Werbeversprechen: Botanicals haben kurze Beine

10. Juni 2016
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Nahrungsergänzungsmittel pflanzlichen Ursprungs gelten als ungeliebte Konkurrenz von OTCs. Hersteller schmücken sich nur allzu gerne mit werblichen Aussagen. Jetzt fordert der BAH, Verstöße gegen Health Claims konsequenter zu ahnden.

Unzulässige Gesundheitswerbung kommt nicht nur, wie kürzlich vor Gericht entschieden, bei Kinderpudding vor. Hersteller pflanzlicher Nahrungsergänzungsmittel schmücken sich auch nur allzu gerne mit prägnanten Aussagen, obwohl es juristisch nichts zu deuten gibt. Die europäische Health-Claims-Verordnung gilt seit Ende 2006. Ziel von Politiklern war unter anderem, Verbraucher vor irreführenden, wissenschaftlich nicht belegten Angaben zu schützen. Dazu gehören auch Werbebotschaften. Mittlerweile hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit rund 200 Claims zugelassen. Doch es gibt Ausnahmen.

NEM auf Abwegen

Theoretisch greift die Health-Claims-Verordnung auch bei Nahrungsergänzungsmitteln. Botanicals scheinen hier die wenig rühmliche Ausnahme zu bilden: Seit 2010 gibt es praktisch keine weiteren Prüfungen aller schätzungsweise 2.000 verwendeten Aussagen. Laut Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) prüfe die Europäische Kommission sogar, ob Botanicals nicht dauerhaft ausgespart werden könnten. Grund genug für BAH-Experten, von der EU eine konsequente Umsetzung der Health-Claims-Verordnung für Botanicals zu fordern.

Prüfung für alle

Der Verband stellt sich damit hinter die Hersteller pflanzlicher Arzneimittel und kritisiert einen „existenzgefährdenden Wettbewerbsnachteil“, sollten Produkte weiterhin mit ungeprüften Werbebotschaften auf den Markt gelangen. Laien kennen den Unterschied zwischen Phytopharmaka und Nahrungsergänzungsmitteln nur selten. „Letztlich schaden sie dem Image der pflanzlichen Arzneimittel und schwächen ihre wirtschaftliche Bedeutung“, so BAH-Hauptgeschäftsführer Martin Weiser. Jedes sechste OTC-Präparat ist hier zu Lande pflanzlichen Ursprungs. Das entspricht einem Umsatz von 1,4 Milliarden Euro.

Politische Rückendeckung

Die Forderung des BAH kommt politisch äußerst gelegen. Die Heads of Medicines Agencies (HMA), ein Zusammenschluss der nationalen Zulassungsbehörden für Human- und Tierarzneimittel, wollen pflanzlichen Präparaten mehr Beachtung schenken. Zuletzt hatte sich auch die Bundesregierung für wissenschaftlich fundierte Gesundheitsaussagen stark gemacht.

10 Wertungen (4 ø)

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3 Kommentare:

Jochen Schönbaum
Jochen Schönbaum

Warum werden nicht endlich Health Claims für Botanicals zugelassen?! Viele Heilpflanzen werden schon seit vielen hundert Jahren von breiten Bevölkerungschichten auf der ganzen Welt genutzt. Aufgrund der Lobbyarbeit der Pharmaindustrie sind jetzt seit Jahren die Prüfungen und Vorraussetzungen für die Studien dearart komplex, undurchsichtig und teuer, so dass sich nur große Konzerne solche Studien leisten können. Das führt zu völlig paradoxen Situationen: Reine Flohsamenschalen als Arzneimittel deklariert – Unterstützung bei der Verdauung und sättigende Wirkung = Abnehmen. Die gleiche Flohsamen als Nahrungsergänzungsmittel (ohne teure Zulassung als OTC) sind laut Gesetz “wirkungsloses Pulver”. Ja es geht um Marktanteile und Geld – der gesundheitliche Nutzen ist dabei leider zweitrangig….

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Manfred Lothar Dietwald
Manfred Lothar Dietwald

Zur Zeit ist im Vorallgäu eine Salzgrottenhysterie mit Verkauf von gesundem Salz aus dem West-Himalaya im Gange, wobei das zu reine Tafelsalz verteufelt wird. Mein Argument, dass bei am Ufer angetrocknetes Salz wohl kaum die von Organismen benötigten Mineralstoffe übermässig angereichert wurden, da Meeresfische, Korallen und Bakterien sich an diesen Lagerstätten wohl kaum aufhielten und für sich nutzten. Mineralstoffe dürften aus dem Erdinnern oder durch ausgewaschenem Sand willkürlich eingelagert sein. Nur aus eingetrockneten Seen finden sich alle dort vorkommenden Mineralien, aber schichtweise nach dem Löslichkeitsprodukt. Angeblich seien diese Salze untersucht und für gut befunden in den Handel gebracht . So werden Konzentrate mit Wasser hergestellt und unbeschränkt zum Salzen verwendet.

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Heilpraktiker

“Nahrungsergänzungsmittel pflanzlichen Ursprungs”, “OTCs” und “Botanicals”: ja, das ist scheinbar schon manchmal verwirrend ;-)

#1 |
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