Paradoxe Sportwelt: Dickmacher als DFB-Sponsor

8. Juni 2016
Teilen

Ausgerechnet der Deutsche Fußballbund, der für viele Nachwuchssportler als Vorbild gilt, macht Werbung für ungesunde Zuckerbomben und Übergewicht fördernde Fast-Food-Produkte. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft fordert den DFB auf, das unverantwortliche Sponsoring zu beenden.

So prangen seit Kurzem die Konterfeis der Nationalspieler auf Cola-Dosen und auf Sammelbildern, die Großpackungen von Kindersüßigkeiten von Ferrero beiliegen. „Der DFB sollte sein Sponsoring-Konzept überdenken, um seiner Vorbildfunktion und gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden“, fordert Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Übergewicht gehört zu den großen Risikofaktoren für eine Diabeteserkrankung und viele andere Krankheiten. Es stünde dem Fußballbund daher besser an, für gesunde Produkte zu werben, so Gallwitz.

Dem DFB ist Kritik an seinen Werbepartnern wohl bekannt – jedenfalls reagiert der Fußballbund auf entsprechende Anfragen mit scheinbar vorgefertigten Textbausteinen. So liegt der DDG eine Antwort des DFB vor, die ähnlich lautend auch an andere Organisationen verschickt wurde. Darin wirbt der Fußballbund um Verständnis für die Notwendigkeit wirtschaftlicher Unterstützung durch Sponsoren und Partner und stellt dann fest: „Die (…) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter innerhalb des DFB sowie die Repräsentanten (…) sind sich ihrer Vorbildfunktion vor allem für Kinder und jugendliche Fußballanhänger (…) bewusst und nehmen diese sehr ernst.“

Kalorienbomben machen fit?

Diese Aussage zieht die DDG in Zweifel. „Die Signale, die von den aktuellen Werbebotschaften des DFB ausgehen, sind nicht vorbildlich, sondern gesundheitsgefährdend“, sagt Dr. Dietrich Garlichs, Geschäftsführer der DDG. „Mithilfe der Fußballidole wird suggeriert, dass Coca-Cola, Nutella und McDonald’s Fitness fördern und Höchstleistungen ermöglichen – das ist nicht nur eine falsche, sondern auch eine gesundheitsschädliche Botschaft.“ Schließlich handelt es sich bei diesen Produkten um Kalorienbomben, die Übergewicht fördern. So enthält eine 0,5 Liter Flasche Cola 52 Gramm Zucker, das Doppelte der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen täglichen Höchstmenge für Frauen. Ein Glas mit 400 Gramm Nutella bringt es auf 78 Stückchen Zucker, fast die Hälfte des süßen Aufstriches besteht aus Zucker.

Inzwischen werden ungesunde Ernährung und Übergewicht weltweit als das größte Gesundheitsrisiko eingestuft. „Die kalorienreichen Produkte, für die der DFB aktuell wirbt, tragen zu diesem Gesundheitsrisiko und dem Anstieg der chronischen Krankheiten bei“, stellt DDG Präsident Gallwitz fest.

Das Unternehmen Coca-Cola ist Hauptsponsor der Europameisterschaft 2016, der Süßwarenhersteller Ferrero und der Fast-Food-Konzern McDonald‘s zählen zu weiteren DFB-Kooperationspartnern während des Turniers.

21 Wertungen (4.76 ø)
Diabetologie, Medizin

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

13 Kommentare:

Dipl.oec-troph.J.Ritschel
Dipl.oec-troph.J.Ritschel

DFB_FIFA_ ich denke, das ist selbstredend, was das Finanzielle angeht. In Sachen “ungesunde” Lebensmittel sehe ich es mal sportlich: wenn ich viel Sport betreibe ist ein kleiner Teil an Kalorien durch Nutella, Cola (gibt’s beim Marathon häufig ab KM 35/38 :) oder einen leckeren Hamburger keine Sünde. Alles eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Das ist dann unser Job, aufzuklären. Ich mache das seit 30 Jahren und es macht immer noch Spaß. Aber es gibt auch Initiativen (im Netz), die sehen zB. in Milch den Beelzebub…. man glaubt das, was man glauben will….

#13 |
  0
Walter Häge
Walter Häge

Man muss diese Produkte ja nicht kaufen, denn jeder ist für sich selbst verantwortlich. Wer sich von der Werbung inspirieren lässt, dem ist eh nicht zu helfen. Und als Eltern muss eine andere Ernährung vorgelebt werden, dann erledigt sich das von alleine. WIR erzeugen die Nachfrage, nicht die Werbung.

#12 |
  0
Gast
Gast

Ist halt Werbung.

#11 |
  0

@#6 Alexander Murr: …schon gar nicht, wenn es um Schokolade geht.

#10 |
  0
Nichtmedizinische Berufe

Zu #8 Sie sollten genauer lesen. Ich schrieb …nicht ganz so ungesunde Produkte…

Bitte erst denken, dann reden / schreiben.

#9 |
  0
Gast
Gast

zu #7 bitte,was soll an Cola Zero denn nicht ganz so ungesund sein?Vielleicht der Heisshunger,den man davon bekommt?Seltsamer Kommentar

#8 |
  1
Nichtmedizinische Berufe

Da muss ich Dr. rer. nat. Frank Werner recht geben. Warum nicht u.a. Sponsoren wie z.B. Milch, Cola Zero, oder ähnliche nicht ganz so ungesunde Produkte als Werbeträger nutzen. Die heutige Generation glaubt *meist* alles, und hört auf die Werbung.

#7 |
  1
Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

Pecunia non olet…

#6 |
  0
Eva Kurzweil
Eva Kurzweil

Jaja….Geld…Geld….Geld….da ist “der Fußball” nicht ausgenommen….ganz im Gegenteil !

#5 |
  0
Dr. med. Rainer Pawelke
Dr. med. Rainer Pawelke

Dr.rer.nat.Frank Werner ! Wer solche “Know-how ” -entleerte Kommentare hier verbreitet scheint wohl ebenso, wie besagte Sponsoren ein vorrangig wirtschaftliches Interesse zu verfolgen !

#4 |
  2

Und noch was: Wenn der DFB das Sponsoring von Coca Cola braucht, muss er sich ernsthaft über die Natur seiner Existenz Gedanken machen – wozu gibt es ihn, und was ist sein Daseinszweck? Geld zu machen?

#3 |
  0

@Dr. Werner: Es gibt genug Leute, die glauben, es “gäbe in Wirklichkeit keine schlechten Lebensmittel”, wenn es im Handel erhältlich ist, müsse es in Ordnung sein, man könne essen, was man wolle, solange man nur Sport treibt, etc.

Es hat mich schon immer gestört, wenn Spitzensportler vor der Kamera in Milchschnitten, Nutella-Brote oder sonstiges Zeug beißen, von dem ich genau weiß, dass sie es nicht essen (spucken sie es danach aus?). Schon die Unehrlichkeit daran.

Das Problem hat fließende Übergänge (Apfelsaft ist nicht unbedingt gut, wenn Cola schlecht ist), Unbekannte (was ist nun wirklich mit Süßstoff?) und individuelle Unterschiede (Gluten ist für mich einfach nur Eiweiß und für meine Nachbarin sehr schädlich).

Noch mehr Verwirrung braucht wirklich niemand, allerdings ist mehr nötig als nur die Werbung umzutrimmen: Aufklärung, dass ein Sack Kartoffelchips eben nichts mehr mit der gesunden Pellkartoffel zu tun hat, wäre noch wichtiger.

#2 |
  0
Dr. rer. nat. Frank Werner
Dr. rer. nat. Frank Werner

„Mithilfe der Fußballidole wird suggeriert, dass Coca-Cola, Nutella und McDonald’s Fitness fördern und Höchstleistungen ermöglichen – das ist nicht nur eine falsche, sondern auch eine gesundheitsschädliche Botschaft.“
Das ist doch Quark. Wer so ahnungslos ist, dass zu glauben der dürfte (in der Zukunft) noch ganz andere Probleme mit der Gesundheit haben.

#1 |
  9


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: