zitiere: Wenn du merkst dass dein Pferd tot ist, steig ab.

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Erdmund Toldor
Erdmund Toldor

@gast3: wenn die Deckelung der Hochpreiser erfolgt, bekommen Sie als Patient Probleme, Ihr Medikament zu bekommen. Vorfinanzierung für Kranke Kassen hat Ihre Grenzen … und die sind dann ganz schnell erreicht.

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Gast
Gast

wenn bei den Hochpreisern die 3 Prozent gedeckelt werden, muß auch die Mehrwertsteuer gedeckelt werden. Ich sehe ein, dass die Phantompreise für Arznei-Innovationen ein Problem sind. Aber 19% Steuer auf Medikamente suchen innerhalb der EU ihresgleichen.

#3 |
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Erdmund Toldor
Erdmund Toldor

Ja, die Löhne gehörten überarbeitet – ohne Frage … aber schauen Sie sich vielleicht mal oben die Graphik an. Geht dann ein Lichtchen an?

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Gast
Gast

Und wann werden endlich mal die Löhne für das Apothekenpersonal überarbeitet? PtAs haben die ganze Arbeit und müssen die Ausbildung selbst bezahlen für ein Lohn der einfach viel zu gering ist!

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